Die Rentier-Ente

Von Frank Bosse

Die Zeit zwischen den Jahren ist für gewöhnlich meldungsarm. Zeit also für Medien, sich auf alles zu stürzen was scheinbar berichtenswert ist. So auch im Spiegel: „Klimawandel treibt Rentiere gen Süden„. Man ist zunächst verblüfft, warum sollen Rentiere in einer wärmer werden Umgebung ausgerechnet nach Süden ausweichen? Die Frage wird sogleich beantwortet im Artikel: 

„Wegen der Erderwärmung kommt es dem Bericht zufolge mittlerweile häufiger dazu, dass Schnee früher schmilzt oder Regen auf die Schneedecke fällt – was zu harten Eisplatten führt, wenn die Temperaturen fallen. Manche Rentiere legen Strecken von bis zu hundert Kilometern zurück, um Nahrung zu finden, wie Züchter der BBC berichteten.“

Es sind also Ereignisse, die Regen auf Schnee (ROS) fallen lassen, die durch den Klimawandel mit der Zeit mehr werden. Nur so wäre ein Zusammenhang zu begründen. Ist dieser negative Effekt für die Rentierzucht neu? Man wird fündig in einer sehr ausführlichen Arbeit aus dem Jahre 2020 über Klimaauswirkungen auf Rentiere. Die Autoren beleuchten die Effekte jahreszeitlich aufgelöst und stellen die Berichte von Rentierzüchtern ( wie sie im Spiegel-Artikel, der zurückgeht auf eine BBC-Reportage) verwendet wurden, den meteorologischen Daten gegenüber. Und was finden sie für das auch in der Arbeit beleuchtete Problem „ROS“:

„Further, the number of zero-crossing days (Zero) and the number of rain-on-snow days (ROS-d), the indices considered among the main drivers of formation of icy foraging conditions, did not change significantly during the study period.“ 

Sie zeigen im zusätzlichen Material zur Studie dieses Diagramm: 

Quelle: Fig. S15 

und das zeigt, wie in der Arbeit erwähnt,  eine hohe Variabilität auch in verschiedenen Gegenden aber keinen signifikanten Trend über 30 Jahre. Dann ist es also nicht Klima. Die Arbeit warnt auch eindringlich, die Schilderungen von Rentierzüchtern für Aussagen über reale Klimaauswirkungen 1:1 zu übernehmen:

„Herder experiences on seasonal weather are very much local in nature. On one hand this knowledge is unsystematic, spatially inconsistent and potentially biased“. 

Sie betont, dass das kritische Prüfen mit meteorologischen Daten immer erforderlich ist. So sind dann wohl die Berichte im Spiegel und der BBC eher lokale Momentaufnahmen besorgter (und finanziell durch das notwendige Einfangen der Herden geschädigter) Rentierzüchter. Einen Zusammenhang zum Klima herzustellen ist jedoch eher abenteuerlich, wie die Arbeit aus „Science of The Total Environment“ aufzeigt. Sie ist übrigens frei verfügbar und eine Recherche benötigt nur wenige Minuten. Zu viel für „Qualitätsmedien“?  

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Leserpost von Detlef Alwes:

Ich habe in verschiedenen Leserbriefen, im offenen Brief an Luisa Neubauer und in Briefen an die Grünen, auch direkt an Frau Baerbock darauf hingewiesen, dass es nicht das Problem ist, wo die Energie entnommen und umgewandelt wird, sondern dass das Speicherproblem gelöst werden muss. Es muss ein Speichermedium oder eine Speicher-Technologie gefunden bzw. entwickelt werden, so dass Energie mindestens so kostengünstig gespeichert werden kann und transportabel ist wie Erdöl (z.B. als Kraftstoff) oder Erdgas. Es könnte helfen, sich in der Natur umzuschauen.

