Elon, was hast Du mir nur angetan?!

Was hat Professor Volker Quaschning nicht alles versucht, um fleißig die Werbetrommel für Tesla zu rühren. Er fuhr mit seinem Tesla in den Sommerurlaub und dokumentierte es bei YouTube oder zerstreute Bedenken, dass es nicht genügend Ladesäulen gäbe, ebenfalls bei YouTube. Die Botschaft: Schaut her, die neue Elektrowelt ist toll und es gibt keine Probleme. Nun aber eine erschreckende Erkenntnis von Quaschning auf Twitter: Elon Musk geht es nur um das Geschäft. Der Tesla-Chef leiste keinen Beitrag gegen die Klimakrise.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Nun, Elon Musk hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er Geldverdienen möchte. Das war auch schon so als die beiden Tesla-Promotion-Videos von Quaschning gedreht wurden. Die Erkenntnis von Quaschning jetzt kommt reichlich spät und ist vermutlich eher dem Gezerre um Twitter geschuldet, welches Musk gern kaufen möchte. Kleiner Tipp: Er macht auch das nicht aus Barmherzigkeit. Außerdem fliegt Musk gerne mit klimaschädlichen Raketen ins Weltall.

Was aber, fragt sich der geneigte Zuseher der Werbe-Videos, passiert eigentlich vor den Jubel-Videos des umtriebigen Professors? Dort gilt es nämlich erstaunlicherweise eine Werbestrecke zu ertragen. Quaschning monetarisiert seinen Kanal offensichtlich. Upps. Das ist im Grunde nichts Schlimmes, nur sollte man sich über die kommerziellen Interessen anderen dann besser nicht echauffieren. Quaschning sollte wissen: Jede zusätzliche Online-Video-Sekunde erhöht den CO2-Ausstoß.

Nun ja, wir behelfen uns mit dem großartigen Robert Gernhardt, dem dieses Zitat gern zugeschrieben wird. Es stammte aber von F.W. Bernstein, einem Kollegen von Gernhardt bei der Satire-Zeitung Pardon.

“Die größten Kritiker der Elche, sind selber welche.”

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Ein alter Witz des Blödelbarden Otto (für den Gernhardt übrigens auch geschrieben hat) geht so:

Können Sie mir sagen, wo hier die andere Straßenseite ist?

Ja, da drüben.

Nein, das kann nicht sein, die schicken mich immer hierher.

Daran erinnert ein Artikel aus der NZZ. Es geht darum, dass sehr viele Länder in Europa mittlerweile bemerken, dass sie sehr viel Strom in Zukunft benötigen. Gleichzeitig stellen sie aber fest, dass die gesicherte Leistung diesen zu beziehen nicht mehr gegeben sein wird in der Zukunft. Also soll das Ausland einspringen. Das Problem ist nur, das sehr viele im Ausland auf das Ausland zeigen und hoffen, es möge in Zeiten von Mangel einspringen. Einer zeigt also auf den anderen. Wer soll am Ende liefern, wenn volatile Stromquellen zukünftig den Strom erzeugen sollen, aber nicht zur Verfügung stehen. Die NZZ interviewte Annalisa Manera von der ETH Zürich.

“Trotzdem: Nuklearstrom kostet laut einer Studie 131 bis 204 Dollar je Megawattstunde, Solarstrom nur 28 bis 41 Dollar.

Die neuen Erneuerbaren decken keine Grundlast ab, weshalb wir immer ein Back-up brauchen, was Gas-, Kohle- oder Kernkraftwerke sein können. Das kommt also zu den Kosten der Erneuerbaren dazu. Deshalb ist auch der Preisvergleich von Solarstrom mit Strom aus Kernkraft irreführend. Man vergleicht Äpfel mit Birnen. Und wenn man die Pläne für das alpine Solarkraftwerk Gondosolar im Wallis anschaut, ist diese Energie auch nicht billig.”


