Harald Lesch auf den Spuren von Claudia Roth

In einer Sondersendung von Terra X holt Lesch sein Dreamteam zusammen. Er hat zum Thema “Russisches Gas, wie werden wir unabhängig?” Claudia Kemfert und Volker Quaschning eingeladen. Andere Experten scheint es in Deutschland nicht mehr zu geben. Bei 06:20 kommt Lesch auch auf Kernenergie zu sprechen. Diese würde kein Haus heizen. Das war wie eine Zeitreise zurück ins Jahr 2009 als die jetzige Grüne Kulturstaatssekretärin Claudia Roth folgendes sagte:

„Mit Verlaub, mit Atomenergie kann man im Winter nicht heizen.“

Nun, eigentlich sollte Lesch bekannt sein, dass ein Kernkraftwerk Strom produziert und keine Fernwärme. Und mit Strom lassen sich Wärmepumpen betreiben, die momentan als neue Wunderwaffen gelten. War es dem ZDF-Mann hier nur wichtig gegen die Kernenergie zu wettern oder hat er sich dabei eigentlich komplett verhauen?

Nur 3 Minuten später nämlich preist Lesch die Wärmepumpe an. Richtig, genau die, die man mit Strom betreibt, den Kernkraftwerke herstellen (könnten). Ja, was denn nun? Die Bemühungen der Politik gehen aktuell in eine immer weiter fortschreitende Elektrifizierung sowohl von Verkehr als auch von Wärmeerzeugung. Die aber benötigt Strom und den liefern u. a. Kernkraftwerke, die Lesch aber ablehnt. Eine Art Zirkelschluss oder auch die Gefangenschaft im eigenen Narrativ.

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)

Die Lösung für die Energieversorgung Deutschlands ist in Leschs Sendung ganz einfach: Noch mehr Erneuerbare Energien. Mehr vom Gleichen soll es lösen. Quaschning merkt in seinem Statement an, dass wir gigantische Potentiale haben. Kein Wort über Backups oder Speicher, die die ungeliebten Zwillingsgeschwister der Erneuerbaren Energien sind. Diese Zwillinge werden aber besser im Wandschrank versteckt. Kein Wort über die starken Schwankungen bei der Erzeugung, die es irgendwie in Ermangelung von Speichern zu puffern gilt. Genau dafür war Gas vorgesehen, weil schlicht keine anderen Alternativen mehr vorhanden sind, wenn Wind und Sonne nicht liefern. Öl, Kernenergie und Kohle sind ja politisch unerwünscht. Jenes Gas, welches jetzt verflucht wird, ist wenn man so will das Produkt der Energiewende. Deutschland hat sich quasi selbst in diese Situation begeben.

Quaschning beruhigt auch alle, die noch eine Gas- oder Ölheizung haben. Eine Wärmepumpe kostet nämlich nur “etwas” mehr und es gäbe ja schließlich auch Zuschüsse. Und wer dann auch noch eine Solaranlage hat, der sei ganz fein raus. So weit bekannt, gibt es die auch nicht kostenlos und manchmal gibt es Gründe, warum keine installiert werden kann, neben dem nötigen Geld. Zählt aber alles nichts. Für Quaschning wohnen halt alle Deutschen im hervorragend gedämmten Haus, sind nur zu bequem sich eine Wärmepumpe und eine Solaranlage zu installieren. Man muss es nur wollen, dann geht doch auch alles.

Lesch scheint auch klar zu sein, dass Biogas nicht die Lösung ist, und da stehen seine Aussagen in ziemlichen Widerspruch zu dem, was die Lobby der Erneuerbaren Energien gerade in Sachen Biogas in letzter Zeit von sich gibt. Die Lobbyisten wissen nämlich nur zu gut, dass Biogas im Gegensatz zu Wind und Sonne sehr stetig liefert und sogar flexibel reagieren kann, sprich, auf steigende Last anspringen kann.

Immerhin sagt Lesch, dass Deutschland zukünftig viel Fachpersonal braucht, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. So ein Personal muss ausgebildet werden. Es fällt nicht von den Bäumen und ein Klima-Aktivist, der lieber sein Abitur abbricht als eine Ausbildung in dem Bereich zu starten, bringt der Entwicklung herzlich wenig. Leider erwähnt Lesch das aber nicht. Er wird wissen warum. Gibt es beim ZDF eigentlich auch so etwas wie eine Redaktion, die solche Whopper wie die widersprüchlichen Aussagen bereits im Vorwege erkennt?

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Der TÜV äußert sich zum Thema Energieversorgung. In seiner Stellungnahme geht der TÜV davon aus, dass die Kernkraftwerke, die zum 31.12.2022 stillgelegt werden sollten, auch danach weiterbetrieben werden können. Das gilt auch für die drei kürzlich abgeschalteten Anlagen.

