Historiker Joachim Radkau fordert mehr Dialog zwischen den beiden Klimalagern

Pünktlich zum Klimagipfel in Madrid gab das Umweltbundesamt (UBA) einen neuen Monitoringbericht (2019) zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel heraus (download hier). Allerdings fiel die öffentliche Präsentation des Berichts offenbar viel alarmistischer aus, als es der Inhalt eigentlich hergibt. Daniel Wetzel analysierte am 27. November 2019 in der Welt:

Das sind die Faktenschwächen des Klimaberichts

Die Bundesregierung warnt vor tödlichen Folgen der Erderwärmung. Besonders in heißen Jahren wie etwa 2015 sterben demnach rund 6000 Menschen mehr als in einem Durchschnittsjahr. Doch die Datenlage in ihrem Bericht ist unsicher – auch in anderen Bereichen.

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„Es ist nicht auszudenken, wenn sich dies in dieser Geschwindigkeit fortsetzen würde“, sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Starkregen und extreme Hitzeperioden würden „immer häufiger“.

Allerdings zeigt sich der fast 300 Seiten starke Bericht in seinen Einzelkapiteln durchaus vorsichtiger als die Politiker in ihrer Interpretation. Für Hoch- oder Niedrigwasser-Ereignisse, die in den Medien schnell dem Klimawandel zugeschrieben werden, ließen sich „signifikante Trends bisher nicht feststellen“, heißt es in der Untersuchung. „Niedrigwasser-Ereignisse: Keine klimabedingte Häufung erkennbar“, lautet eine Zwischenüberschrift in dem Bericht. Für Hagel-Ereignisse zeige sich gar „ein fallender Trend“.

Auch die Schneearmut in den Winterskigebieten sei über die Jahre betrachtet kein eindeutiges Phänomen. „Für keinen der skitouristischen Räume in Deutschland zeigt die Anzahl der Tage mit einer natürlichen Schneedecke von mindestens 30 Zentimetern einen signifikanten Trend“, stellt der Bericht klar. In allen diesen Räumen traten in den letzten knapp fünf Jahrzehnten immer mal wieder sowohl schneearme als auch schneereiche Winter auf.

Die aktuellen Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft seien differenziert zu beurteilen. Sollten sich in der Zukunft Starkregen-Ereignisse und heiße Witterungsperioden häufen, werde das örtlich zu Wasserknappheiten und geringeren Ernteerträgen führen. „Andererseits steigern ein moderater Temperaturanstieg und eine verlängerte Vegetationsperiode bei ausreichender Wasserversorgung das Ertragspotenzial“, heißt es in dem Bericht: „Außerdem können sich Bedingungen einstellen, die auch den Anbau von bisher nicht in unseren Breiten kultivierbaren Fruchtarten ermöglichen.“

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Einige Klimawissenschaftler glauben ganz fest an die von ihnen prognostizierte Klimakatastrophe. Das geht so weit, dass sie sich sogar in psychologische Behandlung begeben müssen. Einige Klimawissenschaftler sollte dann vielleicht doch lieber das Fachgebiet wechseln. Wer abends in das Kopfkissen weint über die eigenen Ergebnisse, ist schlicht überfordert.

Judith Curry analysiert die Situation und findet auf der Klimaalarmseite neben Angstphobien der Protagonisten auch Machtgelüste:

Roger Pielke Jr tweets: “The whole phenomena of climate scientists identifying evil enemies who have obstructed revolution, transformation, restructuring is not reality-based, but a reflection of power fantasies & a complete lack of understanding of how political and societal change actually happens.”

JC antidote:  focus more on being a scientist than being a politician.  You might know what you are doing as a scientist.  You are very unlikely to be effective as a politician, and your political activism will contribute to the appearance bias in your scientific research.

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Neue Zürcher Zeitung am 24. November 2019:

Historiker Joachim Radkau: «Es gehört zur Political Correctness, sich zum Glauben an den Klimawandel zu bekennen. In Wahrheit nimmt man ihn nicht ernst»

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NZZ: Ist es nicht möglich, dass sich diese jungen Leute in wenigen Jahren schon für etwas ganz anderes interessieren?

RADKAU: Die Gefahr, dass das lediglich ein vorübergehendes Phänomen ist, sehe ich durchaus. Wichtig wäre, dass sich die jungen Leute für ganz bestimmte Ziele einsetzten. Greta Thunberg sagt, alles müsse sich ändern. Genau das könnte dazu führen, dass sich am Ende gar nichts ändert. Man kann nur erfolgreich sein, wenn man sich auf etwas konzentriert.

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Halten Sie es für möglich, dass der menschliche Einfluss von manchen übertrieben wird?

