Erzieht uns Strommangel zu besseren Menschen?

Henrik Paulitz hat sich bei Tichys Einblick mit einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beschäftigt, die für die erneuerbaren Energiequellen wirbt. Paulitz ist Autor des Buches StromMangelWirtschaft. An der DIW-Studie hat auch die Professorin Claudia Kemfert mitgewirkt. Wir hatten in diesem Blog immer wieder Artikel, in der Frau Kemfert von anderen Experten bescheinigt wurde, in Rechenbeispielen rund um die Energie einfach mal einige Milliarden Euro vergessen zu haben. Die neue Studie, so viel kann man sagen, macht keine Ausnahme in Sachen Plausibilität. Paulitz fallen etliche Punkte in der Studie auf:

“Die Studie enthält viele Ungereimtheiten, die die Frage aufwerfen, ob die Wirtschaftsforscher des DIW davon ausgehen, dass in Deutschland künftig kaum noch Autos fahren, ein erheblicher Teil der Industrie ins Ausland verlagert wird und die Gebäude im Winterhalbjahr nicht mehr zuverlässig beheizt werden. Jedenfalls kann sich die Bevölkerung schon mal darauf einstellen, dass der Strom in Zukunft wie in Entwicklungsländern nur noch mit ständigen Unterbrechungen aus der Steckdose kommt, sollten solche Planungen Wirklichkeit werden.”

Paulitz arbeitet auch bestimmte Formen der Wortwahl in der Studie auf. Dort ist zum Beispiel von einer “Verschiebung der Nachfrage” die Rede. Konkret bedeutet es offenbar, dass kein oder nicht genügend Strom vorhanden sein könnte/ist und diejenigen, die einen Bedarf haben, diesen später befriedigt bekommen. Das mag bei einem Ladevorgang für ein Elektroauto vielleicht noch halbwegs funktionieren, bei Geräten, die permanent Strom benötigen wird es allerdings katastrophal enden. Wie es für Unternehmen funktionieren soll, ist ebenfalls rätselhaft. Es ist ja keineswegs so, dass man das wie beim Betanken eines Autos, einfach mal zeitlich etwas verschieben könnte.

Die Zahlenbeispiele, die Paulitz untersucht hat, haben es echt in sich. Der Bedarf an Strom in der Zukunft wird seiner Meinung nach viel zu gering eingeschätzt, Szenarien sind nicht plausibel und manche Zahl sieht eher aus wie ein Wunsch. Es ist keinesfalls davon auszugehen, dass ein Land wie Deutschland zukünftig seinen Strombedarf vermindern wird. Je mehr auf Elektro umgestiegen wird, desto mehr Strom wird zukünftig benötigt. Eigentlich sind das Binsen, das DIW rechnet dennoch mit deutlich weniger Verbrauch. All das hinterfragt Paulitz und daher ist der Artikel eine absolute Leseempfehlung.

Einer der Kommentare unter dem Artikel vergleicht die Studie des DIW mit dem Lyssenkoismus. Diese Lehre geht auf den sowjetischen Agrarwissenschaftler Trofim Lyssenko zurück, der die Eigenschaften von Pflanzen allein durch Umweltbedingungen zu ändern meinte. Lyssenko hoffte z. B. aus Roggen im Laufe der Zeit tatsächlich Weizen machen zu können. Rückschläge, weil das nicht funktionierte, wurden der Sabotage in die Schuhe geschoben. Der Vergleich ist in der Tat schon sehr interessant in diesem Zusammenhang. Vielleicht werden wir durch künftigen Strommangel ja zu anderen Lebewesen?

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Wer gerade 70.000 – 100.000 Euro übrig hat und zudem noch 26 Jahre Zeit, dem sei der Kauf einer Brennstoffzelle von Pieca empfohlen. Das ist der Preis, um autark zu sein und CO2 frei und die Zeit bis zur Amortisierung. Weiterlesen bei Capital.de. Das Thema wurde in der Klimaschau-Ausgabe 46 bereits angesprochen.

