Aktenzeichen WD 7-3000-116/16: Rechtliche Grundlagen und Möglichkeiten für Klima-Klagen gegen Staat und Unternehmen in Deutschland

Weltpremiere eines Dokumentarfilms über Landnutzungswandel, Energiepolitik und Klimawandel am 9. Februar 2017 in Berlin

Am 9. Februar 2017 feiert ein Dokumentarfilm zu einem hochaktuellen und brisanten Thema seine Weltpremiere in Berlin: The Uncertainty Has Settled von Marijn Poels, ein Film über Landnutzungswandel, Energiepolitik und Klimawandel eröffnet als Langfilm, das Berlin Independent Filmfestival. In einer Mischung aus Doku und Fiction wird Poels durch eine Auszeit in den Bergen Österreichs zunächst auf die gegenwärtige Situation der europäischen Landwirtschaft aufmerksam. Eine Reise beginnt, die immer größer werdende Fragen aufwirft. Der Klimawandel ist in den Medien und der Politik beinahe täglich präsent. In Form der Energiewende bestimmt es mittlerweile unser aller Leben. Letztlich ein Milliardenprojekt. Die Bauern sind aufgrund der gut subventionierten Energiepolitik zum Teil zum Energieanbieter geworden. Monokulturen verbreiten sich und einige wertvolle Nahrungsmitteln sind praktisch ausgestorben. Poels wird in seinem 90 Minuten Film gezwungen seine eigene linke Ideologie zu hinterfragen: Machen wir das Richtige?

Die Wissenschaft hingegen verkündet: The science has settled. Doch was ist von den skeptischen Wissenschaftlern zu halten, die die Notwendigkeit dieser rasanten Umwälzung anzweifeln? Darunter hoch angesehene Wissenschaftler, wie der Physik-Nobelpreisträger Ivar Giaever oder der 93 jährige Professor Freeman Dyson der Princeton University den Poels nahe New York aufsucht. Poels versucht nicht, dem Zuschauer eine neue Wahrheit zu präsentieren, er stellt Fragen und überlässt es dem Zuschauer, sich seine eigene Meinung zu bilden.

Die Filmpremiere findet am 9. Februar 2017 um 22.00 Uhr im Kino Babylon in Berlin Mitte statt. Mehr infos: http://www.berlinfest.com, http://www.theuncertaintyhassettled.de

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In den letzten Jahrtausenden und Jahrhunderten zogen die Menschen aus, um die Erde zu erkunden und zu kartieren. Die Portugiesen kämpften sich in vielen Etappen um Afrika herum und kartierten bei jeder Fahrt ein weiteres Stück Küste. Kolumbus entdeckte Amerika und Vasco da Gama den Seeweg nach Indien. Irgendwann war dann aber auch der letzte Winkel des Planeten erkundet und auf Karten erfasst. Alles bekannt, Ende Gelände. Nicht so ganz. Vor einigen Jahrzehnten brach nämlich eine neue Entdeckerepoche an, die Kartierung des Meeresbodens. In den 1960er Jahren führte dies sogar zum Durchbruch der Plattentektonik. Auch heute noch sind etliche Ozeanbodenbereiche schlecht erkundet. Um die Kartierung zu vereinfachen, wurde jetzt eine Online-Karte ins Leben gerufen (GEBCO Undersea Feature Names Gazeteer), in dem 3800 Objekte am Ozeanboden verzeichnet und benannt werden. Eine gute Initiative. Siehe dazu auch einen Artikel in Eos.

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Am 3. August 2016 veröffentlichte der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages eine Ausarbeitung mit dem Aktenzeichen WD 7-3000-116/16 und dem Titel:

Rechtliche Grundlagen und Möglichkeiten für Klima-Klagen gegen Staat und Unternehmen in Deutschland

Das pdf gibt es hier. Im Folgenden das Inhaltsverzeichnis für alle Interessierten:

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Wo bleiben die Klimaschutzgelder? Care-Mitarbeiter Amadou Dan Kouré drückte am 23. November 2016 im Tagesspiegel kräftig auf die Klima-Tränendrüse:

Erderwärmung Niger: Wo der Klimawandel Realität ist
Der Klimawandel betrifft vor allem Länder wie Niger. Die Bevölkerung dort versucht, CO2 zu sparen – obwohl die Industriestaaten das größere Problem sind.

