Die Tücken der Wettermodelle

Sven Titz geht in der NZZ auf Wettermodelle ein. Der Grund war das GFS-Modell, das für Deutschland Anfang Juli 45 Grad Celsius vorhersagte.

“Noch vor wenigen Tagen machten Vorhersagen extremer Hitze in Europa die Runde. Nicht nur in Spanien und Südfrankreich – nein, auch in der Schweiz und Deutschland müsse man Mitte Juli mit Temperaturen um 40 Grad Celsius rechnen, vielleicht auch darüber, hiess es in manchen Medien.

So heiss wird es in Mitteleuropa wohl doch nicht werden. Die 40 Grad werden vorerst nicht erreicht. Um eine wirklich fehlerhafte Prognose handelt es sich dabei allerdings nicht. Vielmehr ist in manchen Ankündigungen der grossen Hitze verlorengegangen, wie unsicher Vorhersagen sind – vor allem solche, die sich auf einen Zeitraum beziehen, der eine Woche und mehr in der Zukunft liegt. Ausserdem basierten manche Aussagen auf Modellsimulationen, die unsachgemäss interpretiert wurden.

Bezogen auf die Hitze in Deutschland könne man fast von einem Hype sprechen, sagt Marco Stoll von Meteo Schweiz. Nach seiner Darstellung wird der erste Schwall Heissluft aus Spanien, der in der Schweiz und in Süddeutschland ein Temperaturmaximum am heutigen Donnerstag hervorruft, danach wieder von maritimer Luft abgedrängt. Der Norden Deutschlands werde von dieser ersten Hitzewelle voraussichtlich verschont.”

Wir hatten dieses Thema bereits in diesem Blog und dort vor allem die Erklärungen von Kachelmannwetter zum GFS-Model. Es wurde vor allem das Thema Bodenfeuchte erklärt, die in dem Model offenbar komplett falsch war und zu den hohen Temperatur-Vorhersagen führte.

Einer der Meteorologen, die vor den 45 Grad Celsius Anfang Juli warnten, war Karsten Schwanke von der ARD. Er hat was Vorhersagen angeht, einen ganz eigenen Track-Record. Eine YouTube-Video zeigt noch einmal den Wetterbericht vom 14.07.2021 in den Tagesthemen. Es war der Abend der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal. Gegen 22:44 an dem Tag gab Schwanke Entwarnung, das Schlimmste sei überstanden.

Wer sich die aufwendig gemachte Webseite des WDR zu dem Thema ansieht, der kann schon ins Nachdenken kommen. Sie listet eine Chronologie der Ereignisse auf und das Schlimmste war zu dem Zeitpunkt keineswegs überstanden. Wer sich also auf die Aussage von Schwanke verließ, der war eher verlassen.

Stichwort Ahrtal-Flut. Alexander Kissler kommentier in der NZZ und stellt dem Deutschen Katastrophenschutz ein schlechtes Zeugnis aus. Er hat seiner Meinung nach bei der Flut versagt.

“Es habe «Lücken in der Warnkette» gegeben, eine beschönigende Pressemitteilung aus Spiegels Ministerium und überall den falschen Tonfall: «Keine der Warnungen, ob von den Wetter- oder Hochwasserbehörden, den örtlichen Bezirken oder denen in den Nachrichten, vermittelte ein Gefühl der Dringlichkeit oder einer unmittelbaren Lebensgefahr, die im Rückblick angezeigt gewesen wäre.»

Auch deshalb verenge der Fokus auf den Klimawandel die Betrachtung «unzulässig auf nur einen von zahlreichen Aspekten». Und bei der Hilfe für die Opfer versprachen Politiker unbürokratische Unterstützung und lieferten das Gegenteil, «viele, wenn nicht sogar alle Prozesse wurden als kompliziert, intransparent und sehr bürokratisch empfunden».

Die Flut wurde zur Katastrophe, weil sich in Deutschland der Katastrophenschutz in einem katastrophalen Zustand befindet. In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen trugen veraltete Technik, unklare Zuständigkeiten und falsche politische Entscheidungen mehr zu den Toten und Verletzten bei als der Klimawandel. Wer sich diesen zentralen Fragen nicht stellen will, weil er persönliche oder politische Konsequenzen fürchtet oder seine eigene weltanschauliche Agenda bewirtschaften will, hält an der Mär von der alleinverantwortlichen Klimaerwärmung fest. Künftige Katastrophen werden so gerade nicht verhindert.”

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Die Tagesschau äußert sich zum Thema Design von Wetterkarten und  den Temperaturfarben. Im Raum standen Vorwürfe, dass durch neue Farbgebung Dramatik erzeugt werden soll. Anders als Meteo-Kollegen im Vereinigten Königreich spielte eine bessere Erkennbarkeit für Farbenblinde (wir berichteten) hier allerdings keine Rolle. Man wollte das Design von Tagesschau und Tagesthemen lediglich anpassen.

“Und das aus einem einfachen Grund, teilt die Leiterin der zuständigen Wetterredaktion des Hessischen Rundfunks (HR), Silke Hansen, mit: „Das Wetter für die tagesthemen wird seit 2020 nicht mehr von unterschiedlichen Redaktionen und Firmen angeliefert, sondern vom ARD-Kompetenzzentrum in Frankfurt. Wir haben bei der Übernahme das komplette Design umgestellt und dem Design der tagesschau angepasst. Seitdem gibt es auch in den tagesthemen keine Wolkensymbole mehr, sondern einen Wolkenfilm und die Temperaturen werden auf einer Temperaturkarte dargestellt, wie es bei der tagesschau seit 30 Jahren gemacht wird.“

Das Design von tagesthemen und tagesschau sei vereinheitlicht worden, die Moderatorinnen und Moderatoren aber dieselben geblieben.”

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Österreich will einen Gasspeicher, der zwar auf seinem Territorium liegt, aber bisher nur mit Deutschland verbunden ist, möglicherweise zukünftig auch nutzen. BR24 hat einen Bericht zu dem Thema.

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Heise berichtet über Pläne der EU die Biogas Produktion erheblich zu steigern.

“Wenn es nach der EU-Kommission geht, soll sich der Mais nun noch weiter ausbreiten. In ihrem Programm „REPowerEU“ hat sie ihr (bereits sehr ehrgeiziges) Ziel von 17 Milliarden Kubikmetern Biomethan für 2030 fast verdoppelt – auf 35 Milliarden Kubikmeter. Aktuell sind es gut drei Milliarden. (Zum Vergleich: 2021 hat Europa insgesamt knapp 400 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht.) Und auch Deutschland will die Produktion von Biogas nicht länger deckeln, wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kürzlich bekanntgab.”

Wildschweine dürfte das vermutlich eher freuen, sie bekommen quasi die Grundlage ihrer Mast vor den Kessel gestellt. Jäger, die gerne Wildschweine jagen, dürften das auch toll finden. Wir haben in diesem Blog schon mehrfach auf die Problematik für Deutschland hingewiesen, die die beiden Wissenschaftler Gaukel und Holler in ihrem Vortrag eindringlich dargestellt haben. Bereits heute hat Deutschland nicht genügend Ackerfläche, um sich rechnerisch selber zu ernähren. Jeder Hektar, der aus der Nahrungsmittelproduktion genommen wird, egal ob für Photovoltaik oder Energiepflanzenanbau verlagert das Problem lediglich an eine andere Stelle.

Im Dezember 2021 berichteten wir über Pläne Dänemarks bis 2040 ausschließlich mit Biogas den Gasbedarf zu decken. Auch dort kann das nur über mehr Maisfläche gehen. Auch dort also eine Vermaisung der Flächen.

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Auszug aus dem im Juni 2022 publizierten Buch „Ratlos. Die Agonie der deutschen Klima- und Energiepolitik“ von Rolf Bergmeier: „Deutschland kasteit sich für die Sünden der Welt“:

Ratlos. Die Agonie der deutschen Klima- und Energiepolitik

Niemand bezweifelt, dass es sinnvoll und nützlich ist, die begrenzten fossilen Reserven zu schonen und wo immer möglich Wasser, Wind oder die Sonne als Energielieferanten einzusetzen. Niemand ist ein „Klimaleugner“. Weder kann man das Wetter leugnen, noch das Klima. Auch über die Tatsache einer Erderwärmung seit dem Ende der mittelalterlichen Eiszeit um 1850 herrscht weitgehend Übereinstimmung. Aber dass nach dem Ende einer Eiszeit eine Warmzeit folgt, kann eigentlich nicht überraschen. Sonst wäre nicht ein Ende der Kaltzeit zu bemerken.