Es bleibt trotzdem das Grundproblem, dass Investoren in Europa nicht bereit sind, auf Nuklearstrom zu setzen. Es sind doch private Firmen, die Risiken eingehen sollten, und nicht der Staat.

Ich sehe das etwas anders. Es gibt einige sehr wichtige Infrastrukturgüter wie Strassen, öffentlicher Verkehr oder die Energieversorgung, bei denen der Staat eine Verantwortung trägt. Im Moment kommt es mir vor, als würde jedes Land in Europa sagen: Bei Knappheit kaufen wir Strom aus dem Ausland. Aber wenn jedes Land dies sagt, wo ist denn dieses Ausland?

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Vom neuen Ölscheich zum Sündenbock. Das ist der Weg der Landwirtschaft, die sich auf den Anbau von Energiepflanzen spezialisiert hat. Die Grüne Umweltministerin Lemke und ihr Kollege Özdemir vom Landwirtschaftsministerium haben den Biokraftstoffen jetzt den Kampf angesagt. Dem Biokraftstoffverband gefällt das ganz und gar nicht. Auf seiner Webeseite nimmt der Verband Stellung zu den neuen Plänen.

„Der Vorschlag des Bundesumweltministeriums ist zynisch. Frau Lemke schiebt den Krieg in der Ukraine vor, um ihr tatsächliches Ziel durchzusetzen: Biokraftstoffe bis 2030 abzuschaffen. Es geht ihr also überhaupt nicht um die aktuelle Versorgung mit Lebensmitteln, sondern darum, die fehlgeleitete Klientel zu bedienen, die seit Jahren gegen Biokraftstoffe polemisiert“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). Derzeit haben Biodiesel, Bioethanol und Biomethan aus Anbaubiomasse einen Anteil von rund 3,9 Prozent (2021) an der im Verkehrssektor verwendeten Energie in Deutschland. Gemeinsam mit Biokraftstoffen aus anderen Rohstoffen erreichen sie rund 5,4 Prozent energetisch. Biodiesel, Bioethanol und Biomethan verringern den Treibhausgasausstoß jährlich um über 13 Millionen Tonnen CO2. Zum Vergleich: Ein Tempolimit von 130 km/h schafft nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) etwa 1,9 Millionen Tonnen. „Mit diesem Vorhaben schreibt das BMUV das Verfehlen des Verkehrsziels fest“, sagte Baumann.

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“Weitere Windräder könnten wir ertragen, Gasbohrungen in der Nordsee nicht.”

Das sagt in einem Interview mit der Welt der Bürgermeister von Borkum, Jürgen Akkermann. Er verweist dabei auf die Umweltgefahren, die den Tourismus, das Hauptgeschäft der Insel, gefährden könnten. Ob Herr Akkermann einen Bericht des Helmholtz Zentrums in Geestacht kennt? Es geht um den Korrosionsschutz von Windkraftanlagen. Genau, die Dinger, die jetzt schon vor seiner Insel stehen, in Zukunft möglicherweise in noch größerer Zahl.

“Im Fokus der Untersuchungen stehen chemische Emissionen, die möglicherweise von den Korrosionsschutzsystemen der Anlagen ausgehen. Um die Lebensdauer der Windkraftanlagen zu erhöhen, werden sie über und unter Wasser mit verschiedenen Materialien vor Korrosion, das heißt vor dem Verrosten, geschützt. Dafür kommen vor allem zwei Methoden zum Einsatz:

Zum einen werden die Oberflächen mit vielfältigen Kunststoffmaterialien beschichtet. Diese verwittern im Laufe der Zeit und die in ihnen enthaltenen zumeist organischen Schadstoffe wie Weichmacher oder UV-Stabilisatoren werden allmählich in die Meeresumwelt ausgewaschen.

