Kampf um die IPCC-Führung: Anfang Oktober 2015 wird in Dubrovnik der neue Chef des Weltklimarats gewählt

Um den IPCC-Chefsessel ist ein Kampf entbrannt. Fünf Kandidaten streiten sich um die Leiterrolle, wie der Klimaretter berichtet:

Fünf profilierte Klimawissenschaftler bewerben sich um den Vorsitz des Weltklimarates. Der neue IPCC-Chef soll im Oktober [5.-8.10.2015] in Dubrovnik in Kroatien gewählt werden. Während vier Bewerber seit Jahren im Vorstand des wissenschaftlichen Gremiums tätig sind und ähnliche Ziele erfolgen, will ein Außenseiter frischen Wind in die Arbeitsweise des IPCC bringen.

Mittlerweile ist sogar noch ein sechster Kandidat dazugekommen. Um welche “profilierten” Klimawissenschaftler handelt es sich? Bringen sie mehr Fachwissen mit als der unehrenhaft entlassene Eisenbahningenieur Rajendra Pachauri, der die (Miss-) Geschicke der Organisation lange Jahre lenkte? Hier die Kandidaten:

Hoesung Lee (Südkorea): Wirtschaftswissenschaftler und IPCC-Vizechef. Der Klimaretter nennt die Schwerpunkte von Lee:

Er will stärker Wissenschaftler aus Entwicklungsländern einbinden und die Informationsbasis der Berichte auf die Wirtschaft, die Industrie und das Finanzwesen ausweiten. Besonderes Augenmerk will der Koreaner mit seiner Kandidatur auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Verbesserung der Gesundheit, den Zugang zu Energie und den Abbau von Armut legen.

Alles tolle Ziele. Aber hat Herr Lee da nicht etwas vergessen? Geht es nicht um das Verständnis des Klimasystems, die Erklärung von ungelösten Punkten? Ganz oben auf der Liste: Weshalb können die Klimamodelle die Mittelalterliche Wärmeperiode nicht reproduzieren? Das räumt der IPCC sogar selber in seinem letzten Bericht kleinlaut ein. Dieselben Modelle, die hier versagen, werden dann ohne mit der Wimper zu zucken für Klimamodellierungen bis 2100 verwendet. Werden die Wissenschaftler aus den Entwicklungsländern dieses Thema endlich anpacken? Oder geht es um die Schaffung von Arbeitsplätzen von Klimawissenschaftlern? Gesundheitskarte für alle Bürger der Erde? Gute Idee, hat aber nichts mit dem Klima zu tun. Zugang zu Energie? Mit Solarkraft allerdings nur tagsüber.

Chris Field  (USA): derzeit Vorsitz der IPCC-Arbeitsgruppe 2. Er will die Sachstandsberichte schärfen. Was auch immer das heißen soll.

Jean-Pascal Ypersele (Belgien): Der Belgier findet nichts Schlimmes daran, von Greenpeace Geld für Studien anzunehmen und gleichzeitig als IPCC-Offizieller tätig zu sein. Mit Interessenskonflikten hatte bereits ex-Chef Pachauri zu kämpfen. Die enge Verflechtung führender Klimaforscher mit Ökoaktivistengruppen wird immer mehr zum Problem für den IPCC. So es hatte der WWF geschafft, eine ganze Reihe von Vertretern in die Autorenschaft des Klimaberichts einzuschleusen. Eigentlich war der IPCC urprünglich als unabhängiges “Schiedsrichtergremium” gebildet worden, was durch die Aktivistenbeteiligung letztendlich ad absurdum geführt wurde.

Thomas Stocker (Schweiz): Stocker verschwendet in der Regel keine Zeit mit der Diskussion unbequemer Fakten (siehe “IPCC-Berichts-Chef Thomas Stocker zeigt im Weltwoche-Interview unerklärliche Gedächtnislücken: Die Gesprächsanalyse“) und hat für Pannen stets Sündenböcke parat (siehe “IPCC-Berichts-Chef Thomas Stocker gibt Klimaskeptikern die Schuld an missglücktem IPCC-Berichts-Launch“). Damit passt Stocker vermutlich genau auf die Stellenbeschreibung.

Nebojša Nakićenović (Montenegro): Will frischen Wind in den IPCC bringen. Aber aus welcher Richtung?

Ogunlade Davidson (Sierra Leone): Kam noch ganz zum Schluss als Kandidat dazu. Ogunlade wurde durch das Ministry of Transport und Aviation von Sierra Leone nominiert. Als ehemaliger Minister für Energie braucht Davidson jetzt dringend einen neuen Job.

Die aktuelle Liste der Nominierungen kann man auf der IPCC-Webseite einsehen. Dort findet sich auch eine riesige Liste anderer Kandidaten für weitere IPCC-Stellen, deren Namen jedoch ziemlich unbekannt sind.

 

Bundesregierung verfälscht UN-Klimabericht: IPCC entlarvt die deutsche Ökostrom-Förderung als nutzlos

Die deutsche Energiewende läuft immer mehr aus dem Ruder. Die Politik wird zunehmend nervöser und versucht unvorteilhafte Einschätzungen möglichst aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Nicht auszudenken, falls es zur offenen Revolution der Bevölkerung gegen die teure und fragwürdige Maßnahme kommen sollte. Offenbar wird es nun sogar so eng, dass staatliche Stellen auch vor inhaltlicher Verfälschung und regelrechter Manipulation nicht mehr zurückschrecken, wie Daniel Wetzel in einem Artikel in der Welt vom 18. Mai 2014 berichtet. Ein unglaublicher Vorgang, der zu Konsequenzen in den beteligten Stellen haben muss:

Die dreiste Berichtsfälschung der Klimatrickser

Der UN-Klimaschutzbericht entlarvt die deutsche Ökostrom-Förderung als nutzlos. Das hat niemand gemerkt. Denn die Regierung hat die Aussagen in der offiziellen Zusammenfassung grob verfälscht.

