Alarmistische Insektenstudie entpuppt sich als Fake News

Ende Januar 2019 warnten Forscher vor einem Insektenmassensterben. Die Schlagzeilen in der internationalen Presse waren ihnen sicher. Ziel erreicht. Allerdings stellte sich ihre medienwirksame Studie jetzt als plumpe Panikmache heraus. Pressemitteilung von Pensoft Publishers (via Eurekalert) aus dem März 2019:

‚Insectageddon‘ is ‚alarmist by bad design‘: Scientists point out the study’s major flaws

Earlier this year, a research article triggered a media frenzy by predicting that as a result of an ongoing rapid decline, nearly half of the world’s insects will be no more pretty soon

Amidst worldwide publicity and talks about ‚Insectageddon‘: the extinction of 40% of the world’s insects, as estimated in a recent scientific review, a critical response was published in the open-access journal Rethinking Ecology. Query- and geographically-biased summaries; mismatch between objectives and cited literature; and misuse of existing conservation data have all been identified in the alarming study, according to Drs Atte Komonen, Panu Halme and Janne Kotiaho of the University of Jyväskylä (Finland). Despite the claims of the review paper’s authors that their work serves as a wake-up call for the wider community, the Finnish team explain that it could rather compromise the credibility of conservation science.

The first problem about the paper, titled „Worldwide decline of the entomofauna: A review of its drivers“ and published in the journal Biological Conservation, is that its authors have queried the Web of Science database specifically using the keywords „insect“, „decline“ and „survey“. „If you search for declines, you will find declines. We are not questioning the conclusion that insects are declining,“ Komonen and his team point out, „but we do question the rate and extent of declines.“

The Finnish research team also note that there are mismatches between methods and literature, and misuse of IUCN Red List categories. The review is criticised for grouping together species, whose conservation status according to the International Union for Conservation of Nature (IUCN) is Data Deficient with those deemed Vulnerable. By definition, there are no data for Data Deficient species to assess their declines.

In addition, the review paper is seen to use „unusually forceful terms for a peer-reviewed scientific paper,“ as the Finnish researchers quote a recent news story published in The Guardian. Having given the words dramatic, compelling, extensive, shocking, drastic, dreadful, devastating as examples, they add that that such strong intensifiers „should not be acceptable“ in research articles. „As actively popularising conservation scientists, we are concerned that such development is eroding the importance of the biodiversity crisis, making the work of conservationists harder, and undermining the credibility of conservation science,“ the researchers explain the motivation behind their response.

Original source: Komonen A, Halme P, Kotiaho JS (2019) Alarmist by bad design: Strongly popularized unsubstantiated claims undermine credibility of conservation science. Rethinking Ecology 4: 17-19. https://doi.org/10.3897/rethinkingecology.4.34440

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Lorenzo Ravagli im Anthroblog am 3. Oktober 2019:

Der Kampf der Kosmiker und Telluriker

Mir scheint, als stünden sich in der gegenwärtigen Klimadebatte zwei geistige Strömungen gegenüber, die ich als »Kosmiker« und »Telluriker« bezeichnen möchte. Zugespitzt gesagt: Während erstere die kosmischen Einflüsse auf das Klima der Erde berücksichtigen, kapseln letztere die Erde vom Kosmos ab und erklären die Menschheit zum alleinigen Verursacher des angeblich präapokalyptischen Zustandes, in dem sie sich befinde. Der mit ungleichen Waffen geführte Kampf um die Idee des Klimas (zu der seine bedingenden Faktoren und seine Erscheinungsformen in Raum und Zeit gehören), ist ein Symptom für das geistige Klima, dessen Folge er ist. Auf der einen Seite, jener der Telluriker, steht eine unbedingte, geradezu religiöse Sehnsucht nach Erlösung von den Übeln dieser Welt, die ihren metaphysischen Eros auf säkulare Symbolfiguren ablädt, deren geistiges Gewicht in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrer suggerierten Bedeutung steht. Auf der anderen Seite, jener der Kosmiker, steht eine kleine Schar vom Mainstream verketzerter, darum umso tapferer Skeptiker, die dem Ideal der Wissenschaft verpflichtet ist, den Kosmos als geschlossenes Ganzes zu begreifen, das nur aus der Gesamtheit seiner angemessen gewichteten Prozesse verstanden werden kann. Der Kampf um die Idee des Klimas ist nur einer der vielen Schauplätze, auf dem sich gegenwärtig die Gigantomachie um die Zukunft der Menschheit abspielt. Andere stellen die Fragen der Identität, der Migration oder auch jene nach dem Verhältnis von Moral und Politik dar, die aber hier nicht Thema sind.

