Eine Katastrophe mit Ansage

Ricarda Lang, die neue Vorsitzende der Grünen scheint eine interessante Rechtsauffassung zu haben. Immerhin hat Lang einmal Jura studiert, allerdings ohne Abschluss abgebrochen. Einen der wesentlichen Sätze in Jura bekommt man als Jura-Student schon relativ früh vermittelt, sie dürfte ihn auch kennen: Es gibt kein Recht im Unrecht. Entweder ist diese Erkenntnis im Laufe der Jahre bei ihr verloren gegangen und sie will einfach nur ihre eigene Blase bespielen, denn im Spiegel verteidigt sie zivilen Ungehorsam. Sie meint damit die Aktionen von Aktivisten, die in mehreren deutschen Städten Straßen blockieren. Dabei nehmen sie sogar in Kauf, dass das Leben anderer Menschen gefährdet wird, denn es standen auch Rettungswagen in den Staus, die die Aktivisten verursacht haben.

“Lang weiter: »Wir sollten uns jedoch fragen, warum junge Menschen zu solchen Mitteln greifen.« Dahinter stecke eine große Sorge um die Zukunft. »Und die beste Antwort darauf ist, dass wir politische Verantwortung übernehmen. Also alles tun, um beim Klimaschutz endlich auf den 1,5-Grad-Pfad zu kommen.””

Das Problem, welches Lang offenbar völlig verkennt bei diesem “der Zweck heiligt die Mittel”: Der Zweck ist immer subjektiv. Und mit dieser Denkweise kann man im Grunde alles rechtfertigen. Es gibt aber keinen guten oder schlechten Rechtsbruch, für Lang offenbar schon. Passend zu dem Thema kommentiert Nikolaus Blome im Spiegel das Geschehen um die Weltenretter und legt sich dabei ein Witzeverbot auf. Das Wort Narrensaum ist allerdings witzig:

“In manchen Foren und Medien der liberal-konservativen Milieus werden die jungen Leute zu Produkten einer bourgeoisen Wohlstandsverwahrlosung erklärt und bös verspottet, weil ihre Sinnsuche schnöder Selbstzweck sei. Und tatsächlich, der Narrensaum der Klimaschutzbewegung wird zusehends breiter, aber eine politische Kritik, die sich allein an kindischem Gehabe oder Geweine ergötzt, macht es sich zu einfach. Wenn es darum geht, was diese Proteste in der Sache bringen sollen, dann ist ebenso zu fragen, was diese Witze in der Sache bringen sollen, capisce?
Darum heute mal keine Witze über Weltenretter.”

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Das ist der Klimawandel, da kann man nichts machen! Oft gehört nach den Überflutungen im Sommer 2021 im Westen Deutschlands. Nun stellt ein Gutachten fest, dass der Hochwasserschutz bei einer Kiesgrube in Erftstadt mangelhaft war, wie der WDR berichtet:

“Experten haben den Ort untersucht: Im Auftrag der Stadt Erftstadt und der für Bergbau zuständigen Bezirksregierung Arnsberg wurden zwei Gutachten verfasst. Für die Stadt kommt der Ingenieurgeologe Professor Lutz-Heinrich Benner in einem bislang unter Verschluss gehaltenen Bericht zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Totalschäden an den mehr als 10 Häusern „sind einzig und allein dem Tagebau nördlich von Blessem geschuldet“, analysiert er. Dies sei eindeutig angesichts „der absolut fehlerhaften Konstruktion des Hochwasserschutzwalles gegründet auf lose angeschüttetem Material.“”

Der BUND spricht in dem Bericht von einer Katastrophe mit Ansage. Aber im Grunde spiegelt sich hier eine gefährliche Entwicklung wider. Natürlich müssen wir uns an ein sich wandelnden Klima anpassen. Wer das nicht macht, der riskiert solche Katastrophen. Erstaunlicherweise wird solche Adaption aber geradezu als Abkehr der reinen Klimalehre begriffen. Wer solche Maßnahmen fordert und fördert, der hat weniger Geld für Klimaschutz, so scheinen einige Klimabewegte zu denken. Dabei sind Anpassungen deutlich schneller umzusetzen als langfristige Bemühungen, Emissionen zu senken. In Erftstadt hätte sie geholfen eine Katastrophe zu verhindern, die, auf die Mängel bezogen, eindeutig menschengemacht war.

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Wieviel Potential steckt in der Wasserkraft? Das fragt BR24 und untersucht die Situation in Bayern.

