Der Strohmann-König

Die Kunst des Widerlegens von Argumenten, die es so gar nicht gibt. Das nennt man Strohmann-Argumente. Ein wahrer Meister darin ist Gunter Erfurt, CEO des Unternehmens Meyer Burger. Meyer Burger stellt Anlagen her, die Solarmodule herstellen, allerdings auch Solar-Module selbst. Auf Twitter “räumt” Erfurt jetzt mit Narrativen auf, die es eigentlich gar nicht gibt. Einen Strohmann nach dem anderen stellt er auf, um die nach und nach irgendwie abzufackeln.

Da wäre zum Beispiel die Behauptung: “Wir brauchen immer die gleiche Energieleistung, Tag und Nacht”. Ein ziemlicher Blödsinn, würde irgendjemand das tatsächlich so sagen. Es sagt auch niemand, allenfalls, dass auch in der Nacht Strom benötigt wird, wenn Solar nichts liefert. Natürlich schwankt die Last, je nach Tageszeit. Das ist eine Binse. Vermutlich will Erfurt hier irgendwie davon ablenken, dass es nachts keinen Solarstrom gibt. Also greift er zu einem Trick und lenkt wie ein Zauberer das Publikum einfach etwas ab.

Als nächstes versucht sich Erfurt an der Grundlast. Auch hier ist es für ihn ganz einfach. Der Mensch lebt mit der Sonne, daher wird Strom auch nur benötigt, wenn die Sonne scheint. Und Grundlast mit den Erneuerbaren sei planbar, man brauche nur einen “Wetterbericht” <sic>. Im Nebensatz räumt er allerdings ein, dass das mit der Sonne im November bis Februar nicht so wirklich funktioniert. Aber, wir haben ja noch Wind und Biomasse. Biomasse scheint ohnehin die neue große Hoffnung zu sein. Auch hier schlichtes Denken: Wenn die Sonne nicht scheint, dann übernehmen Wind, Wasser und Biomasse. Ob Erfurt die Kapazitäten Wind, Solar und Biomasse in Deutschland kennt?

Und ob er wohl davon ausgeht, dass nachts immer zuverlässig der Wind weht? Offenbar ja. Hier einfach einmal die letzten 7 Tage nach dem Agorameter und da auch nur einige Zeiträume exemplarisch mit einem roten Pfeil versehen. Biomasse und Wasser feuern schon aus allen Rohren, da wird es kaum Reserven geben. Es werden ganz besonders nachts, wenn die Sonne fehlt, 20-30 GW benötigt (rote Pfeile), die momentan die Konventionellen liefern. Da helfen leider keine Wetterberichte und auch keine Solarmodule, es sei denn, Meyer Burger hat welche erfunden, die auch nachts arbeiten. Wer weiß?

(Abbildung: Screenshot Agora-Energiewende/Bearbeitung)

Danach kommt er zu den Kosten und vergisst, dass ohne Backups die schönsten Erneuerbaren Energien unter bestimmten Umständen nichts oder zu wenig liefern. Man muss es also immer zusammen denken. Das vermeidet er besser. Was die Preise gerade bei Solar angeht, gibt es ohnehin interessante Entwicklungen, denn die Preissteigerungen am Weltmarkt gehen nicht an Solar vorbei. Das zeigt Tech For Furture sehr schön. Seite 2020 steigen die Preise wieder.

(Abbildung Screenshot Tech For Future)

“Auf lange Sicht ist hauptsächlich die Produktion von Solarmodulen günstiger geworden. Seit 2013 konnten die Herstellungskosten um 88% reduziert werden!

Kaum geändert haben sich Kosten für Glas, Glasbeschichtung und Metalle. Diese Rohstoffkosten bilden eine Art untere Schranke für Preisreduktionen.

Die Transportkosten haben sich zwar seit 2020 aufgrund von Covidmaßnahmen und Ölpreisen verdreifacht, aber machen trotzdem nur rund ein Zehntel der Gesamtkosten aus.

Kostentreiber der letzten Jahre ist vor allem das Polysilizium. Die Kosten dafür haben sich seit 2020 mehr als vervierfacht und machen nun knapp 40% der Gesamtkosten aus.

Die Herstellung von Polysilizium ist energieintensiv. Allerdings stammt mehr als 90% des Polysiliziums aus China, also kann die europäische Energiekrise keine Erklärung für den Preisanstieg sein.

