Der Journalist als Missionar: Beim Klima ist Skepsis plötzlich verboten

Focus am 3. November 2019:

Die FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer

Der Journalist als Missionar: Beim Klima ist Skepsis plötzlich verboten

Journalisten werden von Klimaforschern gemeinhin als Leute betrachtet, die drucken, was man ihnen sagt. Leider gibt es in den Medien dagegen kaum Widerstand. Wenn es um die Rettung der Welt geht, erlischt jeder Widerspruchsgeist.

Zu den Journalisten, die ich immer für ihren protestantischen Enthusiasmus bewundert habe, gehört der Kollege Bernd Ulrich von der „Zeit“. Ulrich war schon grün, als die Mehrheit der Journalisten noch an den Klassenkampf glaubte. Kaum jemand hat Angela Merkel als Klima- und Flüchtlingskanzlerin so schöne Girlanden geflochten wie der langjährige Politikchef der Hamburger Wochenzeitung.

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Wir hatten hier detailliert darüber berichtet, dass eine „Schlüsselarbeit“ in „Nature“ schwere Fehler enthielt. Die Diskussion ging danach zunächst hin und her und die Autoren der ursprünglichen Studie versuchten zu korrigieren (siehe hier). Am Ende wurde sie vom Journal zurückgezogen. Der Nachweis des schweren Fehlers durch Nic Lewis wirft ein bezeichnendes Licht auf den Begutachtungsprozess beim weltführenden Wissenschaftsblatt. Wenn die Schlussfolgerungen für das Klima als „schlimmer als gedacht“ beschrieben werden können, nimmt man  es da offensichtlich mit der Qualitätskontrolle  nicht so genau. Grund für alle, besonders bei besonders spektakulär alarmistischen Arbeiten sehr genau hinzuschauen.    

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Am 31. August 2019 schrieb Stefan Rahmstorf auf SPIEGEL ONLINE unter der Überschrift „Die Menschheit verliert die Kontrolle über den Zustand der Erde“:

„Ein gutes Beispiel ist die Instabilität des marinen (also unter dem Meeresspiegel aufliegenden) Eisschilds der Westantarktis, vor der schon seit den Siebzigerjahren gewarnt wird. Zieht das Eis sich zu weit hinter einen unterseeischen Bergkamm zurück, gibt es kein Halten mehr: weil das Land nach hinten abfällt, fließt das Eis umso schneller ab, je weiter es schrumpft. Inzwischen spricht viel dafür, dass genau das schon passiert ist – ausgelöst durch uns Menschen, wie eine gerade erschienene Studie zeigt. Bewahrheitet sich die Prognose, wären wir allein durch diesen Effekt zu einem globalen Meeresspiegelanstieg von drei Metern verdammt, der sich unaufhaltsam vollziehen würde, selbst wenn wir die weitere globale Erwärmung stoppten. Immerhin geschähe er in Superzeitlupe und würde sich wohl über ein- oder zweitausend Jahre erstrecken.“

Bei der „gerade erschienenen Studie“, auf die Stefan Rahmstorf verweist, handelt es sich um eine Besprechung derselben im „Scientific American„. Dort wird einerseits darauf verwiesen, dass die Wärme auf altes Tiefenwasser zurückzuführen ist, das nichts mit der modernen globalen Erwärmung zu tun hat. Andererseits vermutet man jetzt, dass sich die Windverhältnisse durch den Einfluss des Menschen so geändert zu haben scheinen, dass das warme Wasser nun mehr zur Eisschmelze beiträgt. Wörtlich wird Paul R. Holland, einer der Studienautoren, in folgendem Abschnitt zitiert:

Climate scientists first began to notice that all was not right with West Antarctica’s ice a couple of decades ago, but its melt proved a bit enigmatic. For the most part, air temperatures are still too cold for surface melting to explain why the ice is thinning. That fact suggested the ocean was likely the culprit—yet the top layer of seawater is also too cold to thaw the ice. And while there is a deeper layer of warm ocean water that sometimes reaches the Amundsen Sea and laps away at the undersides of two giant glaciers in the region—called Pine Island and Thwaites—rising global temperatures were not directly warming that water.

“This is an area where the [warm] ocean waters that melt the ice have been out of contact with the atmosphere for thousands of years,” explains Paul Holland, an ice-ocean scientist at the British Antarctic Survey and one of the authors of the new study. “They’re very old waters, so they wouldn’t have been [heated] by global warming.” Thus, the question for Holland and his team was if—and how—climate change had affected these deep-ocean waters. They suspected that wind might be the missing connection.

Zitat aus der Originalarbeit von Holland et al. 2019:

Here, we combine observations and climate model simulations to suggest that increased greenhouse gas forcing caused shelf-break winds to transition from mean easterlies in the 1920s to the near-zero mean zonal winds of the present day. Strong internal climate variability, primarily linked to the tropical Pacific, is superimposed on this forced trend. We infer that the Amundsen Sea experienced decadal ocean variability throughout the twentieth century, with warm anomalies gradually becoming more prevalent, offering a credible explanation for the ongoing ice loss.

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James Taylor auf WUWT (deutsche Übersetzung via EIKE):

Teure Klima­politik entzündete Unruhen in Chile – was schließlich zur Absage der Klima­konferenz COP25 führte

Aus der Abteilung ,unerwünschte Nebenwirkungen‘: die Klimakonferenz COP25, geplant in der chilenischen Hauptstadt Santiago, wurde abgesagt. In letzter Minute fand sich ein Ersatzort in der spanischen Hauptstadt Madrid.
Klima-Aktivisten und die UN trugen ein mächtiges blaues Auge davon, als Proteste und Unruhen aufgrund höherer Energiepreise in Chile ausgebrochen waren.

