Der Enkeltrick reloaded

Es gibt eine neue Variante des Enkeltricks. Anders als in der bitteren Realität soll den Großeltern aber nicht das Geld abgenommen werden, sondern etwas anderes, aber ebenso wertvolles: ihre Wählerstimmen. Momentan geistern Anleitungen für Briefe an die Großeltern durch das Netz. Prominenten und auch Politiker unterstützen die Aktion. Die Generation über 50 ist die wahlentscheidende Wählergruppe, ganz einfach, weil die Demographie hier wirkt. Wer also Wahlen gewinnen will, der muss in dieser Gruppe punkten. Da aber Menschen in dieser Altersschicht möglicherweise andere Prioritäten haben, soll die Großeltern nun von den Enkeln “überzeugt” werden. Die Welt thematisiert das und hat passend dazu einen alternativen Text an eine Oma.

„Liebe Oma, du hast ja nicht mehr so lang. Lass mich entscheiden, was gut für uns ist, die wir noch ein bisschen länger auf dieser Erde bleiben. Ich habe deinen Rollator versteckt, damit du zur Vernunft kommst. Es ist eine erste Warnung. Ich werde dir dein Gebiss nehmen und deine Krücken. Du hast die Welt nur von deinen Enkeln geborgt.“

Mit den Prinzipien von freien Wahlen hat das nicht wirklich etwas zu tun. Wer jemals Wahlhelfer bei einer Wahl war, der wird wissen, wie strikt in einem Wahllokal gegen jegliche Form der Beeinflussung eingeschritten werden muss. Hier wird die Beeinflussung einfach nur etwas verlegt. Es ist ohnehin erstaunlich, wie schnell Klimabewegte demokratische Prozesse auf das Abstellgleis schieben wollen, weil sie als Korrektiv nur stören. Nicht-demokratisch gewählte Bürgerräte oder auch Klima-Ministerien, die gegen jedes Gesetz ein Veto einlegen können, sind nur einige Ideen, die lästige Demokratie loszuwerden.

Wir hätten aber eine noch bessere Idee: Großelternbriefe. Und zwar immer dann, wenn mal wieder ein Open-Air-Konzert ansteht oder nach einem warmen Sommertag Liegewiesen in Parks oder an Seen komplett zugemüllt hinterlassen werden. Man könnte es auch für Demos schreiben, die soll man bestimmt nicht alle über einen Kamm scheren, aber innerhalb der Fridays-For-Future Demos scheint es eine große Bandbreite zu geben. Bei einigen wird jeder Fitzel aufgesammelt aber das war nicht immer so. Man kann nur hoffen, dass z. B. der Berliner Tiergarten nicht wie bei vergangenen Demos leiden muss, als Gehwege verlassen wurden, um abzukürzen.

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Um Temperaturen, Niederschläge sowie Klima aus der Vergangenheit rekonstruieren zu können, werden sogenannte Proxys eingesetzt. Das können Bohrkerne aus Sedimenten oder Eis sein, Baumringe oder auch Tropfsteine. Eine weitere Möglichkeit tut sich gerade auf. In China wurden die Häuser je nach Klima unterschiedlich gebaut. Wenn also viel Schnee herrschte, dann wurden die Dächer steiler, damit der Schnee besser schneller vom Dach verschwand. Die Welt berichtete.

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Die Norweger haben ein neues Parlament gewählt. Erstaunlicherweise aber waren nicht die Grünen der Wahlgewinner sondern die Sozialdemokraten. Ob das Land, das seinen Reichtum in erster seinem Öl und Gas verdankt, sich aus der Förderung von fossilen Brennstoffen zurückzieht, ist nicht sicher.

“Der Klimaschutz werde bei den Verhandlungen eines der schwierigsten Themen, so Magnus Takvam, Politikjournalist bei NRK, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Norwegen: „Was es so schwierig macht, ist, dass man keine radikale Veränderung der Klimapolitik erwarten kann. Das ist in gewisser Weise immer das gleiche. Man kann zwar eine Kommission gründen, aber die großen Probleme werden dort nicht gelöst. Vieles muss jetzt in den kommenden Jahren passieren, die vor uns liegen.“

Obwohl der Klimaschutz als eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf galt, haben die Norwegerinnen und Norweger sich nicht für eine radikale Abkehr von der Öl- und Gasförderung entschieden. Das bekamen die Grünen leidlich zu spüren, die sich ein besseres Wahlergebnis erhofft hatten.”