Die deutschen Verbraucher haben erneuerbare Energien zwar mit dreistelligen Milliardensummen subventioniert. Doch dem Klimaschutz hat das nichts gebracht. So steht es sinngemäß, aber recht deutlich im jüngsten Klimaschutzbericht der Vereinten Nationen, der im April der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Gemerkt hat das bislang freilich niemand. Einer der Gründe dafür ist recht simpel: Die Bundesregierung hat den Befund der UN-Forscher in der offiziellen deutschen Zusammenfassung (“Kernbotschaften”) schlicht unterschlagen. Weitere peinliche Passagen aus dem UN-Dokument wurden in der Zusammenfassung fast in ihr Gegenteil verkehrt.

[...]

235 führende Wissenschaftler aus 58 Ländern vier Jahre lang intensiv Gedanken gemacht. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hörte denn auch aufmerksam zu, als IPCC-Chef Rajendra Pachauri und der Co-Vorsitzende der zuständigen IPCC-Arbeitsgruppe III, Ottmar Edenhofer, die Ergebnisse am 14. April im Auditorium Maximum der Technischen Universität Berlin vorstellten. Nur: Zu einer tieferen Analyse des mehrere Tausend Seiten starken UN-Berichts reichte es bei der Präsentation natürlich nicht. Allein die “Technical Summary” umfasst 99 Seiten komplizierter Wissenschaftslyrik in Englisch. Und auch die vom IPCC gelieferte englischsprachige “Zusammenfassung für Entscheidungsträger” blieb mit einem Umfang von 33 Seiten für Politiker mit eng getaktetem Terminplan noch eine Herausforderung.

Umso dankbarer nahmen es da Journalisten, Referenten und Umweltgruppen auf, dass die für den Klimaschutz zuständigen deutschen Bundesministerien und Behörden eine mit vier Seiten recht übersichtliche Zusammenfassung der “Kernbotschaften” des IPCC-Berichts zur Verfügung stellten. Verantwortlich für die deutsche Zusammenfassung zeichneten gleich vier hochmögende Institutionen: Federführend das Umweltministerium, beteiligt sind ferner die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle in Bonn, das Umweltbundesamt in Dessau und das Bundesministerium für Forschung und Bildung. Das Papier, sollte man meinen, ist für die Interpretation der IPCC-Befunde eine seriöse Quelle. Dass die ministerielle Zusammenfassung dem Originaltext in wichtigen Punkten nicht entspricht, ahnte niemand.

Weiterlesen auf welt.de

Über das klimaalarmistisch geprägte Weltbild des Umweltbundesamtes (UBA) hatten wir an dieser Stelle bereits mehrfach berichtet (“Einseitiges Klima im Umweltbundesamt: Was steckt dahinter?“, “Abenteuerliches Kinderbuch vom Umweltbundesamt eignet sich nicht als Gute-Nacht-Geschichte“, “Dubiose Klimabroschüre des Umweltbundesamtes geht nach hinten los: Fach- und Medienwelt sind entsetzt“). Da wundert es wenig, dass das UBA auch hier wieder seine Finger mit im Spiel hat.

 

Siehe auch Artikel "Bundesregierung verfälscht UN-Klimabericht" in der Berliner Morgenpost sowie "Der verschwiegene Klimapolitik-Skandal" in der FAZ.

 

PIK’s Ottmar Edenhofer hat Post bekommen: Klimaökonom Robert Stavins bemängelt Interessenskonflikte bei der Erstellung der IPCC-Berichts-Zusammenfassung

Robert Stavins ist Professor für Umwelt-Ökonomie an der renommierten Harvard Universität im US-amerikanischen Cambridge. Stavins war als Leitautor maßgeblich an der Erstellung des 5. Klimaberichts des IPCC beteiligt. In einem Brief an den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe III des IPCC, Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), beklagte sich Robert Stavins am 25. April 2014 in seinem Blog An Economic View of the Environment über fragwürdige Änderungen im Zusammenfassungstext des Berichts, die von Nichtwissenschaftlern hinter verschlossenen Türen vorgenommen wurden. Das praktizierte IPCC-System ist laut Stavin ungeeignet, da die Regierungsvertreter von den jeweiligen Staatsinteressen gelenkt seien und Interessenskonflikte unvermeidbar wären. Lange Textpassagen der Wissenschaftler wurden in nächtlichen Hauruck-Aktionen einfach gestrichen, da keine Einstimmigkeit der vielen beteiligten Ländervertreter erzielt werden konnte.

Stavin stellt absurde Verfahrensweisen des IPCC an den Pranger, die das System als ungeeignet entlarven und die Zusammenfassungen der IPCC-Klimaberichte in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Bereits in unserem Buch “Die kalte Sonne” hatten wir die Interessenskonflikte zwischen Politik und Wissenschaft im IPCC-Betrieb kritisiert. Mit Stavin bestätigt nun ein Insider des IPCC diese Systemschwäche.

