Die Grünen, die Umwelt, ein Treppenwitz

Es mutet wie ein Treppenwitz an. Die Grünen, eine Partei, die einst das Thema Umweltschutz überhaupt erst hat entstehen lassen, will gern den Umweltschutz in der EU schleifen. Es ist zwar schwer vorstellbar, dass andere Länder der EU die Deutschen hier bei ihrem Sonderweg unterstützen, aber für die Pläne der Grünen sind die EU-Standards offensichtlich ein großes Ärgernis. Eines, an dem sie selber lange Jahre mitgewirkt haben. Nun setzt sich der Globalisierungsgegner und Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Sven Giegold dafür ein, den Umweltschutz zu schleifen, damit Deutschland seinen Weg zu noch mehr Windkraft fortsetzen kann.

Der Deutschlandfunk berichtet über die Pläne. Sie sind nichts anderes als eine Kriegserklärung an die Umwelt. Den Grünen schmeckt nicht, dass die EU den Schutz von einzelnen Exemplaren einer Art als wichtig ansieht. Sie hätten gern eine Populationsbetrachtung. Das bedeutet, man kann Arten töten oder vergrämen, wenn an andere Stelle noch irgendwo Tiere überleben. Das Problem bei der Sache: Es müsste permanent gezählt und beobachtet werden, um das verlässlich zu wissen. Alles andere wäre nur Schätzungen und die können so oder so ausfallen. Aus gutem Grund gilt deshalb der Schutz von durch Maßnahmen betroffene Arten vor Ort.

Wir haben hier schon oft den Vergleich bemüht von dem Bauern, der seine letzte Kuh in Zahlung gibt, um eine neue Melkmaschine zu kaufen. Er bleibt nach wie vor richtig. Wer hätte sich das mal träumen lassen, dass ausgerechnet die Grünen den Umweltschutz verklappen? Ganz wohl ist dem BUND, ansonsten ein Steigbügelhalter der Windkraftindustrie bei dem Vorhaben von Giegold offenbar auch nicht. Der BUND Vorsitzende Olaf Brandt rudert gleich mal kräftig zurück und kritisierte die Äußerungen von Giegold.

““Sven Giegold hat mit uns zusammen Vogelschutz- und andere Naturschutzrichtlinien in Europa verteidigt. Er täte gut daran, dies auch in Deutschland zu tun, um den Koalitionsvertrag einzuhalten. EU-Naturschutz ist kein Hindernis für die Energiewende.”

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Das Science Media Center hat einen längeren Artikel zum Thema Blackouts.

Auf der Suche nach Stromdellen und Stromtälern – Preppen für die Dunkelflaute.

Preppen kommt vom englischen Wort prepare, was vorbereiten meint. In diesem Fall die Vorbereitung auf Zeiten ohne Strom, weil dann in Deutschland vermutlich nicht mehr viel funktionieren wird. Nach der Lektüre des längeren Artikels scheint es angebracht zu sein, sich mit einigen Dingen zu bevorraten. Auch die angebotenen Tools sind sehr aufschlussreich.

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Traditionell gilt der erste Besuch eines deutschen Außenministers Frankreich. Das ist bei Annalena Baerbock nicht anders. Die erweist sich als echte Diplomatin und tritt den Franzosen laut Spiegel erst einmal kräftig vor das Schienbein und kritisiert die Pläne Frankreichs Atomenergie zur nachhaltigen Energiequelle zu erklären. Symbolpolitik wird nun großgeschrieben. Baerbock, die im Sommer noch Kurzstreckenflüge verbieten lassen wollte, ist natürlich per Flugzeug nach Paris befördert worden.

Für die eigene Fanbase stieg sie dort in einen Zug und fuhr nach Brüssel. Ihr Flugzeug flog ohne sie nach Brüssel, um dort auf die Ministerin zu warten. Nun gut wird man sagen können, es ist nicht die schlechteste Idee, die 300 Km so zurückzulegen. Die Fahrt dauert ja nur 90 Minuten. Der Umwelt bringt das nur herzlich wenig, macht sich aber gut in der Presse, weil kaum ein Journalist das ernsthaft hinterfragen wird.

