Digitalisierung und CO2

Glaubt man Politikern und Experten oder auch solchen, die sich dafür halten, dann sind wir seit einiger Zeit in der Phase der Digitalisierung. Keiner weiß, wo sie einmal enden wird. Was man aber sehr gut weiß, dass wir z. B. trotz Einsatz von digitaler Technik nicht weniger Papier erzeugen im Berufsleben als vor dem digitalen Shift. Hersteller von Ordnern und Papier müssen sich also noch keine Sorgen machen, es wird weiter ausgedruckt, was das Zeug hält. Dabei sollte die Technik eigentlich einmal das papierlose Büro ermöglichen. Was die fortschreitende Technik allerdings in jedem Fall erzeugt, das ist ein erhöhter Strombedarf. Ganz einfach, weil wir immer mehr Geräte im Zuge der Digitalisierung einsetzen.

Rechenzentren in Deutschland

Viele Geräte, die wir privat oder beruflich nutzen, halten Kontakt zum Internet und deshalb wird auch immer mehr Energie benötigt, denn es betrifft immer mehrere Seiten der involvierten Technik, den Sender und dem Empfänger wenn man so will. Über den Energiehunger von vermehrt benutzen Streamingdiensten im privaten Bereich haben wir schon einmal berichtet, aber auch der Trend zu Clouddiensten vergrößert den Energiebedarf. Aus einem Sachstandsbericht des Bundesstages geht hervor, welchen Energiebedarf allein deutsche Rechenzentren haben und noch haben werden. Im Jahr 2025 werden es über 16 TWh/a (Terrawattstunden pro Jahr) sein.

Weltweiter Stromfresser: Bitcoins

Diese Zahl verblasst aber im Vergleich zum Stromverbrauch, den die Berechnung von Bitcoins braucht. Diese virtuelle Währung bzw. die ihr zugrunde liegende Blockchain-Technologie benötigt extrem hohe Rechenleistungen und somit Strom, um neue Bitcoins zu berechnen – aber selbst die Transaktion bestehender Bitcoins ist energiehungrig. Eine einzige Transkation brauchte im Jahr 2018 soviel Strom wie ein 150 Watt Kühlschrank in 8 Jahren benötigt, Tendenz stark steigend.

Der weltweite Energiebedarf zum Berechnen von Bitcoins wird auf 46 TWh/a geschätzt und Bitcoins sind lediglich eine von zahlreichen Cryptowährungen (man schätzt, dass es weltweit über 2.000 sind), wenn auch die erfolgreichste. Das ist so viel Strom wie kleine Länder oder die Stadt Hamburg benötigen. Der CO2 Ausstoß der dabei entsteht, wenn der benötigte Strom gewonnen wird, entspricht dem von Ländern wir Sri Lanka oder Jordanien.

Das ist umso fataler, weil Bitcoins zwar einerseits als erfolgreichstes Blockchain-Produkt gelten, aber selber ein Nischendasein im Bereich Zahlungsmittel führen. Es ist in erster Linie ein Spekulationsobjekt und interessant für Menschen, die ein vermeintlich anonymes Zahlungsmittel suchen, was Bitcoins aber keinesfalls sind. Jede Transaktion wird in eine lange Kette geschrieben und ist nachvollziehbar. Erst sogenanntes Mixen macht es schwerer, Transaktionen zu folgen, bedeutet aber Kosten und noch mehr Transaktionen, die wieder Energie brauchen. Ein Verbrauch von 46 TWh/a, nur um letztlich zu spekulieren?!

Smart?

Eine ganze Armada an Start-Up-Unternehmen und Ideen stehen bereit, um weitere Blockchain-Anwendungen an den Start zu bringen. Man fragt sich, ob z. B. eine Reisegepäckversicherung tatsächlich die energie-intensive Blockchain-Technologie braucht, um zu funktionieren. Oder wird das Buzzword Blockchain in erster Linie gebraucht, um Geld bei Investoren einzusammeln? In jedem Fall kommt es beim Strommix in Deutschland immer zu Emission von CO2.

Das wird sich so schnell auch nicht ändern, weil eine 100%ige Strom-Erzeugung aus Erneuerbaren Energien zwar ein schöner Wunsch aber gleichzeitig auch eine Illusion ist. Und selbst, wenn smart im Namen der Anwendung steht, smart ist der zusätzliche Energieverbrauch keineswegs. Auch Start-Up Unternehmen sollten sich überlegen, wie ihr Teil zur Lösung aussieht.

Oma doch die Beste?

Die Frage ist, ob Nutzer bereit sind, auf Annehmlichkeiten wie u. a. Streamingservices oder Clouddienste im Namen des Klimas zu verzichten? Die Handypenetration in verschiedenen Altersgruppen jedenfalls sieht 95% bei den 14-29 jährigen und die Generation „Umweltsau“ (65 und älter) mit 41%. Das dürfte sich auch im Energieverbrauch niederschlagen. Die Oma mag im Hühnerstall Motorradfahren, aber sie ist weit weniger ein Problem als die jüngere Generation, was den Energiehunger der digitalen Welt angeht. Wer es selber einmal erleben möchte, braucht nur in einer deutschen Großstadt in eine U- oder S-Bahn zu steigen und sich die anderen Fahrgäste anzusehen, vor allem diejenigen, die nicht auf das Handy starren. Deren Durchschnittsalter dürfte im Umweltsau-Bereich liegen.

Vorbild sein?!

Nicht zuletzt sollten sich deshalb diejenigen fragen, die sich momentan am lautesten darüber beschweren, dass ihnen die Jugend gestohlen wird und der Staat sie terrorisiert, ob sie ihren Teil zur Lösung beitragen wollen und z. B. konsequent auf das Handy und die vielen anderen digitalen Annehmlichkeit (wenigstens zeitweise) verzichten wollen. Denn eines ist ganz gewiss: Energie zu sparen ist ein sehr guter Weg, die Umwelt zu schonen und CO2 einzusparen. Man muss es nur machen. Es ist zudem auch viel einfacher als Verfassungsklagen einzureichen oder über den Atlantik zu segeln. Deutschland soll nach dem Wunsch vieler Klimademonstranten Vorbild für die Welt sein, warum können diese selber nicht auch Vorbild innerhalb Deutschlands sein?