Frankreich erlebt kälteste Aprilnacht seit 1947

Kernenergie – Das Zünglein an der Waage? Das bejaht eine Pressemitteilung des Vereins Kerntechnik Deutschland e.V.

Die installierte Leistung weiter betriebener Kernkraftwerke kann in einer akuten Stresssituation für die Stromversorgung den Unterschied zwischen der Aufrechterhaltung und dem Kollaps des Stromnetzes ausmachen, gerade wenn die besondere regionale Verwundbarkeit in Süddeutschland mit in Betracht gezogen wird. In solch einer Stresssituation, wenn Netzspannung UND Frequenz in den engen vorgegebenen Grenzen gehalten werden müssen, wird JEDER großtechnische nichtvolatile Stromerzeuger (und dazu gehört die Kernenergie) dringend benötigt, um das Stromnetz zu stabilisieren. Kernkraftwerke können hierbei durchaus das „Zünglein an der Waage“ sein. Es ist zur Sicherung der Stromversorgung der deutschen Bevölkerung im Krisenfall wie jetzt unverantwortbar, diese am Netz befindlichen Kraftwerke einfach abzuschalten.

Zur derzeit gelegentlich aufgeworfenen Frage der Sicherheit in Konfliktfällen ist bereits länger bekannt, dass kerntechnische Anlagen zu den bestgesicherten industriellen Anlagen überhaupt gehören und deswegen einen guten Schutz etwa gegen terroristische Anschläge bieten, der auch in einem hypothetischen Fall von Kampfhandlungen im Umfeld eines Kernkraftwerks wirksam wäre. Eine etwaige Abschaltung würde wegen der an den Standorten ohnehin bestehenden oberirdischen Zwischenlager keinen wesentlichen Zugewinn an Sicherheit für den Fall eines völkerrechtswidrigen, bewussten und gezielten militärischen Angriffs mit sich bringen.

Last but not least trägt ein – auch nur kurz- oder mittelfristiger – Weiterbetrieb von Kernkraftwerken in Deutschland durch seine praktisch CO2-freie Stromerzeugung auch zur Zielerreichung des Klimaschutzes bei – und dies eben ohne neue Investitionen, Genehmigungs- und Errichtungszeiten sowie Versorgungsrisiken für neue Gaskraftwerke. Die durch einen begrenzten Weiterbetrieb zusätzlich entstehenden radioaktiven Reststoffe haben verglichen mit den bestehenden Inventaren aus jahrzehntelanger Kernenergienutzung nur einen geringen Umfang.

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Das Baltikum macht sich unabhängig von russischem Gas. Die Tagesschau berichtet. Litauen nahm demnach schon 2014 ein Terminal für Flüssiggas LNG in Betrieb. Statt Gas aus Russland wird nun welches aus den USA oder Norwegen importiert. Das Land plant aber seine Nachbarn ebenfalls zu versorgen. Zusätzlich wollen Finnland und Estland ein gemeinsames LNG-Terminal in Betrieb nehmen.

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Stichwort Flüssiggas: Horst Lüning klärt in einem YouTube-Video über das Thema auf. Er rechnet vor allen Dingen vor, wie viele Tanker notwendig wären, um eine Pipeline wie Nordstream 1 zu ersetzen und kommt auf konkrete Zahlen, was Anzahl der Tanker, Löschzeiten usw. angeht.

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Der Landtagswahlkampf in Schleswig-Holstein für die Wahl Anfang Mai 2022 wirft seine Schatten voraus. MinisterpräsidentInnen-KandidatInnen-BeraterInnen empfehlen der Grünen Spitzenkandidatin Heinhold offenbar das Gendern oder geht es um Finnen?

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Über die Bezeichnung Champagner der Energiewende für Wasserstoff kann man sich wahrlich streiten. Champagner ist deshalb so teuer, weil es nur aus einer ganz bestimmten Gegend stammen darf, wo man sich schon früh eine Marke aufgebaut hat. Kenner wissen das und trinken einen ebenso guten Crémant für weniger Geld. Wasserstoff ist hingegen deshalb teuer, weil bei einer Nutzung im Kraftwerk bei Dunkelflauten 65-75% der ursprünglich eingesetzten Energie verloren geht. Rechargenews hat einen Artikel, der statt Wasserstoff nun Ammoniak vorschlägt.

