Die Welt säuft ab…wirklich?

„Der Spiegel“ hat einen Haus-und Hof-Kolumnisten in Klimafragen: Stefan Rahmstorf (SR) vom PIK Potsdam. Sein neuester Streich: „Warum der Meeresspiegel immer schneller steigt“. Er schreibt in der Einleitung:

„Die Anstiegsgeschwindigkeit hat sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt, von 2,1 auf 4,8 Millimeter pro Jahr.“

und verweist auf Daten. Wir wollen das prüfen und finden auch welche: Die europäischen Daten von „Copernicus“. Sie reichen von 1993 bis März 2020, sind also hoch aktuell. Nun fahnden wir nach dem von SR behaupteten Trendanstieg und errechnen 5-Jahrestrends der globalen Messwerte jeweils bis zu dem Jahr, das auf der Abszisse abgetragen ist:

Tatsächlich finden wir die Trenderhöhung: Lagen die 5-jährigen Trends bis 2003 recht genau bei 3 mm pro Jahr so sanken sie bis 2011 ab, danach stiegen sie bis 2015 an auf den von SR erwähnten Wert, fielen danach aber wieder ab auf nur wenig über die 3mm/Jahr, die sie schon zu Beginn aufwiesen. Hat sich der Langzeittrend verändert? Nein, von 1993 bis jetzt beträgt er recht genau 3mm/ Jahr.

Spielt da eine interne Variabilität hinein, die den (für Klimabelange) noch recht kurzen Datensatz von 1993-2019 (komplette Jahre) so beeinflusst, dass man alles Mögliche hinein interpretieren kann, wenn man es denn will? Einen Hinweis finden wir da, wo auch SR bei den Daten hin verlinkte, allerdings müssen wir in die Vergangenheit der Website der Universität von  Colorado schauen:

Im Jahre 2013 (nach einer starken La Nina in 2012) zeigte man dort, wie der Anstieg des Meeresspiegels von La Nina und El Nino , kurz ENSO abhängt. Nach der La Nina 2012 gab es 2016 einen El Nino, daraus ist also der Peak im obersten Bild zu erklären. Was SR als „Folge der fossilen Energienutzung“ (nämlich die Trenderhöhung des Meeresspiegelanstiegs) bezeichnet in einer fetten Zwischenüberschrift seines „Spiegel-Fachartikels “ ist in Wirklichkeit die Folge der natürlichen ENSO- Variabilität? Das können wir von einem seriösen Ozeanographen (seine Berufsbezeichnung) nicht annehmen! 

Wir schauen daher in die Peer reviewte Wissenschaft und stolpern über eine ganz aktuelle Arbeit (Iz & Shum 2020) in der Zeitschrift Journal of Geodetic Science. Sie untersuchen viel akribischer als wir es vermochten den Datensatz der satellitengestützten Beobachtung des Meeresspiegels und finden eine Fülle von natürlichen Einflussgrößen, die eine gewisse Beschleunigung vorgaukeln im kurzen Datensatz. Sie raten am Ende, Einschätzungen der zukünftigen Entwicklungen  mit „extrem großer Vorsicht zu unternehmen“. Das tut SR nicht wenn er später folgert: „Houston, wir haben ein Problem“. Was folgt ist das bekannte Muster: Kipppunkte des Grönalndeises,  etc. bla,bla. Am Ende auch wieder bekanntes:

„Die nächsten beiden Jahrzehnte entscheiden darüber, wie viele Inselstaaten untergehen und wie viele Küstenstädte überflutet werden.“

So etwas kann man schreiben, nur hat es nichts im geringsten  mit Wissenschaft zu tun. Der „Spiegel“ sollte den Artikel von SR korrekt als „Meinung eines Bürgers“ kennzeichnen, denn mehr ist er nicht. Er referiert weder den Stand der Wissenschaft noch zeigt er die Unsicherheiten der eigenen Schlussfolgerungen auf. Peinlich für einen Ozeanographen.