Fritz Vahrenholt: „Uns droht dramatischer Wohlstandsverlust“

Fritz Vahrenholt gab dem Hamburger Abendblatt ein Interview zu unserem neuen Buch „Unerwünschte Wahrheiten: Was Sie über den Klimawandel wissen sollten“. Das Interview erschien am 11. Dezember 2020, hier einige Auszüge:

Ex-Umweltsenator Vahrenholt: „Uns droht dramatischer Wohlstandsverlust“

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ABENDBLATT: Wir haben gerade bei den Solarzellen gesehen, welche Effizienzgewinne möglich sind.

VAHRENHOLT: Das stimmt bei der Solarenergie, wenn ich an meine ersten Solarzellen bei Shell zurückdenke. Wir können für wenige Cent an sonnenreichen Standorten Strom produzieren, bei Wind ist der Kostenrückgang nicht so deutlich. Aber das löst nicht das Problem der Zwischenspeicher, die bei der zu speichernden Menge unbezahlbar werden.

ABENDBLATT: Haben Sie etwas gegen erneuerbare Energien?

VAHRENHOLT: Nein, überhaupt nicht – ich habe sie ja mit groß gemacht, Photovoltaik bei Shell, Windkraft bei Repower. Die erste Offshore-Anlage von RWE Innogy in der Nordsee trägt meinen Namen: Fritz. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, eine so schwankungsanfällige Energie zur alleinigen Energiequelle von Strom, Wärme und Mobilität zu machen.

ABENDBLATT: Was sollte Ihrer Ansicht nach passieren?

VAHRENHOLT: Wenn die Lage so dramatisch ist, wie es immer heißt, frage ich mich, warum wir nicht neu denken. Warum sind wir nicht bereit, über das Abscheiden von CO2 aus Kohlekraftwerken nachzudenken? Und warum weigern wir uns, neue Kernenergietechnologien unvoreingenommen zu betrachten? Selbst der Weltklimarat hält sie für eine Alternative. Wir aber tragen Scheuklappen.

ABENDBLATT: Unsere Kanzlerin ist Naturwissenschaftlerin …

VAHRENHOLT: Ja, aber sie lässt sich von Stimmungen treiben. Das hat ihre Kehrtwende bei der Atomkraft gezeigt.

Beim Thema Deindustrialisierung sind wir bei Ihrer Partei – der SPD.

VAHRENHOLT: Die SPD hat ihr Klientel leider nicht mehr im Blick. Für das hippe grüne Stadtpublikum gibt es schon eine Partei, aber die Beschäftigten in der Stahl-, Chemie- oder Autoindustrie wurden aus dem Blick verloren. Die kleinen Leute werden nun noch ab Januar mit einer CO2-Abgabe bestraft. Den Durchschnittshaushalt kostet das im ersten Jahr 270 Euro, und dieser Betrag soll immer weiter auf über 600 Euro steigen.

Das vollständige Interview können Sie hier lesen (Bezahlschranke).

Zum Interview gingen beim Hamburger Abendblatt zahlreiche Leserbriefe mit Lob und Tadel ein. Hier eine positive Zuschrift:

Dieses Interview mit Herrn Fritz Vahrenholt sollte zur Pflichtlektüre für Politiker aller Parteien mit anschließender Diskussion und Auseinandersetzung gemacht werden! Beachtliche Denkanstöße!

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Lag es am hastigen vorweihnachtlichen Konsum von Glühwein in der Teeküche des Spiegels? Gerade zu euphorisch verkündet Spiegel Redakteur Kurt Stukenberg, dass es gute Nachrichten gibt in Sachen Klima.

„Zusammengenommen schlägt das nun auch auf die Szenarien zum Temperaturanstieg in 80 Jahren durch: Wenn diese Langfristziele wirklich eingehalten werden, könnte die Welt gerade noch so an schlimmsten Katstrophen vorbeischrammen, haben Klimaexperten von den Thinktanks Climate Analytics und New Climate Institute errechnet. Laut ihrer Auswertung erwärmt sich das Weltklima dann durchschnittlich »nur« um 2,1 Grad. Damit könnten die Länder auch das Pariser Klimaziel – unter zwei Grad Erwärmung zu bleiben – zumindest annähernd einhalten. Noch vor wenigen Monaten waren die Analysten bei den derzeit umgesetzten Klimamaßnahmen der Länder von rund 2,9 Grad Erwärmung ausgegangen.“

Aber, etwas zu früh gefreut, kurze Zeit danach geht es im bekannten Ton weiter. „Höhere Temperaturen und weniger Eis führen zu Teufelskreis in der Arktis“. Es wird ein Bericht der NOAA vorgestellt. Der bescheinigt der Arktis Temperaturen, die über dem langjährigen Mittel liegen, außerdem im September 2020 den zweitniedrigsten Wert der Meereisbedeckung. Allerdings wird dann auch mit dem Szenario des kompletten Abschmelzens der grönländischen Gletscher spekuliert, die den Meeresspiegel um über 7 Meter ansteigen lassen würden.  Sehr hilfreich ist da immer das Porlarportal.dk. Es zeigt die Eismassenverluste- und Gewinne auf Grönland sehr anschaulich an. Wenn man möchte sogar als kleine Animation.