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Das Fraunhofer-Institut für Solar Energiesysteme (ISE) hat einen Durchbruch beim Wirkungsgrad von Solarzellen erzielt.

“Als Standard werden Solarzellen aus kristallinem Silicium hergestellt. Das gilt für mehr als 90% des Photovoltaik-Weltmarktes. Dabei begrenzt das theoretische physikalische Limit des Halbleitermaterials Silicium den Wirkungsgrad. Das Limit liegt bei 29,4%. Dank technologischer Fortschritte ist es in den letzten Jahren gelungen, diesem Limit sehr nahe zu kommen. Der bisher erzielte Rekord bei den Wirkungsgraden liegt bei etwa 26%. Erreichen konnten Forscher diese Ergebnisse bislang allerdings nur mit Solarzellen, deren Metallkontakte sich lediglich auf der Rückseite befinden. Man nennt sie auch Solarzellen im IBC-Design, wobei die Abkürzung für „interdigitated back contact“ steht.”

Allerdings bedeuten bessere Wirkungsgrade nicht, dass nun Tag und Nacht Strom produziert werden kann. Spätestens bei Dunkelheit brauchen Solarzellen entweder einen Speicher oder ein Backup.

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Immer wieder interessant ist ein Blick von außen auf Deutschland. In diesem Fall reißt Infosperber aus der Schweiz die Geschichte der Grünen in Deutschland an.

“Deutschlands Grüne auf dem Weg zum Global Player”

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Kohleausstieg bis 2030: Wie soll das gehen? Ein Artikel bei Web.de widmet sich dem Thema.

“Nötig sind unter anderem Tausende neuer Windräder, doch vor allem der Ausbau an Land stockt: zu wenig Flächen, lange Planungsverfahren, viele Klagen, Konflikte mit dem Arten- und Naturschutz. Die künftige Koalition will bis zu zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft nutzen, viel mehr als bisher. Ende 2020 waren bundesweit gerade einmal 0,7 bis 0,85 Prozent der Fläche rechtswirksam für Windenergie ausgewiesen, so steht es im Bericht eines Bund-Länder-Ausschusses vom Oktober. Planungsverfahren dauern laut einigen Länderberichten aktuell mindestens fünf, teilweise aber auch zwölf Jahre.

Kohle im ersten Halbjahr wichtigster Energieträger

Die Ampel will Tempo und nutzt einen Hebel: Die erneuerbaren Energien sollen im „öffentlichen Interesse“ liegen. Der künftige Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) sieht das als Weg, um etwa in Bayern geltende große Mindestabstände von Windrädern zu Wohnhäusern zu kippen, wie er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte. Habeck muss schnell liefern. Die Ampel will schon im ersten Halbjahr 2022 gemeinsam mit Ländern und Kommunen alle notwendigen Maßnahmen anstoßen, um den Ausbau des Ökostroms zu beschleunigen.

Dazu gehört, Bürgern und Kommunen den Zubau von Windrädern schmackhaft zu machen, auch mit finanziellen Anreizen. Das sei wichtig, sagt Schemmel. „Aber machen wir uns nichts vor: Der Ausbau der Erneuerbaren mit dem nun angenommenen höheren Strombedarf bis 2030 wird eine Herkulesaufgabe.“”

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Für den etwas längeren Artikel “A green paradox: Deforesting the Amazon for wind energy in the Global North” empfehlen wir wieder die automatische Übersetzung durch den Browser. Viele Browser wie Edge haben das bereits standardmäßig an Bord.

Es geht um Balsaholz und die Spur der Entwaldung, die der Einschlag in Südamerika hinterlässt. Ecuador ist der Hauptexporteur des für den Bau von Windkraftanlagen benötigten Rohstoffs. Dort wird die Umwelt zerstört, damit Europa seinen Green Deal hinbekommt. Es gibt auch ein entsprechendes Video bei YouTube dazu. Dieses Video lässt sich über das Zahnradsymbol mit deutschen Untertiteln übersetzen.