[...] In meinen dreizehn Jahren bei “Care” habe ich aber auch miterlebt, wie extreme Wetterverhältnisse und Dürreperioden Gemeinden immer wieder zurückwerfen. Armut und Hunger hängen in diesem Teil der Welt fast immer auch mit dem Klimawandel zusammen. Niger ist davon besonders stark betroffenen. Ganze Dörfer müssen mit immer weniger Wasser auskommen, da die Regenperioden kürzer werden und sich kaum noch vorhersagen lassen. Eine Katastrophe für das Wüstenland, in dem sowieso nur zwölf Prozent der Böden fruchtbares Ackerland sind. Trotzdem arbeiten 80 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft und sind von ihr für Nahrungsmittel und Einkommen abhängig. Die Dürren lassen ihre Ernten vertrocknen. Ergebnis: Niger hat eine der höchsten Armuts- und Unterernährungsraten der Welt.

Es ist toll, dass sich Kouré so für die arme Sahel-Bevölkerung einsetzt und tatkräftig anpackt. Es ist aber nicht ok, im Sinne der guten Sache die wissenschaftlichen Fakten zu verdrehen. Kouré behauptet, es würde im Niger immer weniger regnen, die Dürren würden sich verschlimmern. Belege dazu führt er nicht an. Wir schauen in die wissenschaftlichen Fakten. Stimmen die Aussagen des Care-Mitarbeiters?

Dürren: Hier hat sich die Lage in den Sahelstaaten in den letzten Jahrzehnten deutlich entspannt. Nach den dürren 1970er Jahren regnet es nun wieder mehr. Kouré liegt vollkommen daneben und liefert Fake News. Nicht schön. Hier die Fakten:

Entsprechend der schwierigen Lebensbedingungen im Sahel, sind es die Menschen dort gewohnt, sich an die wechselnden Gegebenheiten zu adaptieren (siehe “Von wegen Klimaflüchtling: Studie findet, dass Migration im Sahel traditionell stark verankert ist“). Empfehlenswert ist auch ein Blick in Essouassi & Mahé 2007. Dort ist doch tatsächlich eine Niederschlagskurve für die Hauptstadt Niamey veröffentlicht, die einen Anstieg der Niederschläge im Niger seit den 1980er Jahren zeigt:

 

 

Schweizerisches Institut für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften gibt zweiten Band seiner Schriftenreihe zur Klimawirkung von Ozeanzyklen heraus

Das Institut für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften, beheimatet in der Schweiz, hat nun bereits den zweiten Band seiner Schriftenreihe herausgegeben. Der sehr interessante Artikel über den „Einfluss ozeanischer Zyklen auf Temperatur- und Meeresspiegel-Trends in Europa“ ist aufrufbar unter www.ifhgk.org bzw. www.ifhgk.org/schriftenreihe oder im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-743-16724-7). Der Autor beschäftigt sich mit den Auswirkungen der ozeanischen Zyklen von AMO (Atlantische Multidekaden Oszillation) und PDO (Pazifische Dekaden Oszillation). Dass diese Zyklen eine wichtige Rolle im Klimageschehen spielen, ist nicht neu. Man hat jedoch noch wenig darüber nachgedacht, inwieweit sich die langfristigen Schwingungen ozeanischer Temperaturindices auch in den „Kalt-Warm“-Verläufen weit entfernter festländischer Stationen wiederfinden könnten. Hierzu gibt es zwar Hinweise für die USA, in Europa allerdings scheint man das Thema bisher nicht beachtet zu haben. Dabei gibt es nach den Auswertungen des Verfassers an zahlreichen europäischen Orten deutliche Korrelationen zwischen den Trends der lokalen Lufttemperaturen und der Veränderlichkeit der ozeanischen Zyklen.

Vielleicht liegt dies auch daran, dass AMO und PDO überwiegend separiert betrachtet werden, während DAMMSCHNEIDER die Daten beider Zyklen zusammenfasst und auch wieder um die SST ergänzt. Für Deutschland ergibt sich, dass bereits 0,6 0C der insgesamt 1 0C Temperaturerhöhung (1900-2013) auf einem ozeanischen Einfluss beruhen könnten. Damit ist nichts darüber ausgesagt, welche Ursachen sich letztlich hinter der Temperaturerhöhung selbst verbergen … für den Verfasser ist es im ersten Ansatz nur wichtig, aufzuzeigen, dass die langfristigen Temperaturveränderungen in Europa in enger Beziehung zu jenen der ozeanischen Trends zu stehen scheinen.

