Holz ist das neue Klopapier

Die Deutsche Energieagentur macht sich Gedanken, wie ein Wasserstoffnetz in der Zukunft aussehen und vor allem finanziert werden könnte.

“Ausgangspunkt des dena-Vorschlags: Bund und Netzbetreiber bekennen sich zum beschleunigten Aufbau eines überregionalen Wasserstoffnetzes auf der Fernleitungsebene. Die Netzbetreiber erhalten den Auftrag, dieses Netz sowohl durch Neubau als auch durch die Umrüstung bestehender Erdgasleitungen zu errichten. Die Investitionsrisiken der Anfangsphase werden über ein Amortisationskonto abgesichert, in welchem Anfangsverluste und erste Einnahmen verrechnet und zu einem Stichjahr (zum Beispiel 2035) verrechnet werden. Den Rahmen liefert eine szenariobasierte Infrastruktur-Planung im Einklang mit den Klimazielen und in Rückkopplung mit der Bundesnetzagentur. Die Wasserstoffnetzbetreiber unterwerfen sich dann einer allein auf Wasserstoff basierenden Kostenregulierung durch die Bundesnetzagentur, so wie es gegenwärtig auch in der Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes vom Juni 2021 bereits vorgesehen ist („Opt-In“). Die Debatte über eine Querfinanzierung über die Erdgas-Netzentgelte wäre damit obsolet.

Die Netzbetreiber gehen beim Aufbau mit Eigenmitteln in Vorleistung. Der Staat wiederum sichert die Investition ab, indem er den Netzbetreibern langfristig die Rentabilität der Investition zusichert, indem er in einem Stichjahr (2035) im Zweifel für einen Ausgleich des Amortisationskontos aufkommt.”

+++

Another one bites the dust. Der Stahlhersteller ArcelorMittal stellt laut Tagesschau seine Produktion in zwei Werken in Deutschland vorrübergehend ein. Die Dekarbonisierung der Industrie könnte ganz anders laufen als mal gedacht.

“Davon betroffen sind die Anlagen in Bremen und Hamburg: Von Ende September an werde der Konzern bis auf Weiteres einen der beiden Hochöfen am Flachstahlstandort Bremen stilllegen, teilte das Unternehmen mit. Im Hamburger Langstahlwerk werde ab Oktober die Direktreduktionsanlage aufgrund der aktuellen Situation und der negativen Aussichten außer Betrieb genommen. “

„Die hohen Kosten für Gas und Strom belasten unsere Wettbewerbsfähigkeit stark. Dazu kommt ab Oktober die geplante Gasumlage der Bundesregierung, die uns weiter belasten wird“, sagte der Deutschland-Chef von ArcelorMittal, Reiner Blaschek. Mit einer Verzehnfachung der Gas- und Strompreise binnen weniger Monate sei man nicht mehr wettbewerbsfähig in einem Markt, der zu 25 Prozent aus Importen versorgt werde. „Wir sehen dringenden politischen Handlungsbedarf, um die Energiepreise umgehend in den Griff zu bekommen.“

+++

Polen könnte im Winter ohne Gas dastehen. Das berichtet das Handelsblatt (Bezahlartikel).

“Was die Energieversorgung betrifft, galt Polen als Vorbild. Früh im Jahr hatte Russland dem Land den Gashahn zugedreht, umgehend hatte die Regierung in Warschau Gegenmaßnahmen ergriffen. Und schließlich stand noch eine rettende Pipeline nach Skandinavien vor der Vollendung.

Doch nun herrscht Chaos. Geplatzte Verträge, Ärger mit Norwegen, technische Verzögerung, Ratlosigkeit – der nächste Winter könnte bitterkalt werden, und das Land hat keinen Plan B, um seine Bevölkerung und seine Unternehmen mit Gas zu versorgen.”

+++

Kahlschlag in den Wäldern: Ungarns Antwort auf die Gaskrise

So titelt der MDR und beschreibt, wie Ungarn sich auf einen Winter mit Gasmangel einstellt.
Die Auswirkungen auf die Natur sind eine Katastophe.

