Deutschlands Energiewende – Eine sich anbahnende Katastrophe

Am 17. Januar 2017 hielt Fritz Vahrenholt vor über 200 Zuhörern in London im House of Commons einen Vortrag zur deutschen Energiewende. Eingeladen hatte die Global Warming Policy Foundation, auf deren Webseite jetzt auch der Vortrag als Briefing-Text erschien. Das pdf können Sie hier herunterladen.

Im Auditorium mit dabei auch der Cartoonist Josh. Er fand Vahrenholts Taxibeispiel zur Anweisung der Bundesnetzagentur, Kraftwerke weiterzufahren aber nur die Betriebskosten zu erstatten, so eingängig, dass er es gleich in eine Zeichnung umsetzte:

 

Mittlerweile hagelt es Kritik an der deutschen Energiewende von allen Seiten. Beispiel aus der Welt vom 14. Dezember 2016:

Gutachter entlarven Schönfärberei bei der Energiewende
[...] Die von der Regierung selbst eingesetzte Expertenkommission zur Begutachtung der Lage, sieht den Fortgang des ökologischen Großprojektes in weiten Teilen völlig anders. Zentrale Klimaschutzziele der Bundesregierung würden „mit großer Sicherheit verfehlt“, zudem zeichnen sich „weitere Kostensteigerungen ab“. In den aktuellen Reformversuchen und Anreizprogrammen der Politik sieht die Kommission um den Münsteraner Experten für Energie- und Ressourcenökonomie, Andreas Löschel, auch keine erfolgversprechende Strategie. Nötig sei vielmehr ein kompletter „Systemwechsel“. Die „aktuell existierenden, komplexen Fördermechanismen“, so die Wissenschaftler, „sollten abgeschafft werden“. Denn selbst nach der jüngsten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sei die Förderung der erneuerbaren Energien nach Einschätzung der Wissenschaftler immer noch nicht kompatibel mit dem eigentlichen Politikziel, den Verkehr, die Wärme- und Stromproduktion komplett auf Ökostrom umzustellen.

Weiterlesen in der Welt

Das Ausland schaut sich das Spektakel aus sicherer Entfernung an und übt sich in Schadenfreude. Die FAZ nahm am 28. November 2016 kein Blatt vor den Mund:

Deutsche Energiewende für das Ausland kein Vorbild

Fachleute in China, Indien, Russland und Amerika loben die Klimapolitik Deutschlands. Vor Nachahmung wird aber gewarnt. Muss Deutschland sich deshalb neu orientieren?

Deutschlands Klimapolitik genießt viel Ansehen in der Welt, die Energiewende ruft allerdings in wichtigen Ländern auch Skepsis hervor. Diesen Schluss zieht die Konrad-Adenauer-Stiftung aus einer Befragung klimapolitischer Akteure in China, Indien, Russland und Amerika. Sein hohes Ansehen verdanke Deutschland dem Engagement im internationalen Klimaschutz sowie seiner Stärke in der Energie- und Umwelttechnik. Auch der schnelle Ökostromausbau und die administrativen Erfahrungen der Energiewende würden gewürdigt, heißt es in der Untersuchung, die die Parteistiftung der CDU an diesem Montag vorstellen will. Allerdings werden genau diese Punkte auch kritisch gesehen. So gelte deutsche Technik als teuer. „Mit hohen Kosten wird ebenfalls die Energiewende assoziiert“, schreiben die Studienautoren. Sie werde deshalb als kaum übertragbar betrachtet.

Weiterlesen in der FAZ.

In der Jahresendabrechnung erlitten die Erneuerbaren einen erheblichen Dämpfer. FAZ vom 20. Dezember 2016:

Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint
Der Anteil des Ökostroms am deutschen Elektrizitätsverbrauch ist dieses Jahr kaum gewachsen. Mit einem Plus von vier auf 191,4 Terawattstunden fiel er nach Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) so niedrig aus wie seit 2009 nicht mehr. Und das trotz des anhaltenden Booms neuer Windkraftanlagen an Land sowie des Ausbau von Photovoltaikanlagen. Der Grund dafür, weshalb trotz wachsenden Erzeugungsparks der Ökostromanteil beinahe stagniert, ist laut BDEW das Wetter. Zum Vorjahr sei die Solar- und Windstromausbeute an Land diesmal geringer ausgefallen, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Stefan Kapferer. Die Sonne schien weniger stark, statt Wind gab es öfter Flaute. An Land sank die Erzeugung von Windstrom um sechs Prozent, die von Solarstrom um ein Prozent.

Weiterlesen in der FAZ.

Besonders bitter: Trotz allergrößter Bemühungen sind die CO2-Emissionen in Deutschland im vergangenen Jahr (2016) erneut gestiegen, nicht etwa gefallen. Die Webplattform Environmental Progress enthüllte diesen Trend am 13. Januar 2017 in einem lesenswerten Beitrag:

German Emissions Increase in 2016 Due to Nuclear Plant Closure
German emissions increased in 2016 for a second year in a row as a result of the country closing one of its nuclear plants and replacing it with coal and natural gas, a new Environmental Progress analysis finds. German emissions would have declined had it not closed a nuclear plant and replaced it with coal and natural gas. Not only did new solar and wind not make up for the lost nuclear, the percentage of time during 2016 that solar and wind produced electricity declined dramatically. Germany added a whopping 10 percent more wind turbine capacity and 2.5 percent more solar panel capacity between 2015 and 2016, but generated less than one percent more electricity from wind and generated one percent less electricity from solar. The reason is because Germany had significantly less sunshine and wind in 2016 than 2015. As such, 2016 is a dramatic illustration of the limits of energy sources that depend on the weather. Their output varies dramatically not just hour-to-hour but also year-to-year.

Weiterlesen bei Environmental Progress

Grenzen auch beim Ausbau der Offshore-Windkraft. Die Norddeutschen Neuesten Nachrichten berichteten am 14. Dezember 2016 über Widerstand am Darß:

Fünf Gemeinden gegen neuen Windpark vor dem Darß
Der Ausbau der Windkraft bleibt ein Zankapfel in Mecklenburg-Vorpommern. Fünf Gemeinden auf Fischland-Darß-Zingst kündigen ihren Widerstand gegen einen riesigen Windpark in der Ostsee vor ihrer Küste an. [...] Die 103 bis zu 175 Meter hohen Windräder seien nicht geeignet, den Tourismus dauerhaft zu fördern. «Wir reden über Fernsehtürme», sagte Kuhn. Dieser Windpark habe mit dem Pilotcharakter des benachbarten Windparks Baltic 1 nichts mehr zu tun.

Weiterlesen auf nnn.de

Die einheimischen Vögel sind weiterhin die größten Verlierer des Windkraftausbaus. Die Thüringer Allgemeine schrieb hierzu am 5. Dezember 2016: 

Windräder töten in Thüringen vor allem Rotmilane und Mäusebussarde
Rotmilane und Mäusebussarde stellen mit 52 toten Tieren über die Hälfte der bei Windkraftanlagen (WKA) gefundenen Vogelbalge. „Erfasst werden nur zufällig gefundene und gemeldete Vögel. Die Dunkelziffer ist vermutlich höher“, sagt CDU-Umweltreferent Gunter Braniek.

Nach Wegfall von Subventionen weht dem Solastrom in der Schweiz jetzt ein rauher Wind entgegen, wie SRF am 11. Januar 2017 meldete:

Weniger Geld für Solarstrom: Solarstrom-Rechnung geht für Berner Bauern nicht mehr auf
Der Berner Stromkonzern BKW zahlt seit Jahresbeginn noch vier Rappen für eine Kilowattstunde Strom vom Solardach. Das trifft unter anderem viele Bauern, die in den letzten Jahren riesige Dachflächen mit Fotovoltaik-Elementen ausgerüstet haben. So lohnt sich erneuerbare Energie nicht mehr.
Auf Anfangs 2017 senkte die BKW die Vergütung für Strom aus privaten Anlagen von 9,72 auf 4 Rappen pro Kilowattstunde. Die BKW zieht damit die Konsequenzen aus ihrer Beurteilung des Marktes. Und die heisst: Die BKW braucht den Solarstrom von Industrie- oder Bauernhausdächern gar nicht. Sie hat genug aus den eigenen Anlagen. Diese Art Energie komme zur falschen Zeit, sei nicht zu verkaufen und belaste das Leitungsnetz. Die BKW darf ihre Einspeisevergütung auf ein marktfähiges Minimum reduzieren. «Wir haben das Recht, den Storm von privaten Anbietern zu dem Preis zu übernehmen, den wir für Stromeinkäufe im Markt bezahlen.

Weiterlesen beim SRF.