EU: Wer sind Befürworter und Gegner der Atomkraft?

Das Thema Taxonomie von Kernenergie und Gas bewegt weiter die Politik und die Öffentlichkeit. Bei msn.com findet man einen Artikel, der eine gute Übersicht über den Stand gibt. Nur noch bis 12.01.2022 sind Änderungen an dem Text möglich – welche Mehrheiten im Rat und auch Parlament der EU nötig wären, um den Entwurf zu kippen, wird dort auch erklärt.

“Wer sind Befürworter und Gegner der Atomkraft?

In der EU sind die Atomkraft-Befürworter in der deutlichen Mehrheit. Offiziell zur Atomkraft bekannt haben sich neben Frankreich auch Finnland, die Visegrad-Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei, außerdem Slowenien und Kroatien sowie Rumänien und Bulgarien.

Entschiedene Gegner sind Deutschland, Österreich, Luxemburg, Dänemark und Portugal.

Auch in der Gruppe der Länder, die sich nicht offiziell, sondern nur tendenziell pro oder contra Kernenergie bekannt haben, sind die Atomkraft-Befürworter in der Mehrheit: So gibt es Signale aus den Niederlanden, Belgien und den baltischen Ländern, ihren Atomkraft-Kurs zugunsten neuer Kernkraftwerke zu überdenken. Als weitere tendenzielle Gegner der Atomkraft gelten dagegen bislang nur Italien, Spanien und Irland.”

Alexander Kissler kommentiert in der NZZ:

“Berlins radikaler Anti-Atom-Kurs bleibt ein Sonderweg”

Der Artikel setzt eine Registrierung voraus. Im Focus findet sich ein Kommentar von Hugo Müller-Vogg zu dem Thema.

Im Atomstreit-Dilemma der Ampel steht der große Verlierer jetzt schon fest

“Die Grünen haben zwei Möglichkeiten: Sie können gegen den EU-Plan Sturm laufen, dabei viel Staub aufwirbeln und eine mittlere Koalitionskrise auslösen; sie werden angesichts der Mehrheitsverhältnisse im EU-Parlament aber nichts Substantielles erreichen. Oder sie nehmen zur Kenntnis, dass die meisten europäischen Staaten sich bei der Sicherung ihrer Energieversorgung nicht an grünen Parteitagsbeschlüssen orientieren. So oder so: Die Grünen sind die großen Verlierer.”

Derweil versuchen einige Grüne es mit der Wunderwaffe der Demokratie: einer Petition. Streng genommen sind das keine Petitionen, sondern Unterschriftensammlungen. Noch ist die EU-Taxonomie kein gültiger Rechtsakt und kann daher auch schlecht per Petition geändert werden. Ganz abgesehen davon, dass es in der EU-Gesetzgebung nicht vorgesehen ist. Er kann daher nicht durch Unterschriftensammlungen geändert werden, die Regeln sind relativ klar. Petitionen, so viel ist sicher, scheinen Klimabewegte magisch anzuziehen.

Eigentlich ist es schade, dass das Event am 12.06.2020 im Berliner Olympiastadion nicht stattfand. Die Idee war nämlich per Click auf das Smartphone massenweise Petitionen durchzuwinken. Es störte die Organisatoren auch nicht, dass im vollbesetzen Olympiastadion nur 0,13% der deutschen Wahlberechtigten anwesend gewesen wären. Sie gingen fest davon aus, dass in Berlin sämtliche Probleme mittels Smartphone weggeklickt worden wären. Die Regierung hätte das alles annehmen müssen, so die offenbare Annahme.

Wir berichteten seinerzeit über das Drama mit dem Drama. Interessant ist vielleicht noch, dass einer der Initiatoren der aktuellen Petition Sven Giegold von der Grünen ist. Der Globalisierungsgegner ist mittlerweile Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Das ist in etwa vergleichbar mit einem Vegetarier, der Steakhausführer schreibt. In jedem Fall ist es sonderbar, dass ein Regierungsbeamter öffentlich Stimmung macht. Was Grünen offenbar nicht bekannt ist, das ist das Geschäftsmodell von Change.org, wo die Petition läuft. Change.org sammelt Klick-Vieh ein, um dann den passenden Profilen beim nächsten Besuch der Seite bezahlte Petitionen anzuzeigen. Wahrscheinlich kann man beim Betreiber sein Glück kaum fassen, so viel kostenlose Promotion. Bis zum 04.01.2021 um 16:00 haben etwa 95.000 Menschen den Aufruf gezeichnet.

Über den Atomausstieg gibt es aber auch Freude. Zum Beispiel bei Hans-Josef Fell, einem der Väter des EEG in Deutschland. Endlich, so frohlockt er, blockiere der Atomstrom nicht mehr die Leitungen, was auf eine erschreckende Kompetenz in Sachen Physik hinweist. Vielleicht hat Fell auch einfach nur vergessen, dass Erneuerbare Energien Einspeisevorrang haben?

