Buschfeuer in Australien: Unangenehme Wahrheiten, laut Guardian nur Desinformation von Bots und Trollen

Der britische Guardian ist offenbar komplett in seiner eigenen Filterblase gefangen. Im Zuge der Berichterstattung schießen die Journalisten in Sachen Buschfeuer in Australien einen echten Vogel ab. Die Meldungen über Brandstiftung seien in erster Linie durch Bots und Trolls verbreitet und ausschließlich Desinformation. Als Grund geben sie eine Untersuchung von Dr. Thomthy Graham an, der 1.340 Tweets untersucht hat und dabei auf charakteristische Botmerkmale gestoßen sein will.

Man fragt sich nun, warum die New South Wales Police 24 Personen wegen Verdacht auf Brandstiftung festgenommen hat und außerdem die Bevölkerung um Mithilfe bei weiteren Ermittlungen bittet. Wäre ein Tweet mit Verweis auf die Polizei also Desinformation? Klare Desinformation ist hingegen das Verteilen von „Kunstwerken“, die den Glauben erwecken, das ganz Australien gegenwärtig brennt. Dabei sind in den Daten auch Gasfackeln, Raffenerieöfen und stark reflektieren Industriedächer mit dramatischer Farbe bedacht worden. Dieses Kunstwerk hat dann sogar Karl Lauterbach von der SPD überzeugt, der sogleich mahnte, dass bald auch andere Kontinente brennen werden, wenn Klimaschutz nicht bald Verfassungsziel wird in Deutschland. Dumm nur, dass nicht ganz Australien brennt.

Brände und die Ursache von Bränden in Australien werden schon seit langem von der australischen Regierung untersucht. Brandstiftung ist also kein unbekanntes Thema in Australien. Im letzten Jahr wurden die Haftstrafen für Brandstiftung von 5 auf 9 Jahre erhöht. Und bereits zu Beginn der Brände im November 2019 berichteten seriöse Medien über Menschen als Brandursache in 85% der Fälle. Die Webseite Crimestoppers bezeichnet Brandstifter als den gefährlichsten und dramatischsten Verbrechenstypen. Man kann auf der Seite Verdachtsfälle melden.

Es passt offenbar nicht ins Narrativ des Guardian, dass die Brände durch Menschen verursacht sind. Das macht die Brände keineswegs besser, die Auswirkungen sind katastrophal für die Tier- und Pflanzenwelt und auch für die Menschen. Aber auch eine durch einen Klimawandel begünstigte Dürre zündet kein Buschland oder Wälder an. Es sind die Menschen, die der Auslöser sind. Mit einer steigenden Wahrscheinlichkeit für Dürren wird dieser Faktor noch wichtiger. Dieses Problem gilt es zu lösen.

Lesen Sie hierzu auch diesen Artikel auf ScienceFiles vom 8.1.2020:

dpa-Wichtel enttarnen SPD-Lauterbach als Fake News Vertreiber

Es bedarf ein wenig Transferleistung. Heute tut sich Karl Lauterbach, einer derjenigen, von denen man nicht so recht wissen würde, wie sie es zum akademischen Titel bringen konnten, wenn man nicht die Inflationierung dieser Titel, die vor allem an Politdarsteller verschenkt und nicht einmal zurückgenommen werden, wenn klar ist, dass ein Politdarsteller die Arbeit anderer geraubt und als eigene Arbeit ausgegeben hat, kennte, damit hervor, die folgende Fake News zu tweeten:

Weiterlesen auf ScienceFiles

Auch Spektrum der Wissenschaft veröffentlichte einen bemerkenswerten Artikel, in dem Daniel Lingenhöhl erklärt, wie die ausufernden Brände in Australien durch den Auftritt des Europäers auf dem Kontinent begünstigt wurden. Da der Europäer „Feuer“ grundsätzlich als Feind ansah, bekämpfte er jedes Buschfeuer, obwohl es zum Ökosystem Australiens dazu gehört. Somit ist Brennmaterial nun schon aufgrund der Feuerbekämpfung im Überfluss vorhanden. Das Feuer scheint also auch eine Zusammenfassung vieler kleiner Buschbrände zu sein, die in den letzten Jahrzehnten verhindert wurden. Lingenhöhl weist aber auch auf die wichtige Rolle der Ozeanzyklen hin (bravo!):

Dabei war schon der Frühling zu warm und zu trocken; in manchen Regionen fiel so wenig Niederschlag wie noch nie seit Aufzeichnungsbeginn. Schuld daran sind unter anderem die Bedingungen im Indischen Ozean vor der australischen Westküste. Dort fand sich im Dezember 2019 einer der stärksten positiven Indischer-Ozean-Dipole (IOD), die bislang gemessen wurden. Der IOD bezeichnet eine natürliche Abweichung der Wassertemperaturen im westlichen und östlichen Bereich des Meeres. Herrscht vor Australien durchschnittlich zu kühles Wasser vor, fällt der IOD positiv aus – was weit reichende Folgen für das Wetter hat: Es regnet in Teilen Australiens sehr wenig. Gegenwärtig befindet sich der Wert noch immer im positiven Bereich.

Und dann sind da auch noch die brandbeschleunigenden Pflanzen:

Feuer sind ein ursprünglicher Teil vieler Ökosysteme des Kontinents: Ihre Arten sind häufig daran angepasst oder fördern Buschbrände sogar noch, um anschließend in den Genuss von Freiraum und frischen Nährstoffen zu kommen. Die Zahl dieser Pyrophyten ist in Australien besonders hoch. Der charakteristische Eukalyptus etwa ist voll mit ätherischen Ölen und heizt Brände damit so richtig an, ist aber dank einer dicken Borke wiederum gut vor dem Absterben geschützt. Viele Wälder werden sich daher relativ schnell wieder erholen – so es denn irgendwann wieder regnet.

