Gebt das Hanf frei!

Im Jahre 2012 bastelte der Entertainer Stefan Raab aus einem Zitat des kürzlich verstorbenen Grünen Politikers Christian Ströbele einen formidablen Reggae Song. Ströbele hatte seinerzeit sicherlich etwas ganz anderes gemeint als das, was man jetzt mit Hanf anfangen könnte. Es wird tatsächlich ein Einsatz von Hanf als Stromspeicher erforscht. Batterien auf Hanfbasis könnten eine höhere Speicherdicht haben und möglicherweise auch schneller geladen werden können.

“Ein bekanntes Problem bei Lithium-Schwefel-Batterien ist, dass sich die Kathode beim Laden und Entladen ausdehnt und wieder zusammenzieht und dadurch beschädigt wird. Außerdem wandern während des Batteriebetriebs Polysulfide, das sind kettenförmige Moleküle aus Lithium und Schwefel, von der Kathode zur Anode und lagern sich immer mehr dort an. Dadurch sinkt die Batterieleistung.

Eine mögliche Lösung für diese Probleme ist, teure Materialien wie Graphen einzusetzen. Doch Graphen lässt sich nicht in Massenproduktion herstellen. Bei der Batterie von Bemp soll stattdessen Hanf die Kathode widerstandsfähig gegen das Zusammenziehen und Ausdehnen machen, sie soll so Hunderte von Ladezyklen überstehen. Außerdem trägt Bemp zufolge die poröse Struktur des Hanfs dazu bei, die Polysulfide vom Wandern zur Anode abzuhalten.”

Sollte sich das alles zerschlagen, könnte der Hanf allerdings zur Beruhigung bei den explodierenden Energiepreisen beitragen. Dann aber in der Konsumform, die Ströbele seinerzeit meinte. Forscher kommen auf immer neue Idee in Sachen Speicher. Der Spiegel berichtet nun über ein Projekt, bei dem Krebsschalen verwendet werden.

“Um die Kohlenstoffemissionen zu verringern und Kohlenstoffneutralität zu erreichen, ist es wichtig, nachhaltige wiederaufladbare Batterien für die Speicherung erneuerbarer Energie zu entwickeln«, schreiben die Autoren. Die in herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien verwendeten Chemikalien benötigen dem Bericht zufolge Hunderte oder gar Tausende Jahre, um sich abzubauen; zudem seien sie oft ätzend oder leicht entzündlich.

Chitin, das unter anderem auch die Schale von Krabben, Garnelen und Hummern hart und widerstandsfähig macht und etwa als Abfallprodukt von Meeresfrüchten leicht verfügbar ist, sei ein nicht entflammbarer, biologisch abbaubarer Stoff. Durch chemische Verarbeitung und die Zugabe von Essigsäurelösung könne Chitin zu Chitosan, einer festen Gelmembran, synthetisiert und als Elektrolyt für eine Zinkbatterie verwendet werden, heißt es in dem Beitrag.”

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Wir werden alle ärmer. Das sagt Hans-Werner Sinn in einem Interview im Focus. Als Grund nennt er auch die Energiewende.

“Und wie konnte es passieren, dass wir so abhängig sind von dem einst so billigen russischen Gas? Hat das ökonomische Kalkül politische Naivität produziert?

Sinn: Nein. Die Energiekrise in Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg hätte nicht dieses Ausmaß angenommen, wenn Deutschland weniger auf Gas und mehr auf Kohle und Kernkraft gesetzt hätte. Die Fixierung auf das Gas ist eine unmittelbare Konsequenz der grünen Energiewende. Das übersehen viele.

„Ich kann mich nur wundern, wie leicht sich das deutsche Volk zu irrealen Träumereien hat verleiten lassen“

Die herrschende Meinung behauptet genau das Gegenteil: Hätten wir früher und radikaler auf Erneuerbare gesetzt, könnten uns Putins Pipelines egal sein.

Sinn: Das stimmt leider nicht. Viele Leute denken, wir könnten umso mehr konventionelle Kraftwerke – seien es Kohlekraftwerke, Gaskraftwerke oder Atomkraftwerke – außer Betrieb nehmen, je mehr Wind- und Solarenergie wir nutzen. Tatsächlich braucht die flatterhafte grüne Energie den konventionell erzeugten Strom, um die vielen lang anhaltenden Dunkelflauten zu füllen.

Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, brauchen wir trotzdem Strom. Und davon brauchen wir immer mehr, wenn auch noch der Verkehr elektrisch werden soll und die Häuser mit Wärmepumpengeheizt werden sollen. Wenn wir die Stromproduktion in Deutschland verdreifachen oder vervierfachen, wie es nötig wäre, um all die neuen Aufgaben zu erfüllen, brauchen wir auch drei- oder viermal so viele konventionelle Anlagen für die Dunkelflauten, ganz egal, wie viel Strom aus Wind- und Solarkraft wir bei günstigen Wetterlagen erzeugen können.”