Im Folgenden geben wir Robert Stavins Schreiben in voller Länge im englischen Original wieder. Besonders wichtige Passagen haben wir fett markiert:

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From: Stavins, Robert
Sent: Thursday, April 17, 2014 4:06 PM

TO: Ottmar Edenhofer, Co-Chair, Working Group III, AR5, IPCC
Ramon Pichs-Madruga, Co-Chair, Working Group III, AR5, IPCC
Youba Sokona, Co-Chair, Working Group III, AR5, IPCC

CC:  Rajendra Pachauri, Chairman, IPCC
Jan Minx, Head of Technical Support Unit, Working Group III

FROM:   Robert Stavins

 SUBJECT:  Thoughts on the Government Approval Process for SPM.5.2 (International Cooperation) of the Summary for Policymakers of Working Group 3, Fifth Assessment Report, Intergovernmental Panel on Climate Change

Dear Ottmar, Ramon, and Youba:

I am writing to you today to express my disappointment and frustration with the process and outcome of the government approval meetings in Berlin this past week, at which the assembled representatives from the world’s governments, considered and, in effect, fundamentally revised or rejected parts of the Summary for Policymakers (SPM) of IPCC Working Group 3 over a period of five long days (and nights).  My focus in this letter is exclusively on one section of the SPM, namely SPM.5.2, International Cooperation.  I am not representing nor referring to any other parts of the SPM.

Also, none of what I have to say should be taken as reflecting negatively on you (the Co-Chairs of Working Group 3), the WG 3 Technical Support Unit (TSU), nor the overall leadership of the IPCC.  On the contrary, I thought that all of you did a remarkable job over the five years of work on AR5, as well as during the week in Berlin.  The problems about which I’m writing arose despite, not because of your excellent leadership and support.

More broadly, the problems I identify in this letter are not a consequence of personal failings of any of the individuals involved.  My intent is not to criticize the country representatives, the IPCC leadership, the TSU, the Lead Authors, or the Coordinating Lead Authors.  The problems I seek to identify are structural, not personal.

Further, as Co-Coordinating Lead Author (CLA) of Chapter 13 (International Cooperation:  Agreements and Instruments) of the underlying report, I had primary responsibility – together with my Co-Coordinating Lead Author, Dr. Zou Ji – for drafting the text for Section SPM.5.2 (International Cooperation) of the SPM, and nothing in this letter should implicate Zou Ji, for whom I have great respect and with whom I have enjoyed working.  He may or may not share any of the views I express below.

Another caveat is that none of the problems I describe in this letter apply to either the Technical Summary nor the underlying Chapter 13.  Indeed, because of the problems with Section SPM.5.2 on international cooperation in the SPM, it is important that interested parties refer instead to the Technical Summary, or better yet, the original Chapter 13.

In this letter, I will not comment on the government review and revision process that affected other parts of the SPM, other than to note that as the week progressed, I was surprised by the degree to which governments felt free to recommend and sometimes insist on detailed changes to the SPM text on purely political, as opposed to scientific bases.

The general motivations for government revisions – from most (but not all) participating delegations – appeared to be quite clear in the plenary sessions. These motivations were made explicit in the “contact groups,” which met behind closed doors in small groups with the lead authors on particularly challenging sections of the SPM. In these contact groups, government representatives worked to suppress text that might jeopardize their negotiating stances in international negotiations under the United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC). (weiterlesen …)

Ehemaliger IPCC-Klimawissenschaftler Richard Tol gibt Insider-Einblick in die fragwürdige Arbeitsweise des Weltklimarats

Anfang April 2014 hatten wir an dieser Stelle über den angesehenen Klimawissenschaftler Richard Tol berichtet, der den IPCC verlassen hatte, da er die alarmistische Berichterstattung nicht mehr mittragen wollte. In seinem Blog beschrieb Insider Tol am 25. April 2014 die strukturellen Schwächen des IPCC. Richard Tols Bericht erlaubt einen seltenen Einblick in eine geheimnisvolle Organisation, die sich nach außen stets als vollkommen transpararent, integer und wissenschaftlich ergebnisoffen darstellt. Nach Lektüre der Zeilen wird hoffentlich auch der letzte Zweifler nachdenklich. Im Folgenden erlauben wir uns, Tols Text in voller Länger in englischer Originalversion wiederzugeben.

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IPCC again

By Richard Tol

In September 2013, I stepped down from the team that prepared the draft of the Summary for Policy Makers to the Fifth Assessment Report (AR5) of Working Group II of the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). This attracted worldwide media attention in April 2014. Regrettably, the story of AR5 became the story of a man. I have been involved with the IPCC since 1994, fulfilling a variety of roles in all three working groups. After the debacle of AR4 – where the Himalayan glacier melt really was the least of the errors – I had criticized the IPCC for faulty quality control. Noblesse oblige – I am the 20th most-cited climate scholar in the world – so I volunteered for AR5. The Irish government put my name forward only to withdraw its financial commitment when I was indeed elected. The necessary funding could have easily been freed up if the Irish delegation to the international climate negotiations and the IPCC would trim its luxurious travel arrangements.

As a Convening Lead Author of one of the chapters, I was automatically on the team to draft the Summary for Policy Makers (SPM). AR5 is a literature review of 2,600 pages long. It assesses a large body of scholarly publication. In some places, the chapters are so condensed that there are a few words per article in the learned literature. The SPM then distills the key messages into 44 pages – but everyone knows that policy and media will only pick up a few sentences. This leads to a contest between chapters – my impact is worst, so I will get the headlines.

In the earlier drafts of the SPM, there was a key message that was new, snappy and relevant: Many of the more worrying impacts of climate change really are symptoms of mismanagement and underdevelopment. This message does not support the political agenda for greenhouse gas emission reduction. Later drafts put more and more emphasis on the reasons for concern about climate change, a concept I had helped to develop for AR3. Raising the alarm about climate change has been tried before, many times in fact, but it has not had an appreciable effect on greenhouse gas emissions. I reckoned that putting my name on such a document would not be credible – my opinions are well-known – and I withdrew.

