Biobauern verklagen VW wegen Klimaschutz

Die ARD-Tagesthemen berichten über diesen Fall. Vater und Sohn Allhof-Cramer geben dem VW-Konzern die Schuld daran, dass es auf ihren Ländereien weniger regnet und es immer wärmer wird. Ein Wald, der ihnen gehört, hätte schon gelitten.

(Abbildung: Screenshot ARD-Mediathek)

Das macht ja neugierig. Und tatsächlich findet man Regensummen für die Region Detmold, aus der die Kläger kommen. Zumindest bis 2010 hat es dort nicht weniger, sondern mehr geregnet als früher.

Quelle: Klimaschutzteilkonzept, Kreis Lippe 2021

Der gleiche Bericht wagt auch einen Ausblick in die Zukunft für die Niederschlagssummen.

“Niederschlagssumme – Jahr Die Ergebnisse der Projektionen weisen für die Niederschlagssumme bei beiden Konzentrationsszenarien eine sehr große Spannbreite aus, die für die nahe Zukunft von keiner Veränderung bis zu einer Zunahme von 9 bis 12 % reicht. Für die ferne Zukunft ist die relative ebenso wie die absolute Bandbreite der beiden Szenarien spürbarer größer als für die nahe Zukunft. Die projizierten Zunahmen der Jahresniederschlagssumme reichen von ca. 2 % (15. Perzentil) bis zu 26 % (RCP8,5, 85. Perzentil).

Es ist unklar, wie das zu den Bildern der durch Trockenheit geschädigten Waldflächen in dem Bericht passt. Möglicherweise haben die Landwirte einen ungünstigen Standort, der im Wind- und Regenschatten von Höhenzügen liegt. Die Niederschläge in der Region können unterschiedlich ausfallen, was am Teutoburger Wald liegen dürfte.

Quelle: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen

Die Landwirte wollen nun die “Industrie” zwingen keine Verbrennungsmotoren mehr zu bauen. Die Kläger werden durch Roda Verheyen vertreten, die Erfahrung in Sachen Klimaklagen hat. Sie war an den Verfassungsklagen gegen die Bundesrepublik beteiligt. Erwartungsgemäß weist VW die Vorwürfe zurück und betont die eigenen Anstrengungen in Sachen E-Mobilität.

Das Landgericht Detmold hat offenbar allerdings erhebliche Zweifel, dass ausgerechnet die Emissionen aus VW-Fahrzeugen ganz speziell den Hof der Landwirte schädigen. Die Kläger müssen die Klagebegründung nachbessern. Vielleicht schaffen sie ja auch das Niederschlagsparadox aufzulösen? Für die Klägeranwältin ist das alles allerdings kein Problem, man müsse halt nun nur etwas nacharbeiten. Die Argumentation der Klageseite in dem TV-Bericht ist allerdings nicht der benötigte Nachweis, dass es die Emissionen der VW-Fahrzeuge sind, sondern, dass es ja noch 5 andere vergleichbare Verfahren gibt. Ein Nachweis, dass das “VW-CO2” jetzt ursächlich geschadet hat, ist das aber nicht.

Ob dem Gericht in Detmold lediglich der Hinweis auf andere Verfahren dann reicht, das darf bezweifelt werden. Grundsätzlich geht es hier darum, ob ein Staat durch einen Rechtsrahmen die Wirtschaftspolitik bestimmt oder Privatpersonen diesen Rahmen setzen.

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Kaum ein Tag ohne Meldung zum Thema Gas. Hier kommen gleich mehrere. Da ist die Tagesschau, die vermeldet, dass Katar möglicherweise schon im Jahr 2024 flüssiges Erdgas nach Deutschland liefern wird. Interessant ist der Aspekt, dass Teile des Gases nicht aus Katar stammen, sondern den USA.

“Katar will Deutschland schon im Jahr 2024 verflüssigtes Erdgas (LNG) liefern. „Wir wollen unsere US-Flüssiggasanlage Golden Pass in Texas, an der Qatar Energy 70 Prozent hält, bereits 2024 so weit haben, dass wir nach Deutschland liefern können“, sagte der Vizepremier des Golfstaats, Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, dem „Handelsblatt“.”

“Zu den ab 2024 vorgesehenen Gasmengen kämen dann später zusätzliche hinzu, sagte der katarische Vizeregierungschef Mohammed bin Abdulrahman Al Thani zur Ankündigung Katars. Die Erweiterung der Förderung im Gasfeld North Dome werde 2026 abgeschlossen sein, „vielleicht sogar schon 2025“. North Dome ist das weltgrößte Gasfeld, das sich Katar und der Iran unter dem Persischen Golf teilen.

Bis spätestens 2026 soll die katarische Gasförderung daraus von derzeit 77 auf 126 Millionen Tonnen LNG gesteigert werden. Bisher hatte es den Angaben zufolge geheißen, dass Katar Deutschland erst mit großen Mengen beliefern könne, wenn der Staatskonzern Qatar Energy die Förderung auf 126 Millionen Tonnen LNG jährlich erhöht habe.”

Derweil dreht Russland Finnland den Gashahn zu. Das berichtet ebenfalls die Tagesschau. Inwieweit das politisch so gewollt ist, lässt sich schwer sagen. Problematisch ist die Bezahlung, weil zahlreiche russisches Banken sanktioniert sind und die EU eine Rubelzahlung, die Russland verlangt, ablehnt. Die Finnen nehmen es offenbar gelassen. Im Oktober wird ein LNG-Terminal fertig und bis dahin liefert Estland Gas.

Laut Spiegel will Niedersachsen die Gasförderung am Rande des Wattenmeeres ermöglichen.
Das Land vollzieht damit eine komplette Kehrtwende.

