Bei Ralf Stegner liegen die Nerven blank

Das Thema Einstufung der Nachhaltigkeit von Atomkraft durch die EU beschäftigt laut Welt die Politiker. Nun hat der FDP-Justizminister Buschmann angekündigt, eine Klage gegen die EU zu prüfen. Offenbar sieht Buschmann keinen Widerspruch, dass die einzig verbliebene Möglichkeit die Lücken, die die umweltabhängigen Erzeugungen von Strom durch Wind und Sonne mit sich bringen, zu schließen zunächst einmal eine Verschlechterung der CO2-Bilanz darstellen. Immer bezogen auf die Stilllegung der letzten Atomkraftwerke.

Grüner Wasserstoff, der durch die Erneuerbaren Energien gewonnen und später einmal in speziellen Gaskraftwerken verbrannt werden soll, wird exorbitant teuer, zu mindestens, wenn er in Deutschland produziert wurde. Über die Windkraft-Flächen, die zur Produktion von solchem Wasserstoff nötig wäre, hat Fritz Vahrenholt kürzlich in einem Vortrag berichtet. Die Nerven scheinen bei einigen Politikern blank zu liegen. Zu ihnen gehört der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner. Nachdem seine Partei ihn aus der Landespolitik mangels Erfolges ins Abklingbecken Bundesstag geschoben hat, bemüht er sich irgendwie für Stimmung zu sorgen. Seinem Spitznamen “Pöbel-Ralle” wird er in jedem Fall mit einem Tweet gerecht.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Statt diesen Tweet zu löschen, schreibt Stegner lieber staccatoartig quasi Rückzugs-Postings auf Twitter.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Die FAZ berichtet in diesem Zusammenhang über das deutsche Stromdilemma.

“Eine Rückkehr von Deutschland zur Atomkraft hatte Habeck zuvor schon ausgeschlossen. Noch habe er keinen Politiker getroffen, der in seinem Wahlkreis ein Endlager für Atommüll haben wolle – daher erübrigt sich aus seiner Sicht die Debatte. Mit jedem abgeschalteten Meiler wird jedoch die Frage drängender, wie Deutschland seinen Strombedarf künftig decken will, der Prognosen zufolge noch stark steigen wird, wenn etwa Stahlwerke mit Wasserstoff arbeiten und auf den Straßen vor allem Elektroautos unterwegs sein sollen. …
Für Habeck ist die Sache klar: Statt wie zuletzt 450 Windräder im Jahr sollen bis zu dreimal so viele gebaut werden. Sein Staatssekretär Sven Giegold ließ schon durchblicken, dass dabei unter Umständen auch der Schutz des Rotmilans – für den die Anlagen gefährlich sind – zurückstehen müsse. Damit zog Giegold sogleich die Kritik von Artenschützern auf sich. Auch innerhalb der Grünen wird im neuen Jahr noch viel Überzeugungsarbeit gefragt sein.”

Wir rechnen kurz nach. Jedes der drei zum 31.12.2021 abgeschalteten deutschen Kernkraftwerke entspricht in etwa 1000 Windrädern der 5 MW-Klasse. Allein für diese drei braucht Deutschland bei einer Verdreifachung der Bau-Kapazitäten gut 3 Jahre. Mit dem nächsten Schwung an Abschaltung sind es dann schon gute 6 Jahre. Erst dann wäre, rein rechnerisch, ein Ausgleich geschaffen. Dieser Vergleich hinkt etwas, weil es die Flautezeiten der Windkraftwerke nicht beachtet.

Aber auch sonst gibt der FAZ-Artikel einen guten Überblick über den Stand in Sachen Kernenergie in verschiedenen Ländern. Keiner, außer Österreich und Luxemburg folgt Deutschland. Es ist in etwa so wie in dem Witz als der Geisterfahrer im Radio die Warnung vor einem Geisterfahrer hört und meint: Einer? Hunderte! Im Focus darf sich Professor Dr. Stefan Kooths über die deutsche Energiewende äußern.

““Die Politik lügt sich in die Tasche“ schimpft Professor Dr. Stefan Kooths. Der Grund für seinen Ärger: Die Energiepläne der Bundesregierung. Die baut für die Zukunft auf Energiegewinnung ohne fossile Brennstoffe und ohne Atomkraft.”

Vermutlich hat die Spiegel-Wissenschaftsredaktion aka Greenpeace-Pressestelle bei der Kolumne (Grüne Hirnschmelze) von Nikolaus Blome Schnappatmung bekommen.

“Beim Protest gegen die EU-Kommission und ihre Pläne, Gas und Atomenergie unter gewissen Bedingungen als klimafreundlich einzustufen, handelt es sich um eine solche Ablenkung vom Eigentlichen: Auf den nationalen Energiemix oder die neue Energiepolitik hätte der Brüsseler Beschluss nämlich keinen automatischen Einfluss, jede Regierung kann verfahren, wie sie meint. Bevor die Grünen also in Europa einen nutzlosen Gesinnungskrieg um die Atomkraft vom Zaun brechen, sollten sie sich lieber langsam vom eigenen Gründungsmythos emanzipieren.”

