Die Zukunft der deutschen Energiewende entscheidet sich in Bayern

„Schwache Winde verschlimmern die Stromknappheit in Europa“

So titelt Reuters in einer Analyse. Weniger Windertrag hätte demnach auch zu mehr Verbrennung von Gas und Kohle geführt, um damit Strom zu erzeugen. Der Artikel führt aus, dass die Windländer Dänemark, Vereinigtes Königreich und Deutschland in 2021 nur 14% ihrer Kapazität nutzen konnten, verglichen mit 20-26% die gewöhnlich erreicht werden. Wind bleibt eine schwer planbare Laune der Natur. Eine Lösung könnten Speicher sein. Allerdings geht es in dem Text leider kaum darum.

Es wird lediglich von Preissignalen gesprochen, die solche Technologien lukrativ machen könnten. Ob sie wirtschaftlich umsetzbar oder überhaupt technisch möglich, darüber gibt es keine Informationen bei Reuters. Es würde den Umfang einer solchen Analyse aber möglicherweise auch sprengen.

Interessant ist aber noch eine andere Zahl. Offenbar geht der Artikel von jährlichen Investitionen von 66-80 Mrd. Euro in die europäischen Stromnetze aus, verglichen mit 40 Mrd. Euro pro Jahr momentan. Dieses Geld werden sich die Betreiber zurückholen, und zwar vom Stromkunden. Das sind keine guten Aussichten für die Strompreise in der Zukunft.

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In eine ähnliche Richtung geht es bei Fortune aus dem September 2021.

The U.K. went all in on wind power. Here’s what happens when it stops blowing.

“All in” ist eine Bezeichnung aus dem Pokerspiel und meint volles Risiko, wenn man sein letztes Geld einsetzt, um im Spiel zu bleiben. Eigentlich macht man das nur, wenn man sich seiner Chance absolut bewusst ist. Der Artikel zitiert den Analysten Finlay Clark, der ein wachsendes Problem mit dem wachsenden Anteil Erneuerbarer Energien sieht.

“The situation is especially acute in the U.K., where wind is currently providing only 7% of the country’s energy makeup—a steep drop from the 25% it generated on average across 2020.

The U.K.’s offshore wind sector had been a success story of the energy transition, drastically cutting emissions by rolling out 24GW of wind power over the past decade—enough to power 7.2 million homes. But as wind slowed and the price of carbon credits rose to record highs, the electricity market has experienced extreme volatility.

“We have very steep targets for increased renewable energy penetration, and the growing problem alongside of that is this fluctuation in prices that we’re seeing,” says Finlay Clark, an offshore wind analyst from Wood Mackenzie.”

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Ebenfalls aus September 2021 stammt ein erhellender Artikel vom MDR über die Entwicklung der Gaspreise in der EU. Wer einseitig Russland die Schuld geben möchte, der sollte den Mechanismus der Preisbildung in dem Artikel besser noch mal nachlesen.
Es klingt nämlich eher wie ein Eigentor der EU.

“Um zu verstehen wie der russische Gaskonzern tickt, lohnt sich ein Blick darauf, wie der Gashandel zwischen Russland und Europa funktioniert. Das meiste Gas liefert Russland entsprechend langfristiger Verträge zwischen dem Exportmonopolisten Gazprom und europäischen Energieunternehmen. Das Liefervolumen wird dabei in einem Korridor mit Höchst- und Mindestmengen festgelegt. Die Preise in diesen Verträgen sind jedoch nicht konstant, sondern hängen in weiten Teilen von aktuellen Preisen an europäischen Börsen ab. Steigt der Börsenpreis, bekommt Gazprom mehr Geld für seine Exporte. Sinkt der Börsenpreis, verdient Gazprom weniger. Die EU und auch Gazproms europäische Kunden haben über Jahre auf diese Bindung gepocht, die die Preise für Europa transparenter und günstiger machen sollte. Der Anteil von Gazproms europäischen Verträgen, die an die Börsenpreise gebunden sind, stieg seit 2010 von 15 auf 87 Prozent.