In keinem der Programme, weder im Parteiprogramm noch im Wahlprogramm der Grünen ist bzw. war das Wort ‚Speichertechnologie‘ oder ein anderer ‚Speicher‘-Begriff zu finden. Ähnlich bei den meisten anderen Parteien. Dies beweist, wie einseitig die ‚Denke‘ der Grünen ist, egal ob Partei oder mit ihr sympathisierende Mitläufer. Ihre ‚Denke‘ kennt nur ‚Windmühlen‘, Solarenergie und Wasserstoff, aus Strom von Windmühlen erzeugt, um Strom zu liefern (wie verrückt). Denn speichern kann man Wasserstoff nur mit irrem Aufwand (unter sehr hohem Druck bzw. bei Temperaturen weit unter Minus 200°C).

Beispiel: durch Startverzögerungen der SpaceX-Rakete, mit der der deutsche Astronaut Matthias Maurer zur ISS geflogen ist, musste diese enttankt und wieder aufgetankt werden, da die tiefen Temperaturen von Flüssigsauerstoff nicht über Tage zu halten sind. Zusätzlich bestehen noch die Dichtungsprobleme (wie beim Challenger Space-Shuttle Unglück dramatisch demonstriert). Aber wieder einmal profitieren offensichtlich Leute mit der Masche Wasserstoff als Speichermedium einzusetzen. Da kann ordentlich und lange unendlich geforscht werden – mit Steuergeldern.

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Tagesschau am 28.12.2021:

Wintereinbruch an US-Westküste: Schneemassen und Stromausfälle

Es ist der schneereichste Dezember seit 1970 an der US-Westküste: Er bricht Kälterekorde, der Strom fällt aus und Straßen sind gesperrt. Dennoch ist mit den Schneemengen auch eine Hoffnung verbunden.

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Wer in Brandenburg in einer sogenannten Streusiedlung lebt, der hat einfach Pech gehabt. Dem droht nämlich eine oder mehrere Windkraftanlagen vor die Tür gesetzt zu bekommen. Abstände sollen für solche Siedlungen nicht gelten, wie die Fraktion der freien Bürger im brandenburgischen Landtag berichtet. Die anderen Parteien haben den Abstand für Streusiedlungen abgelehnt.

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Elon Musk kann nicht über das Wasser laufen und Tesla unterliegt auch den Gegebenheiten des Marktes. Das Unternehmen zieht nämlich bei den Preisen für Strom aus seinen Superchargern kräftig an, wie Golem berichtet. Dennoch scheint es dem Unternehmen nicht an Selbstbewusstsein zu mangeln. Für gebrauchte Tesla ruft das Unternehmen laut Businessinsider gewaltige Preise auf. Die kosten fast genauso viel wie Neuwagen.

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Stromgewinnung über Drachen. Trendsderzukunft stellt das Verfahren vor. Allerdings scheinen die Redakteure dort auch nicht über die Texte groß nachzudenken. Sie stellen sich vor, dass man die Drachen steigen lassen könnte, wenn man Strom benötigt. So ein Drachen, das kennt vielleicht noch jeder aus seiner Kindheit, braucht Wind, damit er steigen kann…

“Denkbar wäre ein Einsatz daher etwa immer dann, wenn kurzfristig eine Notstromversorgung benötigt wird. Auch auf Inseln, auf denen die Installation von Windrädern aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll ist, kann der Drachen zur nachhaltigen Stromversorgung beitragen.”

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Das Verbot von Fleischkonsum ist Schutz der Freiheit! Ja richtig gelesen, in einem Zeitartikel behauptet der Autor Felix Eckardt genau das.

“Klimaschutz gelingt nur mit sehr viel weniger tierischen Produkten. Dafür brauchen wir radikale Lösungen. Bevormundend ist das nicht – es schützt unsere Freiheit.”

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Der Bayrische Rundfunk sekundiert der Windkraftindustrie und nutzt das Format Faktenfuchs, um die Windkraft heilig zu sprechen und gleichzeitig die 10H Regel zu verdammen. Erstaunlicherweise geht der Artikel mit keinem Wort auf die Windverhältnisse in Bayern ein. Das Bundesland hat, wenn man sich die Voraussetzungen ansieht, keine guten Bedingungen in Sachen Wind. Sagt man Füchsen nicht eigentlich eine Schlauheit nach?

