Vom Klima gelangweilt? Greta berät nun in Corona und Fridays for Future fordert Freiheit für Palästina

Prof. Katja Matthes gibt dem Spiegel ein Interview. Sie ist neue Direktorin des Helmoltz Instituts Geomar in Kiel. Das Gespräch ist hier zu finden und macht gleich gehörig auf:

„In der Arktis haben wir schon 77% des Meereises verloren.“

Da ist man doch elektrisiert! Wie kam sie auf diese Zahl? Nimmt man den seit vielen Jahren konsistent mit Satelliten beobachteten Extent, also die mindestens zu 15% mit Meereis bedeckte Fläche, so findet man im Jahresmittel einen Rückgang zwischen 1979 und 2019 von rund 17%, wenn man die Zahlen des NSIDC zurate zieht. Das kann es nicht sein. Meinte sie das Eis zum Minimum, also im September? Das gibt einen Verlust von 39% in den genannten Jahren. Das scheidet auch aus. Wir suchen weiter und versuchen es mit dem Meereisvolumen. Das wird mit einem Modell ermittelt. Auch hier rechnen wir und bestimmen den Rückgang über das Jahr gemittelt und finden 47%. Wieder Fehlanzeige.

Nun also das Volumen 2019 gegen 1979, dem Startjahr aller Daten nur für den September im jährlichen Minimum. Das gibt 75%, recht nahe, aber Frau Professor wird sich bei genau 77% schon etwas denken. Also noch forscher in der Rechnung. Wir vergleichen den niedrigsten je bestimmten Wert (das war bereits im Jahre 2012) mit 1979… und erst da errechnen wir tatsächlich die 77%.  Wir haben den Verlauf des September Volumens nach dem Modell „Piomas“ für Sie dargestellt:

Der Verlauf des arktischen Meereisvolumens mit einer 15-jährigen Glättung. Sehr deutlich sieht man, dass 2012 das Minimum war, das in den letzten 7 Jahren nie wieder erreicht wurde. Die Glättung gibt einen Hinweis, dass der Verlust seitdem stark gebremst ist im Vergleich zu 1990…2012.  Muss man für ein Interview so lange suchen, bis man den spektakulärsten Wert gefunden hat, den es gibt? Ist so etwas Cherry Picking? Im Verlaufe des Gesprächs plädiert Frau Prof. Matthes für zeitnahes Geo-Engineering, weil die Reduktion von CO2 nicht mehr ausreicht, um die „Katastrophe“ zu verhindern. Später führt sie noch ein Schreckgespenst ein: Den „Golfstromtod“. Sie sagt wörtlich:

„Wenn dieser Strom im Nordatlantik – der Golfstrom – abbricht, dann wird es bei uns in Europa deutlich kälter werden. Hierzu gibt es aber noch nicht ausreichend Daten, um einschätzen zu können, ob es hier schon Auswirkungen des Klimawandels gibt.“

Als Professorin mit Spezialisierung Ozean am Geomar sollte das nicht passieren, denn der „Golfstrom“ ist windgetrieben vom Passatwind des Atlantiks und endet irgendwo vor Neufundland an der Ostküste der USA. Solange sich die Erde dreht (Corrioliskraft) und die Sonne scheint, wird es den „Golfstrom“ geben. Was sich im Nordatlantik abspielt wird „North Atlantic Current“ (NAC) genannt, und der ist thermohalin angetrieben, KÖNNTE also auch abreißen. KÖNNTE ist bewusst groß geschrieben, das IPCC sieht im AR5 keine große Wahrscheinlichkeit für solch ein Ereignis in diesem Jahrhundert, neuere Fachliteratur ebenso nicht, wir berichteten unlängst. Was soll dieses Cherry-pickende doomsday Interview? Was die Fachwelt von so etwas hält hatten wir bereits 2015 zitiert: Hans von Storch:

und da kommt es für uns als Klimaprofis auch ein bisschen darauf an, ab und zu mal zu sagen, nun geht ihr mal ein bisschen zu weit, hört mal jetzt auf damit, bleibt mal ein bisschen an dem, was wir tatsächlich wissen.“ 

Da sollte Frau Professor Matthes noch nacharbeiten. 

