DWD: Temperaturstagnation in Deutschland während der kommenden fünf Jahre?

Viele von Ihnen kennen vielleicht die Pacific Decadal Oscillation (PDO), die im 60-Jahrestakt schwingt und die globalen Temperaturen moduliert. Eine Publikation von Kim et al. 2020 stellte nun weitere Ozeanzyklen und Klimazustände im Pazifik vor:

Late‐1980s Regime Shift in the Formation of the North Pacific Subtropical Mode Water

The formation mechanism as well as its temporal change of the North Pacific subtropical mode water (NPSTMW) is investigated using a 50‐year (1960–2009) ocean general circulation model hindcast. The volume budget analysis suggests that the formation of the NPSTMW is mainly controlled by the air‐sea interaction and ocean dynamics, but there is a regime shift of the relative importance between the two around late‐1980s. While the local air‐sea interaction process is a main driver of the NPSTMW formation prior to late‐1980s, ocean dynamics including the vertical entrainment become dominant since then. The NPSTMW formation is affected by the North Pacific Oscillation simultaneously in the early period, but with a few years lag in the later period. The interdecadal change of the driving mechanism of the interannual variability of the NPSTMW is probably due to the stronger (weaker) influence of local atmospheric forcing in the western North Pacific and unfavorable (favorable) wind stress curl condition for the remote oceanic forcing from the central North Pacific during the former (later) period. This regime shift may be related to the change of centers of the actions of the wind stress curl since the late‐1980s.

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Der Weser-Kurier zeigte zwölf Grafiken zum Klimawandel in Bremen. Leider begann der Klimawandel beim Weser-Kurier erst um 1890. Was davor passierte, wird verschwiegen. Peinlich.

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Spiegel.de am 17.3.2020:

Wetterdienst legt erste Klimavorhersage für zehn Jahre vor

Bislang haben Forscher das Klima vor allem langfristig bis zum Ende des Jahrhunderts vorhergesagt. Der Deutsche Wetterdienst hat nun die kommenden Jahre berechnet – mit alarmierenden Ergebnissen.

[…] Die Berechnungen kommen zu dem Ergebnis, dass es in diesem Jahr deutschlandweit um 1,0 bis 1,5 Grad wärmer werden könnte, als im Mittel der Referenzperiode zwischen 1981 und 2010. Die durchschnittliche Temperatur in den Jahren 2025 bis 2029 werde insbesondere im Westen und Osten Deutschlands sogar um 1,5 bis 2,0 Grad höher liegen.

Weiterlesen auf Spiegel.de

Das klingt bedrohlich. Andererseits passt es ins Bild, denn der DWD steht dem Konzept Klimaalarm sehr nahe, genau wie der Spiegel. Daher schauen wir uns die DWD-Seite mit den 10-Jahresvorhersagen lieber selber mal an. Dort finden wir diese Graphik:

Man muss sich erst ein bisschen eingucken. Die ersten beiden Zeitscheiben (2020 und 2020-2024) ähneln sich sehr. Im Süden färben sich zwei hellrote Bälle dunkler, im Nordosten wird ein dunkelroter Ball heller. Überraschend ist der Vergleich mit 2022-2026, denn hier scheint es sogar einen Tick kälter zu werden. Im zentralen Osten Deutschlands gibt es weniger dunkelrote Bälle. Ein starker Wärmeschub soll 2025-2029 eintreten, viele Bälle färben sich dunkelrot. Ob das wohl stimmt? Beinhalten die DWD-Prognosen auch die AMO (Sommertemperaturen) und NAO (Wintertemperaturen)? Wir haben beim DWD nachgefragt und bekamen die folgende Information:

„Die Antwort ist ja“.

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PIK-Pressemitteilung vom 16.3.2020:

Regionaler Atomkrieg wäre ein Risiko für die globale Ernährungssicherheit

Selbst ein begrenzter Atomkrieg könnte gefährliche Auswirkungen weit über die tödlich getroffene Region hinaus haben. Er würde zu einer globalen Abkühlung führen, welche die landwirtschaftliche Produktion in den wichtigsten Kornkammern der Welt – von den USA bis nach Europa, Russland und China – erheblich reduzieren würde. Die Auswirkungen auf die weltweite Ernährungssicherheit einschließlich der Reaktionen des grenzüberschreitenden Agrarhandels wurden jetzt zum ersten Mal von einem internationalen Wissenschaftlerteam in einer auf Computersimulationen basierenden Studie aufgezeigt. Der plötzliche Temperaturrückgang würde zu einem in der Menschheitsgeschichte noch nie dagewesenen Schock im Ernährungssystem führen. Dies würde den gegenwärtigen, von fossilen Brennstoffen verursachten Klimawandel jedoch nicht aufheben – nach etwa einem Jahrzehnt der Abkühlung würde die globale Erwärmung wieder zunehmen.

