Das verdrängte Paradoxon in Sachen Klima: Verbrennung von Holz

Keep it simple, das könnte das Motto Armin Lehmann von Tagesspiegel sein. Der Journalist wartet mit einer Story über Özden Terli auf. Allerdings verengt Lehmann dabei die Sache auf eine Art Opferrolle des ZDF Wettermanns. Es geht nämlich nur um Hass, Beschimpfungen und Beschwerden, die Terli erreichen. Lehmann kennt entweder das Stück von Axel Bojanowksi in der WELT nicht über eine ominöse Grafik, die Terli vor Kurzem im ZDF präsentierte oder er verschweigt es besser.

Der Artikel in der Welt war völlig sachlich und ohne die genannten negativen Begleiterscheinungen. Bojanowski stutzte über die Grafik, die Terli präsentierte und er befragte daraufhin mehrere Experten. Deren Statements waren der Kern des Artikels. Auch hier wieder ohne jeglichen Hass oder Beschimpfungen. Das Urteil der Befragten war allerdings wenig schmeichelhaft für Terli oder besser für dessen Nutzung der besagten Grafik.

Schmähungen musste eher der Journalist der WELT aushalten, besonders auf Twitter. Da es auf Twitter sehr schwierig ist, einen komplizierten Sachverhalt wiederzugeben, entschied sich Bojanowski für eine Darstellung auf seiner Webseite. Danach beruhigte sich die Debatte etwas, allerdings war Bojanowski zuvor hart angegangen worden für seine Kritik. Klimaleugner ist offenbar jeder, der Kritik übt, in diesem Fall wurde auch noch der falsche Baum angebellt, weil es mehrere renommierte Klimaforscher waren, die die Grafik kritisierten. An sie hätte sich die Wut der Klima-Empörten richten müssen. Die besagte Grafik stammte übrigens vom PIK. Wer daran Zweifel äußert, der begeht in Deutschland Majestätsbeleidigung. Die ist zwar aus dem Strafrecht in Deutschland seit der Böhmermann/Erdogan Affäre verschwunden, aber medial wird sie immer noch vollzogen, wie man am Beispiel Bojanowski gut sehen kann.

Man kann Klimathemen auch anders verpacken, da könnte sich Terli etwas bei seiner Chefin Katja Horneffer abschauen. Die bereichert jeden Wetterbericht ohnehin immer mit sehr vielen geografischen Begriffen, während Terli fast ausschließlich mit den Himmelsrichtungen agiert. Das wurde auch hier im Blog schon thematisiert, aber auch ohne Hass oder Beschimpfungen. Horneffers Erklärung zur Heuschreckenplage in Ostafrika hat man in dieser Form bei Terli noch nicht gesehen. Es erscheint auch schwer vorstellbar, dass Horneffer für solche Erklärung Hass, Beschimpfungen oder Beschwerden erntet. Vielleicht richtet sich ganz andere Kritik an Terli, weil er neben seiner Rolle als ZDF Meteorologe auch noch andere Kanäle bedient. Von daher ist sein Zitat schwer nachzuvollziehen:

„Sowie ich emotional werde, werde ich erst recht als Aktivist abgestempelt.“

Es ist kaum emotional, wenn in Formaten wie Klartext Klima der Untergang der Welt aus monokausalen Gründen gepredigt wird. Was anderes als Aktivismus ist so etwas?

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Die Aktivitäten von Extinction Rebellion werden immer schräger. Weil der Umweltsekte die Berichterstattung von verschiedenen britischen Zeitungen in Sachen Klima missfiel, wurde kurzerhand die Auslieferung der Zeitungen behindert. Den Angriff auf die Pressefreiheit kommentierten die Klima-Jünger so:

„Mit dem Protest am Samstag wolle sie vor Augen führen, dass die Konzerne nicht richtig über Klimaprobleme berichteten und sie die Wahrheit manipulierten, damit diese „ihren eigenen persönlichen und politischen Agenden“ entspreche, teilte die Gruppe mit“.

Auf die Idee, dass Extinction Rebellion möglicherweise ebenfalls eine persönliche und politische Agenda hat, sind die Aktivisten offenbar noch nicht gekommen. Ob Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit wirklich ein probates Mittel in einer Demokratie sind? Weiterlesen in der FAZ

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In Estland werden die Wälder gerodet für die Herstellung von Pellets. Deutschland fördert die Installation von Pelletheizungen – dabei ist der Effekt der Verbrennung von Holz auf die Umwelt doppelt hart. Es werden Treibhausgase produziert und wertvolle Kohlenstoffsenken gehen verloren. Wie das zu einer Energiewende passen soll, bleibt ein großes Rätsel. Die Tagesschau berichtete in einem 6 Minuten Beitrag. Noch zu sehen bis 06.09.2021.

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Das verdrängte Paradoxon in Sachen Klima: Verbrennung von Holz

Wälder sind wichtige Kohlenstoffsenken. Wenn Wälder in Südamerika brennen, weil sie mittels Brandrodung abgefackelt werden, ist das Interesse der Welt und auch der Aufschrei sehr groß. Das ist durchaus verständlich, weil wichtige Kohlenstoffsenken verloren gehen.
Die Tagesschau berichtete kürzlich über den aktuellen Stand in Brasilien.

