Feuer frei

Themen heute:
1) Warum Klimamodellierungen immer wieder daneben liegen und es weniger Waldbrände gibt als prognostiziert
2) Tempolimit, schneller Ausbau der Windkraft, weniger Biosprit: Die aktuellen Forderungen der Umweltministerkonferenz
3) Studie zu Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Arbeitsunfällen
4) Kommentar beim SPIEGEL: Braucht Deutschland die ganzen LNG-Terminals etwa gar nicht?
5) Große Unsicherheit bei Wetter-Prognosen
6) Russland dreht Finnland den Strom ab: Kein großes Drama etc.

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Auf seinem Blog schreibt der Welt-Journalist Axel Bojanowski zu verschiedenen Klimathemen. In den Artikel “Feuer frei” geht es um die Waldbrände. Der Artikel zeigt sehr gut die Diskrepanz zwischen Modellierungen und tatsächlichen Werten. Während die Modellierungen von einer steigenden Zahl von Waldbränden ausgehen, sieht die Realität bisher anders aus.

“Bei der Studie handelt es sich im Wesentlichen um eine Computermodellierung des globalen Waldbrandrisikos bei fortschreitender Erwärmung. Ergebnis: Waldbrände könnten bis 2050 um 30% zunehmen, bis 2100 um 50%.

Auf den ersten Blick ein plausibles Szenario: Der UN-Klimarat IPCC, der den Sachstand zum Klima sichtet, konstatiert in seinem aktuellen Bericht, dass Waldbrandwetter tendenziell zunehmen dürfte im Zuge der globalen Erwärmung.

Ob es aber deshalb auch mehr Waldbrände geben wird, lässt der IPCC offen, aus gutem Grund: Ob aus Waldbrandwetter Waldbrände werden, hängt vor allem vom Waldmanagement und von Vorsorge ab.

Weil sich Management und Vorsorge verbessert haben, ist der Trend bei den Feuern trotz fortgeschrittener Erwärmung rückläufig, schon seit langem.”

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Tempolimit, schneller Ausbau der Windkraft und weniger Biosprit, so lassen sich die Forderungen der Umweltministerkonferenz zusammenfassen, die sich für 2 Tage in Wilhelmshaven traf. Heise berichtete.

“Um Ressourcen zu sparen, stimmten die Länderminister zudem auch für ein Tempolimit auf Autobahnen. „Wir müssen Klimaschutz auch durch ein Tempolimit mit voranbringen“, sagte Lies. Zwar hätten Bayern und Nordrhein-Westfalen in einer Protokollnotiz vermerkt, dass sie die Wirkung eines Tempolimits für begrenzt hielten und dieses „aus Gründen der Verhältnismäßigkeit“ nicht mittrügen. Der Beschluss, der auch weitere Punkte zum Klimaschutz und zu den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine enthält, sei aber einstimmig auch mit den Stimmen dieser beiden Bundesländer gefasst worden, sagte Lies.”

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Eine Studie untersucht Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Arbeitsunfällen.

“Dabei verglichen die Forschenden Daten zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten für die Jahre 2011-2018 mit Hitzeindexdaten aus den drei Städten. Der Hitzeindex ist eine Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit und zeigt an, wie die Menschen die Hitze empfinden. Ein Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und Erkrankungen und Unfällen war erwartet worden, wie deutlich dieser Zusammenhang ausfiel, hat die Forschenden dennoch überrascht.”

Weiterlesen in der Süddeutschen.

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Wer hätte gedacht, dass sogar eine Narkose beim Thema Klimawandel eine Rolle spielt. Eine Glosse bei Sciencefiles nimmt sich des Themas an:

Die Rückkehr des Holzhammers.

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Offenbar traut Kurt Stukenberg vom Spiegel Robert Habeck bzw. dem Wirtschaftsministerium nicht viel Sachverstand zu. In einem Kommentar beim Spiegel meint Stukenberg, dass Deutschland die ganzen LNG-Terminals gar nicht braucht. Es wird u. a. das DIW zitiert.

“Mit Nein beantwortete das zuletzt etwa eine Untersuchung im Auftrag der European Climate Foundation . Um bis 2025 unabhängig von russischem Gas zu werden, gebe es bis auf eine einzige neue Anlage in Finnland keinerlei weiteren Bedarf an zusätzlichen LNG-Terminals in der EU. Das bisher aus Russland stammende Gas könne stattdessen mit der bestehenden Infrastruktur, dem Ausbau der erneuerbaren Energien und Einsparungen ersetzt werden, so das Papier. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält den Neubau von Terminals in Deutschland »aufgrund der langen Bauzeiten und des mittelfristig stark rückläufigen Erdgasbedarfs« für nicht notwendig.”

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Prognosen beim Wetter sind eine heikle Angelegenheit. Sehr viele Faktoren beeinflussen das Wettergeschehen. Die Europäische Wetterbehörde ECMWF gibt zwar 45 Tage Prognosen heraus, aber die sind mit Vorsicht zu genießen. Bereits nach wenigen Tagen wird der Unsicherheitsfaktor immer größer.

