An Habeck: Nett schnacken reicht nicht

Nett schnacken reicht nicht. So urteilt in der FAZ Christian Geinitz über Robert Habeck. Es geht um die Gasumlage und Unternehmen, die sich nun mittels der Umlage die Taschen füllen dürfen, obwohl sie die Gelder nicht bräuchten. In gewisser Weise ist das konsequent, denn auch die Energiewende ist nie zu Ende gedacht worden. Warum sollte es hier anders sein?

“Liest man Habecks Erklärungsversuche zum Umlagefiasko, möchte man ihm ebenso norddeutsch entgegenhalten: „Donnerlüttchen, du schnackst ganz schön harten Tobak!“ Denn dass sich der gewählte Weg zur Stützung der Importeure als Sackgasse entpuppt, begründet Habeck offen mit fehlender Kompetenz: Die prinzipiell richtige Idee habe sich als problematisch erwiesen, „weil wir nicht wussten, das muss man ehrlicher Weise sagen – und niemand wusste das –, wie dieser Gasmarkt verflochten ist, welche Firmen irgendwelche Anteile an Töchtern und so weiter haben“.”

Die Erkenntnis, dass man nicht wusste, wie verflochten der Gasmarkt ist, erinnert an einen Autofahrer, welcher bei der Alkoholkontrolle den Polizisten erklärt, da muß doch tatsächlich jemand Alkohol in sein Bier gemischt haben. Man wusste es nicht. Vielleicht war es doch keine so gute Idee von Habeck, die Staatssekretärsposten mit Friends und Family zu besetzen, statt nach Kompetenz zu gehen. Wir haben im Dezember über die Besetzung im Ministerium berichtet.

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Regelmäßig schafft es Hans Josef Fell für den Auweiha Award nominiert zu werden. Sein neuester Coup ist das Thema Holzverbrennung. Ist das schon vorauseilende Panik, weil Deutschland eine Strom- und Wärmekrise hat, die sich noch verschlimmern dürfte?

(Abbildung: Screenshot Twitter)

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Wir haben hier schon oft das Bild eines Hausbaus bemüht. Damit das Haus später sicher steht, braucht es ein Fundament. Man kann es auch ohne bauen, aber dann darf man sich nicht wundern, wenn plötzlich Ecken des Hauses absacken. Das Fundament in Sachen Solarstrom wären Leitungen, die den produzierten Strom abtransportieren können. Diese scheinen aber zu fehlen. Der Bayrische Rundfunk zum Thema verpuffter Strom:

“In der Praxis erlebt Jens Husemann anderes: Alleine in diesem Jahr sei seine Solar-Anlage schon 150 Tage vom Netz genommen worden – abgeregelt heißt das in der Fachsprache. Er überwache die Strom-Produktion mit einem täglichen Protokoll, und legt dieses im BR-Interview vor. Seit Februar dieses Jahres ist ab dem frühen Vormittag bis zum frühen Abend keinerlei Stromabgabe ins Netz zu sehen. Husemanns Anlage wurde abgeregelt. Das heißt, Strom für 50 Haushalte, der täglich hätte produziert werden können, ist nie im Stromnetz gelandet. Der 50-jährige Messebauer erklärt das so: Dadurch, dass immer mehr PV-Anlagen gebaut würden, müssten immer mehr Anlagen vom Netz genommen werden, weil die Infrastruktur den Strom nicht befördern könnten. Das bestätigt auch der zuständige Energieversorger N-Ergie im BR-Interview.

Der Grund: Es fehlt gerade bei größeren Anlagen ab einer Leistung von mehr als 100 Kilowatt/Stunde vor Ort an ausreichend Stromleitungen, Trafohäusern und Stromspeichern – also Batterien. Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind deswegen im vorvergangenen Jahr 6,1 Terawattstunden Strom im Nirwana verschwunden. Das entspricht etwa einem Prozent des bundesweiten Stromverbrauches.”

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Axel Bojanowski interviewt den Kabarettisten Vince Ebert in der Welt (Bezahlartikel). Ebert wurde gerade durch Eckhard von Hirschhausen bei Wissen vor Acht ersetzt. Dort darf er nun das Wunder der Finnen erklären, die, obwohl sich doch Eiweiß ab 42 Grad Celsius zersetzt, in viel heißere Saunen gehen und es tatsächlich überleben. Die Tragik eines Mediziners, der Körper- und Lufttemperatur verwechselt, um im Sachen Klima zu punkten. Vielleicht für alle besser, dass er nicht mehr praktiziert. Ebert nimmt die deutsche Energiewende in dem Interview auseinander.