Zudem verkaufte Gazprom in der Vergangenheit immer mal wieder kleinere Mengen überschüssigen Gases an den Börsen. Wenn nun Politiker zusätzliches Gas aus Russland einfordern, dann könnte Gazprom diesem Wunsch theoretisch mit solchem zusätzlich angebotenen Gas nachkommen. Für Russland wäre das jedoch ungünstig. Die hohen Gaspreise an der Börse lassen Gazproms Gewinne auch ohne zusätzliche Gasangebote sprudeln. Dagegen könnte ein zusätzliches Angebot an den Gasmärkten – wie von den Europäern gewünscht – den europäischen Börsenpreis schnell fallen lassen und Gazproms gesamte Exporteinnahmen verhageln.”

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Mythen der Elektromobilität: Sinnvoller Klimaschutz oder teure Industriesubvention? Andreas Luczak, Professor für regenerative Energien an der Fachhochschule Kiel, nimmt sich der Mythen rund um Elektroautos an. Erstaunlicherweise erschien der Artikel im PV-Magazin.

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Frank Plasberg lud zum Thema Strom- und Gaspreise bei Hart aber fair ein. Und wenn man sich so einige Kommentare von Energiewende-Fans bei Twitter dazu ansieht, die von hart aber unfair sprachen, scheint das ja sogar recht ausgewogen oder von den Fragen her unangenehm gewesen zu sein. Gast war unter anderem Harald Lesch. Der hatte laut shz.de dann auch gleich ein interessantes Statement.

““Harald Lesch führt danach die Diskussion aufs Grundsätzliche: „Wir haben einfach nicht verstanden, wie teuer elektrische Energie eigentlich tatsächlich ist. Wir haben es zu einer reinen Ware gemacht, die einen Preis hat, aber keinen Wert“, sagt der Physiker und Wissenschaftsjournalist. Deutschland konsumiere Energie wie ein Fresssüchtiger, argumentiert er und spricht von einer „energetischen Adipositas“. Lesch: „Wir sind energetisch verfettet. Und das fällt uns jetzt auf die Füße. Wir verbrauchen unheimlich viel Energie. Wenn man die Pariser erreichen will, dann müsste man in Deutschland den Energieverbrauch fast halbieren. Und ich weiß nicht, wie wir das – auch bei der Digitalisierung – eigentlich hinkriegen wollen.“

Der Wissenschaftler wünschte dem Land die Erfahrung eines Mangels. Wenn in den letzten Jahrzehnten aufrüttelnde Situationen wie die Ölkrise der 70er Jahre entstanden wären, so Lesch, „dann würden (…) unsere Fahrzeuge anders aussehen, unsere Heizungen würden anders aussehen.“ Den verschiedenen Akteuren aus Politik und Wirtschaft warf Lesch Unaufrichtigkeit vor: „Ich habe den Eindruck, dass sehr viele Beteiligte sich hier einfach nicht ehrlich machen, also nicht die Wahrheit sagen, was auf uns zukommt.“”

Eine besondere Rolle kam Jürgen Trittin in der Sendung zu. Wir rollen hier den running gag Eiskugel nicht schon wieder auf. Aber der Grüne wirkte wie ein Illusionist, der vor Publikum einen Elefanten verschwinden lassen will. Dieser Elefant ist der Strompreis in Deutschland. Jeder vor dem Bildschirm weiß, was er momentan für Strom bezahlen muss. Dennoch pochte Trittin drauf, dass die Erneuerbaren Energien nicht nur nichts damit zu tun haben, sondern im Gegenteil preissenkend wirken würden. Der Elefant bleibt und der Illusionist behauptet einfach, er wäre weg. So einfach geht das.

Schade, das mit Tilman Kuban von der CDU jemand in der Runde saß, der nicht wirklich im Thema war. Ansonsten hätte er Trittin viel besser argumentativ begegnen können. Aber, da mit Trittin, Andrae und wenn man so will Lesch bereits drei Teilnehmer aus dem Grünenlager kamen, musste die Redaktion wohl noch einen Gegenpart finden. Wer es verpasst hat, die Sendung ist noch bis zum 24.01.2023 in der ARD-Mediathek abrufbar.

