Sonne hat ausgedient: Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie löscht unliebsamen Webeintrag

Von Hans-Jürgen Bandelt (Universität Hamburg)

Das Max-Planck-Institut (MPI) für Meteorologie in Hamburg hatte noch jüngst Modellrechnungen zitiert, die zumindest einen Teil der modernen Erwärmung mit solaren Schwankungen erklärte:

„Sie zeigen, dass in den letzten 100 Jahren durch den Anstieg in der Sonnenintensität ein Teil der beobachteten Erwärmung erklärt werden kann, allerdings mit etwa 0,2 Grad Celsius nur ungefähr ein Drittel. Die Sonnenvariabilität allein kann also nicht für den beobachteten Temperaturanstieg der letzten 100 Jahre verantwortlich sein

https://www.mpimet.mpg.de/kommunikation/fragen-zu-klima-faq/wurde-das-klima-der-juengsten-vergangenheit-von-der-veraenderten-sonneneinstrahlung-mitgepraegt/

Dieser Link funktionierte genau bis zum Freitag, den 8. November 2019, an dem Jochem Marotzke bei den Mathematikern auf ihrer „Herbsttagung 2019. Mathematik und Meteorologie“ im Geomatikum zu Hamburg einen Vortrag ablieferte und im Anschluß daran in der Diskussion mit dem voranstehenden Zitat konfrontiert wurde. Seine Reaktion war: Das sei ein altes Resultat und beziehe sich auf einen kürzeren Zeitabschnitt mit einer globalen Temperatursteigerung von 0,6 °C, so sagte er. Ganz weg ist er übrigens nicht, der Link, denn mit dem wörtlichen Zitat unter Google Suche wird er immer noch gefunden auf der MPI-Webseite – nur ist dort die Frage zum Anklicken gelöscht. Ersatzlos, denn so was fragt man nicht mehr.

Dafür findet man unter den Google-Ergebnissen dazu weitere, wo diese Aussage (fast) wörtlich steht. Da wird z.B. in dem Büchlein „Klima“ (2006, 2015 ) von M. Latif tatsächlich mit jenen 0,2 °C von gesamt 0,6 °C auf die 100 Jahre und den IPCC Bericht von 2001 explizit Bezug genommen. In dem von der Jungen Union (JU) Deutschland 2007 (beim Weiss-Verlag) herausgegebenen Buch „Umdenken. Für eine nachhaltige Klimapolitik“ behauptet M. Latif in seinem Beitrag auf S. 24:

Klimamodellsimulationen zeigen, dass durch den Anstieg der Sonnenintensität ein Teil der beobachteten Erwärmung erklärt werden kann, allerdings mit etwa 0,2°C nur ungefähr ein Viertel der Gesamterwärmung. Die Sonnenvariabilität allein kann also nicht für den beobachteten Temperaturanstieg von ca. 0,8°C verantwortlich sein, der überwiegende Anteil an der Erdwärmung ist vom Menschen verursacht. Dies ist Konsens in der internationalen Klimaforschung.

Der Update von 0,6 °C auf 0,8 °C erfolgt nunmehr ohne neue Modelläufe, also ohne die Sonne – sie hat ausgedient. Und wieder wurde der angebliche Konsens bemüht.

IPCC

Die ultimative Herkunft solcher Modellsimulationen, die also noch jüngst zitiert wurden, ist beim IPCC 2001 zu suchen. In jenem Bericht (Climate Change 2001: The Scientific Basis. Contribution of Working Group I to the Third Assessment Report) wagte man (unvorsichtigerweise) in der dortigen Figure 15 (vgl. unten) sogar, Modellsimulationen für die rein natürliche und die rein anthropogene Erwärmung den Beobachtungsdaten gegenüberzustellen. Zwischen 1860 und 1880 hätte demnach das natürliche Modell stets zu hohe Temperaturen (um bis zu 0.5 °C) geliefert, während das anthropogene Modell in dem Zeitraum eher richtig lag. Hatte der Mensch also durch seine Aktivitäten in jenem Zeitraum die Erde global gekühlt? Oder haperte es da gewaltig mit der Modellierung natürlicher Klimaschwankungen?