Weiterlesen im Focus.

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Übergewinne oder auch Zufallsgewinne sollen in Deutschland abgeschöpft werden. Gemeint sind Gewinne im Zuge der Energiepreis-Explosion. Die Befürworter einer Abschöpfung hatten wahrscheinlich nicht im Sinn, dass auch die Betreiber von Erneuerbaren Energien darunterfallen. Die melden nun laut Tagesschau Bedenken an, allerdings ganz anders als man meint. Statt zu sagen, sie würden gern weiter sehr sehr viel Geld verdienen, warnen sie, dass der Ausbau ins Stocken geraten könnte.

“Hintergrund ist das so genannten Merit-Order-Prinzip am Strommarkt: Danach bestimmt das letzte Gebot, das an der Strombörse noch einen Zuschlag erhält, den einheitlichen Strompreis. Mit diesem Preisbildungssystem werden alle Produzenten belohnt, die Strom günstiger als zum Marktpreis produzieren können.

Aktuell sind das in erster Linie Hersteller von Wind- und Sonnenenergie, denn sie haben die niedrigsten Produktionskosten. Die Gewinnmarge ist hier also am höchsten. Der einheitliche Strompreis in Europa wird dagegen derzeit vor allem von teuren Gaskraftwerken bestimmt, die zur Stromproduktion genutzt werden.”

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Im Sendegebiet des MDR gibt es mehrere Braunkohlereviere. Der Sender hat jetzt eine Umfrage zum Thema Strukturwandel durch Kohleausstieg unternommen. Das Ergebnis der Umfrage ist niederschmetternd.

74% der Befragten (28.000) haben Zukunftsängste.

“77 % denken, dass Deutschland durch den Kohleausstieg mehr Strom importieren muss

66 % fürchten, dass der Ausstieg vor Ort in den Kohleregionen wirtschaftlich nicht zu verkraften ist

62 % denken, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland dadurch geschwächt wird”

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Immer wieder appelliert Wirtschaftsminister Habeck an die Solidarität in Europa. Gemeint hat er damit, dass andere Länder Deutschland in Sachen Gas doch bitte helfen mögen. Nicht alle Länder, vor allem in Ost- und Südeuropa sind allerdings hilfsbereit. In einem Beitrag bei Radio Polen heißt es dazu:

“Spaniens Erklärung sei ein klarer Hinweis auf die Situation vor 12 Jahren. Damals habe Deutschland Südeuropa verachtet und behauptet, es sei gerade deshalb in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil es „über seine Verhältnisse“ gelebt hätte. Spaniens Gas-Hauptlieferanten seien die USA, Algerien und Nigeria. Madrid habe kurzfristig sogar eine radikale Erhöhung der algerischen Gasimporte und deren Transit ins übrige Europa vorschlagen. Dieses Angebot sei jedoch nicht nach dem Geschmack anderer EU-Staaten. Eine solche Wendung würde nicht etwa Deutschland, sondern Spanien zum Gas-hub für ein geeintes Europa machen.

Spaniens Ansicht teilen demnach Portugiesen, Griechen, Zyprioten, Malteser und Italiener. Zweifel, obwohl in abgemilderter Form, habe auch Polen. Frankreich bleibe unentschieden. Nach Angaben der Griechen, fährt Bielecki fort, sei der von Ursula von der Leyen vorgelegte Vorschlag zuvor nicht einmal mit anderen Mitgliedstaaten konsultiert worden. Die Chefin der Europäischen Kommission war in der Vergangenheit ein prominentes Mitglied im Team von Angela Merkel, das Berlins immer stärkere Abhängigkeit von Lieferungen aus Russland vorangetrieben habe, erinnert Bielecki im Blatt.”

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Energiekriese

Sehr geehrten Damen und Herren,

Einige Anmerkungen zum Blog vom 10. 09. 22. Darin wird berichtet, dass von den AKW-Betreibern der von Robert Habeck angedachte Streckbetrieb der letzten AKW so nicht funktioniert. Ein Anfahren der Atomkraftwerke dauert einige Tage und deshalb können diese so nicht kurzfristig einspringen. Ich kann mir vorstellen, dass Robert Habeck genau das beabsichtigt hat. Können die Atomkraftwerke nicht genutzt werden, kann er sich zurücklehnen und sagen: „Ich habe die Atomkraftwerke nicht stillgelegt, wenn die Betreiber diese nicht ans Netz bringen, kann ich nichts dafür“.

Aktionen, welche jetzt in vielen Gemeinden, Landkreisen oder anderen Bereichen sind teilweise schon bedenklich. Ich habe gehört, dass einige Gemeinden Hallenbäder schließen wollen, um Energie zu sparen. Dabei muss ich an Aussagen denken, dass viele Kinder während des Corona-Lockdowns nicht mehr das Schwimmen gelernt haben. Das stellt eine Gefahr für die Menschen dar, die nicht schwimmen können.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn