Die Sonne im Mai 2020 und der Mythos von der zunehmenden Trockenheit

Von Frank Bosse

Unser Stern war im Mai weiterhin im Minimum zwischen den Zyklen 24 und dem anstehenden Zyklus 25. Die festgestellte SSN (für SunSpotNumber) betrug ganze 0,2. Nur an zwei Tagen (am ersten und letzten im Monat) fand sich etwas winziges, jedoch zählbares auf der ansonsten blanken sichtbaren Sonnenoberfläche. Der gesamte bisherige SC (für SolarCycle) im Überblick:

Abb. 1: Der SC 24 (rot) im Vergleich zu einem mittleren Zyklus (blau), der gebildet wird durch den jeweiligen monatlichen Mittelwert der SC 1-23, und der seit einigen Jahren recht ähnlich verlaufende SC5, der 1810 endete.

Die bereits 31 Monate andauernde sehr geringe Aktivität (SSN<20) unserer Sonne hat natürlich auch Folgen, insbesondere auf die auf unseren Planeten einwirkende galaktische Strahlung (GCR für Galactic Cosmic Ray). Die Sonne arbeitet gegen sie an wenn sie stärker aktiv ist.

Abb. 2: Die aufgezeichnete kosmische Strahlung in Moskau. Quelle.

Wir erkennen, dass seit etwa Mitte 2017 die eingehende Strahlung noch etwas stärker ist, als im letzten, schon recht schwachen Minimum. Die Ordinate im Diagramm ist mit negativen Werten belegt. Die schwankende Sonnenaktivität bewirkt eine Modulation der GCR um ca.20%. Das schaffte sie im vergangenen Zyklus mit ihrer unterdurchschnittlichen Aktivität nie, auch im Maximum des Zyklus wurden nur 8% der GCR von der Erde fern gehalten. Im Vergleich zu den bisherigen systematisch beobachteten Zyklen schlägt sich das nieder:

Abb. 3: Die aufsummierten monatlichen Differenzen der Zyklen zwischen den jeweiligen Beobachtungen und dem Mittelwert (blau in Abb.1).

Ob das Bild endgültig ist hängt davon ab, wann im Nachhinein das Ende des SC24 und der Beginn des SC 25 definiert werden. Da wir im Juni schon einige Flecken auch des kommenden Zyklus sahen (diese weisen auf den solaren Hemisphären entgegengesetzte magnetische Polaritäten als die Flecken des vorherigen Zyklus aus), kann es gut sein, dass der SC24 schon Geschichte ist. Wie schwach er war ist in Abbildung 3 sehr gut zu erkennen. Seit Ende des SC6 , das war vor fast 200 Jahren im Jahre 1823, war die Sonne nicht so wenig aktiv wie in den vergangenen nahezu 12 Jahren.   

Der Mythos von der zunehmenden Trockenheit in Europa

Es klingt so einfach: Es wird unbestritten wärmer hierzulande und das führt zu zunehmenden Dürren. Wenn man die letzten beiden Sommer hernimmt, so scheint sich das zu bestätigen. Und genau so wurde es nicht nur medial ausgeschlachtet: Der bisherige  Klimawandel und zunehmende Trockenheit werden in einen engen Zusammenhang gestellt.   

Klimawandel führt zu Dürre“, textete  MDR „Wissen“noch im April 2020. Es ließen sich noch sehr viele Beispiele anführen für den Hype bei zwei zu trockenen Sommern in Folge, es sei bei diesem belassen. Aber stimmt das so? Zeigt sich mit dem unverkennbaren Signal der Erwärmung, die auch menschgemacht ist, wirklich ein zunehmender Trend in der Trockenheit hierzulande und in Europa?

Der Frage geht diese Arbeit  eines 20 köpfigen Autorenteams von meteorologischen Instituten Europas auf den Grund, indem wirklich lang andauernde Beobachtungen zwischen 1850 und 2018 ausgewertet werden. Man könnte es sich leicht machen, denn das Ergebnis steht schon in der Kurzzusammenfassung:

„Results reveal a general absence of statistically significant long-term trends in the study domain…”

Die Ergebnisse offenbaren die Abwesenheit von statistisch signifikanten Langzeittrends im untersuchten Gebiet. Die Erwärmung ist ein gesicherter Langzeittrend, die angeblich damit zunehmende Trockenheit nicht. Das verblüfft. Was haben die Autoren gemacht?

In der Einführung der Arbeit beschreiben sie zunächst einige Ansätze, die mit zunehmender Erwärmung auch eine steigende Verdunstungsrate ( „atmospheric evaporative demand“) nahelegen und weisen darauf hin, dass der Niederschlag noch immer der bestimmende Teil ist, wenn es um das Auftreten von Dürren geht. Sie untersuchen dann mithilfe des „Standardisierten Niederschlagsindex“ (SPI) als wissenschaftlich anerkanntes Maß für auftretende Dürren den europäischen Raum. Hierfür bewerten sie nicht nur ganze Jahre sondern gehen auch saisonal (3 monatig) an die Auswertung der sehr sorgsam validierten Daten. Die für Mitteleuropa gültige Auswertung findet sich in der frei zugänglichen „Supporting Information“:

Abb. 4: Die Abbildung 6 aus den Supplements von Vicente-Serrano et. al (2020).

Wenn man in den Temperaturen seit etwa 1980 einen auch anthropogenen Erwärmungstrend sieht, so vermissen wir einen solchen Langzeittrend im Dürreindex. Es kamen Häufungen von sehr trockenen Abschnitten ebenso in den 1920er, 19 40er und 1970er Jahren vor. Das Autorenteam hat es wirklich sehr genau wissen wollen und suchte überall in Europa (außer Osteuropa) nach Langzeittrends passend zu den Temperaturentwicklungen für verschiedene Zeitspannen:

Abb. 5: Die geographische Verteilung der ausgewerteten Stationsdaten für den Zeitraum 1871-2018, Quelle: Abb. 2 der Arbeit

Es gibt hin und wieder Trends an einzelnen Stationen, aber nichts Signifikantes über längere Zeiten in größeren Gebieten. So schreiben die Autoren denn in der Zusammenfassung:

„With few exceptions, trends in droughts over Western Europe are statistically non-significant from a long-term perspective.”

Wie kommen dann all die Behauptungen zustande, dass  klimabedingt die Dürren hierzulande zunehmen? Meist sind es, so die Autoren, Beobachtungen die nicht lang genug sind, mit unzureichend validierten Daten oder zu kleine berücksichtigte Gebiete. Mit hoher Akribie weisen sie nach, dass diese Behauptungen wissenschaftlich nicht fundiert sind. Bisher hätte man also Unkenntnis unterstellen können, wenn man in den Medien und anderswo von „Trockenheit durch Klimawandel“ liest und hört. Von nun an kann man jedoch Flunkerei annehmen. Denn es gibt wissenschaftlich fundierte Fakten die darauf hindeuten, dass der Zusammenhang schlicht nicht besteht. Wenn Sie als aufgeklärter Leser also demnächst wieder solchen Unsinn lesen: Schauen Sie sich die Autoren solcher Meldungen genau an: Denn die wollen Sie wohl verschaukeln.