Kleine Eiszeit als geeignetes Bezugsniveau für die Erwärmung der letzten 150 Jahre? Der Fall Montblanc

Von Uli Weber

Am 29.10.2016 lief auf ARTE die Dokumentation „Labor Montblanc“: Labor Montblanc (Dokumentarfilm 94 Min.). Online verfügbar auf Arte.tv bis zum 6. November 2016.  Beschreibung auf ARTE:

„Auf einer sechstägigen Expedition bezwingen drei Wissenschaftler den Montblanc, der als Herzstück der Alpen gilt. Mit rund 4.810 Meter Höhe steht der “weiße Riese” für die schiere Urgewalt der Natur. Die Besteigung des Bergmassivs ist ein einzigartiges Erlebnis und gibt Einblicke in die letzten 240 Millionen Jahre Evolutionsgeschichte…“

Die gezeigte Problematik läuft natürlich wieder auf den menschengemachten Klimawandel hinaus. Aber zwischen Minute 37 und 45 wird sehr unaufgeregt dokumentiert, dass sich die Montblanc-Gletscher in der Mittelalterlichen Warmzeit ebenso weit zurückgezogen hatten wie heute. Ein zu dieser Zeit nahe Chamonix gegründetes Dorf (Le Chatelard?) wurde dann 1643 vom Mer de Glace-Gletscher „überfahren“ und vernichtet. Das Mer de Glace erreichte um 1860, am Ende der „Kleinen Eiszeit“, seine größte Ausdehnung, was unter anderem durch frühe Fotografien belegt wird. Seither befindet sich das Mer de Glace auf dem Rückzug, was die folgende Satellitenaufnahme aus Google-Maps ganz deutlich zeigt:

 

Auch andere Quellen berichten von den Gletschervorstößen in der „Kleinen Eiszeit, z.B. das Blog Geschichte der Geologie am 8. Oktober 2016:

„… So mußte im Jahre 1644 im Montblanc-Gebiet eine Prozession zum Gletscher beim Dorf Les Bois organisiert werden, da dieser angeblich um 120m vordrang und das Dorf bedrohte. Der Bischof von Genf segnete den Les-Bois-Gletscher höchstpersönlich…“

Wikipedia über das Mer de Glace, Zitat:

„… Früher floss der Gletscher an seinem Ende über eine Steilstufe hinunter ins Tal von Chamonix, bis direkt vor die Streusiedlung Les Bois. Diese Gletscherzunge hieß Glacier des Bois und war eines der Schaustücke des alten Chamonix. Auf der Höhe von Montenvers war der Gletscher etwa 130 m dicker als heute. Die Überquerung an sein rechtes Ufer war unproblematisch. Man trieb sogar Schafherden hinüber…“

Es ist immer wieder höchst erstaunlich, dass die Durchschnittstemperatur am Ende der „Kleinen Eiszeit“ (üblicherweise 1850, in der ARTE Dokumentation 1860) als „natürlicher“ Maßstab für unsere aktuelle Warmzeit missbraucht wird, um damit eine „menschengemachte“ Klimakatastrophe zu beweisen, obwohl selbst in dieser ARTE-Dokumentation der tatsächliche natürliche Klimaablauf im Mittelalter eindeutig und zweifelsfrei dargestellt wird…