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Um was geht es bei einigen Sektionen von Fridays For Future (FFF)? Um das Klima oder möglicherweise um ganz andere Dinge? Die FFF Sektion Rhein-Sieg hat ein eigenartiges Posting verfasst, was mit Klima herzlich wenig zu tun hat. Ganz abgesehen davon, dass Bengalos alles andere als klimafreundlich sind. Mittlerweile ist das Posting zwar verschwunden, aber es ist bemerkenswert, wer so alles Huckepack mitgetragen wird von den Umweltaktivisten. Beim Betrachten des Twitter Accounts der Aktivisten kann man ins Grübeln geraten.

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Wenn die Relationen verloren gehen: Über die Relevanz der Photovoltaik-Branche haben wir hier schon oft berichtet. Sie ist minimal und sie wird von einigen Protagonisten aber immer viel größer dargestellt als sie tatsächlich ist. Nun hat der selbsternannte Experte Professor Volker Quaschning das in einem Twitterpost noch einmal bestätigt.

Die Schwierigkeit der Branche ist neben der winzigen Bedeutung für den Arbeitsmarkt die Tatsache, dass sie offenbar nur mit Subventionen überleben kann – obwohl sie selber immer wieder betont, dass sie konkurrenzfähig ist. Wäre sie es, dann bräuchte sie keine üppige Unterstützung und würde die Ware Strom ganz normal im Strommarkt anbieten. Es wird Gründe haben, warum das nicht passiert, sich alimentieren zu lassen ist in jeden Fall bequemer und sicherer als sich im Wettbewerb zu behaupten.

Das nächste Problem der Branche: es findet fast keine Wertschöpfung statt. Die Module kommen von weit her, in Deutschland werden sie lediglich auf die Flächen montiert. Einmal montiert finden an solchen Anlagen kaum noch Arbeiten statt, die für Beschäftigung sorgen. Die einzige Chance ist also permanentes Wachstum, immer neue Anlagen, damit man wenigstens beim Aufbau etwas beteiligt ist. Laufen die Module erst einmal, dann ist das Geschäft sicherer als das eines Wettanbieters. Es profitieren aber nur sehr wenige, der Großteil, das sind die Abnehmer, haben Dank EEG Abgaben immer weiter steigende Strompreise.

Und, zu so viel Weitsicht reicht es bei Quaschning möglicherweise nicht, dieser Weg führt zu einem Wettbewerbsnachteil deutscher Unternehmen und einer Umverteilung aus den Portemonnaies der Bürger zu wenigen Begünstigten, die mit dem deutschen EEG-Weg hervorragende Margen verdienen. So ähnlich muss es im Schlaraffenland sein.

Das Wirtschaftsministerium, das eben nicht nur die Erneuerbaren Energien zuständig ist, weiß um den Umstand, hat deshalb eine Art Notbremse eingebaut. Das Füllhorn der üppigen Zulagen wurde aus guten Gründen begrenzt. Dass der Slogan „der Deckel muss weg“ nichts anderes heißt als, wir wollen noch mehr staatliche Unterstützung damit wir uns nicht nur dumm sondern dumm und dämlich verdienen, das wissen Leser dieses Blogs schon etwas länger.

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Die WELT (Achtung Paywall!) interviewt Frau Professor Lamia Messari-Becker. Sie ist (noch) Mitglied im Umweltrat der Bundesregierung. Weil sie es gewagt hatte, eine abweichende Meinung zu haben, wurde sie mit Nicht-Nominierung für den neuen Rat abgestraft. Ihre Bedenken zu einem nicht demokratisch legitimierten Rat, der quasi ein allumfassendes Vetorecht bekommen soll, sind so erhellend wie schockierend. So ein Rat wird von Fridays For Future (FFF) aber auch Extinction Rebellion propagiert. FFF setzte noch einen drauf und hatte zu einem mittlerweile abgesagten „Demokratiefestival“ im Juni 2020 aufgerufen, wo man – gegen Eintritt versteht sich – per Klick Gesetze „erzwingen“ wollte. Wir hatten hier im Dezember darüber berichtet und der seinerzeitige Titel „Das Drama mit dem Drama“ hat fast etwas prophetisches. Das Drama wurde um den Faktor Corona noch mal gesteigert.