The SPM, drafted by the scholars of the IPCC, is rewritten by delegates of the governments of the world, in this case in a week-long session in Yokohama. Some of these delegates are scholars, others are not. The Irish delegate, for instance, thinks that unmitigated climate change would put us on a highway to hell, referring, I believe, to an AC/DC song rather than a learned paper. Other delegations have a political agenda too. The international climate negotiations of 2013 in Warsaw concluded that poor countries might be entitled to compensation for the impacts of climate change. It stands to reason that the IPCC would be asked to assess the size of those impacts and hence the compensation package. This led to an undignified bidding war among delegations – my country is more vulnerable than yours – that descended into farce when landlocked countries vigorously protested that they too would suffer from sea level rise. (weiterlesen …)

IPCC rudert beim klimabedingten Artensterben zurück: Zweifel an bislang verbreiteten Vorhersagen

Der 2. Teil des IPCC-Klimaberichts ist Ende März 2014 veröffentlicht worden. Darin finden sich einige interessante Neubewertungen, die so gar nicht in das sonst für den IPCC so übliche Katastrophenszenario passen wollen. Axel Bojanowski berichtet kurz vor der Präsentation des Berichts auf Spiegel Online über eine unerwartete Kehrtwende:

Geheimer Uno-Report: Klimarat zweifelt an Prognosen zum Artensterben
Verursacht die Erderwärmung ein globales Artensterben? Der Uno-Klimarat ist sich da nicht mehr sicher: Nach SPIEGEL-Informationen sät er im Entwurf seines neuen Reports erstaunlich große Zweifel an seinen bislang verbreiteten Vorhersagen.
Der Uno-Klimarat IPCC zieht seine bisherigen Prognosen eines Artensterbens überraschend stark in Zweifel. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. Dem geheimen Berichtsentwurf des IPCC zufolge, dessen zweiter Teil Ende März veröffentlicht werden soll, rechnet der IPCC zwar weiterhin mit dem Risiko, dass zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der Klimaerwärmung zum Opfer fallen könnten. Andererseits distanzieren sich die Wissenschaftler von ihren Prognosen: “Es besteht sehr geringes Vertrauen darin, dass die Modelle das Aussterberisiko derzeit akkurat vorhersagen”, zitiert der SPIEGEL aus dem Report.

Weiterlesen auf spiegel.de (in englischer Sprache hier). Den entsprechenden Artikel “Unsicheres Orakel” aus der zitierten Spiegel-Printausgabe können Abonnenten hier einsehen.

So richtig überraschend kommt dies nicht. Man erinnere sich an seinen Biologie-Schulunterricht: Das artenreichste Habitat ist der warme, tropische Regenwald. Bereits im April 2013 hatten wir an dieser Stelle berichtet: “Ökosysteme reagieren auf Klimaerwärmung durch Zunahme der Artenvielfalt“.

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Bleiben wir noch eine Weile beim neuen IPCC-Werk. Im März 2013 sollten die Autoren ihre letzte Fassung beim IPCC einreichen, um den Begutachtungsprozess einzuleiten. An dieser Stelle sollte eigentlich nichts mehr zu den Kapiteln hinzugefügt werden, lediglich Fehler sollten korrigiert werden.

Donna Laframboise hat sich das begutachtete Endresultat angeschaut und fand Überraschendes: Sie fand mysteriöse Literaturzitate von Arbeiten, die erst viele Monate nach dem März-2013 Abgabeschluss erschienen sind:

For example, Chapter 7 examines the impact climate change might have on humanity’s food supplies. A leaked copy of this chapter can be downloaded here.

  • on page 6, the Licker et al., 2013 study is cited twice; it didn’t appear in a scientific journal until July 2013.
  • p. 10 relies on Zhu et al. – published in Sept. 2013
  • p. 11, Koehler et al. – published in Aug. 2013
  • p. 11, Asseng et al. – published in Sept. 2013 (online in June)
  • p. 15. Glenn et al. – published in Nov. 2013
  • p. 22, Muller et al. – published Jan. 2014 (online in Dec. 2013)
  • p. 23, Glenn et al. – published in Nov. 2013
  • p. 26, Kiselev et al. – published Oct. 2013
  • p. 27, Nelson et al. is cited twice – published in Jan 2014 (online in Dec. 2013)
  • p. 31, Stathers et al. – published June 2013
  • p. 32, Ghahramani & Moore paper is cited twice – published in Aug. 2013
  • p. 38 Coumou et al. is cited twice – published June 2013
  • p. 38 Hughes et al. – published July 2013 (online in June)
  • p. 38 Dunne et al. – published June 2013 (online in Feb.)
  • p. 39 Reichstein et al. – published Aug. 2013

Siehe Donna Lamframboises Artikel “Bleeding Edge Research in the New IPCC Report” in ihrem Blog No Frakking Consensus.

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Der neue IPCC-Bericht enthält eine weitere wichtige Neubewertung: Die im berühmten Stern-Bericht veranschlagten Klimafolgeschadenskosten sind deutlich zu hoch angesetzt worden. The Conversation erläuterte am 2. April 2014:

IPCC report shows Stern inflated climate change costs
How much does climate change cost? What will be the impact on our wallets? The latest report from the Intergovernmental Panel on Climate Change’s (IPCC) Working Group II has concluded that global warming of 2.5˚C would cost the equivalent to losing between 0.2-2.0% of annual income. This seems in sharp contrast to the Stern Review of the Economics of Climate Change, which found it would cost 5-20%. How can that be?

