Die Europäische Energiepolitik schafft Jobs – in den USA

Was einmal geht, das kommt nicht wieder. Während die Energie-Preise in Europa durch die Decke gehen, bleiben sie in den USA moderat. Das wird gravierende Folgen für Industrien haben, die energie-intensiv sind. Das Wallstreet-Journal (Bezahlartikel) reibt sich schon mal die Hände für die US-Wirtschaft. Die profitiert gerade doppelt, hohe Preise bei den LNG-Exporten und zukünftig neue Jobs. Win/Win – Loose. Zu den Loosern in Deutschland gehört ArcelorMittal. Die drehen gerade den ersten Hochofen runter. Auch hier profitieren die USA. Die FAZ berichtet:

“Arcelor-Mittal, der größte Stahlproduzent der Welt, fährt wegen der hohen Energiepreise in Deutschland Ende September zwei Produktionsanlagen herunter. „Bis auf weiteres“ werde einer der beiden Hochöfen am Flachstahl-Standort Bremen stillgelegt. Und auch die Direktreduktionsanlage im Hamburger Langstahlwerk soll außer Betrieb genommen werden. Zu den ohnehin schon hohen Kosten für Gas und Strom werde die ab Oktober geplante Gasumlage die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Betriebe weiter belasten, heißt es zur Begründung. „Mit einer Verzehnfachung der Gas- und Strompreise, die wir innerhalb weniger Monate hinzunehmen hatten, sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig in einem Markt, der zu 25 Prozent aus Importen versorgt wird“, wird Deutschland-Chef Reiner Blaschek in einer Mitteilung von Arcelor-Mittal zitiert.

Um den Gasverbrauch in Hamburg zu vermeiden, werde das Vorprodukt Eisenschwamm nun aus Amerika zugekauft, um weiter produzieren zu können – preisgünstiger, aber mit höherem CO2-Fußabdruck. Auch an den Produktionsstandorten Duisburg und Eisenhüttenstadt gebe es aufgrund der angespannten Lage Kurzarbeit.”

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Die NZZ interviewt Vince Ebert. Der Physiker und Kabarettist moderierte die Sendung Wissen vor Acht, war aber offenbar nicht aktivistisch genug. Im Interview teilt er aus gegen die deutsche Energiewende oder besser gegen die Protagonisten.

“Als die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock im Juli den Petersberger Klimadialog eröffnete, erklärte sie: Russlands Krieg habe auch die letzten Skeptiker in Deutschland davon überzeugt, «dass wir nur mit mehr erneuerbarer Energie und Energieeffizienz unsere Energiesicherheit gewährleisten können». Sind Sie, Herr Ebert, auch davon überzeugt?

Ich bin zumindest davon überzeugt, dass Frau Baerbock keine Ahnung hat, was Grundlastfähigkeit bedeutet.

Wieso?

Noch mehr Windräder und noch mehr Solaranlagen lösen nicht das Problem, dass in einer windstillen Nacht dann kein Strom zur Verfügung steht. Sämtliche vorhandenen Pumpspeicherkraftwerke für Strom aus regenerativen Quellen sichern den Bedarf der Bundesrepublik für gerade einmal vierzig Minuten.”

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Wahrscheinlich wird eine Studie aus England als Beleg dafür genommen, dass man auf dem Klima-Klavier noch viel schrillere Töne spielen muss. Klima-Angst befördert demnach Handeln. Ob die Handlungen dann auch sinnvoll sind, steht auf einem anderen Blatt. Wir erinnern uns an Michael Crichton, der das in seinem Roman “Welt in Angst” schon vor etlichen Jahren so vorhersagte. Sein Buch haben wir in 2019 schon mal vorgestellt.

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Regelmäßig verlieben sich Journalistinnen in Robert Habeck. Seinem Charme konnte Tina Hassel (ARD) schon nicht widerstehen als sie einst euphorisch von einem Parteitag der Grünen berichtete. Journalistische Distanz? Keine! Aber auch bei jüngeren Journalisten des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks gibt es die große Liebe. Tagesthemen-Moderatorin Aline Abboud macht Habeck eine Art Heiratsantrag bei Format Funk (ARD und ZDF.). Seismologen dürften vermutlich in Hamburg leichte Erdbeben registriert haben, der Grund: ARD Urgestein Hans-Joachim Friedrich hat heftig in seinem Grab in Hamburg-Nienstetten rotiert, als Abboud dem Wirtschaftsminister huldigte. Vom ihm stammt der legendäre Satz: Ein guter Journalist macht sich nie mit einer Sache gemein, nicht mal mit einer vermeintlich guten.