Kaum jemand aber interessiert sich dafür, dass unter dem Gütesiegel Biomasse in Europa ebenfalls Wälder verbrannt werden. Hier werden die Wälder allerdings nicht vor Ort verbrannt sondern nach dem Fällen der Bäume in Kraftwerken oder in Pelletöfen. Der Ergebnis ist aber identisch. Sofern es keine durch andere Umstände abgestorbenen Bäume waren (Trockenheit, Schädlinge usw.), fehlen die Bäume als Kohlenstoffsenken. In den USA werden Holzschnitzel als Biomasse von Organisationen wie 350.org, die in etwa Fridays For Future in Europa entsprechen, sogar gefeiert. Man muss diese Denkweise nicht verstehen, denn sie ist nicht zu verstehen. Es war sicherlich einer der Highlights in der Michael Moore Dokumentation Planet Of The Humans, als der 350 Gründer Bill Gibbons auf dieses Paradoxon angesprochen wurde. Eine Antwort sprach Bände und mittlerweile hat Gibbons wohl auch begriffen, dass es keine so gute Idee war. Das Kind ist aber bereits im Brunnen, weil das Waldverbrennen auch ohne seinen Segen weitergeht.

Renommierte Waldexperten wie Peter Wohlleben (Das geheime Leben der Bäume) weisen immer wieder darauf hin, dass der beste Baum derjenige ist, der im Wald verbleibt oder wenigstens langfristig nicht in einem Ofen landet. Das kann auch als Bauholz oder Möbel sein. Dennoch haben Berater der Bundesregierung wie Professor Claudia Kemfert kein Problem mit der Zerstörung von Kohlenstoffsenken. Man muss dem Kind nur den Namen Biomasse geben, dann ist alles gut.

Länder wie die USA machen aber genau das Gegenteil von sinnvoller Waldwirtschaft und verlieren gerade wertvolle Wälder und somit Kohlenstoffsenken. Zum Teil wird das Holz nach Europa gebracht, um dort dann verbrannt zu werden. Daher leiden vor allem Wälder im Osten der USA, weil diese Häfen haben, von denen aus Europa gut erreicht werden kann.

Die hier schon einige Male angesprochen Dokumentation Burned zeigt den irren Weg der USA sehr eindrücklich. Noch verrückter ist/war allerdings die Heiligsprechung dieser Praxis durch Klimaschutzgruppen wie 350.org. Auch in Europa wird dieser Praxis gehuldigt, ohne dass es nennenswerte Aktionen dagegen gibt. Wenn also Kraftwerksbetreiber allen Ernstes vorhaben statt Kohle nun Holz zu verfeuern, um dann aus dem Strom Wasserstoff zu produzieren, dann kratzt so ein Vorhaben hier niemanden.

Demonstrationen gegen den Kohleabbau wie kürzlich in Garzweiler gehen wirkmächtig durch die Medien. Irrsinn wie die Holzverfeuerung findet medial jedoch kaum statt. Im Gegenteil, Politiker wie im Fall Siemtje Möller (SPD) nennen Holz die Grüne Kohle und die Wasserstoffproduktion durch Strom aus Holzverbrennung eine Riesenchance für die Zukunft. Mehr Wirkungsgradverluste als bei diesem Weg scheint eigentlich kaum vorstellbar und mehr Schwächung von Kohlenstoffsenken auch nicht. Um das Klima zu schonen wird aktiv zum Ausstoß von Treibhausgasen beigetragen und gleichzeitig Natur zerstört. Es geht eigentlich nicht verrückter.

Oder vielleicht doch? Weil nämlich die Flächen für Windkraftanlagen langsam knapp werden in Deutschland und sich immer mehr Anwohner gegen die Aufstellung der Anlagen, die immer größer und höher werden, wehren, wird allen Ernstes über die Aufstellung in Wäldern nachgedacht. Der Grund ist klar, Anwohner können sich dort eher selten gestört fühlen. Die Tiere im Wald und auch das gesamte Ökosystem allerdings schon, aber die haben keine Lobby in Deutschland und selbst wenn, nehmen solche Organisationen eher die Zerstörung von Wäldern hin, weil es ja einem vermeintlich guten Zweck dient. Das nächste Paradoxon in Sachen die Umwelt zerstören, um sie zu schützen.

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Der Krimi um die Gaspipeline Nordstream 2 geht weiter. Es gibt in Deutschland erste Stimmen, die eine Fertigstellung der Leitung verhindern oder immerhin aussetzen wollen. Vorangegangen war die Vergiftung des russischen Oppositionellen Nawalny. Nun kommt es zu einer sehr abenteuerlichen These durch die Linkspartei. Gregor Gysi nimmt allen Ernstes an, dass Gegner der Pipeline an der Vergiftung des russischen Politikers beteiligt waren. Die WELT berichtet. Gegner der Pipeline ist die USA, die statt der Russen lieber Gas nach Deutschland liefern würden.

Russisches Gas hat ganz besonders im Zuge der deutschen Energiewende eine spezielle Bedeutung. Die Pipeline würde aber noch andere Länder mit Gas versorgen, nicht ausschließlich Deutschland. Ohne Gas wird es nicht funktionieren, wenn demnächst Kohle und Kernenergie als Energieträger bei der Produktion von Strom in Deutschland wegfallen. Es gibt keine wirklichen Speicher in Deutschland und weil das so ist, müssen Backup Kapazitäten geschaffen werden, denn Wind und Sonne sind eine Laune der Natur wie uns jede Nacht (Sonne) und diesen Sommer (Wind) regelmäßig bzw. mehrfach vor Augen geführt wurde.

Es bleibt am Ende nur Gas übrig für Deutschland auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen. Letztlich bedeutet der deutsche Weg der Energiewende eine große Abhängigkeit vom Lieferanten Russland. Und so mag es wegen des Anschlags auf den Politiker Nawalny hier viel Aufregung und Säbelrasseln geben, Russland dürfte im Angesicht des deutschen Wegs in Sachen Energiewende aber ganz gelassen bleiben. Je mehr Erneuerbare Energien hier eingesetzt werden desto wichtiger wird russisches Gas als Backup. Ob sich die Befürworter der Energiewende jemals Gedanken über solche geopolitischen Auswirkungen gemacht haben?