Quelle: IPCC Climate Change 2001: Synthesis Report – Summary for Policymakers

Kein geringer als der Theoretische Physiker und Mathematiker Freeman Dyson sagte in einem Interview (Princeton, New York – May 2016) auf die Frage, warum es gefährlich sei, an die Computermodelle zu glauben:

Because they are wrong! It’s very simple, they are wrong and still people believe them!

 Und worauf er seine Meinung stütze, antwortete er:

They disagree with the observations. And nature ought to be the deciding voice. The observations should always tell you in the end who is right and who is wrong. Those people don’t look at these observations. They are in a world of their own.

Paläoklima

Wer das Klima vergangener Zeiten nicht kennt und nicht versteht, soll nicht über das künftige Klima fabulieren. Das Klima ist zu komplex, um es allein den Physikern und Meteorologen zu überlassen. Paläoklimatologen hätten da ein Wort mitzureden, denn globale zyklische Klimaänderungen sind nicht zu leugnen und müßten in alle Klimamodelle eingehen. Der Blick des Weltklimarates hat sich jedoch in den letzten 20 Jahren immer mehr auf den Ausstoß von CO2 verengt.

Die Aussage des Meteorologen Sven Plöger in seinem Oldenburger Vortrag (laut Bericht von Timo Ebbers in der NWZ vom 16.11.2019, S.9), daß die globale Temperatur vor 11.000 Jahren (am Anfang der Warmzeit) bis vor 100 Jahren um 4 °C gestiegen sei, ist höchst irreführend. Denn diese dient der Gegenüberstellung zum scheinbar relativ großen Temperaturanstieg von 1 °C der nachfolgenden 100 Jahre. Dabei war es doch vor 10.000 Jahren bereits so warm wie etwa in den Jahren 1850 bis 1920. Hingegen war die Temperatur zur größten Vereisung vor rund 20.000 Jahren um 15 °C niedriger als vor 10.000 Jahren. Die anfängliche Erwärmung erfolgte holterdiepolter in kräftigen Oszillationen (Bølling-Allerød) und anschließender drastischer Abkühlung (Jüngeres Dryas). Der schließliche Temperaturanstieg war am heftigsten genau am Ende der Eiszeit (so um die Zeit vor 11.670 Jahren)  mit 9 °C (!) innert 160 Jahren (in Grönland). Das ist gemittelt mehr als fünfmal so schnell, wie die Erwärmung der vergangenen 100 Jahre ablief. Und das kann jeder bei Dierk Hebbeln (MARUM Bremen) in dem Buch „Das Eis der Erde“ (aus der Serie „Warnsignal Klima“) nachlesen. Selbst wenn es andernorts weniger extrem ablief, wird die damalige Temperatursteigerung schneller gewesen sein als die heutige.

Abrupte Klimaänderungen fanden nicht nur in der Eiszeit sondern auch in unserer jetzigen Warmzeit statt. Die globale Misox-Schwankung vor 8250 bis 8050 Jahren begann mit einem Temperatursturz von 3 °C in weniger als 20 Jahren und endete mit einer schnellen Steigerung von mehr als 3° C (in Grönland). Das leugnet selbst Wikipedia nicht und sollte erst recht ein Fernsehmeteorologe, der die Welt retten will, wissen. Aber warum ignoriert er abrupte natürliche Klimaveränderungen und schürt Panik vor einer drohenden Apokalypse mit unlauteren Vergleichen?

Auf diese Frage wußte schon zuvor Freeman Dyson die Antwort:

I don´t say they are dishonest but I think they are inevitably influenced by the fact that they live by scaring the public. If they do not scare the public they wouldn’t get support from the government.