Grauzone – 50 Shades of German Angst

Gemessen an dem, was sonst im öffentlich-rechtlichen TV in Sachen Kernenergie gezeigt wird, war der aktuelle Versuch des ZDF am 29.06.2022 sogar noch relativ erträglich. Man wolle beim Format Grauzone die verschiedenen Bereiche zwischen Schwarz und Weiß zeigen, so lautet das ZDF in der Eigenbeschreibung:

“Die Welt ist komplex und einfaches Schwarz-Weiß-Denken kann die Gesellschaft spalten. „ZDFzoom: Grauzone“ behandelt kontroverse Themen und beleuchtet alle Schattierungen zwischen schwarz und weiß.”

Anders als früher bei “Kienzle und Hauser”, wo stets zwei Meinungen aufeinanderprallten und für Pointen sorgten, sind sich die beiden Protagonisten in ihrer Skepsis gegenüber der Kernenergie aber von Anfang an einig. Wer Gender-Gaga erträgt (man muss stets ganz genau hinhören, ob da eine Pause vor dem Innen gesprochen wurde, denn sonst wären ja nur Frauen gemeint), der kann sich die 30 Minuten ruhig geben. An spastisches Sprechen müssen wir uns wohl ohnehin gewöhnen. Immer wieder, so scheint es, sind die beiden Protagonisten zumindest äußerlich hin und hergerissen und versuchen den Eindruck zu vermitteln, sie wären kritisch.

Wenn der Aachener Anti-Atomkraft-Aktivist Walter Schumacher (stilecht mit Arbeitshandschuhen!) ohne Hinterfragen die Aussage treffen kann, es gäbe weltweit keine Endlager, dann kommt man schon ins Grübeln, wie gut sich die Redaktion vorbereitet hat und/oder warum man seinen Moderator nicht gut informiert hat. Finnland passte wohl nicht ins Konzept und die Einstellung der Grünen in Finnland wahrscheinlich noch viel weniger.

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)

Schumacher nerve tierisch, dass man die Welt so versaut. Er meinte damit die Kernenergie. Eigentlich wäre das eine Einladung zu einer kritischen Nachfrage in Sachen Kohle, die momentan in Deutschland hochgefahren wird oder soll man sagen, gefahren werden muss? Aber leider wurde diese Steilvorlage nicht genutzt und das bei der Nähe von Aachen zu den Braunkohlerevieren in Nordrhein-Westfalen.

Natürlich wurde auch über Dual-Fluid berichtet. Allerdings wirklich nur sehr oberflächlich. So ging es dann auch weiter als ausgerechnet Umweltministerin Steffi Lemke dazu befragt wurde. Die spulte brav die bekannten Grünen Positionen ab, schien sich aber in Sachen Technik nicht wirklich auszukennen. ”Was soll denn an kleinen Kraftwerken besser sein?”. Pfiffige Journalisten hätte Lemke vermutlich gefragt, was denn das Ausland umtreibt, gerade solche Reaktoren zu bauen. Und wenn man schon dabei ist, dann hätte man Lemke doch auch gleich die Zeiträume um die Ohren hauen können, denn kurz vorher wird in der Sendung noch über eine Anlage der Firma Terra berichtet, die 2027 Strom liefern soll.Bewusst ließ Lemke bei den Lobpreisungen der Erneuerbaren Energie ein Attribut weg: zuverlässig. Auch da hätte man nachhaken können….hätte.

Zum Thema Sicherheit wurde kein einziger Experte befragt, was sicherlich ein Fehler ist. Nur beim Thema Endlager und Schacht Konrad wurde ein Fachmann neben einem kritischen Ehepaar befragt. Es bleibt daher ein zwiespältiger Eindruck der Sendung. Natürlich wollten die Macher der Sendung versuchen, immer beide Seiten zu zeigen, um am Ende sich aber doch in ihrer ursprünglichen Meinung bestätigt zu sehen. 

Eines stellten sie dann aber doch etwas konsterniert am Ende fest:  Unsere Nachbarn in Europa werden einen anderen Weg gehen, das Thema Kernenergie bleibt uns daher erhalten. Möglicherweise in der Zukunft in Form von Stromlieferungen, wenn Wind und Sonne mal wieder nicht liefern bei uns.

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Was weg, ist weg. Das schienen sich die Betreiber eines Windparks bei Pfaffenhofen gedacht zu haben. Sie ließen schon mal reichlich Bäume fällen, die einem Windpark im Wege standen. Nun geht der Fall vor ein Gericht, wie ein Artikel des Donaukuriers zeigt.

“In die Haare sind sich die Beteiligten nicht gekommen. Und das, obwohl Anita Engelniederhammer von der Unteren Naturschutzbehörde kurz vor dem Termin die Uhu-Lage neu bewertet hatte. Der geschützte Vogel hat sich im Rodungsgebiet nämlich neu angesiedelt. Der Ortstermin hatte sonst eher den Charakter einer netten Waldwanderung. Es wurde tief durchgeatmet, der Sommer genossen – und nebenbei hart in der Sache diskutiert. Das lag auch am überschaubaren „Streitwert“. Denn: „Die Bäume sind eh schon weg“, meinte Wolff. „Da können wir nichts rückgängig machen.“
So schlug er zu Beginn der Verhandlung vor, einen außergerichtlichen Vergleich zu finden. „Mir schweben deutlich mehr Ersatzpflanzungen als vorgesehen vor“, sagte er. Rohr sagte zu, einen Vorschlag zu unterbreiten.”