Männliche Kollegen haben offenbar wenig Probleme, Habeck kritisch zusehen. So ein Beispiel ist Hans-Joachim Vieweger, ARD-Hauptstadtstudio. Er kommentierte:

“Dass Habeck nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine schnell begann, Alternativen zum russischen Gas voranzubringen, imponierte Unternehmern ebenfalls. Erst die schnelle Genehmigung von LNG-Terminals und dann die Bereitschaft, Gas durch Kohle zu ersetzen – und das gegen Widerstände in den eigenen Reihen.

Doch mit den immer weiter steigenden Energiepreisen ist das Verhältnis zwischen Habeck und Wirtschaft deutlich abgekühlt. Vieles werde angekündigt, aber nicht umgesetzt, heißt es oft. „Wir würden ja gerne Gas sparen“, sagt Daimler Truck-Vorstand Martin Daum gegenüber der FAZ, „wir dürfen aber nicht“. Die Möglichkeit, Gas durch Öl zu ersetzen – Fachleute reden vom Fuel Switch – sei mit so großen Hürden bei der Genehmigung verbunden, dass man dies bisher noch nicht realisieren konnte: Die Genehmigungsprozesse dauerten nicht weniger als ein Jahr, beklagt Daum.

Ähnliches weiß Reinhold von Eben-Worlée zu berichten, der Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“. Vieles, was Habeck versprochen habe, wie die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und den Abbau von Bürokratie, habe er bis heute nicht eingehalten: „Hier ist sein Ministerium einfach zu langsam und er ist zu träge.“

Nicht nur bei Familienunternehmern hat sich Frust aufgebaut. Viele Wirtschaftsvertreter fragen sich, ob Habeck den Ernst der Lage begriffen habe. Seine Aussage, es gebe die Chance, trotz fehlender Gaslieferungen gut über den Winter zu kommen, wenn viel gespart werde und man „ein bisschen Glück mit dem Wetter“ habe, sorgt für Unverständnis.”

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China setzt angesichts der Energieknappheit verstärkt auf Kohle. Businesstimes berichtet:

“Spooked by an energy shortage last autumn, Chinese authorities in spring ordered coal producers to add 300 million tonnes of mining capacity this year – the equivalent of an extra month of coal production for the country.

In just the first quarter of 2022, regulators endorsed the equivalent of half the entire coal-fired power plant capacity approved in 2021, according to Greenpeace.”

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Die Tagesschau hat einen Artikel über das Vereinigte Königreich und das Thema Fracking. Das wird jetzt dort nämlich wieder erlaubt.

“Die britische Regierung hat das Fracking-Verbot aufgehoben. „Angesichts der illegalen Invasion von Putin in der Ukraine und des Missbrauchs von Energie als Waffe hat die Stärkung unserer Energiesicherheit absolute Priorität“, sagte Wirtschafts- und Energieminister Jacob Rees-Mogg.

Großbritannien müsse deshalb auch alle potenziellen Quellen für heimisches Gas nutzen. Zugleich solle so sichergestellt werden, dass Großbritannien bis 2040 zum Nettoenergieexporteur werde, so der Minister. Die Aufhebung des Moratoriums erlaube, nach Quellen für heimisches Gas zu suchen. Der als Brexit-Hardliner bekannte Rees-Mogg gilt als Gegner regenerativer Energien und hat wiederholt den Klimawandel bezweifelt.”

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Leserpost von Carsten Leimert:

Meine Idee, um Heizenergie und Heizkosten zu sparen und um einen Gasnotstand (Kollaps des Staates) zu vermeiden:

Wärmedämmung: Vorhänge vor den Fenstern aus 5 Lagen Luftpolsterfolie. Die Folie bekommt man im Baumarkt. Die Bahnen kann man mit Panzerkreppband zusammen kleben, sodass man Vorhänge erhält. Die meiste Wärmeenergie verlieren Häuser über schlecht isolierte Fenster. Das kann man damit zu einem Großteil verhindern. 

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Bild auf Youtube:

„Ohne Kernkraft geht es nicht“ | Prof. Dr. Fritz Vahrenholt bei Viertel nach Acht