In China kam es allerdings durch die chinesische Zero-Covid-Strategie zu Störungen der Lieferketten. Zum Beispiel war die ganze 30-Millionen-Stadt Shanghai in 2022 für 2 Monate im vollen Lockdown. Aus China stammen neben dem Großteil des Polysiliziums auch ein Großteil der fertigen Solarmodule.

Der Hauptgrund für den Preisanstieg ist laut Rystadt Energy aber die gestiegene Nachfrage nach Solarmodulen – auch in Folge der Energiekrise. Der höhere Verbrauch hat zu einer Verknappung von Polysilizium geführt. Es kann nur die Hälfte des für eine maximale Solarmodulproduktion nötigen Polysiliziums hergestellt werden.”

Vielleicht sind die Ausführungen von Erfurt aber auch einfach nur plumper Lobbyismus? Wenn man sie in diesem Licht betrachtet, dann relativieren sie sich. Der Mann will einfach nur verkaufen.

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Die Stiftung Wissenschaft und Politik geht immer noch davon aus, dass es zukünftig die Entnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre geben wird. Das IPCC schlägt die Abscheidung auch in seinen Empfehlungen vor. In Deutschland ist das verboten. Offenbar ist das mit “grundlegende Konflikte” gemeint.

“Mit der Umsetzung der neuen Netto-Emissionsziele für 2030 und 2050 im Rahmen des Europäischen Green Deal rückt die aktive Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre in den Fokus politischer Entscheidungs­träger. Dass Netto-Null-Ziele ohne den großskaligen Einsatz von Maßnahmen zur CO2-Entnahme (Carbon Dioxide Removal, CDR) nicht erreicht werden können, hat auch der Weltklimarat IPCC in seinem jüngsten Bericht zur Minderung des Klimawandels erneut dargelegt. In den vergangenen Jahren hat sich die politische Debatte in der EU rasant verändert. Mittlerweile fordern nahezu alle politischen Akteure einen neuen regula­to­rischen Rahmen für die Bindung von CO2 als integralen Baustein der EU-Klimapolitik.

Über die Frage, welche Methoden und Politikinstrumente dafür verwendet und welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen, bahnen sich indes grundlegende Konflikte an. Auf EU-Ebene sind erste Ansätze für politische Allianzen erkennbar, die kurzfristig die Fit-for-55-Gesetzgebung prägen und mittelfristig die Debatte über die Ausgestaltung der Klimapolitik zwischen 2030 und 2040 vorstrukturieren werden.”

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Saudi-Arabien sieht sich in einer guten Position bei der zukünftigen Herstellung von Wasserstoff. Das berichtet der Nebelspalter. Es könnte bedeuten, dass Länder, die Wasserstoff importieren müssen, sich in neue Abhängigkeiten begeben. Gezwungenermaßen, denn die Voraussetzungen in Deutschland so günstig und zuverlässig Strom zu produzieren, dass die Wirkungsgradverluste ausgeglichen werden, sind schlecht.

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Der Artikel bei Riffreporter ist zwar schon aus dem Jahr 2019, aber er hat immer noch Gültigkeit. Es geht um den Rotmilan und der Autor Thomas Krumenacher legt sehr schlüssig dar, was den Windkraft-Fans nicht gefallen dürfte. Die feiern gerade wieder Katzen, Autos und Fensterscheiben. Ein ziemlich dreister Versuch vom Problem abzulenken, weil Greifvögel eben keine Gartenvögel sind. Die Erholung der Bestände liegt nach dem Artikel an der Windkraft, und zwar immer dann und dort, wo diese nicht gebaut wurde.

“Stimmt die Feststellung des Windenergieverbandes eines stabilen Trends über die letzten 15 Jahre bei ausschließlicher Betrachtung der Gesamtzahlen also noch, ändert sich das Bild entscheidend, wenn die regionalen Veränderungen betrachtet werden.

Hier zeigen sich nämlich teilweise massive Verschiebungen. Vor allem im Nordosten Deutschlands ist ein starker Verlust von deutlich über 400 Paaren in den vergangenen Jahren zu verzeichnen. Im Südwesten Deutschlands stieg den aktuellsten Daten zufolge der Bestand dagegen um rund 600 Paare gegenüber den Ergebnissen des Zeitraums 2005–2009 an. Von flächendeckend stabiler Situation kann mithin kaum die Rede sein.