Das hält Spektrum der Wissenschaft aber nicht davon ab schon einmal eine Prognose für den Sommer 2022 zu treffen. Natürlich mit vielen Konjunktiven, aber es wird schon mal eine mögliche Omega Wetterlage beschworen, die für stabile Hochdrucklage steht, im Sommer bedeutet das, wenig Regen und viel Sonne, wenn man im Einflussbereich des Hochs liegt.

“Jetzt kündigt sich erneut eine solche Wetterlage an. Am Wochenende steigt der Luftdruck über Mitteleuropa und Skandinavien, sehr warme Luft aus dem Süden strömt auf den Kontinent. »Es sieht sehr nach einer Omegalage aus«, sagt Meteorologin Jacqueline Kernn vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach, allerdings sei unklar, wie lange sich das Omega dieses Mal behaupten werde, das Tief über Osteuropa schwächle etwas. Denn alles hängt davon ab, ob die flankierenden Tiefdruckgebiete das Hoch in der Mitte unterstützen, dann werde das Omega von der Strömung aufrechterhalten. »Normalerweise halten solche Lagen aber gut und gerne drei Wochen«, sagt sie. Im Glutsommer 2003 setzte sich das Hoch Michaela sogar noch länger fest. Damals sprach das halbe Land über das berüchtigte Omega, das im Süden fast den ganzen Sommer dominierte.

Die Folgen der aktuellen Wetterlage lassen sich jetzt schon auf den Wetter-Apps erkennen. Bis weit in die nächste Woche hinein sagen die Modelle frühsommerliche Werte und viel Sonne voraus, mancherorts könnte es tagelang sogar erstmals heiß werden. Große Hitze, wie sie Anfang der Woche noch von einigen Modellen berechnet wurde, ist allerdings unwahrscheinlich. Dafür ist bis auf Weiteres in weiten Teilen des Landes kein Regen in Sicht. Damit spitzt sich die Trockenheit im Osten und Norden weiter zu, allenfalls zum Wochenanfang könnte ein kleines Randtief ein paar Schauer und Gewitter übers Land ziehen lassen. Nach größeren Regenmengen sieht es vorerst aber nicht aus.”

Der Artikel stammt von 13.05.2022. Bereits 3 Tage später erwartet die Mitte und der Süden von Deutschland Gewitter mit großen Regenmengen von 30-40 Litern auf den Quadratmeter in kurzer Zeit. So schnell kann es gehen.

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Russland dreht Finnland den Strom ab. Das hört sich dramatisch an, ist es in der Realität aber nicht.
Wie der Focus berichtet, wurden Stromrechnungen nicht mehr bezahlt, was aber den Sanktionen gegen Russland geschuldet ist und weniger einer Zahlungsverweigerung.

“Ab dem heutigen Samstag soll kein russischer Strom mehr nach Finnland fließen. Der Grund dafür seien ausstehende Zahlungen für Stromlieferungen aus dem Nachbarland. Das hat das Energieunternehmen RAO Nordic Oy am Freitag mitgeteilt. Das in Helsinki ansässige Tochterunternehmen des russischen Konzerns InterRAO erklärte, dass es keine Möglichkeit gebe, die Rechnungen für die Stromimporte zu bezahlen.

Was in anderen Ländern für helle Aufregung sorgen würde, scheinen die Finnen mit einem Achselzucken abzutun. Der Grund für diese Gelassenheit: In Finnland hat man sich auf dieses Ereignis schon früh vorbereitet und – anders als in Deutschland – stärker auf einen Energiemix gesetzt. Auch auf Atomkraft.”

Finnland hat erst kürzlich den Reaktor Olkiluoto 3 angefahren. Wenn er seine volle Leistung erreicht, dann wird allein dieser Reaktor den russischen Strom komplett kompensieren. Bis dahin wird Finnland Strom aus Schweden importieren. Beim Strommix liegt die Wasserkraft in dem Land vorne, gefolgt von Kernenergie und Windkraft. Es beschert dem Land eine deutlich bessere CO2-Bilanz bei der Stromerzeugung als z. B. Deutschland.

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Leserzuschrift von Dipl.-Ing. Peter Dietze zur Stromspeicher-Studie von Fraunhofer (Blog am 13.5.2022):

Man muss m.E. für unseren saisonalen Energiewende-Jahresspeicher 2045 mindestens 20 Tage Dunkelflaute und wenigstens den 7,5fachen Strombedarf rechnen. 80% von 20 Tagen à 1,5 TWh•7,5 ergibt 180.000 GWh. Das entspricht 21.170 mal Goldisthal – oder als Big Battery (z.B. realisiert in der Nähe von Melbourne mit 450 MWh – Google: big battery victoria) bei 355 Mio $ pro GWh womit für uns 61.400 Mrd € herauskommen. Die Fraunhofer-Studie hat fälschlich nur 1/1000 (!) der benötigten GWh berechnet – und zwar ausdrücklich für 100% Energieversorgung Deutschlands durch Ökostrom.