Zum anderen werden an den Fundamenten der Bauwerke sogenannte „Opferanoden“ als Korrosionsschutz eingesetzt. Das sind galvanische Anoden, die auch bei Schiffen und Hafenanlagen zum Einsatz kommen. Als Opferanode fungiert eine Legierung aus „unedlen“ Metallen, die in der elektrochemischen Spannungsreihe negativer sind als das Metall der zu schützenden Bauteile. Solche „unedlen“ Metalle sind zum Beispiel Zink, Magnesium und Aluminium. Die Legierungen werden leitend mit den Funktionsteilen verbunden und schützen die Bauteile aus Eisen oder Stahl vor dem Verrosten. Denn statt der Funktionsteile geben nun die Opferanoden Elektronen ab, werden oxidiert und gehen in Lösung. Die Bauteile der Windkraftanlagen bleiben dadurch in ihrer Funktion länger erhalten und müssen nicht so bald ersetzt werden. Das unedlere Metall wird dabei allerdings allmählich aufgelöst, also „geopfert“. Das Gewicht der Opferanoden allein für eine Windkraftanlage beträgt je nach Fundamenttyp bis zu 10 t und mehr, wodurch ein Schutz für mindestens 25 Jahre gewährleistet ist. Bei den zum Betrieb benötigten weiteren Infrastrukturen, zum Beispiel Konverterplattformen, sind es teilweise mehrere 100 t, die zum Einsatz kommen, um einen entsprechenden Schutz zu gewährleisten.

Im Laufe der Zeit werden so große Mengen an Metallverbindungen freigesetzt. Beim Auflösen der Anodenlegierungen gelangen insbesondere Aluminium und Zink, aber zum Beispiel auch hochgiftiges Cadmium und Blei sowie exotische Elemente wie Indium und Gallium in die Meeresumwelt.”

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Die Ukraine plant offenbar schon die Zeit nach dem Krieg. Laut einem Artikel bei WNN will das Land weitere Kernkraftwerke bauen. Es geht in dem Artikel auch um die Frage, was mit den Anlagen ist, die sich im momentan russisch besetzten Teil des Landes befinden.

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Die Tagesschau berichtet über einen Energiegipfel in der dänischen Stadt Esbjerg. In einer kleinen Zwischenüberschrift macht die Tagesschau dabei aber (vermutlich unfreiwillig) klar, wo die Denkfehler bei der Energiewende sind.

“Eine Million Haushalte versorgt – bei starkem Wind

Uffe Lundgaard steht vor einer Offshore-Testturbine eines großen dänischen Herstellers, mit neun Megawatt Leistung: „Wir hören den Rotor, wie er sich dreht. Derzeit läuft die Anlage unter Vollast – dabei scheint der Wind im Moment gar nicht so stark zu sein. Aber oben am Generator in 150 Metern Höhe bläst er sicher doppelt so stark – und die Kraft nutzt man ja schließlich zu Energieproduktion.“

Lundgaard ist einer von Esbjergs Windenergieexperten. Er betreut für die Kommune die Entwicklung des Hafens und sieht beim Wind enormes Wachstumspotenzial. Dutzende solcher Turbinen stehen vor Esbjergs Küste in den Windparks, die schon in den vergangenen 20 Jahren errichtet wurden und mittlerweile bald eine Million Haushalte mit Strom versorgen können – wenn der Wind stark genug ist.”

Beim entsprechenden Tagesschaubericht, der auch über die Energiepläne der EU berichtete, muss man sich allerdings wundern. Dort wird Energie mit Strom verwechselt. Auf 45% des Energiebedarfs soll der Anteil der Erneuerbaren Energien steigen. Gemeint ist aber die Stromerzeugung, die nur einen Teil des Energiebedarfs ausmacht.

(Abbildung: Screenshot ARD-Mediathek)

Aber, die ARD befindet sich in guter Gesellschaft. Das ZDF berichtet in seiner Heute Sendung vom 18.05.2022 ebenfalls über den Gipfel und die Pläne der EU – und macht den gleichen Fehler. Auch hier wird von Energie und nicht Stromerzeugung gesprochen.

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)