Als Jürgen Trittin Nordstream 2 verteidigte

Niemand bekommt fragwürdige Aussagen gern auf das Butterbrot. Beim Grünen Jürgen Trittin ist die Eiskugel, die die deutsche Energiewende einen deutschen Haushalt im Monat kosten soll, schon lange ein running gag – allerdings einer, der jeden Tag bitterer wird. Ein schönes weiteres Fundstück ist allerdings ein Spiegel-Interview mit Trittin aus dem Jahre 2018. Es mag Gründe geben, die die Pipeline Nordstream 2 rechtfertigen. Unter Trittins Mitwirken wurde ja bereits Nordstream 1 gebaut. Einer der Gründe könnte schlicht lauten: Die deutsche Energiewende kann ohne Gas, idealerweise sehr günstiges Gas, nicht wirklich funktionieren, wenn man den Weg des Ausstiegs aus Kohle und Kernenergie weiterdenkt. Aber, das sind nicht die Gründe für Trittin, sich seinerzeit für das Projekt stark zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Die Gegner der Pipeline kritisieren, Nord Stream 2 hintergehe die sicherheitspolitischen Interessen der Länder in Mittel- und Osteuropa. Ist Ihnen das egal?

Trittin: Das Grundargument, man würde sich von den Russen abhängig machen, ist falsch. Pipelinegas führt zu einer gegenseitigen Abhängigkeit, weil die Bindung zwischen Produzent und Konsument groß ist. Der Produzent ist sogar abhängiger, wenn der Konsument auch andere Quellen hat. Während Europa recht einfach auf Flüssiggas LNG aus den USA oder Katar wechseln könnte, kann Russland eben nicht so einfach den Abnehmer wechseln. Dafür müssten die ja eine neue Pipeline nach China bauen. Das dauert.

SPIEGEL ONLINE: Würde ein Energieboykott durch Europa Russlands herrschendes Regime nicht stark treffen?

Trittin: Das gesamte wirtschaftliche und politische System Russlands beruht auf dem Export fossiler Rohstoffe. Je nach Schätzung werden bis zu zwei Drittel des Staatshaushalts so finanziert. Die Idee, der Russe würde aus Jux und Dollerei eben mal den Gashahn zudrehen ist deshalb absurd: Der Kreml würde sich vorsätzlich selbst schädigen. Das hat nicht einmal die Sowjetunion im Kalten Krieg getan.

Rückblickend war so ziemlich alles falsch an seinen Aussagen. Im weiteren Verlauf lässt Trittin dann auch durchblicken, warum er, wenn auch etwas zähneknirschend für Nordstream 2 ist. Es ist Ideologie. Wer im Herzen immer noch ein glühender Alt-Linker ist, der ist quasi Anti-Amerikaner von Haus aus.

“SPIEGEL ONLINE: Grenell warnt davor, durch die Pipeline werde „russischer Einfluss nach Europa fließen“.

Trittin: Grenell verhält sich wie ein Haustürvertreter für amerikanisches Frackinggas. Anders ist das bei den Osteuropäern. Es gilt die europäische Solidarität: Kein osteuropäisches Land darf von Russland erpressbar sein. Das ist gewährleistet. Europa hat heute ein gemeinsames Gastransportnetz und die Infrastruktur für den sogenannten Reverseflow, also eine Schubumkehr in den Leitungen nach Osten. Und mit der EUGAL-Pipeline in Ostdeutschland käme ein weiterer Baustein für dieses Sicherungssystem hinzu.”

Ganzes Interview im Spiegel lesen.

Warum nur, haut niemand Trittin diese Äußerungen um die Ohren? Das Interview ist im Nachgang absolut lesenswert.

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Waldbrände: Welche Rolle spielen Eichhörnchen mit winzigen Feuerzeugen. Der Postillon hat sich diese nette Satire ausgedacht.

