Chemiker Robert Schlögl: „Die Grundidee der Energiewende ist absolut unsinnig“

Dringende Leseempfehung zum folgenden Artikel aus der Welt vom 23. August 2019:

Klimaneutralität: „Die Grundidee der Energiewende ist absolut unsinnig“

Deutschland setzt auf nachhaltige Energie. Doch ein Experte warnt: Den Bedarf mit Windrädern und Solaranlagen zu decken, ist schlicht unmöglich. Warum Elektrobatterien ein Teil des Problems sind – und welche Lösungen wirklich helfen würden.

Die deutsche Energiewende ist eine große Herausforderung. In den vergangenen Jahren stand dabei die künftige Versorgung mit elektrischer Energie im Mittelpunkt. Erst in jüngster Zeit ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass auch in den Bereichen Verkehr und Gebäudeheizung umfangreiche Veränderungen notwendig sind, wenn das Ziel einer CO2-Neutralität erreicht werden soll. Professor Robert Schlögl, Direktor am Berliner Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, warnt, dass wir mit den derzeitigen Weichenstellungen bei der Energiewende scheitern werden.

WELT: Kann die deutsche Energiewende gelingen?

Robert Schlögl: So, wie wir die Dinge momentan angehen – sicher nicht. Hierzulande stellt man sich die Energiewende noch immer so vor, als könne man konventionelle Kraftwerke einfach nach und nach durch Wind- und Solaranlagen ersetzen. Doch so einfach ist es leider nicht. Weil Strom aus Sonne und Wind nicht beständig und planbar zur Verfügung steht, sondern wetterbedingt hohen Schwankungen unterliegt, sind große Änderungen im System der elektrischen Energieversorgung erforderlich.

WELT: Bei einem Überangebot von erneuerbarer Energie müsste man sie doch nur speichern und könnte sie zu einem späteren Zeitpunkt nutzen, wenn die Nachfrage größer als das aktuelle Angebot ist.

Schlögl: In der Theorie klingt das gut. Doch in der Praxis ist das Speichern von elektrischer Energie alles andere als einfach. Batterien haben bezogen auf ihr Gewicht noch immer eine sehr kleine Kapazität. Zudem sind sie teuer und haben eine recht begrenzte Lebensdauer.

WELT: Doch es wird intensiv an der Entwicklung besserer Batterien geforscht, die mehr Energie speichern können und mehr Ladezyklen überleben.

Schlögl: In der Batterieforschung gab es in den vergangenen 150 Jahren praktisch keinen Fortschritt. Erst in jüngster Zeit hat uns die Entwicklung von Lithiumionen-Batterien ein Stück nach vorne gebracht. Doch damit ist die Technologie jetzt nahezu ausgereizt. Es gibt physikalische Grenzen. Bei einer Batterie wird für jedes Elektron, das man speichern will, mindestens ein weiteres ganzes Atom zur Speicherung benötigt. Das macht Batterien zwangsläufig schwer und sehr ineffizient. Lithium ist bereits das leichteste Metall, das es im Periodensystem der Elemente gibt. Es hat dort die Ordnungszahl drei – nach Wasserstoff und Helium. Besser als die heutigen Lithiumionen-Batterien wird man also kaum noch werden können. Ein paar technische Verbesserungen sind zwar noch drin, aber die machen die Batterien maximal noch um einen Faktor zwei leistungsfähiger. Dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht.

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Auszüge aus der FAZ vom 28. August 2019 aus dem Artikel “Betrug bedroht die Forschungsfreiheit“:

Angesichts der zunehmenden Versuche, missliebige Meinungen in Universitäten zu unterdrücken, erinnern die Wissenschaftsorganisationen daran, dass die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden ein wesentliches Fundament der Wissenschaftsfreiheit sei.

[…]

Bei Kooperationen mit Unternehmen und anderen Akteuren, die im Interesse der Innovationsfähigkeit nötig sind, müssten die in der Zusammenarbeit entstandenen Forschungsergebnisse und deren Unabhängigkeit gewährleistet sein.

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Fritz Vahrenholt am 24. August 2019 auf Tichys Einblick:

Der „Klimakiller“ macht die Erde grüner

Kohlendioxid hat einen schlechten Ruf. Das Spurengas wird für die Erderwärmung verantwortlich gemacht. Dabei gäbe es ein Leben ohne CO2 gar nicht. Da Meere und Wälder große Mengen davon aufnehmen, sind die von der Politik geforderten Reduktionsziele übertrieben.

Wer den Chemieunterricht nicht geschwänzt und aufgepasst hat, kennt noch die einprägsa­me Reaktionsgleichung: CO2 + H2O = Zu­cker oder Zellulose. Das ist die zentrale Gleichung des Lebens – aus Kohlendio­xid und Wasser werden unter der Ein­wirkung von Sonnenlicht Zucker, Holz, Pflanzen und Nahrung erzeugt. Ebenso wichtig für uns ist die umgekehrte Glei­chung: Wir setzen Zucker zu CO2 und Wasser um und schaffen Energie, die uns am Leben erhält.

Das lebensnotwendige CO2 wird nun zum Killergas erklärt, denn Kohlendi­oxid kann in der Atmosphäre Wärme speichern. Da immer mehr pflanzliche Kohlenstoffreste aus Millionen von Jah­ren durch Verbrennung von Gas, Kohle und Öl wieder freigesetzt werden, nimmt der Kohlendioxidgehalt der Luft zu. Von 280 ppm („parts per million“, also 0,028 Prozent Anteil in der Luft) auf rund 400 ppm (0,04 Prozent) ist die Konzen­tration seit Beginn der Industrialisie­rung angestiegen. Wie gefährlich ist das? Für uns Menschen ist CO2 völlig unge­fährlich. Wenn wir morgens in unserem Schlafzimmer aufstehen, ist durch uns die CO2­-Konzentration von 400 ppm auf bis zu 1.200 ppm angestiegen.

Für Pflan­zen ist CO2 sogar überlebensnotwendig; 90 Prozent aller Pflanzen sind sogenannte C3­-Pflanzen, die unterhalb von 150 ppm CO2 die Photosynthese einstel­len, sie sterben ab. Unsere Bäume, aber auch Weizen, Roggen, Reis wachsen besser mit steigendem CO2­-Gehalt der Luft. C4­Pflanzen wie Gräser und Mais reagieren nicht ganz so empfindlich. Von der vorindustriellen Zeit bis heu­te hat sich die Photosyntheseleistung der meisten Pflanzen um 65 Prozent gesteigert. Bei einem weiteren Anstieg des CO2 in der Luft von den heutigen 410 ppm auf 600 ppm werden die Pflan­zen noch einmal um 35 Prozent zulegen. Manche Gewächshausbesitzer machen sich das zunutze, in dem sie die Treib­häuser auf 600 ppm CO2 anreichern, um damit eine entsprechend bessere Nahrungsmittelausbeute zu erreichen.

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Siehe auch Forbes aus dem Februar 2019:

NASA Says Earth Is Greener Today Than 20 Years Ago Thanks To China, India

NASA has some good news, the world is a greener place today than it was 20 years ago. What prompted the change? Well, it appears China and India can take the majority of the credit.

In contrast to the perception of China and India’s willingness to overexploit land, water and resources for economic gain, the countries are responsible for the largest greening of the planet in the past two decades. The two most populous countries have implemented ambitious tree planting programs and scaled up their implementation and technology around agriculture. India continues to break world records in tree planting, with 800,000 Indians planting 50 million trees in just 24 hours.

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