Weiterlesen bei der Tagesschau.

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Verbote sind ein Treiber von Innovationen. Das hat so tatsächlich die Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gesagt. Vielleicht hatte sie dabei die Zeit der Prohibition in den USA im Sinn. Dort gelang es problemlos die Bevölkerung mit Alkohol zu versorgen. Auch die Wege, die Rauschgift auf seiner Route von Südamerika nimmt, sind zweifelsfrei innovativ bis hin zu speziellen U-Booten, die die Ware in die Zielländer bringt. Bei den Ruhrbaronen nimmt Stefan Laurin in einem Kommentar das Thema auf.

Als Ende der 80er Jahre die technischen Grundlagen für die Digitalisierung gelegt wurden, forderten die Grünen 1987 in ihrem Bundestagswahlprogramm den Stopp des Kabel- und Satellitenfernsehens und waren gegen Glasfaserverkabelung und die Digitalisierung des Telefonnetzes. 1998 sprachen sich die Grünen gegen Gentechnik in der Medizin aus. Hätten sie sich durchgesetzt, hätte es niemals den Impfstoff von Biontech gegeben.

Hier geht es zum Kommentar.

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Ist das der Durchbruch bei der Kernfusion? Der Stern berichtet über Fortschritte bei der Netto-Stromerzeugung. Erst wenn der Ertrag größer ist als der Einsatz, wird sich eine solche Technologie durchsetzen.

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Das Schöne an der Oppositionsrolle ist, dass man Dinge fordern kann, von denen man eigentlich weiß, dass sie gar nicht umsetzbar sind. So eine Forderung ist die stündliche Anbindung von Dörfern mit mehr als 500 Einwohnern an ein Busnetz. Das hat die Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gerade gefordert. Auch mit Kleinbussen und Sammeltaxis dürfte dieses Vorhaben nicht umzusetzen sein. Es fehlen heute schon Busfahrer in Deutschland, von den Kosten für die Anschaffung und den Unterhalt der Fahrzeuge ganz zu schweigen.

Man wird sehen, was von dem Versprechen nach der Wahl übrigbleibt sollten die Grünen in Regierungsverantwortung kommen. Selber fährt Baerbock übrigens einen alten Golf, von dem sie hofft, dass er es durch den TüV schafft. Das spricht nicht für ein besonderes Umweltbewusstsein, denn modernere  neuere Verbrenner stoßen deutlich weniger Emissionen aus. Immerhin, sie fährt in Potsdam ein Lastenrad und angeblich ist ein E-Auto bestellt für den Fall, dass der Golf die Hauptuntersuchung nicht schafft.

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Künstlicher Kraftstoff: Porsche baut E-Fuels-Fabrik für den 911. Der Kraftstoff soll in Chile hergestellt werden, dort wird gerade die Kapazität für Elektrolyseure ausgeweitet. Leider gibt der Artikel bei Golem. de nicht her, wie hoch die Kosten für die Erzeugung von Wasserstoff und anschließender Umwandlung in Methanol sind. Wegen der Wirkungsgradverluste muss der Strom schon extrem günstig sein, damit die Rechnung aufgeht.

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Wenn man die Seite von Herbert Saurugg aufruft, dann kann man schon ins Grübeln kommen. Die Strompreise für September 2021 sind dort als Tabelle aufgeführt und je höher der Preis desto mehr dominiert die Farbe rot. Preise unter 100 Euro pro MWh sind dort weiß abgebildet allerdings sind sie im September 2021 sehr rar. Hier geht es zur Seite.

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Keine guten Nachrichten aus Afrika. Dort verschwinden die Regenwälder, obwohl diese als Kohlenstoffsenken so wichtig wären. Weiterlesen bei der Tagesschau.