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Über das Werbeunternehmen Stroer haben wir schon einige Mal berichtet. Stroer scheint sich einiges vom Thema Klimakrise zu versprechen. Auf der Stroer-Webseite Watson.de wird Thema regelmäßig dramatisch aufgegriffen. Wir haben erst kürzlich darüber berichtet. Die Frage ist, wie klimafreundlich ist das Unternehmen Stroer eigentlich? Im Jahr 2021 hat Stroer die Kampagne “Tu was für das Klima” in die Welt gesetzt. Wenn man nun aber weiß, dass das Unternehmen solche Kampagnen auf den immer häufiger installierten Videowalls präsentiert, dann bekommt das eine besondere Note. Diese Videowalls sind energiehungrig. Dennoch proklamiert Stroer nach außen, dass man ein nachhaltiges Unternehmen sei. In Hamburg gibt es die Initiative Hamburg Werbefrei. Die kommen zu interessanten Schlüssen:

“Die Initiative Hamburg Werbefrei verweist auf den hohen Stromverbrauch der Werbemonitore. Allein eine digitale Werbesäule, wie sie schon heute beispielsweise in der Mönckebergstraße zu finden sei, verbrauche mit 15.000 kWh pro Jahr so viel Strom wie zehn Singlehaushalte.”

Ebenfalls spannend ist die Tatsache, dass die Stadt Hamburg unter rot-grüner Regierung an solchen Videowalls mitverdient, weil die sehr oft auf städtischem Gelände stehen. Hier machen gerade die beiden beteiligten Parteien einen ziemlichen Spagat.

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Kaum ein Thema, das nicht irgendwie mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Frankfurter Rundschau haut ordentlich auf die Pauke in Sachen Zeckenbisse und Klima. Jeder 7. Erdbewohner soll an Borreliose erkrankt sein.

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Die FAZ in einem Bezahlartikel zum Thema Klimaklagen:

“Die Zahl der Klimaklagen nimmt zu. Doch aus den Bedrohungen durch den Klimawandel lässt sich kein Notstandsrecht ableiten. Innovative Klimaurteile und richterliche Zurückhaltung müssen indes kein Widerspruch sein.”

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Die Nachrichten von Grönland über eine dramatische Schmelzsaison halten sich diesen Sommer arg in Grenzen. Aus Gründen. Polarportal.dk monitort die Surface Mass Balance (SMB) der Insel. Die Seite wird vom Dänischen Meteorologischen Institut betrieben. Die Schmelzsaison hat in diesem Jahr sehr spät eingesetzt und die Masseverluste (blaue Kurve) liegen unter dem Mittelwert 1981-2010 (graue Kurve) und weit unter der Rekordsaison 2011/2012 (rote Kurve).

(Abbildung: Screenshot Polarportal)

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Funktionsfähige Energiewende vs. Deutsche Energiewende. So lautet der Titel eines Videos, das sich mit der Deutschen Energiewende beschäftigt und 8 Kritikpunkte aufführt. Als Schmankerl gibt es eine Grafik, die einer der Väter der Deutschen Energiewende, Hans Josef Fell, bei einer Veranstaltung 2014 zu Besten gab. Demnach sinkt der Strombedarf Deutschlands bis zum Jahr 2050. Wieder was gelernt.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

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Windige Prognosen. Eine schöne Doppeldeutigkeit, die Axel Bojanowski da auf seinem Blog gewählt hat. Er zeichnet eine schone Parallele zwischen Prognosen über eine zunehmenden Windgeschwindigkeit in den 1990er Jahren (Schuld sei der Klimawandel), die so aber nicht eintraf, ganz im Gegenteil und den allsommerlichen Waldbrandvoraussagen (auch hier soll es am Klimawandel sein an vermehrten Bränden). Nun, die Stürme wurden weniger, das dürfte den Rückversicherer München Re aber kaum gekratzt haben, die werden seinerzeit ihre Prämien schon längst erhöht haben.