Schon zwei Wochen zuvor durfte Christian Stöcker mit einer neuen Idee einen Beitrag beim Spiegel verfassen. Vielleicht kennt es jemand noch, wenn einem nicht wirklich ein guter Grund einfällt, wird die Versicherungskarte gespielt: Das geht aus versicherungstechnischen Gründen nicht. In diesem Fall rechnet Stöcker einfach mögliche Schäden hoch und kommt auf astronomische Summen für eine Versicherung für Kernkraftwerke. Und wo er schon mal bei großen Zahlen ist, wird auch ein Endlager für ihn “höllisch teuer”.

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Am 03.01.2022 um, 12:00 blies der Wind in Deutschland. Wie sah die CO2-Bilanz aus?

(Abbildung: Screenshot Electricitymap.org)

Zum Vergleich Frankreich zum gleichen Zeitpunkt:

(Abbildung: Screenshot Electricitymap.org)

Deutschland kommt selbst mit 72% Anteil von Grünen Stromquellen auf etwas unter 200g spezifisches CO2 Emissionen. Frankreich reichen 30%, um auf ¼ dieses Werts zu kommen. Auch das Windland Dänemark, welches einen noch höheren Anteil regenerativer Energien hat, schafft es nicht einmal die Nähe von Frankreich. Hier dargestellt am Beispiel West-Dänemark:

(Abbildung: Screenshot Electricitymap.org)

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Nein, Tesla baut keine Wunderautos, auch wenn das einige der Fahrer immer wieder behaupten. Zwar meldet das Unternehmen laut Tagesschau einen Absatzrekord, aber vor Rückrufaktionen ist auch der US-Autobauer nicht gefeit.

“Rückrufe bei zwei Modellen

Kurz vor dem Jahreswechsel war bekannt geworden, dass der Autobauer insgesamt fast 700.000 Fahrzeuge wegen möglicherweise sicherheitsgefährdender Mängel in den USA und China zurückrufen muss.

In den USA sind alle Autos des Typs „Model 3“, die 2017 bis 2020 gebaut wurden, betroffen, wie aus einem Dokument der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hervorgeht. Es handelt sich um 356.000 Fahrzeuge, bei denen die Rückfahrkamera ausfallen könnte. Bei weiteren 119.000 Autos des „Model S“ bestehe die Gefahr einer sich unerwartet öffnenden Motorhaube. In China sind von den genannten Sicherheitsmängeln insgesamt rund 200.000 Fahrzeuge betroffen. Tesla generiert dort rund ein Fünftel seines Umsatzes.”

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Die NZZ hat einen sehr spannenden Artikel zum Thema Stromerzeugung durch Wind und Sonne in den Maghreb Staaten. Der Autor Beat Stauffer beschreibt aber auch die Schwierigkeiten und Chancen, die in den Projekten stecken.

“Nun wird bereits der nächste Schritt aufgegleist: Nordafrika und der Mittlere Osten sollen laut den Initianten von Dii Desert Energy zum «emissionsfreien Powerhouse für das postfossile Zeitalter» werden. Dabei geht es nicht nur um die Produktion von sauberem Strom, sondern auch um neue Formen der Speicherung, etwa in Form von Wasserstoff oder Methan, und des Transports in Pipelines oder auf Schiffen. Vorgesehen ist langfristig, dass ein gewisser Anteil dieses sauberen Stroms nach Europa exportiert wird.

Das mag etwas hochtrabend wirken. Klar ist aber: Gelingt ein Durchbruch der erneuerbaren Energien im Maghreb, könnte dies auf das Alltagsleben von Millionen von Menschen spürbare Auswirkungen haben. Der in vielen Regionen bereits drastisch spürbare Mangel an Trinkwasser liesse sich durch Meerwasserentsalzungsanlagen beheben, die mit Solarenergie betrieben würden. In all den Städten, die unter grossen Hitzewellen im Sommer leiden, liessen sich Hunderttausende von Klimaanlagen durch raffinierte Fernkühlsysteme ersetzen.

Im Hinterland und in den kleinen Dörfern könnten Formen von dezentraler Energieversorgung zum Einsatz kommen. Nicht anders als in Europa brauchte es für eine breit abgestützte Energiewende auch eine Ausbildungsoffensive. Auf solche Weise könnten unzählige Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Solar-Installateure und weitere Berufe geschaffen werden.”

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Trillionen, Billionen, Milliarden – wen kümmert schon der Unterschied? Luisa Neubauer offenbar nicht. Man kann mit englischen und nicht-englischen Zählweisen schon mal durcheinanderkommen, aber dann sollte man den Tweet besser löschen, wenn man sich derartig verhaut. Zumal die Korrektur darunter immer noch falsch ist/war. Auch sonst ist es eine bekannte Argumentationstechnik. Im Sommer war Armin Laschet schuld an den hohen Temperaturen an der Westküste der USA und Kanadas. Nun ist Olaf Scholz verantwortlich für eine warme Periode in Alaska.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Die aktuelle Temperatur-Anomalie für Alaska beträgt übrigens bis zu –20 Grad. Es ist dort also 20 Grad kälter als gewöhnlich zu dieser Zeit. Ob das auch Olaf Scholz gemacht hat? Nein, weder das eine noch das anderes, es ist das Wetter.

(Abbildung: Screenshot Ventusky)