Ich hoffe noch immer im Stillen, dass auch andere Faktoren mitspielen, denn wenn der anthropogene Klimawandel uneingeschränkt zutrifft, sieht die Zukunft unseres Planeten ziemlich trübe aus. Aber wenn man die Gefahr zu sehr herunterspielt, riskiert man, dass überhaupt nichts passiert. Die grosse Wahrscheinlichkeit spricht für den anthropogenen Klimawandel. Um zu handeln, brauchen wir sowieso keine 100-prozentige Sicherheit, sonst könnten wir ja gar nichts tun.

Wie sollte man mit den sogenannten Klimaleugnern umgehen? Einige Aktivisten fordern bereits Gesetze, um ihnen den Mund verbieten zu können.

Ich bedaure, dass gerade bei Intellektuellen, die sich für progressiv halten, sofort eine Jalousie herunterrasselt, wenn jemand auch nur die leisesten Zweifel äussert. Vernünftiger wäre es, den Dialog zu suchen. Stefan Rahmstorf, einer der führenden Köpfe des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, hat mit Alvo von Alvensleben, einem Skeptiker, ein langes Streitgespräch geführt, das im Internet noch immer nachzulesen ist. Rahmstorf gibt darin zu, dass manche Argumente Alvenslebens durchaus ernst zu nehmen sind. Bert Bolin, der Gründervater des Weltklimarates IPCC, stellt in einem Buch, das in seinem Todesjahr 2007 erschienen ist, offen dar, wie unsicher er selbst sich lange Zeit gewesen sei. 1995 kritisierte er noch die damalige deutsche Umweltministerin Angela Merkel für ihren angeblichen Alarmismus. Ein fulminanter Verfechter der These vom menschengemachten Klimawandel schrieb mir einmal, man sollte Bolins Buch in den Giftschrank stellen, damit Studenten es nicht läsen. Das hielte ich für grundfalsch.

Ganzes Interview in der NZZ lesen.

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Erinnern Sie sich noch an das 2-Gradziel? Das wurde zwischenzeitlich auf das anderthalb Grad-Ziel verschärft. War das 2-Grad-Ziel zu lasch? Die Carnegie Institution for Science berichtete am 1. Juli 2019, dass man die zwei Grad wohl ziemlich elegant schaffe könnte:

Two-degree climate goal attainable without early infrastructure retirement

If power plants, boilers, furnaces, vehicles, and other energy infrastructure is not marked for early retirement, the world will fail to meet the 1.5-degree Celsius climate-stabilizing goal set out by the Paris Agreement, but could still reach the 2-degree Celsius goal, says the latest from the ongoing collaboration between the University of California Irvine’s Steven Davis and Carnegie’s Ken Caldeira.

To achieve the objective of limiting warming to no greater than 2 degrees Celsius—or, more optimistically, to less than 1.5 degrees Celsius—it will be necessary to reach net-zero emissions by mid-century.

In this new paper, published in Nature with lead author Dan Tong of UCI, the team calculates that if used at the current rate until they age out of functionality, existing power plants and other fossil-fuel-burning equipment will release about 658 gigatons of carbon into the atmosphere—more than half of it by the electricity sector. China is predicted to produce the largest share—41 percent—and the United States and European Union 9 percent and 7 percent respectively.

According to the authors, future emissions from these existing facilities would take up the entire carbon budget needed to to limit mean warming to 1.5 degrees Celsius and close to two-thirds of the budget needed to constrain warming to below 2 degrees Celsius over the next three decades.

Caldeira says: “The good news is that society still has the ability to avoid 2 degrees Celsius of warming without having to retire power plants early. But we would have to stop building things with smokestacks and tailpipes that dump CO2 pollution into the sky. If the Earth warms beyond 2 degrees Celsius, it will be the result of emissions from infrastructure we have not yet built.“

However, the number of fossil fuel-burning power plants and vehicles in the world has increased dramatically in the past decade, spurred by rapid economic and industrial development in China and India. Meanwhile, efforts such as those in the U.S. to replace old coal power plants with new natural gas ones have decreased the average age of fossil fuel-burning infrastructure in the West.  

“Our results show that there’s basically no room for new CO2-emitting infrastructure under the international climate goals. And if the world is to achieve the 1.5-degree Celsius goal, existing fossil-fuel-burning power plants and industrial equipment will need to be retired early unless they can be feasibly retrofitted with carbon capture and storage technologies or their emissions offset by negative emissions,” explains Davis. “Without such radical changes, we fear the aspirations of the Paris Agreement are already at risk.”

The paper’s other co-authors are Carnegie’s Yixuan Zheng, Christine Shearer of CoalSwarm San Francisco; Qiang Zhang of Tsinghua University Beijing; and Chaopeng Hong and Yue Qin of UCI.