Der ehemalige Umweltsenator Hamburg (SPD) und Energieexperte Prof. Dr. Fritz Vahrenholt kritisiert den Ausstieg aus der Atomkraft. Er sagt: „Herr Habeck hat erklärt, dass am 31.12.2022 die drei noch am Netz befindlichen Kernkraftwerke abgestellt werden sollen. Das Kraftwerk Lingen für immer, die beiden anderen sollen auf Reserve heruntergefahren werden. In einer Zeit, in der Strom knapp wird und die Preise uns um die Ohren fliegen, ist das völlig inakzeptabel. Schon jetzt schließen reihenweise Industriebetriebe, die Stromrechnungen der Bürger explodieren. Und nun werden zwei Dinge passieren: ab 1. Januar steigen die Preise noch einmal, weil die preiswertesten Kernkraftwerke abgestellt werden und durch teure Gaskraftwerke ersetzt werden. Und falls Strom knapp wird, können Kernkraftwerke aus der Reserve nicht einfach in den Streckbetrieb hochgefahren werden, das dauert Tage. Und wenn zu wenig Strom da ist, werden Betrieben und Bürgern der Strom abgestellt, um einen Blackout zu vermeiden. Aber ihn kümmern die Arbeitsplätze nicht, die durch das Abschalten verloren gehen. Zitat: „Ich kann mir vorstellen, dass bestimmte Branchen einfach erst mal aufhören zu produzieren“, sagt der Wirtschaftsminister. Wer sagt dem Minister: Erst das Land, dann die Partei? Der Bundeskanzler muss eingreifen, er hat die Richtlinienkompetenz. Bundeskanzler Scholz darf die Arbeitnehmer und kleinen Betriebe in Deutschland nicht hängen lassen. Wir sind in einer Notstandssituation und wir brauchen die Kernkraftwerke, solange Strom zu knapp ist. Und wenn die Grünen das nicht bewältigen können, haben sie in der Regierung nichts verloren.“ Link zur ganzen Sendung: https://bit.ly/3LlrRak

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Alex Reichmuth im Nebelspalter:

Korallenriff erholt sich: Der Klimawandel braucht «Bad News»

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Beitrag von Dr. Rainer Link, Physiker:

CO2 Grenzwert in der Atmosphäre in Abhängigkeit von seiner Lebensdauer

Das von den Menschen anthropogen in die Atmosphäre im Wesentlichen durch Verbrennung fossiler Rohstoffe emittierte CO2 wird nach einer bestimmten Zeit durch Vegetation und Ozeane wiederaufgenommen. Die typische Angabe für die Verweilzeit ist die Lebensdauer, die Zeit in der die Konzentration um einen Faktor 1/e=0,3679 abgenommen hat.

Die Veränderung der Konzentration von CO2 wird beschrieben einmal durch diese Abnahme, die wie bei all diesen Vorgängen exponentiell verläuft und zum anderen der Emission pro Zeiteinheit in die Atmosphäre.

 dC(t)/dt = – C(t)/tau + dE/dt                                                                                             (1)

Dabei ist tau die Lebensdauer von CO2 in der Atmosphäre und C(t) die von den Menschen (anthropogen) hervorgerufene zeitabhängige Konzentration. dC(t)/dt ist ihre zeitliche Veränderung.

-C(t)/tau ist die Abnahme der anthropogen verursachten Konzentrationsänderung von CO2 und dE(t)/dt der pro Zeiteinheit in die Atmosphäre emittierte Betrag.

Es werden hier nur die durch den Menschen verursachten Anteile berücksichtigt, die sich zusätzlich zur vorindustriellen Konzentration in Höhe von ca. 280 ppmV CO2 addieren. Dabei ist davonausgegangen, dass die vorindustrielle Konzentration einem Gleichgewichtszustand entsprach, in dem der natürliche Austausch von CO2 in der Atmosphäre im Wesentlichen mit der Vegetation und den Ozeanen erfolgte.

Die Lösung der Differentialgleichung (1) wird vereinfacht, wenn man annimmt,

dass die anthropogene Emission pro Zeiteinheit konstant gleich dE/dt=Ec ist, ebenso wie die Lebensdauer tau. Natürlich ist dies eine Näherung, die jedoch das Verhalten der Konzentration und wie man sehen wird, den Grenzwert qualitativ gut beschreibt.

Die Lösung der Gleichung (1) lautet:

C(t)=tau*Ec*(1-e-t/tau)                                                                                                         (2)

Die Emission Ec(t) von CO2 in die Atmosphäre beträgt seit Jahren 4,4 ppmV/Jahr.

Das IPCC gibt in seinem fünften Sachstandsbericht Werte für tau zwischen 30 und 100 Jahren an.

Der wahrscheinlichste Wert für Tau beträgt 50 Jahre.

In den folgenden Graphiken ist die Situation C(t) in ppmV als Funktion der Zeit t in Einheiten der Lebensdauer tau für die Werte Ec=4,4 ppmV/Jahr, tau =50 und 80 Jahre dargestellt, ausgehend von der Konzentration 400 ppmV, die bis 2020 gemessen wurde.

Der zugehörige Grenzwert beträgt 500 ppmV (630 ppmV) an Konzentration von CO2, wenn die Lebensdauer bei 50 (80) Jahren bleibt und die anthropogene Emission von 4,4 ppmV/Jahr nicht vergrößert wird.