“Um den steigenden Holzbedarf zu sichern, hat die Regierung eine Verordnung erlassen, die einen nahezu uneingeschränkten Holzeinschlag in den ungarischen Wäldern erlaubt. Die Natur hat das Nachsehen. Die wichtigsten Einschränkungen zum Schutz der Wälder sind aufgehoben, die Holzfäller müssen keine Rücksicht auf die Brutzeit der Vögel und die Vegetationszeit mehr nehmen. Selbst in Waldschutzgebieten darf der Kahlschlag stattfinden. Möglich wurden diese weitgehenden Einschnitte in den Naturschutz, weil die Regierung wegen des Ukraine-Krieges einen Notstand ausgerufen hat. Damit kann sie (ähnlich wie während der Corona-Pandemie) mit Verordnungen Gesetze verändern – darunter das Natur- und das Waldschutzgesetz.”

Dazu passt ein Artikel vom Bayrischen Rundfunk:

Brennholz ist das neue Klopapier”.

“Der Brennholzmarkt ist leergefegt, auf den Internetseiten der Holzhändler ist das beliebte Buchenholz meist ausverkauft, eine Chance haben Kunden oftmals noch bei kommunalen Forstbetrieben wie dem der Stadt Bamberg. Hier kostet das Buchenholz „ab Waldstraße“ vergleichsweise günstige 77 Euro pro Festmeter – vor zwei Jahren waren es noch 59 Euro pro Festmeter. Ein Festmeter ist ein Kubikmeter fester Holzmasse, also ohne Zwischenräume.

Auch die Bayerischen Staatsforsten bieten Holzstämme pro Festmeter „ab Waldstraße an“ – wer über eine Ausrüstung, Waldschlepper und einen Motorsägenschein verfügt, kann als „Selbstwerber“ sein Holz in einem zugewiesenen Waldstück auch selbst schneiden. Der Preis richtet sich nach den Festmetern, also der Holzmenge, die der Käufer am Forstweg aufschichtet.”

+++

Das Climate Prediction Center der NOAA schätzt die Wahrscheinlichkeit auf eine weitere La Niña Situation im Herbst als relativ hoch ein. Es wäre eine ausgewöhnliche Situation, denn es wäre die dritte in Folge.

The most recent IRI plume average for the Niño-3.4 SST index forecasts La Niña to persist into the Northern Hemisphere winter 2022-23. The forecaster consensus, supplemented with the latest models from the North American Multi-Model Ensemble (NMME), concurs that La Niña is the most likely outcome during the fall and winter. While a majority of NMME models suggest that La Niña will transition to ENSO-neutral in January-March 2023, forecasters are split on this outcome resulting in equal forecast probabilities for that season. In summary, La Niña is expected to continue, with chances for La Niña gradually decreasing from 86% in the coming season to 60% during December-February 2022-23.

Man darf sich durchaus die Frage stellen, ob das Vorhersageprogramm des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung diese Entwicklung ebenfalls voraussah. Wir berichteten über eine PIK-Vorhersage aus 2019, die sich als falsch erwies. Auch Agrarheute pries damals das neue PIK-Model. Natürlich wäre es großartig für die Landwirtschaft, wenn sie sich schon mit Vorlauf auf bestimmte Bedingungen einstellen könnte.

“”Die konventionellen Methoden sind nicht zu einer verlässlichen El-Niño-Prognose mehr als sechs Monate im Voraus in der Lage“, sagte der beteiligte Gießener Physiker Armin Bunde. Eine frühere Prognose könne Landwirten in Südamerika, Asien und Australien helfen, sich auf die möglichen Folgen besser vorzubereiten.

Das verwendete Modell erlaube die Vorhersage, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent El Niño im kommenden Jahr erneut auftreten werde, schreiben die Forscher um Josef Ludescher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Beteiligt war auch die israelische Bar-Ilan Universität.

