Headwind“21, eine Videobesprechung

Headwind bedeutet auf Deutsch so viel wie Gegenwind. Headwind“21 ist ein Film des Niederländers Marijn Poels. Die Dokumentation hatte am 23.09.2021 Premiere bei YouTube. Wir berichteten schon einmal kurz über den Film. Poels begleitet einen Ex-Berater und Ex-Banker, Alex Pohl, durch verschiedene Stationen in diesem Film. Pohl hat nach eigenen Worten in der Vergangenheit mit verschiedenen Seiten der Energieindustrien zu tun gehabt. Sowohl mit Unternehmen und Projekten aus dem fossilen Bereich als auch mit den Erneuerbaren Energien, für die er schon vor 20 Jahren gearbeitet hat. Seine anfängliche Begeisterung für die grünen Stromquellen insbesondere Wind, ist mittlerweile verflogen. Er spricht sogar von einem korrupten System und zeigt das auch im weiteren Verlauf.

Pohl nimmt Poels mit in seine schwedische Wahlheimat, wo Windkraftanlagen in unberührte Natur gebaut werden. Der ehemalige Berater spricht mit verschiedenen Repräsentanten von Verwaltung und Unternehmen aber auch Anwohnern von Windparks und Poels filmt ihn dabei. Nicht immer bekommt Pohl Antworten, manchmal sind die Antworten aber auch ernüchternd, weil sich einige der Beteiligten nicht über die Konsequenzen ihres Handelns im Klaren sind.

(Abbildung: Screenshot Youtube)

Pohl kritisiert den Flächenverbrauch für Windkraft vor allem das Zerschneiden von Wäldern durch den Bau von Zuwegungen. Außerdem thematisiert er das Thema Verbrauch von Ressourcen für die Produktion von Windkraftanlagen. Ein interessanter Moment in der Doku entsteht, als er herausfindet, dass der Strom eines neuen Windparks für ein neues Rechenzentrum von Google in Finnland gebraucht wird. Schweden, so sagt Poels, hätte seine Klimaziele für 2030 bereits 2018 erreicht. Das Land hat u. a. sehr viel Wasserkraft, Anlagen, die teilweise schon seit den 1930er Jahren in Betrieb sind. In Schweden werden also Wälder zerstört, damit Google in Finnland ein gutes grünes Gewissen haben kann.

Poels trifft auch Greta Thunberg in Stockholm und interviewt sie. Danach bekommt die Doku eine dramatische Wende. Der Mann macht nämlich das, was Greta ihm geraten hat, nämlich Aufmerksamkeit zu schaffen, er demonstriert. Dazu hat er sich Plakate gebastelt, auf denen er verschiedene Dinge anprangert, unter anderem den Investor Infravia aus Frankreich. Der Ex-Berater erklärt vorher, welche wirtschaftlichen Zusammenhänge in Sachen Windkraft bestehen. Aber, Pohl darf lernen, dass es gute und schlechte Demos gibt. Er wird von mehreren Polizisten mit Gasmasken (!) abgeführt und in einem Wagen weggebracht.

(Abbildung: Screenshot Youtube)

Der Film endet mit einem bedrückenden Telefonat. Die schwedische Polizei meldet sich bei Pohl, drei Monate nach der Festnahme. Man will ihn befragen. Ihm wird ein Verbrechen vorgeworfen, dass sich “Entziehender Widerstand” nennt. Ob damit seine Gegenwehr bei der Festnahme gemeint ist, erfährt man nicht wirklich. Auch nicht, warum er überhaupt abgeführt wurde. Pohl wird nicht über seine Rechte aufgeklärt, was er auch mehrfach gegenüber dem Polizisten klarmacht. Er bricht das Telefonat ab und bietet an, nach Stockholm zu einer Befragung zu reisen. Ob diese Befragung noch stattgefunden hat, lässt die Doku offen. Das ist mit Sicherheit auch einer der Schwächen der Dokumentation, denn es hinterlässt den Zuschauer etwas ratlos.