Angst vor neuen Gelbwestenprotesten? Frankreich bremst EU bei Straßenverkehrs-CO2-Steuer

“Wir wollen eine Industrienation bleiben” sagt Friedrich Merz von der CDU in einem Interview mit der Welt. Er spricht auch die Notwendigkeit internationaler Bemühungen in Sachen Klimaschutz an. Das Video zu dem Interview ist 9 Minuten lang.

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Deutschlands Entscheider wenden sich von Annalena Baerbock ab, das berichtet die Wirtschaftswoche. Bei T-Online ist in einem Kommentar sogar von einer Kunstfigur die Rede, die sich selbst entlarvt hat.

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100 Millionen hat das Solar Startup Unternehmen Enpal bei Investoren eingesammelt. Der Artikel im Handelsblatt steht hinter einer Bezahlschranke.

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Bitcoins gelten als sehr umweltbelastend, weil bei der Erzeugung und dem Handel große Mengen an Strom benötigt werden. In den USA protestiert eine Bürgerbewegung gegen die Betreiber eines einst stillgelegten Kraftwerks, welches nun ausschließlich Strom für das Bitcoin-Mining produziert. Weiterlesen bei der Tagesschau.

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Zweimal der Guardian aus England. Kanzlerin Merkel habe nicht genügend für den Klimaschutz getan und außerdem gibt es einen Artikel über die Feuer in Nordamerika. Besonders der erste Artikel ist bemerkenswert, weil in den letzten 20 Jahren mehr als 500 Mrd. Euro in die Förderung der erneuerbaren Energien geflossen sind. Sollte das alles vergeblich gewesen sein?

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Wenn einer eine Reise tut. In diesem Fall hat sie der FDP Bundestags-Abgeordnete Johannes Vogel gemacht mit einem Elektroauto nach Südfrankreich. Er berichtet von seiner Fahrt von Steckdose zu Steckdose in  der Welt, der Artikel steht hinter eine Bezahlschranke.

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Der Mitteldeutsche Rundfunk MDR ist unter die Aktivisten gegangen. Anlass ist das aktuelle Hochwasser in Westdeutschland.

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Elon Musk: Kernkraftwerke sind sicherer als viele meinen. Weiterlesen hier.

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Sonne statt Kuh, so lautet ein Artikel bei der Tagesschau über die Umwandlung von Acker- und Weideland zu Photovoltaikflächen. In dem von uns kürzlich vorgestellten Video von Holler und Gauckel ist auch das Thema Energiepflanzen und Bedarf an Acker- und Weidenfläche ein Thema. Nach Meinung der beiden hat Deutschland nicht genügend Fläche, um sich selbst zu versorgen. Zum Artikel geht es hier entlang.

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Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) trommelt für 100% erneuerbare Energien im Strombereich.

“Angesichts ambitionierter Klimaschutzziele und weiterer energie- und industriepolitischer Ziele wie dem Atomausstieg läuft die Energiewende in Deutschland auf eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien hinaus. Dieser Wochenbericht beschreibt erstmals Szenarien für eine zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckte Versorgung in Deutschland im europäischen Kontext und zeigt, dass eine solche möglich und realistisch ist. Auch europaweit würden dann keine fossilen Energieträger oder Kernkraft mehr verwendet werden. Angesichts der verfügbaren Potenziale kann demnach nicht nur die Stromnachfrage, sondern die gesamte Energienachfrage hierzulande mit erneuerbaren Energien gesichert werden.”

Ein Blick auf die Realität: Am 26.07.2021 und 2:00 nachts schien keine Sonne mehr. Es wehte nur ein mäßiger Wind. Der Strombedarf lag bei ca. 40 GW. Wind trug etwa 3 GW zu der Leistung bei. Kernenergie, Kohle und Gas lieferten etwa 25 GW. Der Rest kam von Biogas, Wasserkraft und durch Importe.

(Abbildung: Screenshot Electriciytmap.org.)

Wollte man diese 25 GW komplett durch Wind ersetzen (Solar fällt aus, da in der Nacht die Sonne nicht scheint) würde das auf eine Verachtfachung der Kapazität hinauslaufen. Es bedeutet, dass wir ca. 240.000 Windkraftanlagen in Deutschland oder an den Küsten aufstellen müssten, um bei vergleichbaren Windverhältnissen genügend Strom zu haben. Dieses Szenario klingt nicht sehr realistisch und man fragt sich, wie das DIW zu so viel Optimismus kommt, denn auch der fromme Wunsch, irgendwo in Europa wird der Wind schon wehen, bewahrheitete sich für den Zeitpunkt keineswegs. Alle Flächen, die hier auf der Karte von Windy blau, besonders dunkelblau sind, stehen für Windgeschwindigkeiten von Null bis 5 m/s. Das bedeutet sehr wenig Windstromertrag.

