Einige Anmerkungen für einen jungen Familienvater

Von Uli Weber

Ich ärgere mich etwas, und zwar über mich selbst. Neulich war ich an einer Diskussion über den „menschengemachten“ Klimawandel beteiligt, und da fiel sinngemäß das Argument, „die Alten scheuen doch bloß die Veränderung“. Und an dieser Stelle hätte ich als „alter weißer Mann“ einfach abbrechen sollen, anstatt mit wissenschaftlichen Fakten zu argumentieren.

Denn ein solch abschätziges Alters-ad-hominem bedeutet nichts weniger als „lass‘ mich in Ruhe meinen kindlichen Aberglauben ausleben“.

Ein passendes  Zitat dazu: „Die gesellschaftliche Ausgrenzung von ‚alten weißen Männern‘ repräsentiert damit aber auch die Abkehr von einer überlebensnotwendigen Rationalität zugunsten einer selbstverzehrenden Konsensgemeinschaft“. Denn die gesellschaftliche Diskussion über den „menschengemachten Klimawandel“ scheint tatsächlich beendet. Inzwischen kann sich nämlich jeder aus einem Sammelsurium von emotionalen Weltverbesserungsträumen, die sich alle unter der Überschrift „Klimagerechtigkeit“ subsummieren lassen, sein individuelles Wolkenkuckucksheim zusammenstellen und ganz fest daran glauben, daduruch die Welt zu retten. Nun waren alte weise Männer und Frauen im steinzeitlichen Sinne aber immer die Hüter des Wissens einer Gemeinschaft (=Familienrudel -> Sippe -> Stamm -> Nation).

Sie waren in ihrem Konservativismus damit auch gleichzeitig der Filter für jede Innovation, denn NEUES musste sich stets an BEWÄHRTEM messen lassen, um überhaupt wirksam werden zu können. Die technologische Entwicklung des Industriezeitalters hatte diesen gesellschaftlichen Filter zunehmend wirkungslos gemacht, weil zunächst die erforderliche Mobilität gewachsene Sozialstrukturen aufgebrochen hatte und der technische Generationswechsel inzwischen deutlich schneller verläuft als der menschliche. Trotzdem gibt es immer noch Bereiche, in denen die konservativen Alten weiterhin als gesellschaftliche Filter fungieren (könnten), nämlich alles das, was mit Grundlagen, Erfahrungen und menschlicher Interaktion über längere Zeiträume zusammenhängt, kurz alles, was einem pubertären Wunschdenken entgegensteht.

Wenn wir also die Filterwirkung der „Alten“ einmal in „technologisch“ und „gesellschaftlich“ trennen, dann beruht deren technologische Kompetenz auf den gesicherten technisch-wissenschaftlichen Grundlagen von Innovation, während die gesellschaftliche Kompetenz unvermindert fortbesteht. Diese Alterskompetenzen werden nun wiederum in Form einer „Gender-Zwangsindividualisierung“ in Frage gestellt, deren gesellschaftlicher Grenzwert auf ein individuell-buntes „Wünsch-dir-alles Mögliche“ hinausläuft.

Und ein solches hochemotional-individuelles „Wünsch-dir-was“ wäre dann jederzeit durch beliebige „hochmoralische“ politisch-mediale Skandalisierungen kurzfristig global steuerbar.

Der Autor hatte das mal so formuliert: „Die Betrachtungsperspektive für gesellschaftliche Veränderungen in unserem Land hat sich diametral verändert. Der aktuelle gesellschaftliche Wandel wird nämlich nicht etwa aus einer wertekonservativen gesellschaftlichen Mitte heraus kommentiert, wie wir das bei unserer sogenannten 68-er Studentenrevolution erlebt hatten, sondern vielmehr ist heute diese wertekonservative gesellschaftliche Mitte selbst, vorgeblich als ‚alte weiße Globalisierungsverlierer‘, das Subjekt einer vernichtenden öffentlichen Kritik.

In unserem Land hat unbemerkt eine gesellschaftliche Revolution stattgefunden, mit der sich radikale gesellschaftliche Randgruppen zu einer Beseitigung der vormals stabilisierenden wertekonservativen Mitte ermächtigt haben. Heute überschlagen sich bei uns beide christlichen Kirchen, die Parteien der politischen Mitte und die öffentlichen Mainstreammedien, einstmals also die Träger eines wertekonservativen Bewusstseins in unserem Lande, in gegenseitiger Selbstbestätigung ihrer alternativlosen moralisierenden Einheitsideologie und immer neuen Geißelungen einer vorgeblich wertekonservativen Nazi-Haltung.