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Auch Fell macht sich Sorgen um die Versorgungssicherheit durch Atomkraftwerke in Frankreich. Immerhin schafft Frankreich es fast 75% der möglichen Leistung aus Kernenergie zu erreichen. Zum Vergleich: Deutschland schafft zur gleichen Zeit mit Wind etwa 25% seiner Kapazität, Solar schafft nur 2% der Nennleistung. Zudem exportiert Frankreich zum gleichen Zeitpunkt Strom. Die Frage ist eher, wer sich hier Sorgen um wen machen sollte? Beim Blick auf die CO2 Emission zum Stichzeitpunkt wohl eher um Deutschland, denn die Zahl liegt 600% höher als die von Frankreich.

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Das Handelsblatt berichtet über die ersten Unternehmen, die vor den hohen Gas- und Strompreisen kapitulieren. Die Energiekosten sind höher als der Umsatz.

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Die USA weisen laut En-former, dem Energieblog von RWE, fünf neue Windenergiegebiete aus. Dort sollen Windparks mit insgesamt 9,8 GW Leistung entstehen.

“Die Bundesstaaten an der windigen Ostküste des Landes haben die ambitioniertesten Offshore-Ausbaupläne innerhalb der USA. Im Jahr 2019 lagen ihre Zielmarke bei beeindruckenden 23.698 MW Offshore-Kapazität, die bis 2035 entstehen soll. In diesem Jahr wurden die Ziele weiter erhöht, auf 39.298 MW bis 2040, wie aus dem Offshore-Windbericht des US-Energieministeriums hervorgeht.

New York strebt 9 Gigawatt (GW) Offshore-Windkapazität bis 2035 an, Virgina 5,2 GW bis 2034, Massachusetts 5,6 GW bis 2035 und North Carolina 2,8 GW bis 2030 und 8 GW bis 2040. Damit ist die Ostküste führend, da dort große Bevölkerungszentren für eine große Stromnachfrage sorgen. Außerdem besitzen die Oststaaten hervorragende Windressourcen und der Meeresboden ist für konventionelle Windturbinen mit fest installierten Fundamenten geeignet.”

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Haste mal nen Euro? In diesem Fall zum Kauf eine Kilowattstunde Strom. Beim Grundversorger Stadtwerke Düren geht das laut Kölner Stadtanzeiger. Dort kostet ab dem 22.12.2021 die Kilowattstunde 99,75 Cent für Neukunden. Der Slogan des Unternehmens lautet übrigens: Umdenken. Energie neu leben.

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In der Energienot frisst der Teufel Fliegen. In diesem Fall geht es um Marokko. Seit einiger Zeit war die Situation zwischen Deutschlands und Marokkos angespannt. Wir berichteten. Streitpunkt war der Status und die Zukunft der ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara. Mit einem Fingerschnipp hat nun laut Welt (Bezahlschranke) die neue Grüne Außenministerin Baerbock das Problem gelöst. Kurz gesagt reichte eine Mitteilung: Alles ist gut.

“Der deutsche Richtungswechsel in den Beziehungen zum Maghreb-Staat basierte nicht alleine auf Freiwilligkeit. Marokko hat im Laufe des vergangenen Jahres eine äußerst offensive Außenpolitik geführt. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Deutschland war nur eines der Werkzeuge, mit denen Rabat seine neue Politik der Stärke als „regional player“ unterstrich.”

Möglicherweise steht der Fingerschnipp von Baerbock tatsächlich im Zusammenhang mit der deutschen Energiewende. Deutschland wird es nicht schaffen, seinen Energiehunger aus eigener Kraft zu stillen. Marokko hat bei Sonnenstrom die besseren Karten und neben dem größten Sonnenkraftwerk der Welt soll Grüner Wasserstoff produziert werden, der in Deutschland nur extrem teuer hergestellt werden kann.

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Der Deutschlandfunk schafft es aus einem Interview mit Maja Göpel, bei dem es nur am Rande um Atomkraft ging, ein Statement gegen die Kernenergie zu machen. Das war dann sogar der Interviewten etwas zu heiß.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Nebenbei erfährt man beim Deutschlandfunk, dass Göpel ebenfalls Mitglied im Club of Rome ist. Vielleicht gab es eine Freunde-werben-Freunde-Aktion? Dem Club of Rome ergeht es ähnlich wie den Jehovas Zeugen, die nach jedem verpassten Weltuntergang ein gewisses Argumentationsproblem haben. Die Prognosen des Clubs of Rome, egal ob Weltbevölkerung oder Verfügbarkeit von Rohstoffen, scheitern regelmäßig.

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Der mit Kernenergie angetriebene russische Eisbrecher Arktika befährt zum ersten Mal die Ostarktis. Laut Barentsobserver versuchte die Mannschaft des weltweit stärksten Eisbrechers drei weitere Schiffe zu befreien. Sie wurden vom frühen Forst überrascht und sollten Baugüter in die russische Stadt Pevek transportieren.