Interessant ist dass ca. 72.300 € pro Einwohner für unsere Energiewende (6 Billionen) abgeschätzt wurden, aber allein etwa 740.000 € für die Netzbatterie mitsamt Anlagentechnik herauskommen wenn man 61.400 Mrd. € auf 83 Mio Einwohner umlegt. Von dieser Big Battery würde Deutschland allein 400.000 (!!) benötigen. Der Vorschlag von Fraunhofer, die Stromspeicher auf dem Gelände stillgelegter Kraftwerke zu platzieren, ist grotesk. Auch hat man sich nicht überlegt, woher eigentlich die Rohstoffe für solche Mengen an Akkus (abgesehen von der Elektromobilität) kommen sollen.

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phys.org:

Bitcoin carbon emissions rise as mining moves to US and other countries

A team of researchers from the Netherlands, Switzerland and Germany has found that as Bitcoin miners have moved from China to the U.S. and other countries, their carbon emissions have increased. In their paper published the journal Joule, the group reports that as Bitcoin miners have been forced out of China, they have moved to places with fossil-fuel-based electricity sources, thereby increasing their carbon emissions.

Weiterlesen bei phys.org

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Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.:

Methan: Leckagen an Biogasanlagen verhindern – Strategien zur Verhinderung des Methanschlupfs vorgelegt

Forscher des Deutschen Biomasseforschungszentrums GmbH (DBFZ) und der Universität Stuttgart, Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA) haben in einem internationalen Verbundvorhaben Emissionsmessungen an Biogasanlagen durchgeführt. Ziel war die Bewertung verschiedener Biogasanlagenkonzepte in Europa hinsichtlich ihrer Methanemissionen. Die Kooperationspartneraus Deutschland, Österreich, Schweden, Dänemark und der Schweiz haben Daten zur Identifizierung der wichtigsten Methanleckagen an Biogasanlagen und deren Quantifizierung erhoben und Strategien zur Verhinderung dieser Methanemissionen erarbeitet.

Das Verbundvorhaben „Bewertung und Minderung von Methanemissionen aus verschiedenen europäischen Biogasanlagenkonzepten (EvEmBi)“ wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie durch ERA-NET Bioenergy gefördert.

Die Ergebnisse des Vorhabens zeigen, dass sich der sogenannte Methan-Schlupf vor allem durch gasdichte Abdeckung von Gärproduktlagern, geeignete Füllstandsregelungen der Gasspeicher sowie regelmäßige Überprüfung von Leckagen verhindern lässt.

Die meisten Leckagen traten an der Folienanbindung zur Behälterwand, an der Seildurchführung der Tauchmotorrührwerke sowie an Festdachbehältern auf. Zudem entweicht Methan betriebsbedingt über die Überdrucksicherungen der Gasspeicher, aber auch durch offene Kugelhähne oder fehlende Wasservorlagen. Durch geeignete Betriebsweise der Anlage, ausgerichtet auf den Füllstand des Gasspeichers, kann das Auslösen der Überdrucksicherung im Normalbetrieb verringert werden.

Für die Analyse der Methan-Minderungspotenziale wurden durch den Kooperationsverbund Emissionsmessungen an 37 unterschiedlichen Biogasanlagen in Deutschland, Österreich, Schweden und der Schweiz durchgeführt. Auf dieser Grundlage wurden Optimierungsvorschläge erarbeitet. Dabei handelt es sich in erster Linie um Maßnahmen wie die Reparatur von Leckagen, die Behebung von Fehlfunktionen, z. B. das Schließen von Kugelhähnen, das Auffüllen der Wasservorlage oder das Schließen der Ventile bei Über-/Unterdrucksicherungen, aber auch um konstruktive Maßnahmen, wie z. B. die gasdichte Abdeckung des Gärproduktlagers.

Mit Blick auf den Wissenstransfer und zur Sensibilisierung der Anlagenbetreiber wurde in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Biogas e. V. das Hintergrundpapier H-011 „Methanemissionen an Biogasanlagen“ mit Informationen zu den wichtigsten Methanemissionsminderungsmaßnahmen veröffentlicht.

Hintergrund:

Methan – das Produkt der Biogaserzeugung – wird auf vielfältige Weise z. B. zur Strom- und Wärmeerzeugung verwertet und ist ausschlaggebend für die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage. Durch Leckagen entweichende Methanemissionen wirken sich nicht nur negativ auf die Wirtschaftlichkeit der Biogasanlage aus, sondern auch auf das Klima, denn Methan ist rund 25-mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid. Zudem können sich durch größere Methanleckagen lokale Ansammlungen explosiver Gasgemische bilden und die Sicherheit des Anlagenbetriebes gefährden. Methanleckagen an Biogasanlagen sollten deshalb aufgespürt und vermieden werden.

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Der Bank Blog:

Deutsche Unternehmen zögern bei der Nachhaltigkeitstransformation

Begrenztes Bewusstsein für die Gefahr des Klimawandels

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Deutsche Welle:

Opinion: Germany needs to invest in nature to defend against floods

Today’s first international World Wetlands Day should prompt action to restore these vital ecosystems to protect communities, biodiversity and prevent future disasters, writes Jane Madgwick of Wetlands International.