Dieser Zustand 500 (630) ppmV wird nicht einmal erreicht. Die fossilen Reserven an Brennstoffen betragen nur etwa 1.250 Gt Kohlenstoff, die umgerechnet in ppmV CO2 Emission in 133 Jahren bei 4,4 ppmV/Jahr verbraucht sind.

Umrechnung: 1 ppmV CO2 entspricht 2,131 Gt C

Entsprechende Grenzwerte lassen sich mit einer einfachen Excel Tabelle auch für andere Lebensdauern z. B. tau = 30 und 80 Jahre berechnen.

Lebensdauer in Jahren 30 50 80
Ca. Grenzwert in ppmV 420 500 630

In der nächsten Tabelle wird für den wahrscheinlichsten Wert der Lebensdauer von 50 Jahren mit dem Grenzwert 500 ppmV, gemäß der von allen Klimawissenschaftlern anerkannten Gleichung (3) für die global gemittelte Temperaturänderung dT als Funktion der Konzentration von CO2 in der Atmosphäre angegeben. Den bei Verdopplung der Konzentration erreichten Temperaturwert nennt man die Sensitivität von CO2. Damit können die damit verbundenen heutigen Temperaturwerte und die bei Erreichen des Grenzwertes einfach berechnet.

dT=f*ln(C(t) /280)                                                                                                               (3)

Dazu wird zunächst der Wert für f aus der heutigen globalen Temperaturänderung dT(2018) seit vorindustriellem Wert und der heutigen Konzentration C(2018) bestimmt. Dabei beinhaltet f sowohl den direkten Einfluss von CO2 in der Atmosphäre als auch alle Rückkopplungen durch Wasserdampf etc.

Die heutige globale Temperaturänderung (Temperaturanomalie) beträgt gemessen 1,16 °C. Man geht jedoch davon aus, dass nur ca. 50 % durch anthropogen emittiertes CO2 verursacht wurden, 50% natürlichen Ursprungs sind. In der Tabelle sind die folgenden Werte für 0,58, 0,8 und 1,16 °C durch CO2 verursacht angegeben

Damit erhält man die Sensitivität für CO2 bei Verdopplung seiner Konzentration von 280 auf 560 ppmV.

dT (CO2 – Sensitivität) = f * ln(560/280))

Ebenso ergibt sich die Temperaturänderung, die von 280 ppmV bis zum Erreichen des Grenzwertes zu erwarten ist.

dT(Grenzwert) = f* ln(Grenzwert/280)

dT(t=2018)/°C 0,58 0,8 1,16
C(t=2018)/ppmV 400 400 400
f/°C 1,63 2,24 3,25
CO2 –Sensitivität/°C 1,13 1,55 2,25
dT(Grenzwert)/°C 0,94 1,3 1,88
dT(2118)- dT(2018)/°C 0,36 0,5 0,72

Die global gemittelte Temperaturerhöhung bleibt bis zum Erreichen des Grenzwertes von 500 ppmV bei einer angenommenen Lebensdauer von 50 Jahren allemal unter der im Übereinkommen von Paris 2015 (COP21) angestrebten 2°C Ziel – selbst wenn man annimmt, dass die bis heute gemessenen 1,16 °C nur auf die Erhöhung der CO2 Konzentration zurückzuführen ist.

Selbst das IPCC geht davon aus, dass mindestens 30% der Temperaturerhöhung natürlichen Ursprungs sein müssen (ergibt ca. 0,8°C).

Damit bleibt man auch beim weiter so emittieren unter dem 1,5° C Ziel von COP24 in Katowice 2018.

Rechnung:

dC(t)/dt = – C(t)/tau + dE/dt                                                                                  (1)

C(t): Anthropogen erzeugte CO2 Konzentration in der Atmosphäre

C(t=0) = 0

Lebensdauer anthropogenes CO2 in der Atmosphäre tau = const. 

Anthropogene CO2 Emission dE(t)/dt = Ec =const.

Gleichgewichtskonzentration vorindustriell Ceq(t) = 280 ppmV = const.

Gleichung (1) wird zu:

dC(t)/dt = – (C(t) – tau* Ec)/tau

Einführung einer neuen Variablen:

A(t) = C(t)-tau*Ec

Mit:

dA(t)/dt = dC(t)/dt

Folgt für Gleichung (1)

dA(t)/A(t) = -dt/tau

Integriert von 0 bis t ergibt:

ln[(C(t) – tau* Ec)/(C(t=0) – tau*Ec)] = – t/tau

Exponiert mit natürlichem Logarithmus e^lnx=x

C(t) = tau*Ec*[(1-e^(-(t/tau))]

qed