Die Forschergruppe nutzte für ihre Methode, über die sie bereits imJahr 2013 berichtet hatte, ein Netzwerk aus atmosphärischen Temperaturdaten im tropischen Pazifik. Das Verfahren bestimmt den Wissenschaftlern zufolge, wie die Temperaturen im Kerngebiet von El Niño in Äquatornähe mit denen außerhalb dieser Region verknüpft sind und gibt Alarm, sobald die Verknüpfungsstärke eine bestimmte Schwelle überschreitet.

„Der Algorithmus ist relativ einfach und kommt ohne die großenglobalen Klimamodelle aus“, erläuterte Bunde. Lediglich die Temperaturdaten in der Pazifikregion gingen in die Berechnungen ein. Über die Stärke von El Niño können die Wissenschaftler noch keine Aussage treffen: „Wir forschen im Augenblick daran, auch die Stärke vorherzusagen.””

Vielleicht trösten sich die Wissenschaftler aber mit Marc Twain.

“Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.”

+++

Mikroorganismen produzieren Wasserstoff und Methan aus Abwasser. Ein Wissenschaftler-Team aus Münster hat eine Anlage entwickelt, die aus Abwasser Wasserstoff gewinnen kann. En-former, der Energieblog von RWE stellt das Verfahren vor.

“In dem Projekt „HyTech“ untersucht das Forschungsteam, dem Rolf angehört, wie der Abbau der organischen Bestandteile im Abwasser so gestaltet werden kann, dass möglichst viel Wasserstoff und Methan entstehen. Dafür durchfließt das Abwasser nacheinander zwei Reaktoren.

Im ersten Reaktor findet „dunkle Fermentation“ statt, also der bakterielle Abbau unter Ausschluss von Licht und Sauerstoff. Dabei entsteht ein Gasgemisch, das fast ausschließlich aus H2 und CO2 besteht.

Danach wird das Abwasser im zweiten Reaktor an sogenannte Archaeen „verfüttert“. Diese urzeitlichen Mikroorganismen haben über Millionenjahre organische Überreste von Pflanzen und Tieren zu fossilem Erdgas zersetzt. Und genauso erzeugen sie auch bei der Abwasserbehandlung vor allem Methan und Kohlendioxid.”

+++

Ein neuer Service von Energy-Charts (Fraunhofer ISE). Eine Karte stellt den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromproduktion dar. Über die seitliche Navigation können die Zeiträume und auch die Quellen ausgewählt werden.

(Abbildung: Screenshot www.energy-charts.info)

+++

Euronews am 30.8.2022:

Klimawandel verursacht Flut in Pakistan: „Heißester Ort der Erde!“

[…] Klimaministerin Sherry Rehman sagte über die Begleitumstände der Flut: „Dieses Jahr lagen die Temperaturen knapp 12 Grad Celsius höher als gewöhnlich, und wir waren der heißeste Ort auf dem Planeten. Die Gletscher bersten, bei den Unwettern kam dreimal so viel herunter wie sonst. Wir hatten also einen Anstieg um 300 Prozent. Und was wir gesehen haben, ist wirklich das Ergebnis… Gletscherschmelze ist wirklich das Ergebnis der globalen Erwärmung.“

Samaa weiß es besser und berichtet seriöser:

La Niña – phenomenon causing unprecedented monsoon rains in Pakistan

Coupled with a negative Indian Ocean Dipole, La Nina is set to trigger heavy rainfall across the country

The Pakistan Meteorological Department (PMD) has blamed La Nina for the recent relentless rain in the country.

La Nina, which literally means little girl in Spanish, is a weather phenomenon that refers to cooler than normal ocean surface temperatures in the Eastern and Central Pacific Ocean; this, in turn, causes heavy monsoon in our part of the world.

Currently, together with negative Indian Ocean Dipole (IOD), La Nina is expected to render “above-normal precipitation” in July.

Weiterlesen bei Samaa.

+++

Alex Reichmuth mit zwei Artikeln im Nebelspalter. Zuerst zur Kernkraft:

Wolfgang Denk: «Ich erwarte, dass der Support in der Bevölkerung weiter steigt»

Weiterlesen im Nebelspalter

Und noch einer:

Der nächste britische Premier ist für Fracking

Weiterlesen.