Chile wurde von Klima-Aktivisten höchstes Lob zuteil ob der Kohlendioxid-Steuer, welche die Regierung dem Land überstülpen wollte. Besteuert werden sollten konventionelle Energiequellen, außerdem sollte das U-Bahn-System auf erneuerbare Energie umgestellt werden. Jetzt erhebt sich die chilenische Bevölkerung und sendet ein Fanal an andere Nationen, in welchen man ebenfalls derartige Steuern sowie teure Erneuerbare-Energie-Programme erwägt.

Am 25. Oktober richteten sich die Proteste in Santiago gegen die Erhöhung der Fahrpreise für die Metro. Rasch breiteten sich die Proteste auf andere Städte aus. Schließlich gipfelten sie in Unruhen mit bis dato fünf Todesopfern. Die chilenische Regierung und die Mainstream-Medien machten für die Preiserhöhung gestiegene Ölpreise verantwortlich. Das stimmt aber nicht.

Die Ölpreise steigen nämlich gar nicht. Vielmehr liegen sie derzeit um 25% niedriger als vor einem Jahr und etwa 37% niedriger als vor fünf Jahren.

Die Benzinpreise in Chile reflektieren die niedrigeren Ölpreise. Man zahlte dort im August 1,12 Dollar pro Liter (dem letzten Monat mit verfügbaren Daten) im Vergleich zu 1,28 Dollar pro Liter vor einem Jahr. Vor fünf Jahren kostete der Liter Benzin noch 1,50 Dollar.

Die Preise für die Metro in Santiago steigen also im Umfeld sinkender Öl- und Benzinpreise. Ursache hierfür ist, dass Bürokraten der Regierung im Jahre 2018 die meisten Energiequellen für die Metro auf Wind und Solar ausrichteten, weg von konventionellen Energiequellen. Der verbleibende Teil konventioneller Energie wurde außerdem mit neuen Kohlendioxid-Steuern belegt.

Als Folge davon werden die Chilenen jetzt mit höheren Metro-Fahrpreisen belastet, welche die unnötigen Preissteigerungen bei Energie reflektieren. Klima-Aktivisten und deren Medien wollen die Menschen glauben machen, dass die Proteste den Ölpreisen geschuldet sind und nicht Klima-Programmen der Regierung, in deren Gefolge Energiepreise steigen und die Menschen weiter verarmen.

Anders als spekulative Nöte durch den Klimawandel, welche sich wohl niemals materialisieren, lassen Kohlendioxid-Steuern und Vorschriften bzgl. erneuerbarer Energie die Lebenshaltungskosten sofort und merklich steigen und den Lebensstandard sinken. In den USA mögen die Menschen ein paar Bedenken hegen ob des Klimawandels, aber Umfragen zeigen, dass die meisten Amerikaner nicht gewillt sind, 2 Dollar pro Monat mehr zu zahlen, um Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren.

In Chile, wo das Pro-Kopf-Einkommen nur etwa ein Viertel desjenigen in den USA beträgt, sind die Menschen verständlicherweise noch viel weniger bereit, für die Kohlendioxid-Reduktion zur Kasse gebeten zu werden. Außerdem ist das Pro-Kopf-Einkommen in Chile höher als in den meisten anderen lateinamerikanischen Ländern, so dass die Menschen dort noch viel eher bereit sind, sich zu erheben und gegen ökonomisch destruktive Klimawandel-Programme zu protestieren, wie sie in Chile aufgelegt worden waren.

Für die mit COP25 beauftragten UN-Funktionäre kommen die Proteste besonders ungelegen. Im vorigen Jahr wurde die entsprechende Konferenz in Polen abgehalten, wo Regierungsbeamte und die prominente Gewerkschaft Solidarnosc kostspielige UN-Programme scharf kritisiert hatten. Solidarnosc hielt sogar eine Pressekonferenz bzgl. der UN-Veranstaltung ab und veröffentlichte eine gemeinsame Erklärung, in welcher der UN-Klima-Aktivismus kritisiert wurde.

Ursprünglich war die Konferenz dieses Jahres in Brasilien geplant, aber die Regierung des Landes kritisierte den UN-Klima-Aktivismus scharf und gab den UN zu verstehen, dass man kein Interesse mehr daran habe, die Konferenz auszurichten.

Die chilenische Regierung hatte sich als Ersatzort für die Konferenz angeboten und posaunte ihre Kohlendioxid-Steuern, die durch Erneuerbare angetriebene Metro und andere Klima-Aktivisten-Programme laut hinaus. Aber dennoch wird die Welt Zeuge davon, wie sich die chilenische Bevölkerung erhebt und in den Straßen randaliert als Folge dieser Steuern und Klimaprogramme. Das ist das dritte blaue Auge für die UN-Konferenz innerhalb nur eines Jahres.

Die Proteste in Chile ebenso wie die vor einem Jahr in Frankreich ausgebrochenen Gelbwesten-Proteste werfen ein Schlaglicht darauf, wie weit sich die internationale Klimaille von den Menschen entfernt hat, die zu regieren und zu kontrollieren sie trachtet. Vor die Wahl gestellt, entweder von einem niedrigeren Lebensstandard betroffen zu sein oder einem spekulativen Klimawandel in ferner Zukunft zu begegnen, entscheiden sich die Menschen klugerweise für Letzteres.

Das wird immer weiter der Fall sein, bis sich die prophezeiten Klimaschäden wirklich manifestieren und die Menschen negativ treffen – oder bis Wind und Solar ökonomisch im Wettbewerb mit konventionellen Energiequellen mithalten können. Bisher war beides nicht der Fall.

James Taylor is the director of the Arthur B. Robinson Center on Climate and Environmental Policy at The Heartland Institute.

Übersetzt von Chris Frey, EIKE