Weiterlesen auf theconversation.com.

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Auch Peter Heller hat sich den 2. Teil des IPCC-Berichts näher angeschaut und ist auf seltsame Dinge gestoßen, wie er im Science Skeptical Blog berichtete: (weiterlesen …)

IPCC in Bedrängnis: Wissenschaftler wollen die Alarmismus-Masche nicht mehr mittragen

Die Offshore Windindustrie in Deutschland hat es nicht leicht. Meereskabel und Stromtrassen fehlen, um den teuer aufgebauten Windstrom zu den Kunden zu bringen. Da sucht man nun händeringend nach Gründen, warum die eigene Branche unverzichtbar ist. Da kommt die Klimakatastrophe wie gerufen. Die Gleichung ist einfach: Ohne Windkraft wird uns die Klimaapokalypse den Gar ausmachen. Bereits am 20. März 2014, elf Tage vor Veröffentlichung des neuen Weltklimarats-Werkes, berichtete die Offshore Windkraftinternetplattform w3.windmesse.de über die angeblichen Inhalte des 2. Bandes des neuen IPCC-Klimaberichts:

UNO-Bericht: Klimawandel wesentlich desaströser als bisher bekannt
Neuer Bericht zeichnet ein verheerendes Bild, wenn der Klimawandel weiter fortschreitet: Bereits Ende dieses Jahrhunderts könnten hunderte Millionen von Menschen ohne Heimat sein, gewaltsame Konflikte ausbrechen und die globale Wirtschaft zusammenbrechen. Die britische Zeitung ‘The Independent’ berichtet vorab von den Ergebnissen des Berichts. Demnach wird es im Lauf dieses Jahrhunderts vermehrt zu Massenfluchten kommen. Besonders betroffen von dieser Entwicklung wird der dicht bevölkerte südöstliche und südliche Teil Asiens sein. Der Ertrag aus den Ernten weltweit wird dramatisch sinken, was wiederum zu Hungerkatastrophen und kriegerischen Auseinandersetzungen um die verbliebenen Rohstoffe führt. Durch den Klimawandel werden sich außerdem Naturkatastrophen häufen. Der Meeresspiegel und mit ihm die Gefahr von Überschwemmungen steigt. Auch Dürreperioden und Waldbrände werden häufiger vorkommen und mehr Opfer als heutzutage fordern. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Asien und Afrika, auch die westliche Welt wird unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden haben: Die Kulturlandschaften des Westens werden sich verändern: So trocknen zum Beispiel Hochmoore aus, viele Pflanzen- und Tierarten werden infolge dessen aussterben.

(Besser nicht) weiterlesen auf w3.windmesse.de. Hören Sie auch einen schaurig-gruseligen Beitrag des SRF zum neuen Bericht, dem Haus- und Hofsender des IPCC.

Sodom und Gomorrha. Aber leider alles falsch. Wir haben hier in der Vergangenheit ausführlich berichtet. Hier wird offenbar von einer Industrie ein Thema in unzulässiger Weise instrumentalisiert, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Wie sieht es nun wirklich aus? Spiegel Online führt auf die richtige Spur und berichtete eine Woche später, am 26. März 2014:

Angebliche Panikmache: Führender Forscher verlässt Spitze des Welt-Klimarats
Im japanischen Yokohama verhandeln Wissenschaftler und Politiker über die letzte Fassung des Welt-Klimareports, dessen zweiter Teil am Montag veröffentlicht werden soll. Nun gibt es Streit. Der renommierte Umweltökonom Richard Tol von der University of Sussex in Großbritannien scheidet aus der Gruppe aus,die den Klimareport zusammenfassen soll, unter Protest: Er trete als Autor der Zusammenfassung des Klimaberichts zurück, bestätigt Tol gegenüber SPIEGEL ONLINE. Das Resümee des Uno-Berichts “driftet Richtung Alarmismus”, meint der Forscher. [...] Ein “dämliches Statement” im Report sei die Feststellung, dass Menschen in Kriegsgebieten besonders durch den Klimawandel gefährdet seien. “Ich schätze aber, dass Leute in Syrien Chemiewaffen mehr fürchten als die Erwärmung”, sagt Tol. [...] [Bob Ward und Richard Tol] streiten seit Jahren um die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Ward neigt zu pessimistischen Szenarien, etwa dem sogenannten Stern-Report des britischen Regierungsberaters Nicholas Stern von 2006, der mutmaßte, der Klimawandel könne ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung auffressen. Tol hat die Annahmen immer wieder kritisiert. Im geheimen Entwurf des neuen Uno-Klimareports, der SPIEGEL ONLINE vorliegt, werden die Annahmen deutlich nach unten korrigiert. Der IPCC prognostiziert demnach nur noch rund ein Zehntel der Wirtschaftsverluste, die der Stern-Report befürchtet. In der Zusammenfassung des Klimareports jedoch werden nach Ansicht Tols weiterhin zu hohe Risiken betont. “Das ist eine verpasste Gelegenheit”, sagt Tol.