“Als Kronzeuge fungierte wie noch immer üblich die Münchener Rück (Munich Re), die größte Rückversicherung der Welt, die ihre Prämien höheren Katastrophenrisiken anzupassen pflegt. „Die Lage hat sich dramatisch zugespitzt“, zitierte der „Spiegel“ 1995 den Klimaexperten der Versicherung, Gerhard Berz.

Seit Anfang der neunziger Jahre machten Sturmschäden „in bis dahin ungekannten Größenordnungen“ der Branche schwer zu schaffen. Der Versicherungskonzern sehe sich als “Opfer des Treibhauseffekts, der die irdische Windmaschine immer stärker antreibt”, schrieb der “Spiegel”

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Leserbrief von Thomas Mock:

Vor drei Jahren wurde aus mich nicht überzeugenden Gründen der höchstwichtige Verhandlungs-Punkt zur Rettung des Regenwaldes durch Deutschlands fehltaktisches Verhalten gegenüber Brasilien verloren. Was seitdem an Regenwald weltweit verloren geht war absehbar, wurde aber damals billigend in Kauf genommen und wird nicht mehr zurück zu holen sein.

Und nun öffnen die Minister Habeck und Lemke die Büchse der Pandora durch das Öffnen riesiger Teile der deutschen Schutzgebiete aus nationalen (Lobby-) Interessen zugunsten der Windindustrie. Ein größeres Geschenk konnten sie Brasilien damit nicht machen. Sie kopieren damit (vereinfacht) das, was in Brasilien schon länger usus ist. Und nun deutet auch China an Klimaverhandlungen auszusetzen. Nein, Sharm-el-Sheikh dürfte zum traurigsten Klimagipfel werden und Kopenhagen in den Schatten stellen.

 Das unterstreicht auch der parallele Beitrag von Herrn Edenhofer, vom 01.08.22 in der FAZ, mit dem ich mich seit 20 Jahren immer wieder streite durchaus dem ähnlichem Ziel verpflichtet. Schon die Fakten stimmen nicht die er in die Welt setzt. Der CO2-Preis liegt in der EU bei annähernd 100 Euro und es bahnen sich dramatische Folgeeffekte an. Und sein Sozialansatz ist eher aus der Verzweiflung geboren, die Überbevölkerungsprobleme wie auch die Klima-Folgen der rücksichtslosen Landwirtschaft (siehe nur Südspanien) erwähnt er mit keinem Wort, weil seine Argumentation sofort in sich zusammenfallen würde.

Und was ich besonders heftig kritisiere ist sein immerwährender Versuch den Verlust der Biodiversität und der Arten mit dem Klima subsidiär zu verlinken. Das ist wissenschaftlich nicht redlich. Der Verlust der Biodiversität und der Arten läuft schon länger oder mindestens so lange wie die Klimakrise und zwar parallel, also unabhängig voneinander. Dass es inzwischen Überschneidungen gibt ist bekannt.

 Aber nicht ohne Grund haben über 1000 Wissenschaftler die selbständige Bedeutung des notwendigen Schutzes der Biodiversität gegenüber dem Klima gerade im Vorfeld der kommenden IPBES-Konferenz unterstrichen und zumindest eine Gleichrangigkeit eingefordert. M E zu Recht.

Es ist frustrierend aber ich stelle nüchtern fest: selbst eine Million Windräder werden das Klima nicht retten (dahin tendiert sogar Edenhofer), aber Ressourcen ineffizient verschleudern, um das Wohlstandsniveau zu halten. Auf Kosten der kommenden Generationen. Deshalb wird es auf ein Anpassen hinauslaufen, der jahrzehntelange Streit ob vorbeugen/verhindern oder anpassen der richtige Weg ist, scheint kurz davor durch die Praxis entschieden zu werden.