(Abbildung: Screenshot ARD-Mediathek)

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Die Klimaschau #92 berichtete über umstrittene Trends beim Jetstream. Bereits im Dezember 2018 hatten wir einen Bericht dazu hier im Blog veröffentlicht. Dort wurde alles fein säuberlich aufgezeigt, auch die Temperaturdifferenz Jetstreamhöhe vs. bodennah.

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In der Sendung „Weltwoche Daily“ vom 25.1.2022 spricht Roger Köppel auch über das Klima. Er meint zu erkennen, dass sich der Wind in der öffentlichen Meinung allmählich dreht und der Klimaalarm an Boden verliert.

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Leserpost:

In Ihrem Artikel über das Wetter in Argentinien beschrieben Sie die grosse Hitzewelle. Ich lebe seit über 30 Jahren in Nordwestargentinien, und es ist nicht das erste Mal, dass wir 40º und auch mehr haben. Vor ca.25 Jahren hatten wir im September (=Frühjahr ) 46º, und da es damals praktisch keine Klimaanlagen gab, bzw. sie nicht erschwinglich waren, hängten wir nasse Handtücher vor die Fenster. Zudem ist es meist Oktober bis Dezember recht heiss und trocken (Kontinentalklima) bis dann Ende Dezember die Regenzeit anfängt.  Grosse Hitze ist ja nichts so aussergewöhnliches hier. Auch wenn der letzte Sommer ungewöhnlich kühl war, was natürlich in der Presse nirgends ein Echo fand. Nun reden sie von einer ungewöhnlichen nachfolgenden Kältewelle nach der Hitze: nach einem Tag mit nur 21º und etwas Regen sind wir heute wieder bei 30º und mehr (Prov. Tucumán). Was ich nun nicht nachvollziehen kann, wie zuerst heisst, es seien 10º über dem Durchschnitt, und dann 15º  darunter; das wären Fluktuationen von 25º. Die gab es aber garnicht – vielleicht gerade 20º, von 41º auf 21º für einen Tag, und  jetzt wieder 30º.  Immer alles übertrieben.

Leserpost von Dr. Gerhard Reinmüller, Kraftwerksentwickler, Quito, Ecuador:

Es ist erschütternd, wenn man aus der Ferne zusehen muss, wie aus dem ehemaligen „Volk der Dichter und Denker“ ein Volk der „Ignoranten und Schwätzer“ zu werden droht. Anstatt in modernste Technologien zu investieren, eine „Echte Energiewende“ anzustreben und diese auch effizient durchzuziehen

werden hunderte Milliarden EURO für unstete mittelalterliche Technologien ausgegeben,  die zu einem DOWNGRADING der WIRTSCHAFT führen und den Industriestandort, sowie den Wohlstand der Menschen gefährden werden.

Anmerkung: Mit der 4.Generation der  Kern-KW, wie dem Dual Fluid Reaktor u.a., deren Erntefaktoren bis zu tausend mal höher sind als jene der Windräder, könnte man nicht nur die Stromversorgung verlässlich und kostengünstig gestalten, damit den Industriestandort absichern und ein erstklassiges Exportprodukt schaffen, sondern auch das Endlagerproblem abgebrannter Uranbrennstäbe lösen, weil man die abgereicherten Uranbrennstäbe als Brennstoff verwenden könnte. Wenn man dazu noch einige Regierungsvertreter ansieht bzw. anhört, die ein Ministerium, mit einer Talk Show verwechseln dürften so kann wirklich Verzweiflung hochkommen.

Mit freundlichen Grüßen aus Übersee

Dr. Gerhard Reinmüller
Kraftwerksentwickler
Quito, Ecuador

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Alex Reichmuth im Nebelspalter:

Die Zukunft der deutschen Energiewende entscheidet sich in Bayern

Wenn die Regierung ihre Energieziele erreichen will, braucht es bald viele neue Windräder. Doch der Widerstand der Bevölkerung gegen die Windkraft ist gross – vor allem in Bayern, wo eine strenge Abstandsregel gilt. Kann sich die Regierung hier nicht durchsetzen, dürfte das das Ende der Energiewende bedeuten.

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