“The truth is that hydrogen’s unsurpassable energy density by weight is irrelevant. When being transported in giant metal tanks, what really matters is its energy density by volume.

“Hydrogen transport by ship is technically possible for larger distances where pipelines are not an option. Because of its low energy density by volume, gaseous hydrogen is best converted into a more energy-dense liquid before being loaded onto a ship,” says Irena’s recent report, Geopolitics of the Energy Transformation: The Hydrogen Factor. “There are several vectors for hydrogen transport via ship, but ammonia is the most promising.”

At normal atmospheric pressure, hydrogen contains just 3kWh of energy per cubic metre, so it either has to be compressed or liquefied to increase its energy density — to 1,411kWh/m3 (at a pressure of 700 bar), or 2,350kWh/m3 when super-cooled to a liquid at a balmy minus 253°C.
The volumetric energy density of ammonia is 59% higher — at 3,730kWh/m3 when stored in its standard liquid form at minus 33.3°C.

So, assuming same-sized vessels, it would theoretically take more than three shipments of liquid hydrogen (LH2) to transport the same amount of energy as two shipments of liquid ammonia (LNH3).

Wir spekulieren lieber nicht, wie die Bezeichnung für flüssiges Ammoniak lauten könnte, sollte sich diese Form des Transports von Energie durchsetzen.

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Topagrar nimmt an, dass Bioenergie und auch Wasserkraft im kleineren Rahmen zukünftig bei den Subventionen das Nachsehen haben. Der Artikel benötigt eine Registrierung.

„Bei Biomasse erfolgt eine Verschiebung von Biogasanlagen zu Biomethananlagen“, heißt es im Entwurf des EEG. Dabei sollen sehr viel weniger Volllaststunden pro Jahr gefördert werden. „Die Förderung der Biomasse soll stärker fokussiert werden auf hochflexible Spitzenlastkraftwerke, damit die Bioenergie ihre Stärke als speicherbarer Energieträger zunehmend systemdienlich ausspielen kann und einen größeren Beitrag zu einer sicheren Stromversorgung leistet“, begründet der Gesetzgeber die Vorgabe. Zu diesem Zweck darf Biomethan künftig nur noch in hochflexiblen Kraftwerken eingesetzt werden, die höchstens an 10 % der Stunden eines Jahres Strom erzeugen. Zugleich entfällt die Größenbegrenzung von bisher 10 MW für Biomethananlagen. Die Ausschreibungsmengen bei Biogas und Biomethan sollen schrittweise so verschoben werden, dass sie dieser neuen Rolle der Bioenergie entsprechen.”

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Dieses Mal kein Superkleber sondern Kabelbinder. Laut Welt haben sich zwei Aktivisten der “letzten Generation” beim Fußballspiel Frankfurt gegen Freiburg mittels Kabelbinder an die Torpfosten gebunden. Das Intermezzo dauerte aber nicht lange.

“Der Grund des Protestes war zunächst nicht bekannt. Auf den T-Shirts der beiden war jedoch zu lesen: „Letzte Generation – Stoppt den fossilen Wahnsinn“. Offenbar waren die beiden von einer Aktion aus England inspiriert worden. Mitte März hatte sich während der Premier-League-Partie des FC Everton gegen Newcastle United ein Student mit Kabelbinder am Torpfosten festgemacht. Der 21-Jährige trug damals ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Just Stop Oil“.”

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ZDF-Meteorologe Özden Terli muss auch mal gelobt werden. Bei seinem Wetterrückblick auf den März 2022 stimmt die Legende an der rechten Seite. Er arbeitet also auch mit dem aktuellen Referenzzeitraum 1990-2020. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Es versteht sich, dass Terli den 5. wärmsten März in der Geschichte erwähnt, aber anders als die Quelle ECMWF nicht sagt, dass es auch der drittkälteste in den letzten 10 Jahren war. Die Kälte-Anomalien im Südosten (Türkei und Griechenland) von Europa schienen ebenfalls kaum eine Erwähnung wert.