(Screenshot Polarportal.dk)

Demnach liegt die Eissaison 2020/2021 sehr nahe am gemittelten Bereich 1981-2010. Allerdings gibt es auf dem Polarportal auch Berechnungen über die Dicke des Eises. Diese nimmt zu den Küsten hin ab während es im Landesinneren zunimmt.


(Screenshot Polarportal.dk)

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Eine „schöne“ Weihnachtsüberraschung für alle Gaskunden in Deutschland. Die Anbieter erhöhen die Arbeitspreise. Das macht beim Arbeitspreis mal eben 15% Preiserhöhung aus. Der Grund sind die CO2 Zusatzkosten. Man fragt sich, was mit diesem Geld eigentlich geschieht?

(Screenshot Anbieterschreiben)

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Tesla muss die Rodungsarbeiten in Grünheide bei Berlin vorerst einstellen. Die Bäume sollten der geplanten Batteriefabrik weichen. Beachtlich ist die Haltung das Nabu, der zu den Klägern gehörte, deren Klage jetzt zum Stopp geführt hat. Der Nabu bejubelt die Verkehrswende einerseits und klagt dann gegen solche Vorhaben. Was für ein Spagat!? Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat jetzt entschieden. Weiterlesen bei RBB.

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Warum es gefährlich ist immer wieder Klimadeadlines zu setzen. So lautet ein Kommentar bei Nature.com. Einer der Autoren ist Oliver Geden von der Stiftung Wirtschaft und Politik.

„The political danger of deadline-ism Pushing hard to meet a deadline may also cause (unintentionally) dangerous political side effects. For example, deadline-ism incubates the political opportunism of declaring a climate emergency. It is no surprise that new political movements calling for the declaration of a climate emergency in parliaments, cities, schools and universities have arisen in the months after the release of the IPCC SR15.”

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Die Regierungschefs der EU einigen sich auf neue Klimaziele bis 2030. Besonders Angela Merkel und Emanuel Macron haben sich für neue Ziele eingesetzt. Frankreich hat bereits jetzt eine gute Position. Aktuell ist 87% seiner Stromerzeugung CO2 arm, zum Vergleich kommt Deutschland aktuell auf 47%. Der Anteil lag am 10.12.2020 aber auch schon bei lediglich 30%.

Während Frankreich diesen Wert sehr stabil erreicht, schwankt er für Deutschland also ganz erheblich. Der Grund ist die Abhängigkeit vom Wetter. Da sich an der Volatilität des Wetters nichts ändern wird, ist nicht absehbar, wie Deutschland seine Ziele erreichen will. Weiterlesen bei der Tagesschau.

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Rekordzurückgang bei der CO2-Emission in 2020. Auch hier berichtet die Tagesschau.

„Laut dem Forschungsnetzwerk „Global Carbon Project“ ging der Ausstoß von Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Gas und Öl in diesem Jahr um sieben Prozent im Vergleich zu 2019 zurück. Die Menge sank um 2,4 Milliarden Tonnen auf jetzt 34 Milliarden Tonnen CO2. In den USA (minus 12 Prozent) und in der EU (minus 11 Prozent) war der Rückgang der CO2-Emissionen besonders groß.“

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„Ermutigend finden die Forscher den Nachweis, dass eine klimafreundliche Politik bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum möglich ist. In den Jahren 2010 bis 2019 gingen die fossilen CO2-Emissionen bereits in 24 Staaten mit wachsenden Volkswirtschaften deutlich zurück, darunter in Deutschland, 14 weiteren EU-Staaten, Großbritannien, den USA und Japan.“

Wie passt diese Entwicklung eigentlich zusammen mit Aussagen, dass rein gar nichts passiert  in Sachen Einsparungen, die man so oft hört?

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Die GWPF hielt Anfang Dezember 2020 ein interessantes Webinar ab, in dem Peter Ridd, Joanna Nova und Alan Moran zu Klimathemen vortrugen und Fragen beantworteten. Die Veranstaltung ist jetzt auf Youtube verfügbar.