Auch die FAZ berichtete über die unzumutbare Situation: (weiterlesen …)

Untersuchung des britischen Energie- und Klimawandelausschusses zum 5. Klimazustandsbericht des IPCC

Von Marcel Crok

Das UK Energy and Climate Change Committee hat jeden mit Interesse am AR 5 des IPCC eingeladen, Antworten auf eine lange Liste von Fragen einzusenden. Der letzte Termin hierfür ist nun verstrichen, und viele Kommentatoren haben ihre Beiträge jetzt veröffentlicht (Richard Tol, Paul Matthews, Mike Haseler, Nic Lewis). Da früher oder später ohnehin alle Einsendungen veröffentlicht werden, habe ich mich entschlossen, dies auch zu tun (kann hier als pdf heruntergeladen werden):

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Untersuchung des Energy and Climate Change Committees zum 5. Klimazustandsbericht des IPCC
Schriftliche Eingabe von Marcel Crok

Laufbahn und Begründung meines Interesses

Ich bin ein niederländischer, in Amsterdam ansässiger selbständiger Wissenschaftsautor. Seit 2005 habe ich mich auf die Debatte um die globale Erwärmung konzentriert. Als Herausgeber der niederländischen Monatszeitschrift Natuurwetenschap & Techniek (jüngst wurde daraus die holländische Ausgabe des New Scientist) habe ich im Jahr 2005 einen langen und kritischen Artikel über den infamen Hockeyschläger geschrieben, wobei ich mich maßgeblich auf die Kritik von Stephen McIntyre und Ross McKitrick bezogen habe. Vieles in diesem Artikel Beschriebene tauchte in den Klimagate-E-Mails wieder auf.

Im Jahre 2010 habe ich ein kritisches Buch veröffentlicht, das sich mit dem dritten und vierten Zustandsbericht des IPCC (TAR und AR 4) befasste. Das holländische Ministerium für Infrastruktur und Umwelt hat mir dann Mittel zukommen lassen für eine kritische Begutachtung des AR 5 als Experten-Begutachter.

Seit Klimagate bin ich sehr für eine konstruktivere Wechselwirkung zwischen Klimawissenschaftlern mit entgegen gesetzten Ansichten. Ende 2012 hat dieses holländische Ministerium eine internationale Diskussions-Plattform finanziert, nämlich www.ClimateDialog.org, die konstruktive Dialoge zwischen Klimawissenschaftlern mit anderen Standpunkten organisiert. Dies wurde von den führenden holländischen Klimainstituten KNMI und PBL sowie von mir selbst mit Leben erfüllt [1]. Wir decken kontroverse Themen ab und laden Wissenschaftler ein, die eine ganze Bandbreite von Ansichten repräsentieren.

Im Jahre 2013 war ich Ko-Autor meiner ersten wissenschaftlich begutachteten Studie, in der eine europäische Temperaturverschiebung im Jahre 1988 beschrieben wird.

Wie belastbar sind die Ergebnisse im AR 5-Bericht hinsichtlich der physikalischen wissenschaftlichen Grundlagen?

Die Antwort auf diese Frage ist m. E. nicht Gegenstand dieser Erhebung. Allerdings bietet Ihre eigene Introduction eine gute Gelegenheit, sich damit zu befassen. Sie schrieben: „Laut Bericht ist es ‚extrem wahrscheinlich, dass der menschliche Einfluss der dominante Grund für die seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachtete Erwärmung ist‘. Aber die untere Grenze der wahrscheinlichen Klimasensitivität wurde reduziert, und zum ersten Mal wurde auch keine beste Schätzung davon veröffentlicht, weil es dazu keine Übereinstimmung gab“.

Es ist gut, dass Sie auf dieses offensichtliche Paradoxon hingewiesen haben. Der AR 5 selbst konzentrierte sich auf die 95%-Sicherheit, dass die Menschen den Hauptteil (>50%) an der Erwärmung seit 1950 haben. Die meisten Medien machten dies zu einer wichtigen Nachricht über den AR 5 und schrieben ‚wie viel zusätzliche Sicherheit braucht man denn noch, bevor Maßnahmen ergriffen werden?‘.

Allerdings ist diese Interpretation der 95%-Behauptung irreführend. In gewisser Hinsicht ist die 95%-Behauptung des AR 5 (der selbst auch das Ergebnis einer Experten-Beurteilung ist und keine Art mathematischer Berechnung enthält) ein Kinderkram.

Um dies zu verstehen, konzentrieren wir uns auf diesen anderen wichtigen Parameter, die Klimasensitivität. Vor kurzem wurden viele Studien veröffentlicht, in denen die Klimasensitivität aus gemessenen Daten seit 1850 abgeleitet worden ist. Diese Studien legen nahe, dass nahezu die gesamte Erwärmung seit 1850 aufgrund von Treibhausgasen erfolgt ist. Danach kommen diese Studien zu einer besten Schätzung der Klimasensitivität von 1,5 bis 2,0°C, was deutlich unter dem Wert von 3,0°C des IPCC in allen seinen bisherigen Zustandsberichten liegt. (weiterlesen …)

Nicola Scafetta in Earth Science Reviews: Die Hälfte der Erwärmung der letzten Jahrzehnte wurde durch einen natürlichen Zyklus hervorgerufen

Vor einigen Wochen ging mal wieder der Extremwetterkongress in Hamburg über die Bühne. Mit freundlicher Unterstützung der Versicherungsindustrie. Die Hamburger Lokalausgabe der Welt berichtete am 29. September 2013:

Düstere Szenarien der Zukunft des Planeten Erde hat der 8. Extremwetterkongress mit über 3000 Teilnehmern gezeichnet, der am Freitag in Hamburg zu Ende ging. [...] Das grönländische Eis schmelze mit einer Rate von 100 bis 350 Milliarden Tonnen pro Jahr, sagte Professor Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Auch der Rückgang des arktischen Meereises sei dramatisch, und selbst der antarktische Eisschild reagiere inzwischen mit Eisverlusten auf das globale Temperaturniveau. Die Prognosen für den künftigen Meeresspiegel seien “wesentlich pessimistischer geworden” als noch im letzten Bericht des Weltklimarats.

