Friends and Family

Think Tanks nehmen in der öffentlichen Diskussion eine sehr spezielle Rolle ein. Sie geben sich meist unabhängig und versuchen mit Sachverstand zu punkten. Bei allem Anschein von Unabhängigkeit ist nicht immer ist ganz klar, wem sie letztlich dienen, denn jeder Think Tank hat eine eigene Agenda. Manchmal offen, manchmal versteckt. Es gibt Beispiele wie The New Institut (wir berichteten), welches komplett aus einer Hand finanziert wird, und wo der Finanzier sein Geld mit eher umweltkritischem Wirtschaften, in dem Fall Schifffahrt, verdient. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass über solche Denkfabriken der eigene Umweltabdruck kaschiert werden soll. Oder das schlechte Gewissen soll beruhigt werden.

Gleichzeitig kommt es aber auch vor, sogenannte grüne Investments zu fahren, denen ein Think Tank, den man selber finanziert, die nötige Absolution erteilt, in dem es deren Nachhaltigkeit lobpreist. Selffulfilling Prophecy nennt sich das im Englischen.

Es gibt aber auch Beispiele wie Agora-Energiewende. Deren Finanzierung ist zugegeben etwas breiter angelegt als bei The New Institut. Ein Großteil des Budgets in 2020, nämlich etwa 5,8 Millionen Euro von insgesamt 7,8 Millionen Euro, werden über Stiftungen aufgebracht. Bei denen ist wiederum nicht immer ganz klar, wie die sich ihrerseits finanzieren. Für die Stiftung Mercator mag das noch vergleichsweise überschaubau sein, bei der European Climate Foundation oder Climate Imperative ist das schon etwas schwieriger (Klimaschau #16).

Nicht selten sind es wieder Stiftungen, die andere Stiftungen tragen bzw. finanzieren. Anders gesagt wird die Sache mit jeder neuen Ebene, die eingezogen wird, immer unübersichtlicher und am Ende so transparent wie ein Glas Milch. Es ist durchaus möglich, dass das so gewollt ist. Das ist übrigens auch bei Mercator der Fall, denn die Stiftung erhält ihr Geld von einer weiteren Stiftung, der Meridian Stiftung. Wie nun diese Stiftung das Geld verdient, welches sie so üppig ausschüttet, darüber schweigt sich Meridian aus. Die taz biss sich vergeblich die Zähne aus bei der Recherche. Denkbar ist daher eine Konstellation, dass Meridian in Unternehmen investiert ist, denen man über Mercator/Agora das Geschäftsfeld bereitet. 1,7 Millionen Euro zum Agora-Haushalt 2020 trugen übrigens staatliche Zuwendungen bei.

Nun scheint es Agora bis nach ganz oben geschafft zu haben. Deren Direktor Patrick Graichen wird nach einem Artikel im Spiegel Staatssekretär im neuen Superministerium von Robert Habeck. Man darf gespannt sein, wie hoch die Unterstützung für Agora dann in den nächsten Jahren ausfallen wird. Es wäre in dem Fall ein Friends-And-Family-Business. Wer weiß, ob bei Meridian nun große Freude herrscht mit Blick auf das eigene Geschäft?

Aber auch eine andere Habeck-Personalie ist interessant. Habeck holt auch den Grünen EU-Abgeordneten Sven Giegold in sein Ministerium. So wird also ein erklärter Globalisierungsgegner zukünftig eine wichtige Funktion im Wirtschaftsministerium haben. Giegold war lange Jahre bei Attac aktiv. Wäre Harald Juhnke zu Lebzeiten als Pressesprecher zu den Anonymen Alkoholikern gegangen, wäre das in etwa genauso überraschend gewesen. Attac ist eine NGO, der Steuerprivilegien aberkannt wurden, wogegen Attac immer noch klagt. Eine Pikanterie am Rande ist Giegolds Kampf gegen Kryptowährungen. Kaum bekamen die Grünen im Sommer 2021 eine Millionen-Spende von einem Spender, der mit Kryptospekulationen reich geworden ist, verschwand wie durch ein Wunder ein kritischer Artikel von seiner Webseite.