(Abbildung: Screenshot YouTube)

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Dr. Hans Hofmann-Reinecke stellt in einem YouTube-Video das Thema Wasserstoff vor. Vor allem die Zahlen zum Thema Wirkungsgradverluste sind interessant dargestellt.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

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Wir erinnern uns an die Zeit vor 2 Jahren. In Australien kam es zu großen Bränden. Politiker wie der heutige Gesundheitsminister Lauterbach hielten eine Animation, die einen verglühenden Kontinent zeigten, für bare Münze. Die Aufregung ganz besonders in Europa war sehr groß. Mit dem Thema Buschbrände ließ sich halt sehr gut wuchern bis hin zu Versuchen, die Zahl der verbrannten Koala Bären auf die Bewohner Europas umzurechnen, weil diese ja schließlich die Schuld an den Bränden hätten.

Auch die typischen Wortwendungen, dass es noch nie so schlimm war, konnten mal überall lesen. Da muss man Wissenschaftlern wie Roy Spencer schon mal dankbar sein, dass er Daten der Vergangenheit darstellte. Die Brände 1974-1975 stellten die von 2019-2020 deutlich in den Schatten. Es gab zu der Zeit halt keine sozialen Medien, die so ein Thema eskalieren lassen.

Was sehr wenig berichtet wurde Anfang 2020, das waren die El Niño Bedingungen, die die Dürre in Australien begünstigt hatten. Dieses Klima-Phänomen entsteht ohne uns Menschen. Die Wissenschaft tut sich schwer mit der Vorhersage des Phänomens. Das PIK versuchte es und lag mit seiner Prognose für Winter 2019/2020 komplett daneben und möchte auch besser nicht mehr daran erinnert werden. Statt eines vorhergesagten El Niños bekamen wir das glatte Gegenteil. Aus der damaligen Pressemitteilung:

“Die bahnbrechend frühzeitige Prognose basiert auf einem von den Forschern entwickelten neuartigen Algorithmus, der auf einer Netzwerk-Analyse der Lufttemperaturen im Pazifikraum beruht und bereits die beiden letzten „El-Niño“-Ereignisse mehr als ein Jahr im Voraus korrekt prognostizierte. Solche langfristigen Vorhersagen können z.B. Bauern in Brasilien, Australien oder Indien helfen, sich vorzubereiten und die Aussaat entsprechend anzupassen.”

Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor Emeritus des PIK, erklärt: „Diese geschickte Kombination aus Messwerten und Mathematik ermöglicht uns einzigartige Einsichten – und diese stellen wir den betroffenen Menschen zur Verfügung.“ Er weist darauf hin, dass auch die neue Methode selbstverständlich keine hundertprozentige Sicherheit bietet: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ‚El Niño‘ 2020 kommt, liegt bei etwa 80 Prozent. Aber das ist ziemlich signifikant.“

Es wird sicherlich einen Grund haben, warum die NOAA ihre Prognosen für El Niño oder La Niña deutlich kurzfristiger macht als das PIK. Wer sich auf die Aussagen vom PIK seinerzeit verlassen hat als Landwirt in Australien, der dürfte Probleme bekommen haben.

Ende 2021 jedenfalls gibt es erneut eine La Niña und das bedeutet, dass es in Australien überdurchschnittlich viel regnet, was natürlich die Gefahr von Bränden verringert. Selbstverständlich gibt es Gegenden auf dem Kontinent, die trocken sind und dort gibt es nach wie vor Brandgefahr. Dennoch gilt der November 2021 in den östlichen Bundesstaaten Australiens als der nasseste November seit Beginn der Aufzeichnungen. Bilder wie vor 2 Jahren und das Aufrechnen, wie viele Koalas nun jeder Europäer auf dem Gewissen hat, wird es Anfang 2022 eher nicht geben.

Das Australian Bureau of Meteorology BOM rechnet für Januar 2022 noch mit einer starken La Nina. Erst zum Mai hin wird sie sich abschwächen. Für den Indian Ocean Dipol IOD geht man dort von neutralen Bedingungen bis Mai 2022 aus.

(Abbildung: Screenshot bom.gov.au)