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)

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Alex Reichmuth am 6.4.2022 im Nebelspalter:

Der enorme Wasserverbrauch des Solarstroms

Sonnenstrom aus Nordafrika soll helfen, Europas Energieprobleme zu lösen. Doch die Sache hat einen Haken: Für die Produktion von Solarenergie in Marokko, Tunesien und anderen Ländern ist enorm viel Wasser nötig. Dabei leiden solche Staaten schon jetzt an Wasserknappheit.

Weiterlesen im Nebelspalter

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Deutsche Wirtschafts-Nachrichten am 8.4.2022:

Neue Kaltzeit? Frankreich erlebt kälteste Aprilnacht seit 1947

In Frankreich wurde Anfang April ein neuer Kälterekord aufgestellt. Es ist nicht der erste Kälterekord, der in den vergangenen Monaten in Europa aufgestellt wurde.

Weiterlesen in den Deutschen Wirtschafts-Nachrichten

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FH Aachen:

FH-Forscher entwickelt Sensor zur Überwachung von Biogasanlagen

Dr. Shahriar Dantism forscht am Institut für Nano- und Biotechnologien (INB) der FH Aachen an neuester Sensortechnologie zur Untersuchung von Biogasprozessen. Mit seiner Arbeit „Development of a differential LAPS-based monitoring system to evaluate the metabolic response of bacteria in biogas process analyses“ hat der 39-Jährige jetzt an der KU Leuven promoviert, betreut wurde er seitens der FH von Prof. Dr. Michael J. Schöning und Prof. Dr. Torsten Wagner sowie durch Prof. Dr. Patrick Wagner von der KU Leuven.