Erst nachdem diese Geschichte auf Twitter publik wurde, war auch der Artikel wieder zu finden. So ein Zufall aber auch. Ob die Grünen die Spende wegen der enorm schlechten CO2-Bilanz von Kryptowährungen nicht angenommen haben, ist nicht bekannt. CO2 stinkt wohl nicht. Für Giegold war übrigens 2008 der Machthaber von Venezuela – der mittlerweile verstorbene Hugo Chavez – übrigens ein lupenreiner Demokrat. Na dann, viva la Revolution.

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Deutscher Strommix wird immer schmutziger. Das berichtet Blackout-News.

“Der Energieverbrauch wird in Deutschland dieses Jahr voraussichtlich drei Prozent gegenüber dem Jahr 2020 steigen. Der Mehrverbrauch wird hauptsächlich durch die Stromproduktion der verbliebenen Kohle- und Atomkraftwerke gedeckt. Bei den erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne ist es trotz höherer Installationsleistung zu einer verringerten Stromproduktion gegenüber dem Vorjahr gekommen.”

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Wolfgang Epple kommentiert für die Naturschutzinitiative den Koalitionsvertrag.

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Alle Informationen waren da, das sagte Jörg Kachelmann laut Spiegel bei einer Befragung zur Hochwasserkatastrophe im Juli 2021. Während viele der Verantwortlichen nur mit den Schultern zuckten (“Klimawandel, kannste nix bei machen”) zeigt Kachelmann schonungslos auf, wie versagt wurde.

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Wird Kernfusion unsere Energiequelle der Zukunft? Ja sagt die Forscherin Sibylle Günter vom Max-Plank-Institut für Plasmaphysik im NDR Fernsehen. Aber wohl erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Der 7 Minuten Bericht ist noch bis 27.11.2022 zu sehen.

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Chile plant laut PV Magazin ein 15.000 Km langes Seekabel, dass grünen Strom nach Asien transportierten soll.

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Wolf Lotter und Daniel Dettling kommentieren in der Welt, wie die ökosoziale Transformation gelingen kann.

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Ungewöhnliche Kälte gibt es zurzeit über großen Teilen von Skandinavien. In Finnland musste deshalb der Start eines Langlaufrennens verschoben werden.

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Die Wirtschaftswoche mit einem Artikel über den Stand des Kernkraftwerkbaus in Europa.

“Dabei zeigt der Blick auf ein paar derzeit im Bau befindliche Atomkraftwerke mit exklusiven Satellitenbilder von LiveEO vor allem eines: Der Bau dauert länger als der Bau des Berliner Flughafens und die Kosten explodieren. Beispiel Nummer eins: Das Kernkraftwerk Flamanville in der Normandie, das vom französischen Energiekonzern EDF gebaut wird: Ein Milliardengrab. Ursprünglich sollte das Kraftwerk 3,3 Milliarden Euro kosten: Wenn es, Stand heute: 2023 mit elf Jahren Verzögerung ans Netz geht, werden die Kosten auf 19 Milliarden Euro angestiegen sein.”

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Warum sollte es in Indien anders sein? Das Land plant laut einer Pressemeldung  sehr viel Ökostrom, allerdings sollen fossile Kraftwerke und Batterien deren Leistung puffern. Auch Indien hat Tag und Nacht und auch in Indien weht der Wind nicht immer. Dort sind die Ausschreibungen gleich so, dass die Grünen Stromproduzenten 80-85% der Zeit zuverlässig Strom liefern. Das nennt sich Realismus.

“Die beiden Institutionen sehen zwei Möglichkeiten, dieser Anforderung gerecht zu werden. Die auf erneuerbaren Energien basierenden Stromerzeuger müssten bei Wetterkapriolen nahezu eins zu eins durch fossile Kraftwerke ersetzt werden. Oder es müssten Stromspeicher zur Verfügung stehen, die bei Bedarf einspringen und eine lückenlose Versorgung gewährleisten.

„Es wird zunehmend Wert darauf gelegt, dass auch Erzeuger von Ökostrom Versorgungssicherheit bieten“, sagt Jyoti Gulia, Hauptautor des Berichts und Gründer von JMK Research. „Dies ist umso wichtiger, weil Indien sich auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow verpflichtet hat, bis 2030 eine zusätzliche Kapazität von 500 Gigawatt im Bereich erneuerbare Energien aufzubauen und zu diesem Zeitpunkt 50 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren zu decken.“”

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Der Grüne Ponyhof und die teure Realität. So lautet der Titel eines Videos von Christian Jung bei YouTube.