Ein guter Artikel von Daniel Lingenhöhl!

Klimaaktivisten instrumentalisieren die schlimmen Buschbrände in Australien. Man möchte ihnen laut zurufen: Hört auf die Wissenschaft! Zum Beispiel auf Stefan Doerr und und Cristina Santín vom Swansea University’s College of Science. Diese beiden Forscher untersuchten globale Trends von Wald- und Buschbränden. Das unbequeme Ergebnis: Sie konnten keine Steigerung der Brände feststellen. Im Gegenteil, heute gibt es wohl weniger Brände als noch vor einigen hunder Jahren. Hier der Abstract des Papers das in den Philosophical Transactions of the Royal Society B 2016 erschien:

Global trends in wildfire and its impacts: perceptions versus realities in a changing world

Wildfire has been an important process affecting the Earth’s surface and atmosphere for over 350 million years and human societies have coexisted with fire since their emergence. Yet many consider wildfire as an accelerating problem, with widely held perceptions both in the media and scientific papers of increasing fire occurrence, severity and resulting losses. However, important exceptions aside, the quantitative evidence available does not support these perceived overall trends. Instead, global area burned appears to have overall declined over past decades, and there is increasing evidence that there is less fire in the global landscape today than centuries ago. Regarding fire severity, limited data are available. For the western USA, they indicate little change overall, and also that area burned at high severity has overall declined compared to pre-European settlement. Direct fatalities from fire and economic losses also show no clear trends over the past three decades. Trends in indirect impacts, such as health problems from smoke or disruption to social functioning, remain insufficiently quantified to be examined. Global predictions for increased fire under a warming climate highlight the already urgent need for a more sustainable coexistence with fire. The data evaluation presented here aims to contribute to this by reducing misconceptions and facilitating a more informed understanding of the realities of global fire.

Und hier noch die Pressemitteilung der Swansea University vom 24. Mai 2016:

Wildfire: misconceptions about trends and impacts revealed in new research

A new analysis of global data related to wildfire, published by the Royal Society, reveals major misconceptions about wildfire and its social and economic impacts. Prof. Stefan Doerr and Dr Cristina Santin from Swansea University’s College of Science carried out a detailed analysis of global and regional data on fire occurrence, severity and its impacts on society. Their research, published in Philosophical Transactions of the Royal Society B, examined a wide range of published data arising from satellite imagery, charcoal records in sediments and isotope-ratio records in ice cores, to build up a picture of wildfire in the recent and more distant past. In contrast to what is widely portrayed in the literature and media reports, they found that:

global area burned has seen an overall slight decline over past decades, despite some notable regional increases. Currently, around 4% of the global land surface is affected by vegetation fires each year;

–there is increasing evidence that there is less fire in the global landscape today than centuries ago;

–direct fatalities from fire and economic losses also show no clear trends over the past three decades

The researchers conclude: “The data available to date do not support a general increase in area burned or in fire severity for many regions of the world. Indeed there is increasing evidence that there is overall less fire in the landscape today than there has been centuries ago, although the magnitude of this reduction still needs to be examined in more detail.” Notwithstanding the serious impacts on society that emerge when fires occur close to populated areas, as exemplified so dramatically by the un-seasonally early wildfires in Canada this spring that led to the successful evacuation of an entire town of 80,000 inhabitants, the researchers find that the risk of direct death from fire for the population as a whole is relatively low compared with other natural hazards.

Global deaths 1901-2014

•    wildfire             3,753
•    earthquakes     2.5 million
•    floods                7 million

Data from EM-DAT, emergency events database

The researchers, however, also warn about the serious implications of climate change, land use changes and increasing population density in the so called wildland-urban interface. For instance, climate change has already led to a lengthening of the fire season in parts of North America and is likely to increase fire occurrence and severity in many regions of the globe including the UK. They note: “The warming climate, which is predicted to result in more severe fire weather in many regions of the globe in this century, will probably contribute further to both perceived and actual risks to lives, health and infrastructure.  Therefore the need for human societies to coexist with fire will continue, and may increase in the future.”

Prof. Stefan Doerr of Swansea University, who is also the Editor-in-Chief of the International Journal of Wildland Fire, explained: “Large scale land use changes are increasingly exposing non-fire adapted landscapes such as tropical peatlands to serious damage by fire”. Dr Cristina Santin, a biologist at Swansea University, whose research also focuses on the impact of fires on the carbon cycle, added: “Fire is a fundamental natural ecological agent in many of our ecosystems and only a ‘problem’ where we choose to inhabit these fire-prone regions or when we humans introduce it to non-fire-adapted ecosystems”.

In the synthesis the experts highlight the often fundamental, complex and inevitable role that fire has in both ‘natural’ and ‘man-made’ environments. They argue that the ‘wildfire problem’ is essentially more a social than a natural one and that we need to move towards a more sustainable co-existence with fire. This requires a balanced and informed understanding of the realities of wildfire occurrence and its effects.

About the research: “Global trends in wildfire and its impacts: perceptions versus realities in a changing world”: published by the Royal Society. This innovative research paper was produced following a Royal Society discussion meeting, held in September, and was published as part of a volume exploring both the natural and human aspects of fire in the prestigious scientific journal Philosophical Transactions of the Royal Society B. The full issue, which also contains contributions by the Swansea team on the contentious issue of upland burning practices in the UK and of fire effects on soils can be found on the Royal Society Publishing website.