“Ebert: Wir unterhielten uns über Energieversorgung, als mit klar wurde, dass [meiner Augenärztin] der Begriff „Grundlast“ unbekannt war. Eine so gebildete Frau, die einen zentralen Begriff unseres Lebens nicht kannte! Für mich war das der Anlass, über dieses große und wichtige Thema zu schreiben.

WELT: Grundlastfähige Kraftwerke produzieren kontinuierlich Strom, unabhängig von Wind und Wetter. Deutschland setzt auf Windkraft und Sonnenenergie, die nicht grundlastfähig sind. Aber mit Stromspeichern könnten Wind und Sonne zuverlässig werden, oder nicht?

Ebert: In der Theorie. In der Praxis genügen die in Deutschland existierenden Speicher nach 20 Jahren Energiewende nicht mal, um bei Dunkelheit und Flaute die Stromversorgung für eine Stunde sicherzustellen. Also noch nicht mal so lang wie das Modern Talking-Comeback von Dieter Bohlen, bei dem man sich wünscht, dass der Stromausfall noch viel schneller käme. Fehlende Energiespeicher sind der große Elefant im Raum der Energiewende – ein Problem, das eigentlich unübersehbar ist, aber das keiner offen aussprechen möchte. Erst wenn es irgendwann gelänge, ein Energiespeichersystem in großem Stil zu entwickeln, könnte die Energiewende funktionieren.”

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Polarportal.dk hat tägliche Statistiken zur Eismasse von Grönland. Dieses Jahr setzte die Schmelzsaison sehr spät ein (17 Tage später als im Mittel, was Platz 39 von 42 beobachteten Jahren bedeutet) und sie scheint auch sehr früh beendet zu sein, denn schon im August gibt es dieses Jahr Tage mit Masse-Zuwachs.

(Abbildung: Screenshot Polarportal.dk)

Die aktuelle Saison, die Anfang September endet, bietet eine interessante Entwicklung. Die Surface Mass Balance (Massenzunahme durch Schneefall minus Abnahme durch Schmelzen) liegt über dem Mittelwert 1981 – 2010, d. h. der sommerliche Eisverlust ist weitaus geringer als im Mittel der Referenzperiode.

(Abbildung: Screenshot Polarportal.dk)

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Ist die Luft raus bei Fridays For Future? Die MOZ mit einem Bericht (Bezahlschranke) über Demonstrationen in Potsdam. Statt Tausender Demonstranten sind es dieses Jahr nur einige Hundert, die zu den Demos kommen. Der neueste Schrei bei Klima-Aktivisten ist nicht nur das Ankleben an Bilderrahmen berühmter Werke, nein, jetzt werden Zapfsäulen demoliert, wie man auf Twitter sehen kann. Das Video scheint aus dem Vereinigten Königreich zu stammen.

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Klaus Müller von der Bundesnetzagentur wagt sich schon mal aus der Deckung. Die Grünen scheinen jetzt einen Sündenbock gefunden zu haben, warum sie die Kernkraftwerke weiterlaufen lassen müssen: Frankreich. Strom aus Kernenergie kann kein Gas ersetzen meint Müller gegenüber der NOZ. Aber Deutschland müsse ja so viel Strom nach Frankreich schicken. So wird man es den eigenen Anhängern verkaufen.

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Umwelt Bischoff

Sehr geehrte Damen und Herren,

Eine Anmerkung zum Blog vom 28. 08. 22. In einem Beitrag wird von einem Umwelt Bischoff der Katholischen Kirche berichtet. Sicherlich ist ein Mitglied der Kirche der richtige Fachmann für Fragen zur Umwelt – er hat schließlich Kontakte nach ganz oben. Damit bringt auch ein Studium der Theologie die richtige Fachkenntnis zur Atomenergie mit. Auch die große Anerkennung für Fridays for Future durch den Bischoff passt perfekt. Wozu eine wissenschaftliche Ausbildung? Es reicht doch ein Theologiestudium. Die Mitglieder von Fridays for Future sind anscheinend „gesegnet“, dass sie gleich die richtigen Erkenntnisse haben, obwohl diese freitags die Schule schwänzen. Für den Bischoff hätte ich noch eine Empfehlung für ein Buch, welches er schreiben kann. Analog zum „Hexenhammer“ aus Zeiten der Inquisition wäre doch ein „Klimahammer“ angesagt.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn