Geomar wirbt per Pressemitteilung für Buch von Mojb Latif: Darf das Geomar das?

Die Seite climatereanalyzer.org der Universität von Maine haben wir ja schon einmal vorgestellt. Sie wartet mit interessanten Informationen auf. So lassen sich sehr viele Parameter einstellen und anzeigen. Das können zum Beispiel die Temperaturanomalien sein, die aktuell auf der Welt herrschen.

Auf diese Seite lässt sich mehr oder weniger eine andere Karte legen, die den Jetstream anzeigt. Man sieht sehr gut, dass die kühleren Gegenden in Sibirien auch einen weiten südlichen Vorstoß der Höhenströmung bedeuten. Wärmer ist es dort, wo der Höhenwind nicht so weit nach Süden kommt. Auch über Nordamerika sieht man, dass die westlichen Provinzen Kanadas eher zu kühl sind, dort dringt der Jetstream weit nach Süden, der Osten Kanadas ist dagegen etwas zu warm, dort geht die Delle in Richtung Norden analog zu Sibirien.

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Es bleibt ein deutsches Dilemma. Ein wunderbarer Sommertag im Juli 2020, aber kaum Wind. Fast überall im Land und auf See bläst er mit gerade einmal mit bis zu 10 Km/h.

Dass Deutschland trotzdem auf fast 60% Anteil Erneuerbare Energien kommt, ist der Sonne zu verdanken. Windkraft trug zum Betrachtungszeitpunkt (18.07.2020 – 13:50 Uhr) gerade einmal 3,5% der gesamten Erzeugung bei. Von möglichen 60 GW konnten nur 2,09 GW abgerufen werden.

Aber auch bei Solar gilt es, etwas genauer hinzusehen. Denn auch die solare Stromerzeugung bleibt weit unter den theoretischen Möglichkeiten. Von 48,6 GW Potential kommen an einen Hochsommertag nur etwa 25 GW zur Mittagszeit zusammen, also etwas über die Hälfte. Der Grund dürfte in der Wolkenbedeckung liegen. Auf Ventusky wunderbar zu sehen sind die vielen weißen Stellen über Deutschland. Dort ist die Wolkenbedeckung hoch. In den blauen Bereichen ist sie gering.

Das Dilemma geht aber weiter. Mit einem einfachen Dreisatz kann man ausrechnen, wieviel Windkraftanlagen und auch Solaranlagen notwendig wären, um den Anteil an einem windwarmen und bedeckten Sommertag zu steigern. Rechnet man nur 35 GW Windstrom Erzeugung, müssten theoretisch 10 mal mehr Anlagen in und vor Deutschland laufen, bei gleichen Bedingungen wie am 18.07.2020. Es wären dann über 300.000 Anlagen. Ein utopischer Wert, weil bei starkem Wind ein gewaltiger Überschuss entstehen würde, der sich gar nicht handeln lassen würde. Von einem Zubau des gesamten Landes mal abgesehen. Deutschland ist bereits jetzt gemessen an der Landfläche das Land mit der höchsten Dichte an Windkraftanlagen auf der Welt.

Für Solar könnte man die Rechnung in etwa genauso aufstellen, mit dem kleinen Pferdefuß, dass des nachts sowieso nie mit einer Stromproduktion zu rechnen ist. Aber auch bei einem massiven Ausbau, damit auch an bedeckten Sommertagen mehr Strom produziert werden kann, stellt sich bei klarem Himmel das gleiche Problem, wohin dann mit dem überschüssigen Strom? Diese Frage kann aktuell niemand beantworten. Es wird allenfalls auf Wasserstoff verwiesen, aber lässt sich eine Wasserstofferzeugung mit Abfallstrom wirtschaftlich darstellen?

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Der Berliner Klimaaktivist Professor Volker Quaschning jubelt auf Twitter. Portugal steigt früher aus der Verstromung von Kohle aus.

Was er aber verschweigt: 42% des Stroms bezieht Portugal aus Spanien (Stichtag 18.07.2020 Mittags). Und einen sehr großen Anteil am aktuellen Strommix von Portugal hat Erdgas, nämlich 35%. Ein Energieträger, den der selbsternannte Experte sonst eher weniger mag. Und zu guter Letzt erwähnt er auch nicht, dass Kohleverstromung mit einer Kapazität von 1,76 GW einen geringen Anteil an der Energieversorgung in Portugal hat/hatte. Selbst Pumpspeicherwerke haben mehr theoretische Kapazität in dem Land. Durch Windkraft könnte Portugal theoretisch mehr als 5 GW Strom gewinnen. Da aber auch gerade in Portugal kaum Wind weht, sind es gerade einmal 6% davon am 18.07.2020. Damit zeigt sich aber auch, dass die Hoffnung einiger Verfechter von Windkraft, dass irgendwo in Europa schon genügend Wind herrschen wird, und man dann ja Strom importieren und exportieren, leider trügt.

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Das Kieler Geomar-Institut ist staatlich und der wissenschaftlichen Neutralität verpflichtet. Umso überraschender war es, dass das Geomar am 29. Juni 2020 per offizieller Pressemitteilung ein neues Buch von Mojb Latif, der am Geomar tätig ist, bewarb:

Heißzeit – Schmilzt unser Planet wie Eis in der Sonne?

Neues Buch von Mojib Latif, ein Weckruf vor der nahenden Klimakatastrophe

29.06.2020/Kiel. Dass sich das Klima auf der Erde in den letzten Jahrzehnten immer schneller erwärmt, kann niemand bestreiten. Wie auch, dass menschliche Aktivitäten dafür der Hauptgrund sind. Klimaforscher wie Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel weisen schon seit Jahrzehnten darauf hin. In seinem neuen Buch „Heißzeit – Mit Vollgas in die Klimakatastrophe – und wie wir auf die Bremse treten“, dass heute erschienen ist, zeigt Professor Latif auch die Wege aus der Klimakrise auf.

Das Klima auf unserem Planeten war schon immer Schwankungen unterworfen. Prominente Beispiele sind das Entstehen und Vergehen von Eiszeiten. Doch was sich zurzeit auf unserem Planeten abspielt, ist nach Ansicht der Klimaforscher weltweit ohne Beispiel. Primär durch die bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehenden CO2-Emissionen steigt die Temperatur auf der Erde in einer bisher noch nie dagewesenen Geschwindigkeit, mit jetzt schon sichtbaren und zum Teil drastischen Folgen.

Dabei haben wir es selbst in der Hand, wie stark die vom Menschen verursachte Klimaänderung in Zukunft ausfallen wird. „Wenn wir jetzt rasch und konsequent handeln, kommen wir noch mit einem blauen Auge davon“, sagt Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der in seinem neuen Buch „Heißzeit – Mit Vollgas in die Klimakatastrophe – und wie wir auf die Bremse treten“ auch Lösungswege aus der Klimakrise aufzeigen will.

„Die Lösungsansätze existieren schon lange. Es sind in erster Linie die erneuerbaren Energien, die uns aus der Klimakrise führen können“, so Latif. Technisch sei dies kein Problem und innerhalb weniger Jahrzehnte umsetzbar. An den Geldmitteln für die notwendigen Investitionen mangele es der Welt nicht, wie Corona zeigen würde. „Die Menschheit muss es nur wirklich wollen, einen entsprechenden Plan entwickeln und ihn konsequent und zügig umsetzen“, so der Kieler Klimaforscher.

„Die Physik lässt nicht mit sich verhandeln. Mit der Natur kann man keine Kompromisse schließen. Schnelles Handeln ist nötig. Wir haben nur diese eine Erde. Es gibt keinen Planeten B, auf den wir zur Not ausweichen könnten“, so Prof. Latif. 

Mit seinem neuen Buch will er die Diskussion über die Klimaproblematik auf eine wissensbasierte Ebene zurückführen. Dabei geht es ihm weder um Verharmlosung noch um Panikmache. Die Fakten sprechen für sich. Latif stellt zudem die Klimakrise in gesellschaftliche Zusammenhänge. Das Thema werde würde mehr und mehr zum Spielball wirtschaftlicher und politischer Interessen. Die Diskussion über den Klimaschutz spalte inzwischen Gesellschaften, was keine guten Voraussetzungen für die Lösung des Klimaproblems schaffe. Mojib Latif sendet einen eindringlichen Appell, die Fakten endlich ernst zu nehmen. Ein letzter Weckruf!

Referenz:

Mojib Latif: Heißzeit – Mit Vollgas in die Klimakatastrophe – und wie wir auf die Bremse treten. 224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. 20.00 €. ISBN 978-3-451-38684-8 HERDER 2020.

Kontakt:

Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse(at)geomar.de

Ist es eigentlich gestattet, die institutseigene Presse-Infrasktruktur zur Bewerbung des eigenen privaten Buches zu nutzen? Spendet Latif vielleicht alle Einnahmen für einen guten Zweck? Würde das Geomar auch eine ähnliche Pressemitteilung für das neue Buch „Unerwünschte Wahrheiten“ herausgeben, um potentielle Leser hierfür zu gewinnen? Der endzeitlich, klimaalarmistische Ton der Pressemitteilung hat nun wirklich nichts mehr mit ausgewogener Wissenschaftsinformation zu tun. Zudem ist es schlichtweg falsch, dass dies „technisch kein Problem“ sei. Wie gut kennt sich der Meteorologe Latif eigentlich mit der technischen Seite der Erneuerbaren Energien aus? Ist ihm bewusst, dass wir momentan noch keinen wirtschaftlich arbeitenden Energiespeicher besitzen, der die riesigen Mengen an Energie speichern könnte, die zur Überbrückung der Launen von Sonne und Wind benötigt werden? Eine Kaufempfehlung für Latifs Buch können wir leider nicht aussprechen.