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Silvesterknaller der EU

Es ist schon bitter für die Grünen, das ausgerechnet die Atomenergie als „nachhaltig“ eingestuft werden soll. Der Ursprung der Grünen geht ja auf den Kampf gegen Kernenergie zurück – zumindest in Deutschland. Heute haben die Grünen andere Themen gefunden, da der Ausstieg aus der Kernenergie von anderen Parteien mitgetragen wird. Da auch allgemein Maßnahmen für den Schutz der Umwelt ergriffen werden, bleibt für die Grünen praktisch nur noch der Kampf gegen den Klimawandel. Deshalb werden dabei auch die wildesten Horrorszenarien an die Wand gemalt und die Grünen stellen sich als Weltretter dar.

Mittlerweile haben wohl auch die Grünen erkannt, dass die Energie aus Sonne und Wind nicht ausreicht und sie haben deshalb auch Gaskraftwerke als Stromquelle akzeptiert. Ansonsten haben die Grünen den Naturschutz eher hinten angestellt. Wie schon des Öfteren berichtet, wird der Schutz von seltenen Greifvogelarten dem Ausbau der Windkraft geopfert.

Kürzlich hatte sich Robert Habeck zur Kernenergie dahingehend negativ geäußert, dass diese zu teuer sei und die Rückstände eine Million Jahre gelagert werden müssen. Über neuere Entwicklungen auf diesem Gebiet, dass auch dem „Atommüll“ Energie gewonnen und dieser dadurch weiter genutzt und „entschärft“ werden kann, ist ihm wohl nicht bekannt.

Übrigens, der Begriff „Green Deal“ der EU zum Abbau von CO2 ist so falsch, wie er nur sein kann. Wie auch Prof. Fritz Vahrenholt in seinem Vortrag bei EIKE gesagt hat, ist die Erde in den letzten Jahrzehnten deutlich grüner geworden. Und das liegt am erhöhten CO2 Anteil, denn CO2 ist Pflanzendünger.

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ORF im November 2021:

Großes Heißwasservorkommen unter Wien

Unter Wien befindet sich in rund 3.000 Meter Tiefe ein vielversprechendes Heißwasservorkommen. Dieses will Wien Energie in Zukunft für die Wärmeversorgung nutzen – und hat dafür ein geologisches 3-D-Modell entwickelt.

Die Wärmeversorgung ist ein wesentlicher Schlüssel für Klimaschutz in der Stadt, das hat eine Studie im Auftrag von Wien Energie aufgezeigt. Wien Energie forscht deshalb an der Nutzbarmachung von erneuerbaren Wärmequellen. Im Fokus steht dabei die Tiefe Geothermie.

Wärmeversorgung bis 2040 dekarbonisieren
Seit 2016 erforscht der Energiedienstleister im Projekt „GeoTief Wien“ gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie den geologischen Untergrund im Großraum Wien. Jetzt liegen konkrete Ergebnisse in Form eines umfassenden geologischen 3-D-Modells vor: In rund 3.000 Meter Tiefe liegt das Aderklaaer Konglomerat, ein vielsprechendes Heißwasservorkommen für die Tiefe Geothermie.

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Tingley & Tomz 2021:

The Effects of Naming and Shaming on Public Support for Compliance with International Agreements: An Experimental Analysis of the Paris Agreement

How does naming and shaming affect public support for compliance with international agreements? We investigated this question by conducting survey experiments about the Paris Agreement, which relies on social pressure for enforcement. Our experiments, administered to national samples in the United States, produced three sets of findings. First, shaming by foreign countries shifted domestic public opinion in favor of compliance, increasing the political incentive to honor the Paris Agreement. Second, the effects of shaming varied with the behavior of the target. Shaming was more effective against partial compliers than against targets that took no action or honored their obligations completely. Moreover, even partial compliers managed to reduce the effects of shaming through the strategic use of counter-rhetoric. Third, identity moderated responses to shaming. Shaming by allies was not significantly more effective than shaming by non-allies, but Democrats were more receptive to shaming than Republicans. Overall, our experiments expose both the power and the limits of shaming as a strategy for enforcing the Paris Agreement. At the same time, they advance our understanding of the most significant environmental problem facing the planet.

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Tagesschau am 28.12.2021:

Wintereinbruch an US-Westküste: Schneemassen und Stromausfälle

Es ist der schneereichste Dezember seit 1970 an der US-Westküste: Er bricht Kälterekorde, der Strom fällt aus und Straßen sind gesperrt. Dennoch ist mit den Schneemengen auch eine Hoffnung verbunden.

Ein Wintersturm mit starkem Schneefall hat im Westen der USA zu Stromausfällen und Verkehrschaos geführt. Es sei der schneereichste Dezember seit dem Jahr 1970, teilten Experten der Universität Berkeley mit. An der Messstation am Donner-Gebirgspass seien seit Anfang des Monats 4,9 Meter Schnee gefallen. 1970 waren es 4,6 Meter.

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