Und so geht es munter weiter. Man möchte es kaum glauben. Offenbar wurden sämtliche neuen Forschungsergebnisse zur Grönlandforschung ausgeklammert, da sie nicht in das fest verankerte alarmistische Grundbild passten. Die seriöse Wissenschaft sieht die Dinge nämlich mittlerweile viel weniger dramatisch als es die Anhänger des IPCC sowie aktivistische Politiker gerne hätten. Anstatt auf Kongressen die Menschen scharf zu machen, sollte Peter Lemke lieber ein wenig mehr Zeit auf die Lektüre der neuesten Fachliteratur verwenden. Hier nur eine kleine Auswahl der jüngsten Studien:

 

Unethisch ist es zudem, den Rückgang des arktischen Meereises in den Vordergrund zu stellen und die neuen Eisrekorde in der Antarktis einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Und auch der antarktische Eisschild ist viel stabiler als ehemals angenommen. Auf dem Extremwetterkongress scheint das genaue Gegenteil behauptet worden zu sein. Wiederum lohnt es sich, die Originalpublikationen zu lesen, anstatt sich auf einem kommerziellen Klimaalarmkongress aus zweiter Hand “informieren” zu lassen:

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Vor anderthalb Jahren stand es bei uns im Buch “Die kalte Sonne” als Gastbeitrag, mittlerweile hat Autor Nicola Scafetta seine Analyse der Temperaturentwicklung der letzten 150 Jahre weiter ausgebaut und in etlichen begutachteten Artikeln publiziert. Seine jüngste Arbeit erschien im November 2013 in der angesehenen Fachzeitschrift Earth Science Reviews (in der übrigens auch Kalte-Sonne-Coautor Sebastian Lüning zwei Arbeiten zu anderen Themen veröffentlicht hat). Unter anderem erläutert Scafetta in der Arbeit, dass etwa die Hälfte der Erwärmung der letzten Jahrzehnte auf eine zyklische natürliche Komponente eines 60-Jahreszyklus zurückgeht. Diese Ansicht wird mittlerweile von einer Reihe von Arbeiten anderer Autoren unterstützt. In den IPCC-Klimamodellen fehlt dieser wichtige Zyklus jedoch. Im Folgenden ein Auszug aus der Kurzfassung der Arbeit (Fettsetzung ergänzt): (weiterlesen …)

Fragwürdige Finte: Neuer IPCC-Bericht behauptet Verschärfung des Meeresspiegelanstiegs, während neue Studien das genaue Gegenteil fanden

Vor kurzem gab der Weltklimarat seinen neuen Klimazustandsbericht heraus. Das Tausende von Seiten umfassende Werk zahlreicher Wissenschaftler wurde allerdings in der Öffentlichkeit unterschiedlich interpretiert. Wohl kaum einer der zahlreichen Kommentatoren hat sich die Mühe gemacht, sich durch den Wust der Informationen zu wühlen. Daher ist einigen Medienvertretern in der Klimaalarm-Euphorie doch offenbar entgangen, dass der IPCC erstmals zugegeben hat, dass seine Modelle bei der Vorhersage und Modellierung der Erwärmungspause der letzten 15 Jahre glatt versagt haben und es auch noch keinen Konsens darüber gibt, wo denn der Fehler eigentlich stecken könnte. Unter diesem Hintergrund wäre es konsequent gewesen, auch von weiteren Zukunftsprojektionen vorerst abzusehen. Bei einem systematischen technischen Versagen an einem bestimmten Flugzeugtyp würden die entsprechenden Flieger ja auch am Boden bleiben, bis die Ursache aufgeklärt ist. Nicht so beim IPCC. Hier startet und landet man einfach munter weiter, als wäre nichts gewesen.

Der Bericht enthält zudem weitere interessante Aspekte, die von Journalisten der Alarmschule einfach unter den Tisch gekehrt wurden. So ist nun endlich Vernunft bei den Klimarekonstruktionen eingekehrt und die Mittelalterliche Wärmeperiode offiziell anerkannt worden (siehe “Fritz Vahrenholt im MDR-Hörfunk über den neuen Klima-Bericht: IPCC erkennt erstmals die Mittelalterliche Wärmeperiode an“). Die Tagesschau ist bereits in der Vergangenheit mehrfach als Sprachrohr des Klimaalarmismus aufgefallen (siehe z.B. “Peinliche Nachrichtenpanne im Ersten: Tagesschau.de auf klimatischem Holzweg“). Analysieren wir daher, wie Deutschlands wichtigste Fernsehnachrichten-Redaktion mit dem Bericht umging. Am 27. September 2013 erschien auf der Webseite der Tagesschau folgender Beitrag zum neuen IPCC-Bericht (Auszug):

Bericht des Weltklimarats: Meeresspiegel steigt stärker an
Der Meeresspiegel steigt stärker als bislang gedacht. Davor warnt der Weltklimarat IPCC im ersten Teil seines neuen Reports, dessen Kernthesen in Stockholm präsentiert wurden. Bei größten Klimaanstrengungen erhöht er sich sich danach bis 2100 wahrscheinlich um 26 Zentimeter, im ungünstigsten Fall um 82 Zentimeter. “Während sich die Ozeane erwärmen und Gletscher und Eisdecken schmelzen, wird der globale Meeresspiegel weiter steigen, aber schneller, als wir es in den letzten 40 Jahren erlebt haben”, sagte einer der Co-Vorsitzenden, Qin Dahe. In seinem vierten Sachstandsbericht von 2007 hatte der IPCC noch Anstiege zwischen von 18 bis 59 Zentimetern vorhergesagt. Durch den höheren Meeresspiegel könnten Inseln und flache Küstengebiete dauerhaft überflutet werden.