Mit besten Grüßen
Thomas Mock

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Leserpost von K.- H. Geiger:

Betreff: Energie- Ideologie- Politik

Als ehem. Reaktor IBN- Ing. kann ich das einseitige Verbot für Forschung, Entwicklung, Genehmigung und den Bau von CO2- frei elektrische Energieversorgung, bedarfsgerecht liefernden Kernkraftwerke an über 340 Tagen, zu Gunsten einer NIE bedarfsgerecht (volatile) liefernden Sonnen- und Windenergie an 1350 Vollasttagen im Jahr, nur mit Machtgeilheit und Ideologie- Besessenheit einer promovierten Physikerin auch als Deutsch- Hasserin nur umschreiben.

Entschuldigung für meine klaren Worte. Ich, wir und Viele sorgen sich täglich um die Zukunft unserer Kind- und Kindeskinder. Abgesehen von den uns zugeschobenen gigantischen Schuldenbergen der EU!

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Klimaklage

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Blog vom 06. 08. 22 erschien ein kurzer Hinweis zu einer Klimaklage einiger Fischer einer indonesischen Insel gegen einen Schweizer Zementkonzern. Ein Verweis zu einem Bericht von NTV gibt weitere Informationen. In der Klage geht es um den steigenden Meeresspiegel, welcher den Lebensraum der klagenden Fischer gefährdet. Der Konzern wird verklagt, weil dieser mit den hohen CO2-Emissionen zum Klimawandel und damit zum Anstieg des Meeresspiegels beigetragen haben soll.

Die ganze Geschichte erinnert mich an den Film „Ökozid“, welcher hier im Blog vor einigen Jahren vorgestellt wurde. In dem Film wurde die Bundesrepublik Deutschland von einigen Anwohnern aus dem Pazifik verklagt, weil Deutschland nicht genug gegen den Klimawandel getan hätte.

Im Bericht von NTV wird erwähnt, dass es nicht sicher ist, ob das Schweizer Gericht den Klägern recht gibt. Die Klage wird unterstützt von verschiedenen NGO´s.

Nach dem fragwürdigen Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts bin ich mir nicht sicher, wie das Schweizer Gericht vorgehen wird. Betrachtet man die Sache ganz nüchtern, müsste die Klage abgewiesen werden. Eine genaue Klimasensivität von CO2 ist nicht bekannt. Selbst das IPCC gibt eine recht breite Spanne für diese Klimasensivität aus. Die Klimasensivität gibt den Temperaturanstieg an, welcher sich bei einer Verdopplung des CO2 Gehalts ergibt. Es ist dabei zu bedenken, dass der CO2 Anteil seit Beginn der Industrialisierung gerade einmal um knapp 50% zugenommen hat, also von einer Verdopplung noch weit entfernt ist.

Außerdem ist zu bedenken, dass der Meeresspiegel seit 10.000 Jahren steigt. Welcher Anteil am Meeresspiegelanstieg ist jetzt natürlich und welchen Anteil hat der Mensch? Es ist auch in den letzten 150 Jahren keine gewaltige Zunahme des Meeresspiegelanstieges festzustellen. Damit steht das ganze Verfahren auf sehr wackligen Füßen. Ein seriöses Gericht müsste eine solche Klage abweisen.

Noch ein Gedanke zu dem Film „Ökozid“. Ich könnte mir ein weitaus realistischeres Szenario vorstellen. Wie wäre es denn, wenn in einigen Jahren einige Schwerbehinderte und schwer erkrankte Menschen aus einigen Entwicklungsländern eine Klage gegen Deutschland einreichen? Inhalt der Klage: Deutschland hat in großem Maße seltene Erden und andere Materialien aus den Ländern für E-Autos, Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen bezogen. In den Ländern wurden die Materialien durch brutale Kinderarbeit, ohne Arbeitsschutzmaßnahmen gewonnen. Diese Art des Abbaus war bekannt. Trotzdem wurden die Materialien bezogen. Jetzt klagen Überlebende, welche aufgrund der damaligen Tätigkeit, schwere Behinderungen oder tödliche Krankheiten erlitten haben. Eine solche Klage hätte doch wohl deutlich mehr Substanz.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn