Richterurteil: Hausfriedensbruch durch Klimaaktivisten in Bank ist durch Klima-Notstand gerechtfertigt

Die NZZ mit einem Hintergrundartikel zum Thema Dürre sowie Busch- und Waldbrände in Australien. Wie eine sachliche Annäherung an das Thema aussehen kann, beweist der Artikel in schöner Weise.

„Ganz gleich, wie der Anteil des Klimawandels an der Dürre zu beurteilen ist: Will sich Australien für die Zukunft wappnen, kommt das Land auch um eine gründliche Revision des Waldmanagements nicht herum.“

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Ralf Fücks, ehemaliger grüner Politiker und Ex-Vorstand der grün-nahen Heinrich Böll Stiftung mit einem für einen Grünen sehr differenzierten Stück: Wie wir Klimaschutz, Demokratie und Marktwirtschaft unter einen Hut bekommen.

„Ein Teil der Klimabewegung vertritt einen Öko-Puritanismus, der Verzicht zur Tugend erhebt: Du sollst nicht fliegen, kein privates Auto besitzen, kein Fleisch essen, deinen Konsum einschränken. So richtig der Appell an die persönliche Verantwortung ist, so weltfremd ist die Vorstellung, der Klimawandel ließe sich durch die Abkehr von der Konsumgesellschaft aufhalten.“

„Angesichts der Belastungsgrenzen des Erdsystems bleiben uns zwei Quellen des Fortschritts, deren Grenzen nicht absehbar sind: Die Einstrahlung von Sonnenenergie auf die Erde und die menschliche Kreativität. Auf einer Kombination von beidem muss eine freiheitliche und nachhaltige Gesellschaft aufbauen.“

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Wir warten gespannt auf die erste Meldung, dass der Klimawandel dafür sorgt, dass die Leguane in Florida von den Bäumen fallen. Es ist das Wetter, eine ungewöhnliche Kälte, die den wechselwarmen Tieren in Florida zu schaffen macht. Kälte bis weit in den Süden der USA ist nichts Ungewöhnliches. Nordamerika hat keine Ost/West Gebirgsketten, die Rocky Mountains z. B. verlaufen von Nord nach Süd, und das macht es für Kaltfronten sehr einfach, bis weit nach Süden zu gelangen. Die Front wird aber in Kürze durch Wärme wieder abgelöst und bei 25 Grad werden die Echsen auch wieder munter. Professor Quaschning muss also keine CO2 Rechnung aufmachen: Wieviel Anteil hat Deutschland an den heruntergefallenen Leguanen in Florida?

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Windkraftanlagen (WKA) mindern den Wert einer Immobilie. Das RWI Leibniz Institut für Wirtschaftsförderung hat in einer Studie Wertverluste zwischen 7% und 23% für Immobilien festgestellt, die einen Abstand von bis zu 1 km von einer WKA haben. Fast 3 Millionen Verkaufsangebote wurden zwischen 2007 – 2015 analysiert.

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Aargauer Zeitung am 19.1.2020 (kostenpflichtig):

Interview: Strafrechtsprofessor kritisiert den Freispruch der Klimaaktivisten: «Diesen Richter müsste man entlassen»

Strafrechtler Marcel Niggli kritisiert, dass sich die Justiz vermehrt für das Gute statt für das Recht einsetze. Diese Entwicklung hält er für gefährlich und erinnert ihn an das Recht im Nationalsozialismus.

Marcel Niggli ist Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie der Universität Freiburg. Er sieht im Freispruch von zwölf Klimaaktivisten nicht nur ein Fehlurteil, sondern auch eine besorgnis­erregende Tendenz der Justiz.

Interview:

Ein Richter hat diese Woche Umweltaktivisten freigesprochen, die in einer Bank Tennis gespielt hatten. Der Hausfriedensbruch sei durch einen Notstand, den Klima-Notstand, gerechtfertigt. Wie beurteilen Sie dieses Urteil?

Marcel Niggli: Rechtlich ist es schlicht falsch. Der Richter hat nicht Recht ­betrieben, sondern Politik. Im Prinzip müsste man ihn entlassen.

[…]

Der Umgang mit dem Klimawandel ist eine staatliche Aufgabe, nicht eine individuelle. Wenn es zulässig wäre, zum Schutz von Gütern der Allgemeinheit Straftaten zu begehen, wäre alles zulässig. Jemand könnte Ihre Wohnung besetzen oder Ihre Hose wegnehmen mit dem Argument, er mache damit auf einen Missstand aufmerksam. Die Frage wäre dann nur noch, ob die Tat verhältnismässig wäre. Doch nicht einmal dies wäre im aktuellen Fall erfüllt. Oder können Sie mir erklären, wie man das Klima rettet, wenn man in einer Bankfiliale Tennis spielt?

Weiterlesen in der Aargauer Zeitung (kostenpflichtig). Siehe auch Artikel in der Basler Zeitung.

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SPON am 17.1.2020 (kostenpflichtig):

Ökologe Stephen Pyne im Interview: „Was Australien braucht, sind mehr Brände“

Der US-Ökologe Stephen Pyne erklärt, warum der Mensch wieder einen bewussten Umgang mit Feuer lernen muss – und warum bestimmte Brände auch segensreich sind.

[…]

SPIEGEL: Wie ist die außergewöhnliche Heftigkeit solcher Brände zu erklären?

Pyne: Seit mehr als einem Jahr erlebt Australien eine schwere Dürre – so etwas schürt beide Typen von Bränden: die bösartig-explosiven und die dauerhaft-unausrottbaren.

SPIEGEL: Wer ist schuld daran? Brandstifter? Klimawandel? Missmanagement?

Pyne: Wenn es so einfach wäre! Einige benutzen die Feuer, um ihre Klimawandelagenda zu stärken, andere wollen jetzt Brandstiftung verantwortlich machen. Das lenkt nur davon ab, dass es um systemische Probleme geht. 

Ganzen Beitrag auf SPON lesen.

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Im Wintersemester 2019/20 lief an der Uni Frankfurt/Main eine Vorlesung zum Paläo- und Neoklima von Prof. Christian-D. Schönwiese. Die pdfs der einzenen Veranstaltungen können sie auf der Uniwebseite kostenlos herunterladen. Viel Spass beim Studieren, es gibt viel zu entdecken:

1. Klimatologisch-statistische Grundlagen

2. Informationsquellen

3. Paläoklima bis zum Beginn des Quartärs

4. Paläoklima im Quartär – Pleistozän

5. Paläo- und historisches Klima im Holozän

6. Neoklima (global) – Beobachtungen und Ursachen

7. Neoklima (global) – Modellsimulationen

8. Neoklima – regionale Aspekte

9. Neoklima – Extremereignisse

10. Neoklima – Folgen für Eis und Meeresspiegel

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Am 26.1.2020 (Sonntag) wird in der DLF-Sendung „Zwischentöne“ der Klimaforscher Hans von Storch auftreten. Die Sendung beginnt um 13:30 Uhr.