(Abbildung: Screenshot Windy.com)

Ein Wirtschaftsforschungsinstitut sollte doch eigentlich die Grundrechenarten beherrschen und die Schlüsse aus solchen Werten ziehen. Selbst mit einer Verdoppelung der Zahlen, wie sie oben propagiert wird, hätte der Anteil des Windstroms bei 6 GW gelegen und die Lücke wäre immer noch 19 GW gewesen. Was wohl passiert, wenn 240.000 Windkraftanlagen bei Windgeschwindigkeiten von 12 m/s dann aber plötzlich 100% der Nennleistung liefern? Es wären theoretisch über 300 GW. Gigantische Mengen Strom müssten abgeregelt werden, denn auch unsere Nachbarn können den Strom nicht unbegrenzt abnehmen. Am 25.07.2021 war auch wieder Payday bei unseren Nachbarn in Österreich, die deutschen Überschuss-Strom abgenommen haben und ihre Pumpspeicher füllen durften.

(Abbildung: Screenshot Electriciytmap.org.)

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Großbritannien hat jetzt ausgerechnet, was die Klimaneutralität das Land bis 2050 kosten wird. Der Finanzminister war schockiert als er die Zahl hörte: 1,4 Billionen Pfund. Lesen Sie hierzu einen Artikel in der Daily Mail vom 25.7.2021:

The Chancellor – who is already looking for ways to pay back the £400 billion cost of the Covid crisis and the £10 billion a year required to reform long-term care for the elderly – is understood to have baulked at estimates of hitting net zero at more than £1.4 trillion.

Ganzer Artikel hier in der Daily Mail

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Energie- und Umweltminister der G20-Staaten können sich nicht auf gemeinsame Klimaziele einigen. Dawn.com am 24.7.2021:

G20 ministers fail to agree on climate targets

NAPLES: Energy and environment ministers from the Group of 20 rich nations have failed to agree on the wording of a key climate change commitment in their final communique, Italy’s Ecological Transition Minister Roberto Cingolani said on Friday.

The G20 meeting was seen as a decisive step ahead of United Nations climate talks, known as COP 26, which takes place in 100 days’ time in Glasgow in November.

The failure to agree to common language ahead of that gathering will be seen as setback to hopes of securing a meaningful accord in Scotland.

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In Europa tritt Frankreich auf die Bremse bei neuen CO2-Steuern im Straßentransport. Die Gelbwestenproteste lassen grüßen. Bloomberg am 21.7.2021:

France Pushes Back on EU Proposal for New Carbon Market

France is pushing back against the European Union’s proposal to launch a new carbon market for heating and road transport, a move that worries some other EU nations and that’s quickly becoming the most controversial part of a new climate plan.

Days after the EU’s ambitious plan to tackle climate change was announced, France began lobbying behind the scenes to water down or delay the new carbon market, a central plank of the bloc’s proposal, people familiar with the matter said. Several countries, including the Netherlands and Hungary, are also concerned about its social impact, according to EU diplomats with knowledge of the talks.

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Hans-Werner Sinn mit einem lesenswerten Artikel auf Project Syndicate vom 23.7.2021:

Europas grüner Unilateralismus

Zu den wenigen Unterzeichnern des Pariser Klimaschutzabkommens, die sich 2015 zu bindenden Mengenrestriktionen verpflichtet haben, gehört die EU. Sie hatte versprochen, gegenüber dem Jahr 1990 den Verbrauch fossiler Brennstoffe bis 2030 um 40% (und nun gar 55%) zu reduzieren.

Am 14. Juli 2021 hat die EU-Kommission zudem eine Reduktion um 100% bis 2050 propagiert und ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt, mit dem sie schon kurzfristig den CO2-Ausstoß der Firmen und Haushalte massiv verringern will. Niemals zuvor hat es auf der Welt auch nur annähernd vergleichbare Anstrengungen für den Umweltschutz gegeben, und niemals außer in Kriegszeiten sind Marktwirtschaften derart rigide einer zentralplanerischen Steuerung unterworfen worden, wie es jetzt geplant ist. Zu dem Programm gehören drei verschiedene Emissionshandelssysteme für CO2. So soll das bestehende System, das bereits für die Energiewirtschaft, Teile der Grundstoffindustrie und der chemischen Industrie gilt, auf den Schiffsverkehr ausgedehnt werden.  Sodann sollen  zwei neue, separate  Handelssysteme für den Wohnungsbau und den Verkehr geschaffen werden. Die Zuteilung der Zertifikate soll nicht mehr frei sein. Vielmehr will die EU sie verkaufen, um mit den Erlösen auch Transfers an ärmere Bevölkerungsschichten finanzieren zu können. Die Menge der Zertifikate soll Jahr um Jahr drastisch reduziert werden.  

Weiterlesen auf Project Syndicate

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Immer spannend: Die Klima- und Energienews von Alfred Brandenberger in seinem Vademecum. Hier seine Seite.