“Während das Ausbaupotenzial der Wasserkraft also begrenzt bleibt, ist ihr bestehender Beitrag zur bayerischen Stromversorgung durchaus erheblich. Zwar ist es nicht mehr die ergiebigste unter den erneuerbaren Energien in Bayern, da wurde die Wasserkraft 2020 von der Photovoltaik überholt. Aber ungefähr 15 Prozent des bayerischen Stromverbrauchs deckt der Strom aus den Flüssen und Bächen immer noch.

Und die Wasserkraft hat gegenüber Wind und Sonne einen entscheidenden Vorteil, betont Fritz Schweiger von der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern: Sie ist nicht so wetterabhängig. „Die Wasserkraft steht stets zuverlässig und ständig zur Verfügung“, betont er.”

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Offensichtlich ist der Markt für synthetische Kraftstoffe so lukrativ, dass es Startup gibt, die in diesem Bereich tätig werden wollen. Der Stern berichtet über das Unternehmen Ineratec, das in 2023 eine Anlage in Betrieb nehmen möchte, die jährlich 3.500 Tonnen Kraftstoff produzieren will. Mit einer anderen Idee wartet Heion auf. Das Unternehmen stellt sogenannten “Wunderdiesel” her. Diesel wird chemisch verändert und soll danach mit weniger Emissionen verbrennen und zugleich den Verbrauch senken.

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Genüsslich seziert in der Welt Don Alphonso das Drama um die Insolvenz des Münchener Unternehmen Green City AG. Wir berichteten bereits, aber wer den Hintergrundbericht (Bezahlschranke) liest, der kommt aus dem Staunen kaum heraus. Würde das Ganze nicht in München spielen, sondern in Köln, würde man von einem Klüngel sprechen.

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Die Bundesnetzagentur jubelt auf Twitter. Neuneinhalb Stunden konnten die Erneuerbaren Stromquellen den Stromverbrauch am 06.02.2022 decken.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Wer auf dem Twitter-Account der Bundesnetzagentur nach Meldungen sucht, dass der Wind eingebrochen ist und folglich nur sehr wenig Strom liefert, wird nicht fündig. Von jetzt an nur doch gute Nachrichten dürfte das Motto sein.

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Vollendete Tatsachen schaffen, so geschehen im Reinhardswald. Laut HNA bat das hessische Verwaltungsgericht hatte die Beteiligten um einen vorläufigen Stopp der Fällungen und Rodungen bis zu einer Entscheidung in einer Eil-Sache gebeten. Doch da hatte die Windpark Reinhardwald GmbH&Co.KG schon Tabula Rasa gemacht, sprich die Fällarbeiten bereits durchgeführt.

“Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hatte Ende der Woche in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Oberweser-Bramwald ihre Klage und den Eilantrag eingereicht, nachdem Mitte der Woche bekannt geworden war, dass die Genehmigung vorliegt (HNA berichtete). Pressesprecher Martin Sander vom VGH erklärt: „Der zuständige Senat hat noch am Freitag den Eilantrag an das Regierungspräsidium Kassel und die Vorhabenträgerin übermittelt, verbunden mit der Bitte, vorerst nicht von der Genehmigung zur Fällung und Rodung an den Anlagenstandorten Gebrauch zu machen.“ Das Ziel der Bitte: Zunächst wolle der Hessische Verwaltungsgerichtshof über den Eilantrag entscheiden.”

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Über die Personalie Jennifer Morgan haben wir bereits kurz berichtet. Annalena Baerbock hat die Greenpeace-Chefin zur Sonderbotschafterin berufen, später soll sie Staatssekretärin werden. Bisher fällt in den Medien auf, dass diese zwar über die Berufung an sich berichten, aber es nicht hinterfragt wird. Jennifer Morgan muss bevor sie Staatssekretärin wird die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Ausländische Bürger dürften sich die Augen reiben, wie schnell so etwas gehen kann. Man liest kein Wort darüber, dass Greenpeace eine Kampagnenorganisation ist, die die Gefährdung bis hin zum Tod von Aktivisten oder Unschuldige in Kauf nimmt. So geschehen im Sommer 2021 als in einer hirnrissigen Aktion ein Gleitschirmflieger in ein Fußballstadion flog. Ebenso wenig liest man etwas darüber, dass Greenpeace in ganz anderen Dingen ebenfalls Schäden von Menschen in Kauf nimmt. Das betrifft das Thema genveränderter Mais, der mehr Provitamin A enthält, von dem Reis ansonsten ein Mangel aufweist, der zu Augenschäden führen kann. Greenpeace lehnt das ab, ebenso alles, was mit Kernenergie und Kernfusion zu tun hat.