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Eine sehr gute Übersicht über die Chronologie in Sachen Gas/Kernenergie liefert die Seite Tech-For-Future. Sie listet auch auf, wo es erhebliche Ungereimtheiten gab und gibt.

(Abbildung: Screenshot Tech-For-Future.de)

Auf die wackelige Argumentation von Robert Habeck geht auch die Zeit ein. Jochen Bittner hat es in einem Artikel (Bezahlschranke) zusammengefasst. Wir vermuten, Bittners Kollegin Joeres liegt mit Verdacht auf Herzinfarkt schon im Krankenhaus nach dem Lesen des Artikels.

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Axel Bojanowski interviewt für die Welt Corinna Schrum. Das Interview steht hinter einer Bezahlschranke. Corinna Schrum ist Leiterin des Instituts für Küstensysteme, Analyse und Modellierung des Helmholtz-Zentrums Hereon und Professorin an der Universität Hamburg. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Veränderung von Meeres- und Küstensystemen durch Klimawandel und Nutzung.

“WELT: Immerhin, aber was ist mit der untermeerischen Gewinnung von Öl, Gas und anderen Rohstoffen?

Schrum: Die Förderung von Rohstoffen allgemein wird zunehmen, das wird eine Herausforderung für den Meeresschutz. Ein besonderes Feld ist der Tiefseebergbau. Die Umwelt der Tiefsee regeneriert sich viel langsamer als Oberflächenregionen und Küstenzonen. Viele Tiefseegebiete sind unbekannt. Auch deshalb sollten wir Chancen wie die aktuelle UN-Ozeankonferenz nutzen, um über diese Risiken der Zukunft zu sprechen.

WELT: Welche Risiken sehen Sie noch?

Schrum: Windenergie-Parks im Meer werden die Umwelt verändern: Die großen Rotor-Türme, in Gruppen zu Hunderten errichtet, verändern Luftzirkulation und damit Meeresströmungen. Der Einfluss auf Stoffflüsse und Tierwelt, insbesondere auf Seevögel, muss besser erforscht werden, damit man zumindest die Orte für die Windparks möglichst umweltschonend auswählen und die Energiegewinnung optimieren kann”

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Über die Nachhaltigkeits-Wissenschaftlerin Maja Göpel haben wir in diesem Blog schon einige Male berichtet.Sie wurde nun in einem Interview (ab Seite 30) gefragt, wie sie denn in Einklang mit der Natur lebt. Die Antworten verblüffen, denn eigentlich hätte man so Dinge erwartet wie Fahrrad statt Auto, regional erzeugtes Gemüse und Obst, idealerweise selber im eigenen Garten angebaut usw.. Nein, weit gefehlt, in Einklang mit der Natur ist es demnach, wenn man in der Nähe von Pferden ist (deren CO2-Fußabdruck verdrängen wir hier mal besser), Sand unter den Füßen (wären CO2 aufnehmende Pflanzen nicht viel besser?) und viel schlafen, um im Biorhythmus zu bleiben. Die Natur spielt in den Antworten nur eine sekundäre Rolle. Es geht wohl eher um Göpel und nicht die Natur. Und wo die bunten Cowboystiefel herkommen, die sie beim Fototermin zum Interview trägt, wollen wir besser gar nicht erst wissen. Maja Göpel scheint sich auch als eine Art moderner Robin Hood zu verstehen. Der nahm es den Reichen und gab es den Armen. Nach eigener Aussage macht sie es so ähnlich.

“Mit meinem Einkommen wächst, was ich geben kann.”

Einem Reichen, dem sie Geld genommen hat, dürfte Erk Rickmers sein. Sein Geschäftsmodel ist das Verbrennen von Schweröl, damit lässt er seine Schiffe antreiben, denn Rickmers ist Reeder. Reeder sind diejenigen Unternehmen, die die Globalisierung des Handels voranbringen, in dem sie Waren und Rohstoffe um die Welt transportieren. Aus der Sicht von Göpel müsste das eigentlich der Antichrist sein. Gleichzeitig finanziert Rickmers THE NEW INSTITUT, einem Think Tank, der überraschenderweise genau diejenigen Bereiche lobpreist, in denen Rickmers ansonsten investiert ist. Mit den Schweröl-Euros hat Rickmers nämlich allerhand Grüne Investitionen getätigt und THE NEW INSTITUT hat ihm den Segen mittels PR und Studien gegeben. Göpel stand dort auf der Gehaltsliste. Fairerweise müssen wir sagen, dass Maja Göpel das Institut bereits Anfang Juli 2021 wieder verließ. Vielleicht hat sie ja herausgefunden, wie der Sponsor des Instituts sein Geld so verdient?