Ob dafür das anthropogenen CO2 verantwortlich zu machen ist, ist auch in der Wissenschaft strittig. Zumal das anthropogene CO2 lediglich mit einem Anteil von 0,0012 Prozent in der Atmosphäre vorhanden ist. Berücksichtigt man den deutschen Anteil von etwa zwei Prozent an den globalen anthropogenen Emissionen,  dann zielt die deutsche Politik auf die  Minimierung von 0,00002 Prozent der atmosphärischen Gase. Davon wird etwa die Hälfte von  den Ozeanen und der Vegetation aufgenommen.

Dagegen ist Wasserdampf um ein Vielfaches häufiger in der Atmosphäre vertreten. Wasserdampf verstärkt den Treibhauseffekt des CO2. Das gilt sowohl für das  natürliche CO2 wie für das anthropogene Gas. Beide wirken Temperatur verstärkend und keine Messstelle kann zwischen natürlichem und anthropogenem CO2 unterscheiden.  Die Behauptung,  nur das anthropogene CO2 habe bisher zu höheren Erdtemperaturen geführt, kann daher nicht verifiziert werden. Die Behauptung ist auch wenig glaubhaft, da das Volumen des natürlichen CO2 dem des anthropogenen CO2 um das 32-fache überlegen ist. Es ist also zu erwarten, dass Wasserdampf und das natürliche CO2 die Temperaturveränderungen dominieren.

Überraschend ist auch, dass das explosive Wachstum der Erdbevölkerung von einer Milliarde Menschen um 1850 auf derzeit fast acht Milliarden in der klimapolitischen Diskussion praktisch nicht beachtet wird. Dabei sind die Folgen dieses Menschen-Tsunamis unübersehbar: Alle beanspruchen Nahrung, Wasser, Autos, Strom und Wärme und versiegeln die Landschaft mit alles verschlingenden Megastädte. Es liegt also nahe, das Wachstum der Erdbevölkerung als eine der eigentlichen Ursachen für die Erderwärmung haftbar zu machen. Wenn wir diese Entwicklung nicht in den Griff bekommen, dann geht es uns, der Natur und dem Klima schlecht, gleich wie viel Kohlenstoffdioxid die Industrieländer einsparen.

Klima- und Naturschutz sind nicht „zwei Seiten der Medaille“, sondern unvereinbar. Während sich der „Klimaschutz“ der Minderung des CO2-Eintrages und der Senkung der Temperatur widmet, freuen sich die Pflanzen über einen erhöhten CO2-Eintrag. Zudem verlängert die Erwärmung die Vegetationsperiode, fördert die Verdunstung und damit den Eintrag von Wasserdampf in die Atmosphäre. Das mag zu örtlichen Wetter-Turbulenzen führen, aber Pflanzen und Pflanzen fressende Tiere lieben CO2, Wärme und Wasser.

Die deutsche Klima- und Energiepolitik ist bereits bei der ersten Unregelmäßigkeit in sich zusammengebrochen. Seither vermeldet der Beobachter ein gespenstisch-verworrenes Herumstückeln mit Wasserstoff aus Australien, Flüssiggas aus Katar, Kohle aus Nordrhein-Westfalen und Sachsen, Sparappellen en masse und mit dem unhaltbaren Versprechen, das Stückwerk werde spätestens 2030 in das ursprüngliche Konzept der emissionsfreien Energieversorgung überführt werden. Bis dahin hat jedoch die Erde rund eine  Milliarde neue Erdenbürger und Deutschland zwei Millionen Immigranten. Ohne technologieoffene Investitionen in alle Formen der Energieerzeugung, vor allem in die Kernkraft, ist diese eigentliche  Bedrohung der Erde nicht zu begegnen. Daran ändert auch ein ominöser „Klimaclub“ (Scholz, G7-Treffen 2022) wenig, der Deutschland nicht eine Kilowattstunde Energie schenken wird. So bleibt es dabei: Andere Länder haben AKW, Gas, Kohle und Öl. Deutschland die Moral.

Rolf Bergmeier
Ratlos. Die Agonie der deutschen Klima- und Energiepolitik, 316 S., Juni 2022.
Paperback           ISDN 978-3-347-67798-7, Euro 18,50.
E-Book  ISDN 978-3-347-62800-7, Euro 12,99.

Hinweis der dkS-Redaktion: der Text gibt die Ansicht des Verfassers, Rolf Bergmeier wider. Der CO2-Anteil in der Atmosphäre beträgt 0,04%. Das dkS-Team geht von einer CO2-Erwärmungswirkung aus, die am unteren Rand der vom IPCC im 5. Klimazustandsbericht angegebenen Spanne liegt.