Die aktuellen Bestands-Trends passen überdies überraschend gut mit den Ausbauzahlen der Windenenergie zusammen, allerdings in einer Korrelation, die der Branche nicht gefallen kann. Dort, wo die Milan-Zahlen stark abnehmen, im nordostdeutschen Tiefland, stehen auch die meisten Windkraftanlagen. Und dort, wo Rotmilane zunehmen, ist der Windkraftausbau am schwächsten.”

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Klimawandel schadet Regenwürmern

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Anmerkung zum Blog vom 09.06.2022. Ein Artikel berichtet über trockne Waldböden und eine dadurch gehemmte Aktivität vom Bodenlebewesen. Wie in der Überschrift angekündigt wird dafür – natürlich – wieder einmal der Klimawandel verantwortlich gemacht. Andere Ursachen kommen natürlich nicht in Frage. Dabei hat es bereits Untersuchungen gegeben, dass die aktuelle Forstwirtschaft mit Monokulturen, nicht „gesund“ für den Wald ist. Mischwälder verfügen über deutlich bessere Grundlagen und auch die Wasserhaltung ist deutlich günstiger.

Vielleicht sollten auch einmal andere Gründe angedacht werden, als immer gleich der Klimawandel. Wie ich bereits mehrfach berichtet habe, gab es in der Vergangenheit schon mehrere Warmzeiten. Allein die mittelalterliche Warmphase dauerte mehrere Jahrhunderte an. Aus dem Mittelalter sind keine Schäden an den Wäldern bekannt, geschweige denn aus der noch wärmeren Phasen der römischen Warmzeit. Doch heute, nach einer etwas mehr als 100jährigen Erwärmungsphase mit einem mäßigen Temperaturniveau, werden die schlimmsten Katastrophen angesagt. Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn

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Leserpost von Reinhard Storz:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Auskunft im kürzlich hier verlinkten Artikel, dass kleinere Reaktoren mehr Atommüll produzieren würden als größere, ist nach meiner Erfahrung als unsachlich zu bezeichnen. Grundsächlich ist die im Artikel genannte, größere Neutronenleckage, eine Tatsache, weil aus geometrischen Gründen bei einem wesentlich kleineren Kern die Oberfläche, über die Neutronen verloren gehen können, bezogen auf das Kernvolumen größer ist.

In dem genannten Artikel der Stanford University wird aber auch darauf verwiesen, dass mit derartigen Reaktoren keinerlei Betriebserfahrungen vorliegen, da diese bislang als zukünftige Projekte noch nicht gebaut oder gar in Betrieb sind.

Ich möchte als früherer Reaktorbetriebsverantwortlicher an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Leckage von Neutronen aus einem Reaktorkern seit Jahrzehnten bekannt ist. Und deshalb gibt es seit Jahrzehnten funktionierende Maßnahmen dem entgegenzuwirken. Das sind die Neutronenreflektoren. Man ordnet zu diesem Zweck um den Reaktorkern eine Schicht von neutronenreflektierendem Material an. Dadurch wird die Neutronenleckage aus dem Kern minimiert.

Eine weitere Maßnahme aus dem Kernbereich austretende Neutronen einer Nutzung zuzuführen, ist ein Brutmantel. Dazu werden, sowohl axial als auch radial, um den Kern Bereiche angeordnet, die mit den Brutstoffen Uran 238 oder Thorium 233 gefüllt sind. Durch den Einfang der aus dem Kern austretenden Neutronen wird aus diesem, nicht spaltbaren Brutmaterial, nach anschließend automatisch ablaufenden Kernumwandlungen, der spaltbare Kernbrennstoff Uran 233 oder Plutonium 239. So sind die aus dem Kern entweichenden Neutronen nicht verloren, sondern werden sinnvoll genutzt zur Bereitstellung von frisch erzeugtem Kernbrennstoff.

Unter Würdigung der zuvor genannten Tatsachen komme ich zu dem Schluss, dass dieser Artikel der Stanford University, ohne Zweifel physikalisch gegebene negative Aspekte aufbauscht, aber die ebenfalls vorhandenen positiven Gegebenheiten verschweigt. Unter seriöser Wissenschaft verstehe ich etwas anderes.

Herzliche Grüße
Reinhard Storz