“Noch im Oktober 2021 hatte das Parlament die Förderung in der Nähe der Insel Borkum wegen Umweltbedenken verworfen. Die niederländische Firma One-Dyas will dort fördern, das Gasfeld erstreckt sich sowohl auf niederländische wie deutsche Hoheitsgewässer. Der Bund hat in diesem Fall keine Zuständigkeit, sie liegt beim Land.”

Die FAZ beschreibt die Situation von Robert Habeck. Der Grüne Wirtschaftsminister sieht sich im “Friendly Fire”. Mehrere Umweltverbände wollen gegen die geplanten LNG-Terminals klagen.
Wir berichteten.

Sobald Grüne in politische oder wirtschaftliche Ämter kommen, können sich jahrelang gepflegte Narrative sehr schnell in Luft auflösen bzw. an der harten Realität zerschellen. Ein schönes Beispiel neben Habeck dafür ist die Kerstin Andrae, ebenfalls Grüne und Chefin des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.. Man liest in ihrem Statement bei der FAZ nicht, dass etwas Sparen, mehr Windkraft und Solaranlagen sowie Wärmepumpen das Gas überflüssig machen.
Sie wird wissen, was Sache ist.

“Neben Wilhelmshaven könnten auch in Brunsbüttel und in Hamburg LNG-Terminals entstehen. Letzteres kritisierte der BUND am Freitag scharf. Erst müsse der tatsächliche Gasbedarf ermittelt werden, die Kosten von 200.000 Euro am Tag seien „Wahnsinn“. Unterstützung für das neue Gesetz kam aus der Wirtschaft, etwa vom Energieverband BDEW und vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft.
BDEW-Chefin Kerstin Andreae sagte: „Das Ziel ist, so schnell wie möglich unabhängig von Gasimporten aus Russland zu werden. LNG kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, da es ermöglicht, Erdgas aus Ländern zu beziehen, zu denen keine Pipeline-Verbindungen bestehen.“ Eigene Terminals in Deutschland seien „unbedingt notwendig“, um bis zum Jahr 2024 russische Gaslieferungen fast vollständig aus anderen Quellen decken zu können.”

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Es wird aktuell viel berichtet über extreme Hitze, die von Nordafrika bis nach Europa reicht. In einigen Orten in Marokko und Spanien wurden neue Temperaturrekorde für Mai erreicht. Allerdings lohnt sich ein Blick auf die ganze Welt, denn es gibt neben Regionen, die deutlich zu warm sind, auch das genaue Gegenteil. Sie sind auf dieser Übersicht von Climatereanalyzer mit gelben Pfeilen gekennzeichnet.

(Abbildung: Screenshot Climatereanalyer.org)

So verzeichnet der US-Bundesstaat Colorado Schnee im Mai, wie die Denver Post berichtet. Auch in Brasilen herrscht ungewöhnliche Kälte. Mercopress meldet Rekordkälte für die Hauptstadt Brasilia, die weit im Landesinneren liegt. Das Blatt zitiert den Meteorologen Estael Sias, der den Kälteausbruch mit dem Klimawandel erklärt.

“An unprecedented cold wave in Brazil for the month of May has been labeled a threat both to the country’s thousands of homeless people and also to crops, it was reported Thursday.

 A 1.4°C mark in Brasilia Thursday became the coldest temperature in the city’s history since it was founded in 1960, with over a month to go before the official beginning of Winter in the southern hemisphere (June 21).

Sao Paulo also recorded a most unusual temperature of 6.6°C Wednesday, the second-lowest for the month of May since 1990, when it hit -4°C.

The abrupt drop in temperature is due to Cyclone Yakecan, of “anomalous trajectory”, which dragged an air current from Antarctica and “spread it over the interior of South America,” meteorologist Estael Sias explained. Sias also said these “severe and most anomalous” climatic events were “a consequence of climate change.””

Insgesamt liegt die Anomalie weltweit allerdings bei 0 Grad, wie man der Karte entnehmen kann. Climatreanalyzer rechnet zudem mit einem Referenzwert von 1979-2000. Zu diesem Zeitpunkt war es aber kälter auf der Erde. Gegenüber dem aktuelle Referenzwert könnte es sogar eine Abkühlung bedeuten. Wichtig: Das ist eine reine Stichtagsbetrachtung!

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Hier könnte sich Agora Agrar (ein neuer Bereich des Think Tanks Agora, wir berichteten) schon mal Inspirationen holen. Der Guardian Kolumnist George Monbiot möchte Landwirtschaft besser ganz verbieten oder nur noch auf die Produktion von Protein-Pfannkuchen reduzieren. Die sollen in erster Linie Bakterien herstellen. Daily Mail aus dem Vereinigten Königreich berichtet.

“He suggests that the world should look at newer methods, including creating industrial quantities of protein powder using bacteria which can be used to make food such as ‚protein pancakes‘ instead.

But farming groups have today hit out at Mr Monbiot’s claims, accusing the Guardian writer of an ‚anti-rural agenda‘.

Farmers have also criticised the idea of ditching farming as the type of scheme popular with ‚oat milk-drinking‘ city-dwellers who ‚do not understand‘ the country.

Among those to criticise Mr Monbiot’s latest book, Regenesis: Feeding the World Without Devouring the Planet, were campaign group the Countryside Alliance.

Chief executive, Tim Bonner, told MailOnline: ‚Despite the hugely inaccurate description of the countryside painted by those with extreme, anti-rural agendas, the reality is that it’s admired globally because of, not in spite of, generations of farming.”

Warten wir mal ab, ob es die Pfannkuchen auch nach Deutschland schaffen.