Bekommt Thor den anthropogenen Klimawandel nicht mit?

Von Bruno Hublitz

Die Mitwirkenden von Sciencists4Future werben in ihren apokalyptischen Fakten gleich zu Beginn im ersten Punkt, dass sich alles innerhalb der letzten 30 Jahre so fürchterlich verschlimmert hätte.

Zitat Nr. 1:

Weltweit ist die Durchschnittstemperatur bereits um etwa 1°C angestiegen (relativ zu 1850–1900) (IPCC 2013, 2018). Rund die Hälfte des Anstiegs erfolgte in den letzten 30 Jahren (NASA 2018, IPCC 2014)„.

Desweiteren lesen wir Zitat Nr. 2:

„Der Temperaturanstieg ist nahezu vollständig auf die von Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen zurückzuführen (U.S. Global Change Research Program 2017, IPCC 2013, 2014)“,

und Zitat Nr. 3:

Bereits mit der aktuellen Erwärmung sind wir in vielen Regionen mit häufigeren und stärkeren Extremwetterereignissen und deren Folgen wie Hitzewellen, Dürren, Waldbränden und Starkniederschlägen konfrontiert (zum Beispiel IPCC 2012, 2013, 2018, National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2016)“.

Hervorhebungen durch den Autor. Der im Punkt Nr. 1 genannte Bezug auf die letzten 30 Jahre soll wohl psychologisch auf die Dramaturgie der Ereignisse hinwirken. Der Niedersächsische Landesdesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz – Forschungsstelle Küste –  hat für den Pegel Norderney die aktuellen Daten der Sturmtidenhäufigkeiten seit 1901 herausgegeben (mit Dank an die Pressestelle).

 

Abb. 1.  Sturmtidenhäufigkeiten am Pegel Norderney. Quelle: Niedersächsischer Landesdesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz – Forschungsstelle Küste

 

Der Autor vermutet, dass ein stattlicher Teil der verehrten Leserschaft sich seiner Meinung anschließen wird, dass Sturmfluten in eine der vielen Kategorien der Extremwetterereignisse einzuordnen sind. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass es dazu sehr abwägende Ansichten gibt, beispielsweise in Buch „Wütendes Wetter“ von Frau Professor Dr. Friederike Otto.

Zitat Seite 36:

Es mag überraschend klingen, aber es gibt keine allgemeine Definition von Extremwetter. Was ein Extremereignis ist, hängt stark davon ab, was es an einem Ort anrichtet , wie gut der Ort darauf vorbereitet ist und wie angreifbar er ist. Mit anderen Worten: Es gibt keine richtigen und falsche Definitionen. Es gibt nur Definitionen, die Relevanz haben für Entscheidungen, die eine Region treffen muß, um sich auf das Wetter der Zukunft einzustellen„.

Überträgt man die Daten aus der Abbildung 1 in eine Excel-Tabelle und wendet man die Funktionalität „Trendlinie linear“ an, erhält man folgende Abbildung 2:

Abb. 2.  Übertrag von Abb. 1 in Excel und Anwendung der Funktionalität „Trendlinie linear“

 

Nicht zu übersehen, bei einer sehr großen Variabilität ist ein gewisser Anstieg erkennbar. Wendet man die dramaturgischen letzten 30 Jahre an, so erhält man Abb. 3.

Abb. 3.  Übertrag von Abb. 1 in Excel, Anwendung der Funktionalität „Trendlinie linear“ und Einschränkung auf die letzten 30 Jahre

 

Ojemine, was sehen wir, der Trend ist nun deutlich fallend! Hat der Sturmgott Thor (Link https://wiki.yoga-vidya.de/Sturmgötter) in den letzten 30 Jahren den anthropogenen Klimawandel in Ostfriesland verpasst, oder hat er nur die klimaklagende Familie Recktenwald auf der Nachbarsinsel Langeoog aufgesucht?

Ob auch das Computer-Programm der Attribution Science von der Philosophieprofessorin Friederike Otto von den vielen bisherigen zunehmenden Häufigkeiten all möglicher Klimakatastrophen als Ausnahme auch eine entwarnende Häufigkeit für die Ostfriesischen Inseln berechnen kann? Nach Ihrer Vorgabe sind zur Berechnung viele umfangreiche Klimadaten erforderlich. Diese Daten können sicher mit Leichtigkeit von den Anrainerstaaten der Nordsee geliefert werden, so wie sie für die standfeste und wetterfeste Auslegung der vielen Bohrinseln und Windparks genutzt werden.

Was lernt man daraus? Welche Klimadaten uns täglich auch auf den Tisch serviert werden, es ist zunächst immer ein sehr kritischer Blick darauf zu werfen. Erinnert sei an den schönen Blogbeitrag vom 5. April 2018  „Signalanalyse – Randbedingungen für die Klimaforschung“ von Herrn  Werner Kohl (Link). Wer macht mit: statt science4future lieber sceptical4future?