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E-Roller haben ein Problem. Sie ersetzen nur selten Autofahrten und das Einsparpotential hält sich damit in Grenzen. Erschreckend ist auch die Lebensdauer der Roller, die nach einer Untersuchung nur 3 Monate! beträgt. Das schreit förmlich nach Ressourcenverschwendung. Mittlerweile sind sie für viele Städte ein echtes Ärgernis, egal ob Unfälle, versperrte Bürgersteige und Plätze sowie in Gewässern entsorgte Roller. Der ORF widmet dem Thema einen Artikel.

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Kommt es zu einer Renaissance der Zeppeline? 1E9 hat einen längeren Artikel dazu. Vielleicht erinnern sich einige noch an Cargolifter? Immerhin hat das Unternehmen dafür gesorgt, dass es in Brandenburg nun eine riesige Halle mit dem Tropical Island gibt.

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Der falsche Fokus auf Klimawandel, das meint ein Kommentar von Thomas Mayer in der WELT zum Hochwasser im Westen Deutschlands.

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Der weltbeste Motorenbauer dämpft die Elektroauto-Euphorie. Weiterlesen bei Infosperber.

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Manchmal ist Reparieren sinnvoller als eine Neuanschaffung. In Thüringen können Verbraucher jetzt einen Bonus auf Reparaturen beantragen, der Betrag ist auf 100 Euro pro Jahr und Person gedeckelt. Weiterlesen hier.

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Julien Reitzenstein hadert in einem Kommentar in der WELT mit dem Ruf der Wissenschaft zu folgen. Das passiert nämlich immer nur dann, wenn es gerade ins eigene Kalkül passt. Zum Kommentar geht es hier lang.

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Constantin an Lijnden hatte, bevor er zur WELT wechselte, bei der FAZ einen wöchentlichen Podcast zu Recht und Politik. Er setzt bei der WELT seine Podcastkarriere mit “Con & Pro” fort. Gast der ersten Ausgabe ist der Journalismus-Forscher Stephan Russ-Mohl. Zwar geht es in der ersten Folge eher um Corona, aber die Ähnlichkeiten zu anderen Themen und die Rolle der Medien sind frappierend. Medien haben eine Verantwortung – sagt Russ-Mohl.

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Neues vom Baerbock Buch: Plagiatsforscher Weber ist aktuell bei 54 Stellen. Seine neuen Funde sind Übernahmen aus einem Buch von Robert Habeck beim Thema Landwirtschaft und Baerbock oder die Ghostwriter bedienten sich auch bei einer NDR-Reportage. Weiterlesen beim Blog von Weber. Laut dem Münchener Merkur sieht Weber in einem 2017 von der Grünen Kanzlerkandidatin verfassten Papier erneut kritische Stellen. Dort hatte sich Baerbock bei einem Parteikollegen bedient.

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Wenn man es jetzt schaffen könnte, dass der Wind immer in dieser Geschwindigkeit bläst und die Sonne nicht mehr untergeht… Der Strommix am 29.07.2021 um 12:00 mit beachtlichen 81% Anteil für die Grünen Stromquellen. Das waren in der Spitze mehr als 50 GW.

(Abbildung: Screenshot En-former.com)

Gekoppelt an diesen Anteil ist ein Einbruch beim Strompreis und ein Anstieg der Exporte, in erster Linie nach Österreich und Dänemark, wie das Agorameter für den Tag sehr gut zeigt. Deutschland musste seinen Strom loswerden.

(Abbildung: Screenshot Agora-energiewende.de)

Zu verdanken ist der Wind, der gerade über die Nordsee kräftig weht, dem stabilen Polarstream, der sich weigert zu tun, was man offenbar von ihm erwartet.

(Abbildung: Screenshot Climatereanalyzer.org)