Wo bleiben eigentlich Lobby Control oder Abgeordnetenwatch? Wir stellen uns einfach vor, was geschehen wäre, wenn ein Lobbyvertreter der Pharmaindustrie auf einen Staatssekretärsposten gehoben worden wäre. Ob sie dann ähnlich stumm geblieben wären? Transparency International gibt bereits laut RND die Absolution. Es sei ja für einen guten Zweck… Jakob Schlandt vom Tagesspiegel kommentiert:

“Doch selbst bei den Grünen ist hinter den Kulissen von einer riskanten Personalie die Rede. Erstens: Im Milieu mag das auf wenig Verständnis stoßen, aber natürlich ist Greenpeace für viele ein rotes Tuch.

Morgan kommt nicht von einer friedfertigen, technokratischen Umwelt-NGO, sondern einer scharf ausgerichteten Kampagnen-Organisation, die, wenn auch mit Bedacht auf Friedlichkeit und wenig Schaden, gezielt Straftaten begeht. Die Extra-Wurst, dass Morgan trotz noch fehlender Staatsbürgerschaft den prestigeträchtigen Posten bekommt – was tatsächlich sehr ungewöhnlich ist – verschärft die Abwehrhaltung.”

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Sehr geehrte Damen und Herren,
von mir einige Anmerkungen zum Blog vom 09.02.2022. Zum einen wurde über Wunschwelt und Realität der Energiewende berichtet. Es zeigt sich wieder einmal, dass das sture Festhalten an der Energiewende in eine Sackgasse führt. Es wird nur auf „erneuerbare Energien“ und auf Erdgas gesetzt, wobei letzteres importiert werden muss. Das kann bei den derzeitigen politischen Spannungen mit Russland zu Problemen führen. Die Grünen stellen sich vor, bis 2045 unabhängig von Importen die Energie rein aus „erneuerbaren Energien“ erzeugen zu können. Die Gaskraftwerke sollen dann mit Wasserstoff betrieben werden, welcher bei viel Wind und Sonne aus Überschuss Strom zu erzeugen. Es wurde bereits des Öfteren darüber berichtet, dass aufgrund der hohen Energieverluste bei der Elektrolyse zur Herstellung von Wasserstoff deutlich mehr Energie benötigt wird (Faktor 3 – 4 fach). Es ist unrealistisch, sich auf diese Weise unabhängig zu machen. Ich denke, der Weg zu Wind- und Solarenergie ist eine Sackgasse.

In einem weiteren Artikel wurde über Elektroautos berichtet. Dabei wurde erwähnt, dass die Gegner der Technologie nur ein „faktenfreies Stammtischgeplapper“ zum Besten geben. Ich finde, es gibt durchaus ernstzunehmende Einwände gegen die Elektromobilität. Als problematisch empfinde ich die mangelnde Reichweite der E-Autos. Hier im Blog wurde kürzlich darüber berichtet, dass gerade im Winter die Leistung der Batterien weiter nachlässt. Außerdem geht die Heizung in den Autos deutlich auf die Reichweite. Neben der Reichweite sind die langen Ladezeiten ein Problem. Ist bei einem Verbrenner der Tank leer, fährt man zur Tankstelle und kann nach 10 Minuten weiterfahren. Bei dem E-Auto sind ein- bis zwei Stunden zum „Tanken“ einzuplanen. Das klappt jedoch nur, wenn ausreichend Ladesäulen verfügbar sind, sonst muss ggf. auf einen oder mehrere Fahrzeuge gewartet werden, die vor einem in der Warteschlange stehen. So kann das Aufladen zu einem sehr langen Akt werden.

Ein weiterer Artikel im Blog berichtet über fleischlose Ernährung. Es ist gerade in Mode, vegane Ernährung anzupreisen. Ich bin kein Arzt, doch ich habe schon mehrmals gehört oder gelesen, dass bei einer rein veganen Ernährung Nahrungsergänzungsmittel erforderlich sind, weil ansonsten nicht alle erforderlichen Nährstoffe aufgenommen werden können. Der Mensch ist demnach kein reiner „Pflanzenfresser“. Ob es der richtige Weg sein kann, das mit Gewalt zu ändern? Der Einwand, dass Wälder abgeholzt werden, um Weideflächen zu schaffen, ist wohl doch ein anderes Problem. Ist nicht die rasant steigende Weltbevölkerung ein weitaus größeres Problem?