“Eine weitere Option ist eine befristete Nutzung von Kernenergie aus Deutschland über das Jahr 2022 hinaus. Der TÜV-Verband hält einen Weiterbetrieb der noch laufenden Kernkraftwerke aus sicherheits- und prüftechnischer Sicht für umsetzbar. Je nach Anlage müssten für einen Weiterbetrieb bestimmte Sicherheitsprüfungen nachgeholt werden, die mit Blick auf die Abschaltung ausgesetzt wurden.
Auch eine Wiederinbetriebnahme der drei zum 31.12.2021 stillgelegten Kernkraftwerke wäre aus technischer Sicht möglich. Die Abbaugenehmigungen für diese Anlagen sind entweder noch nicht erteilt oder noch nicht in Anspruch genommen worden. Eine neue Betriebsgenehmigung ist aus Sicht des TÜV-Verbandes weder für die laufenden noch für die zum Jahresende bereits abgeschalteten KKW erforderlich.
„Die mit der technischen Überwachung der Kernkraftwerke betrauten TÜV-Unternehmen können ihre Sicherheitsprüfungen über das Jahr 2022 hinaus fortführen“, betont Bühler. Dafür seien die personellen und organisatorischen Voraussetzungen vorhanden.
Bühler: „Die Kernkraftwerke können einen Beitrag für die Versorgungssicherheit leisten, bis Alternativen wie der Ausbau erneuerbarer Energien und Wasserstofftechnologien, Einsparmaßnahmen oder der verstärkte Import von Flüssiggas greifen.“”

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Der Focus lässt nicht locker im Fall Anne Spiegel und wirft der ehemaligen Umweltministerin Versagen in der Flutkatastrophe im Ahrtal vor.

“Keine Rede mehr vom fragwürdigen Krisenmanagement in jener Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli, passé die falsche Pressemitteilung vom späten Nachmittag aus dem Hause Spiegel, wonach nicht mit einem Extremhochwasser zu rechnen sei. Kein Wort mehr davon, dass die nachgeordnete Behörde, das Landesamt für Umwelt (LfU), stundenlang mit seinen Hochwasserprognosen herumschlingerte. Und von Differenzen mit Innenminister Roger Lewentz (SPD) wollte die Grünen-Spitzenpolitikerin erst recht nichts wissen. Vielmehr bezeichnete Anne Spiegel das Verhältnis als herzlich, freundlich und hochprofessionell.”

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Deutschland trocknet langsam aus. So lautet der Titel eines Artikels bei der Tagesschau. Man beruft sich darin auf eine Studie, die Daten der Grace-Satelliten ausgewertet hat.

“Die Daten der Grace-Satelliten haben zwar ein relativ grobes Raster – ihre Ergebnisse sind in Quadraten von 150 Kilometern Seitenlänge dargestellt – aber selbst so kann man gewisse regionale Unterschiede sehen, erklärt Famiglietti. „Und wenn man es sich genau anschaut, sieht man, dass es in der Region um Lüneburg ein besonders hohes Maß an Wasserrückgang gibt, ebenso im Südwesten, in Baden-Württemberg und im Südosten, in Bayern.“ Allerdings ist praktisch ganz Deutschland rot, und das heißt überall weniger Wasser.”

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Sind Supergrids die Lösung für die Zukunft? Der Standard.de mit einem Artikel über den Transport von Strom über große Distanzen.

“So könnte Europa beispielsweise morgens Solarstrom aus Arabien oder Asien, mittags aus Afrika und abends aus Amerika beziehen. Umgekehrt könnte überschüssiger Strom, beispielsweise aus Windanlagen im Norden, schnell an Staaten im Süden geliefert werden, in denen es gerade bewölkt ist oder eine Windflaute herrscht. Abgelegene, aber sonnenstarke Wüsten und windige Steppen könnten Strom für tausende Kilometer entfernte Städte produzieren. Dadurch sollen wetterbedingte Produktionsschwankungen ausgeglichen und Energieverluste bei der Speicherung reduziert werden, was gerade im Zuge der Energiewende immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Die Idee der Supergrids ist nicht neu. Das bekannte Projekt Desertec verfolgte eine solche Vision bereits Anfang der 2000er-Jahre. Mit einer circa hundert mal hundert Kilometer großen Solaranlage in der Sahara wollte man damals beinahe die ganze Welt mit sauberem Strom versorgen. Letztlich scheiterte das Projekt aber an einigen politischen und technischen Hürden.”

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Was macht eigentlich Greenpeace Energy? Ja, genau die, die jetzt Green Planet Energy heißen. Sie beliefern seit Jahren Kunden in Deutschland auch mit Gas. Ihre Geschäftsidee dabei ist, diesem Gas homöopathische Mengen an Biogas und sogenanntem Windgas beizumischen. Das ist Gas, welches synthetisch gewonnen wird. Es ist sehr teuer und daher wird aus gutem Grund nur minimal beigemischt. Dazu kommt noch etwas Biogas. Fertig ist ein schickes Produkt, das aber immer noch zu 90% aus Erdgas besteht. Die Belieferung von Neukunden hat das Unternehmen nach eigenen Angaben eingestellt.

Aber, was viel interessanter ist: Bestandskunden erhalten nach wie vor Gas und das kommt u. a. aus Russland, denn der Endkunde bekommt es aus dem ”großen Gastopf”. Da kann nicht nach Herkunft unterschieden werden. Vielleicht sollten sich alle, die momentan so auf Russland schauen und fossilen Kriegen sprechen, sich einfach mal überlegen, mit wem denn die ganzen letzten Jahre Geschäfte gemacht wurden. Green Planet zählt genauso wie jedes Stadtwerkeunternehmen oder jeder Gaslieferant somit zu den Finanzierern Russlands. Man liest nur wenig darüber auf der Webseite, lieber gaukelt man den Kunden etwas vor und versucht sogar den Aspekt veganes Gas anzusprechen.

Was für eine eigenartige Doppelmoral, wenn man sich dazu noch die neue Greenpeace-Kampagne ansieht. ”Putin den Gashahn zudrehen“, aber vielleicht nicht ganz, damit Green Planet Energy noch seine Kunden bedienen kann. Der Vollständigkeit halber: Bei Besetzung der Raffinerie in Schwedt wurde einem Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn (hat Vorrang im Straßenverkehr) die Weiterfahrt verwehrt. Die Retter waren auf dem Weg zu einem schweren Unfall.

(Abbildung: Screenshot Twitter)