Hamburger Max-Planck-Institut: Ein Drittel der modernen Erwärmung durch die Sonne verursacht

Welchen Einfluss übt die Sonne auf das Klima aus? Einen sehr großen, stellten Paläoklimatologen in unzähligen Fallstudien fest. Man muss nur die Begriffe „solar forcing“ googlen, dann stößt man auf eine umfangreiche begutachtete Literatur zum Thema. Auf der anderen Seite stehen IPCC-Physiker, die der Sonne in krasser Ignoranz der empirischen Faktenlage keine größere Rolle in ihren Klimamodellen zumessen. Jeder, der sie dafür kritisiert, wird sogleich als Leugner und Feind der Wissenschaft abgekanzelt. So funktioniert offenbar die Wissenschaft im frühen 21. Jahrhundert, wenn gut begründete Kritik einfach mit ad hominem-Attacken beantwortet wird.

Das Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPIM) hat auf seiner Webseite ein Statement zum Thema:

Wurde das Klima der jüngsten Vergangenheit von der veränderten Sonneneinstrahlung mitgeprägt?

Die mögliche Rolle der Schwankungen der Sonnenstrahlung auf das Klima wird seit langem diskutiert. Die Sonneneinstrahlung unterliegt Schwankungen, die auch mit der Sonnenfleckenaktivität zusammenhängen. So bedeutet eine hohe Sonnenfleckenzahl eine Zunahme der Sonneneinstrahlung, gleichzeitig verbunden mit einer leichten Verschiebung des Sonnenspektrums in den kurzwelligen (UV) Bereich. Es gibt dabei zwei bekannte Zyklen. Erstens den sogenannten Schwalbe-Zyklus, mit einer Periode von 11 Jahren und einer direkt gemessenen Amplitude von ca. 0.1 %, und zweitens den sogenannten Gleissberg-Zyklus, mit einer Periode von ca. 80 Jahren und einer geschätzten Amplitude von ca. 0.2 -0.3 % der gesamten Einstrahlung.

Der aufmerksame Leser wird nach der Lektüre dieser Passage geschmunzelt haben. Kannten Sie schon den Schwalbe-Zyklus, SchwaLbe mit L? Haha. Der/die Schreiber(in) der Themenseite scheint nicht ganz so tief in der Materie drinzustecken, ansonsten wäre der zur Schwalbe mutierte Schwabe aufgefallen. Aber ok, wollen wir großzügig darüber hinweg sehen. Weiter im MPIM-Text:

Es können daher Schwankungen des Angebots der Sonne von ca. 0.6 W/m2 auftreten (zum Vergleich: der zusätzliche Treibhauseffekt durch erhöhte Konzentration von Kohlendioxid, Methan, Fluorchlorkohlenwasserstoffe und Distickstoffoxid beträgt zur Zeit ca. 2.4 W/m2). In den letzten 100 Jahren stieg die Solarkonstante im Schnitt an. Nach diesen Schätzungen liegt sie zur Zeit etwa 0.25% höher als vor 100 Jahren.

An dieser Stelle läuft etwas schief. Die 0,25% sollen die Änderungen in der Sonnenstrahlkraft verniedlichen und herabsetzen. Aber gilt das nicht auch für das CO2, dessen Konzentration in der Atmosphäre im Laufe der vergangenen 150 Jahre von 0,0315% auf 0,0415% anstieg? Seriöser wäre es vom MPIM gewesen, hier auch die anderen solaren Parameter anzuführen, die viel stärker schwanken. Die UV-Strahlung schwankt zum Beispiel bis zu 70% im Laufe eines Schwabe- (nicht Schwalbe) Zyklus. Bei der kosmischen Strahlung sind es immerhin noch 10%. Und auch das Magnetfeld schwankt deutlich.



Lesen wir weiter auf der MPIM-Webseite:

Wie stark beeinflussen jetzt diese solaren Schwankungen das Klima? Um diese Frage zu beantworten, wurden Rechnungen mit demselben Modell durchgeführt, mit dem auch der erhöhte Treibhauseffekt simuliert wurde. Sie zeigen, dass in den letzten 100 Jahren durch den Anstieg in der Sonnenintensität ein Teil der beobachteten Erwärmung erklärt werden kann, allerdings mit etwa 0.2 Grad Celsius nur ungefähr ein Drittel. Die Sonnenvariabilität allein kann also nicht für den beobachteten Temperaturanstieg der letzten 100 Jahre verantwortlich sein.

Letztendlich geht es um die Frage, welche Mechanismen und Verstärkungsprozesse bei der solaren Beinflussung des Klimas eine Rolle spielen. Hier steht vor allem die UV-Strahlung in der Stratosphäre im Verdacht, eine bis zum Erdboden reichende Verkettung von Einzelprozessen anzustoßen. Aber auch der Wolkenverstärker von Henrik Svensmark über die kosmische Strahlung ist eine heißdiskutierte Möglichkeit. Über mehrere Jahrzehnte liefen Wolken und Sonne überraschend parallel, bis schließlich die Korrelation auseinanderlief, was auf nichtlineare Prozesse hinweisen könnte. Von all dem schreibt das MPIM auf seiner Webseite nichts. Das ist schade. Wieder wird mit zweierlei Maß gemessen: Das CO2 hat laut Theorie nur eine Erwärmungswirkung von 1,1°C pro CO2-Verdopplung. Alles was darüber hinausgeht (die IPCC-Spanne beträgt 1,5-4,5°C pro CO2-Verdopplung) sind Verstärkerprozesse, die noch sehr schlecht verstanden sind. Bei der Sonne scheint man sie von vorneherein auszuschließen. Macht das Sinn? Funktioniert so ergebnisoffene Wissenschaft? Die Attribution der modernen Erwärmung ist übrigens nicht so trivial, wie Potsdamer Forscher es manchmal darstellen. Wenn drei Kurven ansteigen, gibt es mehrere Lösungsmöglichkeiten.

Ganz am Ende des MPIM-Textes kommt dann eine ganz wichtige Aussage: Das Institut habe errechnet, dass die Sonne wohl 0,2° von 0,6°C Erwärmung der letzten 100 Jahre verursacht haben könnte. Das ist immerhin ein Drittel. Spinnen wir die Idee weiter: Falls nun wirklich ein Drittel der Erwärmung solaren Ursprungs wäre, dann müsste die Klimawirkung des CO2 in den Modellen reduziert werden. Momentan wären laut IPCC 1,5-Gradbericht 100% der Erwärmung anthropogenen Ursprungs. Passt natürlich überhaupt nicht zur Aussage auf der MPIM-Webseite.

Mit der Sonne wird noch zu rechnen sein. Dem MPIM ist für das Statement zu danken, auch wenn noch Luft nach oben ist. Ganz langsam wachen die Forschungsinstitute aus ihrem Dämmerschlaf auf und beginnen die natürlichen Klimaantriebe wiederzuentdecken. Was wohl Greta dazu sagen würde? How dare you…!