Was den Kosmos anbetrifft, so ist die Sonne die Hauptquelle der auf der Erde zur Verfügung stehenden Energie. Das Maß dieser Energie lässt sich sogar beziffern: es beträgt 99,98 %. Die restlichen 0,02 % stammen von der Eigenwärme der Erde. Laut Wikipedia übersteigt das von der Sonne innerhalb einer Sekunde ausgestrahlte Energiequantum die Menge an Energie, die alle auf der Erde im Jahr 2011 vorhandenen Atomkraftwerke im Verlauf von 750.000 Jahren hätten erzeugen können.

Ohne die Sonne gäbe es kein Leben. Ohne ihr Licht und ihre Wärme wäre die Erde ein kalter, dunkler Planet. Dieses Wissen ist nicht neu; viele der frühen Hochreligionen verehrten in der Sonne die Zentralgottheit des Universums, die Quelle des Lebens und der Erkenntnis. Man muss kein Astrophysiker sein, um die Bedeutung der Sonne für die Erde, für ihren Wärmehaushalt unmittelbar erkennen zu können. Wenn die Tage länger werden, wird es wärmer, Gegenden, die der Strahlung der Sonne stärker ausgesetzt sind, die näher am Äquator liegen, sind generell wärmer, als solche, die weiter von ihr entfernt liegen, bis hin zu den Kältepolen der Erde ganz im Norden und im Süden. Wenn die Tage länger werden, beginnt die Natur aus ihrer Winterstarre zu erwachen, die Pflanzen fangen an, Knospen und Blätter zu treiben, das animalische Leben beginnt ebenfalls aufzublühen und selbst unsere Seelenstimmung hebt sich mit Frühlingsbeginn. Selig sind jene, die im ewigen Frühling leben, auf den Inseln der Hesperiden, sagt der Mythos.

Wir kennen aber aus der Alltagserfahrung auch die Auswirkungen des Übermaßes an Licht und Wärme: Pflanzen verdorren, Böden vertrocknen, manche Regionen der Erde verwandeln sich in eine Wüste. Wer jemals einen ordentlichen Sonnenbrand erlebt hat, weiß, dass die Aufnahmefähigkeit der menschlichen Haut begrenzt ist, und dass er sich vor zu intensiver Sonnenstrahlung, besonders im Hochgebirge oder in südlichen Gegenden, schützen sollte. Wir kennen aus eigener Anschauung auch den Zustand der Licht- und Wärmesättigung: nachdem die Pflanzen gereift sind und ihre Früchte hervorgetrieben haben, beginnt ein Prozess des Verfalls, der mit der Abnahme der Tageslänge einhergeht, bis die Natur wieder in ihrem Winterschlaf versinkt. Klar ist auch, dass beides, Leben und Tod, zum vollständigen Kreislauf dazugehört, und das eine ohne das andere nicht möglich ist. Diese Einsicht brachte bereits Heraklit zum Ausdruck, wenn er sagte: »Gott ist Tag Nacht, Winter Sommer, Krieg Frieden, Überfluss und Hunger. Er wandelt sich aber wie das Feuer, das, wenn es mit Räucherwerk vermengt wird, nach dem Duft, den ein jegliches [ausströmt,] benannt wird.«

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