Hamburger MPI: Positive Winter-NAO führt 1-2 Jahre später zu warmem Sommer in Europa

Vor kurzem berichteten wir an dieser Stelle über ein neues Paper von Lüdecke et al. 2020, in dem die natürlichen Antriebe der europäischen Temperaturschwankungen detailliert auskartiert und beschrieben wurden (siehe: „Was lässt die Temperaturen in Europa zappeln? Die Entschlüsselung der natürlichen Klimavariabilität„). Das pdf des Artikels sowie das umfangreiche Supplement (Appendix A. Supplementary data) können bis zum 4. Juli 2020 kostenlos unter der folgenden URL abgerufen werden: https://authors.elsevier.com/a/1b46h4sIlkq6yx

Bereits am 26. Dezember 2019 erschien ein Paper von Müller et al. 2020 (Leitautor vom vom Hamburger Max-Planck-Institut) zu einem ähnlichen Thema in den Geophysical Research Letters. Die Autoren nehmen an, dass eine positive Phase der Nordatlantischen Oszillation (NAO+) 1-2 Jahre später zu einem warmen Sommer in Europa führt:

Observed Subdecadal Variations of European Summer Temperatures

We identify subdecadal variations in European summer temperatures in coupled and uncoupled century‐long reanalyses. Spectral analyses reveal significant peaks at 5–10 years in the midtwentieth century. The subdecadal variations show substantial amplitudes of ~1–1.5 °C, associated with extremely warm summers during their positive phases. We use forced ocean model experiments and show that the European summer temperature variations are associated with the subdecadal coupled North Atlantic climate system. A positive winter NAO‐like forcing is associated with changes in the ocean circulation and mass and heat convergence occurring 1–2 years prior to European summer temperature rise. Ocean heat content and sea surface temperature increase in the subtropical North Atlantic. The atmospheric response is barotropic and induces wave activity fluxes toward the European continent, modulation of the jet positions, and blocking frequency. The atmospheric response establishes a pathway connecting the subdecadal coupled North Atlantic climate system to European summer temperature.

Das haben Lüdecke et al. 2020 speziell für den Juli-Monat beschrieben. Laut Berechnungen im Vorfeld der Publikation fanden Lüdecke und Kollegen eine positive Korrelation der NAO mit den Juli-Temperaturen in Benelux und auf den Britischen Inseln mit einem Zeitverzug von 18 Monaten, also anderthalb Jahren. Verschiedene Wege führen nach Rom. So langsam wird klarer, was die Temperaturen in Europa „zappeln“ lässt.

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Die Angst vor dem Klimawandel greift immer tiefer in das Leben der Bürger ein. Berliner Zeitung zu Weihnachten 2019:

Schäuble stimmt auf Verzicht ein: Klimaschutz nicht zum Nulltarif

„Wir werden unser Leben verändern müssen“, sagt der Bundestagspräsident mit Blick auf den Klimaschutz. In seine Mahnung schließt er auch die Reiselust der Deutschen ein.

Flugscham, Reise-Fasten, weniger direkten Kontakt mit anderen Kulturen. Harte Einschnitte, für alle die sich für fremde Länder interessieren. Der Bundespräsident legt den Bürgern nahe, aus Klimaschutzgründen lieber zuhause zu bleiben. Aber auch zuhause kann es natürlich nicht so weiter gehen wie bisher. Mal schnell den Grill anschmeißen und ein leckeres Steak in geselliger Runde essen? Bald nicht mehr möglich, denn auch dies verbietet eigentlich der Klimaschutz. Gentside.de am 28.12.2019:

Klimawandel: Kommt jetzt ein Grenzwert für den Fleischkonsum?

Unsere Erde befindet sich in einer dramatischen Lage – darüber lässt sich nicht streiten. Um dagegen anzukämpfen, schlagen Klimaforscher nun vor, einen Grenzwert für den Fleischkonsum in den Industrieländern festzulegen. Doch was würde das genau bedeuten?

Fleisch-Scham. Oh Sünde. Aber zu viel leckeres Essen macht ja sowieso dick. Also lieber etwas Sport treiben. Dabei fällt der professionelle Wintersport aber in Zukunft aus, denn der ist aus Klimaschutzgründen nicht mehr zu rechtfertigen. FAZ am 25.12.2019:

Wintersport und Klimawandel: Darum ist Spitzensport eine Umweltsünde

Den alpinen Skisport trifft die Klimaveränderung mehr als alle anderen Wintersportarten. Und der „CO2-Fußabdruck“ eines jeden Athleten ist immens. Dazu kommt das fragwürdige Verhalten von Sportverbänden.

Ski-Scham. Multi-Scham, Alles-Scham. Der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht. Wie lange machen die Leute das wohl noch mit? So ein bisschen erinnern die vielen Verbote und Scham-Warnungen wie das Parteiprogramm der Taliban: Vergnügungen sind im Klimastaat verboten. Wer sich freut, hat sicher gerade eine Klimasünde begangen. Der wahre Klimaschützer lebt ein zurückgezogenes Leben auf seinem Balkon, genau wie in der Corona-Quarantäne. Keine Konzerte, keine Reisen, keine Feiern, keine schicken Klamotten. Wie lange geht das gut? Morgenpost.de am 25.12.2019: