Es lebe die Simulation!

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesystem betreibt die Webseite Energy-Charts.info. Eine sehr anschauliche Seite mit vielen Daten rund um die Stromversorgung in Deutschland. Es gibt einen Bereich, da kann man sich eine simulierte Nettostromerzeugung ansehen. Drei Parameter lassen sich dort einstellen (neben den Wochen, die natürlich immer anders sind in Sachen Wind und Sonne): Die installierte Leistung für Strom aus Sonne und Wind sowie die Last lassen sich per Schiebregler einstellen. Wir geben einfach einmal eine Last von 675 TWh/a ein und simulieren eine Nennleistung bei Solar von 150 GW und bei Wind ebenfalls 150 GW. Das wäre etwa eine Verdreifachung zum heutigen Stand.

(Abbildung: Screenshot www.energy-charts.info)

Der Bereich in oranger Farbe ist die Zusatzstromerzeugung, also derjenige Strom, der benötigt wird, um die Last zu decken bei gleichen Wetterbedingungen wie heute, aber eben mehr ausgebauter Kapazität bei Wind und Solar. Dieser Zusatzstrom ist in erster Linie Strom aus fossilen Brennstoffen und aus Import. Am 21.12.2021 um 07:45 leistete Solar keinen Anteil zur Stromversorgung. Das ist auch kein Wunder, es ist der Tag der Wintersonnenwende. Die Sonne geht erst spät auf. Wind lieferte zum gleichen Zeitpunkt 5,38 GW und das bei wohlgemerkt einer verdreifachten Kapazität. Auf die 150 GW gerechnet sind es gerade einmal etwas über 3% der Nennleistung.

OK, wird man jetzt sagen können, das ist vielleicht ein ungünstiger Zeitpunkt, das lässt allerdings außer Betracht, dass auch zu ungünstigen Zeitpunkten genügend Strom vorhanden sein muss. Gehen wir einen Tag zurück, nämlich dahin, wo die Solarbeule am größten war, es war am 20.12.2021 um 12:30. Ein glücklicher Tag, denn an dem Tag schien im Gegensatz zu den Tagen davor tatsächlich mal die Sonne in Deutschland.

Solar kam auf fast 40 GW, da ist eine ziemliche Hausnummer. Allerdings betrug die Last zu diesem Zeitpunkt 96 GW. Somit musste die Zusatzstromerzeugung hier einiges beisteuern, denn der Wind hatte nur bescheidene 8 GW zu bieten oder anderes gesagt 5,3% der Nennleistung. Die Windkraftanlagen in Deutschland langweilten sich an dem Tag und würden es bei gleichen Windverhältnissen auch in Zukunft machen. Wie man an dem Buckel und der schwarzen Kurve gut sehen kann, wurde am 20.12.2021 in der Simulation mehr Strom erzeugt als benötigt wurde, und zwar 20 GW mehr. Selbst wenn man davon ausgeht, dass ein System optimal auf die Last eingestellt wäre (kein Überschuss), dann bleiben immer noch über 40 GW, die zusätzlich erzeugt werden müssen, um die Last zu decken.

Man kann also sagen, die Erzeugung durch Wind und Sonne sind in einer Schicksalsgemeinschaft mit – es bleibt nichts anderes mehr übrig in Zukunft – Erdgas. Vielleicht sollte man den Link zu der Simulation einfach einmal jedem Experten schicken, der immer noch meint, das würde alles ganz easy gehen. Das wären allerdings auch die Forscher des Instituts selber, die ja beharrlich für den massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien trommeln. So ein Ausbau wird uns also nicht davor bewahren auch reichlich Gaskraftwerke zu errichten oder massiv Strom zu importieren.

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Unser Blick geht nach Skandinavien. Unterschiedlicher geht es kaum, denn während in Finnland ein neuer Kraftwerksblock bei der Kernenergieanlage Okiluoto in Betrieb ging, der zukünftig 14% des Strombedarfs von Finnland decken soll, klagt Norwegen laut taz über eine Stromkrise. Die hohen Strompreise treiben laut businessportal-norwegen mittlerweile die Inflation in Norwegen an.

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Was der Spiegel in Deutschland, das ist der Guardian im Vereinigten Königreich in Sachen Klima. Kaum eine Woche ohne eine neue Schreckensnachricht. Auch der Guardian nimmt sich des Thwaites Gletschers an. Würde der komplette Gletscher schmelzen, dann hätte das gravierende Folgen für die Pegelstände der Weltmeere. Wie aber schon der Spiegel pickt sich der Guardian nur diejenigen Daten heraus, die ins eigene Narrativ passen und das lautet: Wir Menschen sind schuld. Ist das wirklich die alleinige Erklärung. Zuschauer der Klimaschau wissen da schon etwas mehr. In Folge 80 werden wissenschaftliche Erkenntnisse zu dem Gletscher präsentiert, die Spiegel und Guardian aber besser nicht bringen.