In diesem Land scheint man vergessen zu haben, dass die demokratische deutsche Geschichte weit über das vergangene Jahrhundert mit seinen beiden Diktaturen auf deutschem Boden zurückreicht. Dabei wird jegliches nationale Gedankengut reflexhaft mit dem barbarischen Dritten Reich assoziiert, während eine stramm kommunistisch-totalitäre Gesinnung niemals mit der DDR-Diktatur, den Massenmorden unter Stalin und Mao oder dem Autogenozid eines Pol-Pot-Regimes in Verbindung gebracht wird. Und während die letzten echten Nazis inzwischen längst das neunzigste Lebensjahr überschritten haben, überschlagen sich diese jakobinischen Glaubensschützer in der Bekämpfung jeder abweichenden Meinung.

Unsere gemeinsame Grundordnung, das Grundgesetz, wurde von alten weisen Männern und Frauen im Angesicht der Nazidiktatur formuliert. Diese braune Schreckensherrschaft hatte nämlich einstmals mit einer selbst ermächtigten Einheitsmeinung, mit gleichgeschalteten Medien und mit dem Verstummen kritischer Stimmen ihren Anfang genommen. An dieser Stelle sei die Schneeflöckchen-Allianz aus Honeckers Enterbten, der vollalimentierten Resterampe unserer 68-er Generation und deren klerikalen Trittbrettfahrern daher noch einmal an einen Grundpfeiler unserer Demokratie erinnert:

Meinungsfreiheit ist nicht die Befreiung von einer unerwünschten Meinung, sondern das grundgesetzlich verbriefte Recht, solch eine unerwünschte Meinung jederzeit öffentlich äußern zu dürfen, solange diese auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht. Demokratie ist also, entgegen dem herrschenden Zeitgeist, der ausdrückliche Schutz dieser unerwünschten Meinung durch die sie ablehnende Mehrheitsgesellschaft…“

Nachrichten sind selektive Sekundär- und Tertiärinformationen, denen wir nicht ohne Weiteres ansehen können, ob sie das volle Meinungsspektrum abbilden und wie groß ihr wirklicher Wahrheitsgehalt ist; einzig die journalistische Qualität der betreffenden Informationsquelle entscheidet über deren Seriosität.

Man sagt nun, eine Lüge müsse nur oft genug unwidersprochen wiederholt werden, um trotz besseren Wissens von der betreffenden Zielgruppe schließlich als Wahrheit akzeptiert zu werden. Es ist demnach gar nicht so leicht, die Häufung von hysterischen Einzelmeldungen auf einen grundlegenden Workflow zu reduzieren, aber manchmal hilft der Zufall mit einem Selbstdarsteller. Jeder Einzelne ist also frei in seiner Entscheidung, den Meinungsschaffenden zu vertrauen oder selbst die entsprechenden Quellen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

Ebenso wie materieller Besitz sollte auch der „Reichtum an Bildung“ eine gesellschaftliche Verantwortung für die gemeinsame „res publica“ implizieren. Aber es gibt eine Gruppe von Menschen in unserem Lande, die sich trotz einer entsprechenden Schul- und Hochschulausbildung mit ihrem unkritischen Schweigen einer solchen gesellschaftlichen Verantwortung zu entziehen sucht. Selbstverständlich bleibt es jedem erwachsenen Menschen selbst überlassen, ob er sich mit den zukunftweisenden Herausforderungen unserer Zeit verantwortlich auseinandersetzt oder sich wie ein FfF-Schüler verhält; stehen doch schließlich beide vor einem bunten Regal voller Weltverbesserungswünsche in dem kindlichen Verständnis, andere würden später schon für sie bezahlen.

Am Ende kämpft gerade der reichweitenstarke medial-politische Mainstream gegen kleine unabhängige und internetbasierte Medienmacher um die Deutungshoheit für unsere Zukunft. Und jeder, der heute schweigt und nachweislich über die Mittel verfügt, die hysterische Panikmache zwecks Zerstörung unserer Industriegesellschaft selbständig zu hinterfragen, mag sich später gegenüber seiner Nachfolgegeneration mit der Frage nach seiner moralischen Mitschuld konfrontiert sehen…

Noch irgendwelche Fragen, junger Mann?

Foto & Bearbeitung – U. Weber