Der klimatische Laie denkt aufgrund dieser Meldung, dass sich in der Wissenschaft eine grundlegende Neubewertung zum Meeresspiegelanstieg ergeben hätte. Es hört sich so an, als wenn es nun endlich Beweise für einen schneller ansteigenden Meeresspiegel geben würde und alles viel gefährlicher werden würde als noch zuvor angenommen. Stimmt dies wirklich? Was sagen die jüngsten Forschungsergebnisse hierzu?

1) Im Rahmen eines mit insgesamt 10 Millionen Euro geförderten europäischen Forschungsprogrammes untersuchte ein Verbund von 24 Instituten Szenarien für die zukünftige Meeresspiegelentwicklung. Beteiligt war unter anderem auch das Bremerhavener Alfred Wegener Institut (AWI). Im Mai 2013 haben die Forscher nun ihren Abschlussbericht vorgelegt. Das Forschungskonsortium kommt zu dem Schluss, dass im wahrscheinlichsten Szenario der Meeresspiegel bis zum Ende des Jahrhunderts zwischen 16,5 cm und 69 cm ansteigen wird. Schnell wird klar: Gegenüber dem IPCC-Bericht von 2007 hat sich kaum etwas geändert. Siehe unseren Blogbeitrag “Europäisches Forschungskonsortium verwirft extreme Meeresspiegelprognosen“. (weiterlesen …)

Kritik der niederländischen Regierung am IPCC: Die Beschränkung des Klimawandels auf die menschengemachte Komponente ist eine Fehlentwicklung

Von Marcel Crok
(zuerst erschienen auf De staat van het klimaat, übersetzt von Chris Frey, EIKE)

Regierungen auf der ganzen Welt wurden vom IPCC aufgefordert, über die Zukunft des IPCC nachzudenken. Die Niederlande haben ihre Antwort jetzt dem IPCC zugesandt und diese auf der Website des KNMI veröffentlicht. Ich würde sagen, dass Holland ziemlich kritisch mit dem IPCC ins Gericht geht und mit der Art und Weise seiner derzeitigen Arbeit. Der folgende Abschnitt erschien mir am interessantesten:

Das IPCC muss sich gemäß seinen Prinzipien verhalten! Wir glauben, dass die Begrenzung des IPCC auf die anthropogen verursachte Klimaänderung nicht wünschenswert ist, vor allem, weil natürliche Klimaänderungen ein Grundbestandteil des Gesamtverstehens des Klimasystems sind, einschließlich der anthropogen induzierten Klimaänderung. Die Niederlande sind auch der Ansicht, dass das Wort ‚umfassend’ [comprehensive] entfernt werden muss, weil die Erstellung umfassender Zustandsberichte nahezu unmöglich wird, und zwar wegen des immer größer werdenden Wissens, und das IPCC wäre besser beraten, spezielle Berichte zu erstellen zu Themen, die neu und kontrovers sind.

Beiden Punkten stimme ich zu. Die ziemliche Besessenheit des IPCC mit dem Treibhaus-Antrieb hat den Fortschritt in der Klimawissenschaft meiner Meinung nach massiv behindert. Darum bin ich froh, dass meine Regierung diesen Punkt jetzt anspricht. Und in meinem Buch (auf holländisch) De Staat van het Klimaat bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass das IPCC in seinem 4. Zustandsbericht nicht erfolgreich war, einen „umfassenden“ Bericht zu erstellen. Ich stimme auch zu, dass das IPCC kontroversen Themen viel mehr Aufmerksamkeit schenken muss. Die Behandlung kontroverser Themen im AR4 und auch im AR 5 war aus zwei Gründen nicht zufrieden stellend: Es gibt nicht genug Spielraum, um notwendige Details zu besprechen, und die Autorenteams sind fast durchweg verzerrt in Richtung des Konsens und räumen daher Minderheiten-Ansichten nicht genug Raum ein.

Die Niederlande möchten auch die äußerst umfangreichen Papierberge, die das IPCC produziert, beendet und durch kürzere, im Web basierende (Spezial-)Berichte ersetzt sehen:

Das IPCC braucht transparentere, konzentrierte und auf neuestem Stand befindliche Beurteilungen. Der Gebrauch des Internets dehnt sich immer weiter aus. Es wäre einfacher, die Beurteilungen des IPCC ständig zu aktualisieren, wenn sie im Internet wurzeln würden. Die Digitalisierung führt auch zu einer Zunahme der Transparenz der Berichte. Zum Beispiel, zusätzlich zu internen Links in der SPM [= Summary for Policy Makers] zu den zugrunde liegenden Kapiteln (was im AR 4 bereits geschehen ist) könnte man Links in die Kapitel einfügen, die auf relevante Teile wissenschaftlicher Veröffentlichungen verweisen, um den Zugang zu den Quellen zu vereinfachen.

Die Zustandsbeschreibung sollte dynamischer sein, und zwar durch regelmäßige Aktualisierungen der Kapitel mit nur einer Runde von Experten-Begutachtung und durch Verkürzung der Erstellungszyklen. Die Berichte werden derzeit schon nach wenigen Jahren nach der Veröffentlichung als ziemlich veraltet angesehen.

Wieder stimme ich dem neuen Format zu. Auch möchte Holland die WG’s [Working Groups] I und II in eine Arbeitsgruppe zusammengefasst sehen: (weiterlesen …)