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Axel Bojanowski beschreibt in der Welt, wie die Umwelt und Klima als Machtinstrument missbraucht werden. Der Artikel befindet sich hinter einer Bezahlschranke. In eine ähnliche Richtung geht das Handelsblatt. Eigentümer von Wohneigentum sollten schon mal Geld zur Seite legen, wenn die Pläne der EU zur Gebäuderichtlinie umgesetzt werden. Experten halten die Pläne bis 2030 für nicht umsetzbar denn sie betreffen 75% des Gebäudebestands in der EU.

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Das Comeback des Klimakillers Kohle. So lautet der Titel eines Kommentars beim Merkur.

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Vielleicht sollte man einfach auf diejenigen hören, die sich tagtäglich mit einem Thema beschäftigen und nicht aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft kommentieren. In diesem Fall ist der Netzbetreiber Amprion gemeint. Der hat eine Pressemitteilung herausgegeben und warnt vor Problemen für das Stromnetz.

„Zudem zeigen die Analysen, dass unter Annahme der bisher geplanten Netzausbaumaßnahmen und des aktuellen Markt- und Regulierungsdesigns eine erhebliche Gefahr besteht, dass ein Kohleausstieg bis 2030 zu einer Reduzierung des heutigen Niveaus an Versorgungssicherheit und Systemrobustheit führen kann“

[…]

„Die Intensität der Netzengpässe und somit das Redispatch-Volumen steigt bei gleichzeitigem Rückgang der Marktkapazitäten konventioneller Kraftwerke deutlich an.“

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„Die Systemrobustheit sinkt und die Auswirkungen von Netzauftrennungen werden gravierender, da der Momentanreservebedarf ansteigt.“

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„In Knappheitssituationen steigt die Importabhängigkeit Deutschlands zur Deckung der nationalen Last. Ohne nennenswerte Ersatzinvestitionen in gesicherte Kapazitäten oder Vorhaltung von Reservekraftwerken sind vereinzelt sogar Lastunterdeckungen bzw. unfreiwillige Lastabschaltungen möglich.“

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Bis Jahresende wollte sich die EU geeinigt haben in Sachen Taxonomie von Kernenergie und Gas. Nun ist die Entscheidung laut Euractiv auf Mitte Januar verschoben worden.

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CGTN auf Youtube:

Green Front Series Two: Cold Winters and Surging Electricity Bills

Global energy prices and electricity bills are reaching record highs this winter. In China, some factories experienced temporary power outages. What are the causes behind all these phenomena, and how should we cope with them? In this week’s „Green Front,“ anchor @Kate Kui explores the reasons behind this. Her first stop is Zhangjiagang, a global wool combing center in China’s Jiangsu Province

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Tichys Einblick am 7.12.2021:

Klimawandel – Zeit für kühle Argumente in einer überhitzten Debatte

Mit dem Regierungswechsel ist der Umbau unserer Gesellschaft in eine Phase eingetreten, deren Ausmaße katastrophalere Auswirkungen hervorzubringen droht, als die nach Meinung „aller“ Wissenschaftler bevorstehende Klimakatastrophe. Noch gibt es Wissenschaftler, die auf Rechenfehler, Übertreibungen, Fehlinterpretationen und „Unerwünschte Wahrheiten“ verweisen

Weiterlesen bei Tichys Einblick

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Erinnern Sie sich an den Blogartikel „Mehr Regen als Schnee in der Arktis?“ von Frank Bosse? Nun hat selbst Gavin Schmidt (GISS NASA) das Arktis-Regen Papier völlig verrissen, und zwar aus dem gleichen Grund wie Frank Bosse. Man hätte ihn gut zitieren können:

„…this result is mostly due to the inclusion of the high ECS models, not anything fundamental about the processes involved.“

Man muss sich wirklich fragen, wieso ein solch mangelhaftes Paper durch ein Review kam. Und wie es solche Medienaufmerksamkeit erhalten konnte. Und wie die Mitautoren Stroeve und Serreze von der Behörde der USA für die Cryosphere NSIDC diese Mängelware mit ihren Namen darauf mitverantworten konnten. Am Ende noch eine Breitseite von Gavin:

“The default behavior in the community has to move away from considering the raw model ensemble (CMIP6, d.A.) mean as meaningful.“