„Ich wollte den Dingen schon immer auf den Grund gehen“, sagt Dr. Shahriar Dantism, „als Kind wollte ich Archäologe werden.“ Der Weg von dem Jungen, der mit einer kleinen Schaufel im Iran nach Relikten vergangener Zeiten suchte, hin zum erfolgreichen Wissenschaftler, der am Institut für Nano- und Biotechnologien (INB) in Jülich an neuester Sensortechnologie zur Untersuchung von Biogasprozessen forscht, war steinig. Aber die Arbeit hat sich gelohnt: Mit seiner Arbeit „Development of a differential LAPS-based monitoring system to evaluate the metabolic response of bacteria in biogas process analyses“ hat der 39-Jährige jetzt an der KU Leuven promoviert, betreut wurde er seitens der FH von Prof. Dr. Michael J. Schöning und Prof. Dr. Torsten Wagner sowie durch Prof. Dr. Patrick Wagner von der KU Leuven.
Nach seiner Schulausbildung im Iran fasste Shahriar Dantism den Entschluss, für ein Studium nach Deutschland zu kommen. „Ich wollte die Welt sehen“, erinnert er sich. Ein Teil seiner Familie lebte in den USA, aber ihn zog es ins Land der Dichter und Denker: „Die deutsche Sprache ist die Sprache der Philosophie.“ Er lernte Deutsch am Goethe-Institut in Teheran, 2003 schaffte er die Prüfungen und bekam die Zulassung für den Besuch eines Studienkollegs in Gießen. Auch dieses absolvierte er mit Bestnoten und nahm schließlich ein Elektrotechnikstudium an der RWTH Aachen auf. „Am Anfang war es schwer für mich“, erinnert er sich. Er musste sich nicht nur in einem fremden Land zurechtfinden und seinen Lebensunterhalt bestreiten, auch seine Familie im Iran benötigte Unterstützung: „Meine Eltern sind krank geworden, ich musste immer wieder nach Hause fliegen, um mich um sie zu kümmern.“ Er wechselte schließlich den Studiengang und schrieb sich für Biomedizintechnik am Campus Jülich der FH Aachen ein. „Die Bachelorarbeit habe ich in Teheran am Krankenbett meiner Mutter geschrieben“, erinnert er sich.
Shahriar Dantism bewältigte diese Herausforderungen, und sein Forschergeist war geweckt: In nur einem Jahr absolvierte er das Masterstudium – Abschlussnote 1,3 – und entschied sich anschließend zu promovieren. In Prof. Schöning, dem Direktor des INB, fand er einen Betreuer, mit dem er gemeinsam ein interessantes und zukunftsträchtiges Forschungsfeld identifizierte: die Überwachung von biochemischen Abläufen in der Biogasproduktion.
„Der Biogasprozess ist sehr komplex“, erläutert Prof. Schöning. Dieser Prozess könne effizienter und sicherer gesteuert werden, wenn präzise Informationen zu den Abläufen innerhalb der Anlagen vorlägen. Konkret geht es um Mikroorganismen, die den Metabolismus – also den Stoffwechsel – des Substrats beeinflussen. Deshalb hat sich Shahriar Dantism mit der Realisierung einer Multi-Sensoranordnung beschäftigt, mit der er unterschiedliche Bakterien gleichzeitig studieren kann. „Ich habe drei verschiedene Bakterientypen als Modellsysteme untersucht“, sagt Dr. Dantism, „die mittels des Sensorarrays eine Simultanmessung ermöglichen.“ Hierbei handelt es sich um die Bakterien Escherichia coli, Corynebacterium glutamicum und Lactobacillus brevis.
Konkret sieht der experimentelle Ansatz so aus, dass auf der Oberseite der Sensoranordnung ein Aufsatz mit vier Kammern angebracht ist. In drei der Kammern wird dem Substrat je eins der drei Bakterien zugegeben, in die vierte kommt nur das Substrat als Referenz. Auf der Unterseite des Chips wird durch Licht ein elektrisches Feld erzeugt – je nach Stoffwechselaktivität in den Kammern ändert sich dessen Stärke. „Dadurch können wir genau analysieren, welche Auswirkung die Zugabe von Mikroorganismen auf das Substrat hat“, erklärt Prof. Schöning. Bei der Entwicklung der Versuchsanordnung konnte der Nachwuchswissenschaftler auf die 3-D-Drucktechnik am Campus Jülich zurückgreifen. Und auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit war wichtig: Die Kolleginnen und Kollegen vom Institut NOWUM-Energy ermöglichten den Zugang zu Proben aus ihrem Laborreaktor, mit dem unter anderem die Biogasgewinnung aus Altpapierresten erforscht wird. „Die Modellbakterien können dabei helfen, den sensorischen Ansatz zu justieren“, so Dr. Dantism, „der nächste Schritt sieht dann den Einsatz im Biogasreaktor mit prozessrelevanten Mikroorganismen vor.“
Die Biogasproduktion gilt als ein wichtiger Baustein zur Energiewende. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts werden in Deutschland knapp 10.000 Biogasanlagen betrieben. Rund 18 Prozent der erzeugten Strommenge aus Erneuerbaren Energien entstand in Deutschland durch Biomasse. „Wenn wir die Prozesse innerhalb der Anlagen besser verstehen, können wir bei Störungen auch schneller reagieren“, sagt Prof. Schöning. Wenn etwa eine große Biogasanlage „umkippe“, müsse sie für bis zu drei Monate vom Netz genommen werden, und die Aufreinigung sei mit hohen Kosten verbunden.
Dr. Shariar Dantism ist dankbar für die Unterstützung, die er in seiner Zeit am INB erfahren hat. „Das Institut ist sehr gut vernetzt“, berichtet er, er habe die Gelegenheit bekommen, seine Forschungsergebnisse in sechs Publikationen zu veröffentlichen und bei 14 Konferenzen mit Fachleuten aus dem In- und Ausland zu diskutieren. Die Promotionsprüfung wurde hybrid durchgeführt: Drei belgische Kolleginnen und Kollegen waren in Leuven zugegen, ein belgischer Kollege und drei deutsche Kollegen sowie der Kandidat waren live vor Ort in Jülich unter 2G+-Bedingungen dabei. „Ich bin glücklich und dankbar, dass ich an einer so renommierten Hochschule promovieren konnte“, sagt der 39-Jährige. Es sei ein anstrengender Weg gewesen, „aber am Ende erntet man die Früchte.“
Unterstützt wurde das Forschungsvorhaben von Dr. Dantism vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Projekt-Nr. 2200613).