Quatsch-Studie passiert Begutachtungsprozess ohne Probleme: Penisse tragen zum Klimawandel bei

Immer wieder wundert man sich, wie offensichtlich fehlerhafte bzw. unvollständige Studien den Weg in anerkannte Fachjournale finden.Eine gehörige Portion Klimaalarmismus scheint die Chancen von Manuskripten in der Begutachtung deutlich zu steigern. Jedes bisschen hilft, mag sich der eine oder andere Gutachter denken. Wichtig ist vor allen, den Klimawandel möglichst drastisch zu schildern. Genau diese Vermutung scheint jetzt ein fingierter Scherzartikel zu bestätigen, der dem männlichen Penis eine Teilschuld am Klimawandel zuschreibt. Der vermeintliche Fund erschien einem Fachjournal politisch so korrekt, dass es die ‘Studie’ nach Passieren des Begutachtungsprozesses glatt publizierte. Als sich die Autoren danach outeten war guter Rat teuer. Sie verrieten wie sie es gemacht haben: Sie kombinierten ein wirres Sammelsurium an Sozio- und Klimawandel-Phrasen, rührten kräftig um und hofften auf das Beste. Da sie offenbar alle Buzzwords verwendet hatten, gingen Sie beim BS-Bingo als Sieger hervor. Das Berliner Journal hat am 21. Mai 2017 den Fall ausführlich beschrieben:

Studie: Penisse tragen zum Klimawandel bei
Laut einer aktuellen Studie im Fachmagazin Cogent Social Sciences trägt der Penis maßgeblich zum Klimawandel bei. Die Autoren wollten zeigen, wie leicht man in einem geisteswissenschaftlichen Fachmagazin kompletten Unsinn veröffentlichen kann. 

Der Philosoph Peter Boghossian und der Mathematiker James Lindsay haben eine Scherzstudie mit dem Titel „Der konzeptionelle Penis als ein soziales Konstrukt“ verfasst. Darin gehen sie soweit zu behaupten, dass der „konzeptionelle Penis“ maßgeblich zum Klimawandel beiträgt. Ihr Ziel bestand darin zu zeigen, dass geisteswissenschaftliche Fachmagazine jeden Unsinn veröffentlichen, solange dieser Unsinn wie eine linke Denkweise klingt. Um nicht erkannt zu werden, nutzten die Autoren die Pseudonyme Jamie Lindsay und Peter Boyle. Und tatsächlich hat das Magazin Cogent Social Sciences die Scherzstudie innerhalb eines Monats von zwei Experten auf dem Gebiet prüfen lassen und dann am 19. Mai veröffentlicht (engl. Link). Wie den beiden Studienautoren dies gelang, erklären sie so (engl. Link):

Weiterlesen im Berliner Journal

Siehe auch Berichte auf WUWT, Blick.ch, heute.at, tagesschau.de, FAZ, Spiegel.

———————-

Noch mehr Verwunderung: In den Kohlenstoff-Kreislauf Diagrammen wurde jetzt ein fetter Fehler gefunden. Die reale Waldbedeckung der Erde ist offenbar 9% höher als in den Modellen angenommen. Das ist ganz schön viel. Pressemitteilung der American Association for the Advancement of Science vom 11. Mai 2017:

Some forests have been hiding in plain sight

A new estimate of dryland forests suggests that the global forest cover is at least 9% higher than previously thought. The finding will help reduce uncertainties surrounding terrestrial carbon sink estimates.

Dryland biomes, where precipitation is more than counterbalanced by evaporation from surfaces and transpiration by plants, cover about 40% of the Earth’s land surface. These biomes contain some of the most threatened ecosystems, including biodiversity hotspots. However, previous estimates of dryland forests have been riddled with disparities, caused by issues such as differences in satellite spatial resolution, mapping approaches and forest definitions. These disparities have led to major doubts about the reliability of global forest area estimates, and to questions about the real contribution made by forests to the global carbon cycle. Here, Jean-Francois Bastin et al. analyzed satellite data from Google Earth, using a detail sample pool of 213,795 0.5 hectare plots from around the globe. Their new estimate of dryland forest is 40 to 47% higher than previous estimates, corresponding to 467 million hectares (Mha) of forest that have never been reported before. This increases current estimates of global forest cover by at least 9%. These results explain the difference between recent global estimates of forest “land use” area (3890 Mha) and the area with a “land cover,” the authors say.

Paper: Jean-François Bastin, Nora Berrahmouni, Alan Grainger, Danae Maniatis, Danilo Mollicone, Rebecca Moore, Chiara Patriarca, Nicolas Picard, Ben Sparrow, Elena Maria Abraham, Kamel Aloui, Ayhan Atesoglu, Fabio Attore, Çağlar Bassüllü, Adia Bey, Monica Garzuglia, Luis G. García-Montero, Nikée Groot, Greg Guerin, Lars Laestadius, Andrew J. Lowe, Bako Mamane, Giulio Marchi, Paul Patterson, Marcelo Rezende, Stefano Ricci, Ignacio Salcedo, Alfonso Sanchez-Paus Diaz, Fred Stolle, Venera Surappaeva, Rene Castro. The extent of forest in dryland biomes. Science, 2017; 356 (6338): 635 DOI: 10.1126/science.aam6527