„Wir wissen jetzt, dass ein Atomkonflikt nicht nur eine schreckliche Tragödie in der Region wäre, in der er passiert – er ist auch ein unterschätztes Risiko für die globale Ernährungssicherheit“, sagt Jonas Jägermeyr vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dem NASA Goddard Institute for Space Studies und der Universität Chicago; er ist Leit-Autor der Studie, die jetzt in den Proceedings of the US National Academy of Sciences veröffentlicht wurde. „Wir stellen schwere Verluste in der landwirtschaftlichen Produktion fest, aber wir haben auch die Auswirkungen des Handels auf die örtliche Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln untersucht. Es zeigt sich, dass die großen Getreide-Regionen die Exporte kürzen würden und dann weltweit Länder unter Versorgungsengpässen leiden würden. Die regionale Krise würde also zu einer globalen Krise werden, weil wir alle vom gleichen Klimasystem abhängig sind.“

Ruß von durch die Bomben entzündeten Bränden würde das Sonnenlicht teilweise blockieren

Als Beispiel für einen regionalen Konflikt untersuchten die Wissenschaftler die Auswirkungen eines begrenzten Atomkriegs zwischen Indien und Pakistan, bei dem weniger als 1 Prozent des weltweiten Atomwaffenarsenals eingesetzt wird. Die durch die Bomben entzündeten Feuer würden große Mengen Ruß hoch in die Atmosphäre aufsteigen lassen, wo der Wind den Rauch schnell über den ganzen Globus verteilt. Die vielen kleinen Teilchen würden daraufhin einen Teil des Sonnenlichts davon abhalten, die Erdoberfläche zu erreichen, was zu einer plötzlichen Abkühlung und zu wechselnden Wettermustern führen würde. Für Emissionen von 5 Millionen Tonnen Rauch berechneten Klimamodelle einen globalen mittleren Temperaturabfall von etwa 1,8 Grad Celsius und einen Rückgang der Niederschläge um 8 Prozent für mindestens fünf Jahre – wodurch die Erde in einen wesentlich kälteren und trockeneren Zustand versetzt würde. Zum Vergleich: Bisher haben Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen unseren Planeten um etwa 1 Grad Celsius erwärmt. Vor dieser Studie gab es nur sehr wenige Erkenntnisse darüber, wie die globalen Agrarsysteme auf die Abkühlung reagieren würden.

Im ersten Jahr nach dem Krieg könnten die heimischen Reserven und der Welthandel den Verlust der Nahrungsmittelproduktion weitgehend auffangen, so die Forscher. Bis zum vierten Jahr wären die Getreidevorräte jedoch praktisch erschöpft und der internationale Handel käme zum Erliegen. Anhaltende Produktionsverluste würden sich daher von den Kornkammern der nördlichen Halbkugel bis zu den oft ärmeren Ländern des globalen Südens ausbreiten. Die Verfügbarkeit von Mais und Weizen würde in mehr als 70 Ländern mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern um mindestens 20 Prozent schrumpfen. „Dies ist eine überraschend scharfe Reaktion angesichts der viel größeren Konfliktszenarien, die man sich sonst so im Zusammenhang mit einem Atomkrieg vorstellen kann“, sagt Jägermeyr.

„Außerhalb der Zielgebiete könnten noch mehr Menschen durch Hungersnot sterben“

„So schrecklich die direkten Auswirkungen von Atomwaffen auch wären, es könnten mehr Menschen außerhalb der Zielgebiete sterben – durch Unterernährung, einfach wegen der indirekten klimatischen Auswirkungen“, sagt Co-Autor Alan Robock von der Rutgers University in den USA. „Die Verbreitung von Atomwaffen geht weiter, und es gibt faktisch ein nukleares Wettrüsten in Südasien. Die Untersuchung der globalen Auswirkungen eines regionalen Atomkrieges ist daher – leider – keineswegs ein Thema des Kalten Krieges.“

Die Autoren schließen Indien und Pakistan von ihren Analysen aus, um willkürliche Annahmen beim Vermischen der direkten und indirekten Auswirkungen eines Krieges dort zu vermeiden. Unter der Annahme, dass die Nahrungsmittelproduktion in den beiden Ländern im Grunde auf Null sinken würde, wäre die indirekte globale Nahrungsmittelknappheit noch ausgeprägter. Während die Nuklear-Arsenale beider Länder sowohl in der Anzahl als auch in der Größe der Waffen weiter wachsen, wurde in der Studie das untere Ende der Abschätzung potenzieller Zerstörungen und der entsprechenden Ruß-Emissionen verwendet.

„Wir haben für diese Studie ein Ensemble von sechs führenden globalen AgMIP-Agrar-Modellen untersucht, und alle stimmen in großem Maß überein, was die Abschätzung der Auswirkungen eines regionalen Atomkriegs angeht. Das zeigt, wie robust die Simulationen sind“, sagt Co-Autorin Cynthia Rosenzweig vom NASA Goddard Institute for Space Studies. Sie ist eine Pionierin bahnbrechender Vergleiche von Agrar-Simulationen (AgMIP), die heute ein wichtiger Teil des größeren und vom Potsdam-Institut koordinierten Impacts Model Intercomparison Project (ISIMIP) sind. „Der Vergleich verschiedener Modelle von Computersimulationen reduziert Unsicherheiten. Heute können wir verlässlich sagen, dass ein solcher regionaler Atomkrieg etwa ein Jahrzehnt lang negative Folgen für die globale Ernährungssicherheit haben würde – in einem Ausmaß, wie es das in der modernen Geschichte noch nie gegeben hat.“

Artikel: Jonas Jägermeyr, Alan Robock, Joshua Elliott, Christoph Müller, Lili Xia, Nikolay Khabarov, Christian Folberth, Erwin Schmid, Wenfeng Liu, Florian Zabel , Sam S. Rabin, Michael J. Puma, Alison Heslin, James Franke, Ian Foster, Senthold Asseng, Charles G. Bardeen , Owen B. Toon , and Cynthia Rosenzweig (2020): A regional nuclear conflict would compromise global food security. Proceedings of the National Academy of Sciences [DOI: 10.1073/pnas.1919049117]