Das Muster einer engen Korrelation findet sich, wie die Grafiken bzw. Abbildungen zeigen, auch zwischen den Zyklen von AMO/PDO und den Wasserständen (RMSL) der Nordsee bzw. des Atlantiks. Aktuell konnten PIECUCH & QUINN (2016) belegen, dass zeitliche Wechsel im globalen Meeresspiegel (GMSL) tatsächlich eng mit den (Temperatur-) Veränderungen im Ozean verknüpft sind, dort nachgewiesen an der El Nino-Southern-Oscillation (ENSO). Aber DAMMSCHNEIDER zeigt für die Zusammenfassung von Pegelstationen der Deutschen Bucht (und sogar für einzelne Pegel wie jenen von Bergen, N), dass auch eine enge Verbindung zur AMO/PDO besteht. D.h., steigen die Indices der ozeanischen Zyklen an, dann klettern auch die Wasserstände im Bereich der Nordsee/in Bergen. Fallen die Indices von AMO/PDO, dann sinken ebenso die Wasserstände tendenziell leicht ab. Das Gleiche gilt, wie gesagt, auch für die europäischen Lufttemperaturen, ob ozeanisch geprägt (Beispiel Aberdeen, GB/Bergen, N), subozeanisch (z.B. Potsdam, D/Zürich, CH) oder kontinental (z.B. Wroclaw, PL/Wien, AT).

Das Stichwort hinter dem Geschehen dürfte „heat flux“ heissen. Der IPCC gibt in seinen Berichten sowohl 2007 als auch 2014 diesem Wärmeübergang (bzw. dem OHC) bereits Raum, bisher fehlte allerdings der Nachweis für eine Regionalisierung der möglichen klimatischen Auswirkungen. Dies versucht der Autor nun mit seiner Arbeit voranzubringen.

An dieser Stelle noch ein Hinweis zum Herausgeber der Schriftenreihe, dem Schweizer Institut für Hydrographie, Geoökologie und Klimawissenschaften: Das IFHGK ist als Verein gegründet und finanziert sich bisher ausschließlich privat. Ziel der Initiatoren ist es, unabhängige Forschung zu betreiben und nicht zuletzt auch zu fördern. Nach Aussagen der Herausgeber der Schriftenreihe würde man sich freuen, wenn sich vor allem auch jüngere Wissenschaftler mit neuen Ideen und Ansätzen in Form von publikationsfähigen Aufsätzen bzw. Artikeln beim Institut bewerben würden. Auch beim IFHGK findet natürlich ein peer-review statt, sodass man darum bittet, nur vollständig abgeschlossene Texte einzureichen und anzugeben, welchen wissenschaftlichen Werdegang man jeweils mitbringt. Das IFHGK betont ausdrücklich, dass man sich in jedem Fall einer absolut unvoreingenommenen Beurteilung unterwirft und die Annahme von Artikeln nicht davon abhängig macht, wann und wo der jeweilige Autor tätig war oder ist. Das Institut ist erreichbar mit info@ifhgk.org bzw. mit einem Kontaktformular unter www.ifhgk.org/kontakt . Lesenswert ist in diesem Zusammenhang ein Interview mit dem Vorstand des Instituts, in dem er die Ziele und Vorhaben des IFHGK erläutert.

Kein Klimawandel: Vom antarktischen Larsen-C-Schelfeis droht ein großer Eisberg abzubrechen

In der antarktischen Larsen-C-Schelfeis hat sich kürzlich ein riesiger Riss gebildet. Der Tagesspiegel spielte fair und lastete ihn nicht wie sonst üblich pauschal dem Klimawandel an:

In der Antarktis droht ein riesiger Eisberg abzubrechen
Ein Eisberg, doppelt so groß wie das Saarland, droht in der Antarktis vom Larsen-C-Schelfeis abzubrechen. Das ist ein seltenes Spektakel. [...] „Der Spalt ist insgesamt wahrscheinlich 160 Kilometer lang und 300 bis 500 Meter tief“, sagte der ebenfalls an dem Projekt beteiligte Forscher Martin 0′Leary am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Ein direkter Zusammenhang mit dem Klimawandel sei nicht erkennbar.

Weiterlesen im Tagesspiegel

Das ist der normale Gang: Schelfeis bildet sich, ist aber nicht für die Ewigkeit. Immer wieder bilden sich Spalten und es lösen sich Teile. Während der Kleinen Eiszeit war das Schelfeis sicher stabiler und ausgedehnter, in der davorliegenden Mittelalterlichen Wärmeperiode schrumpfte das Schelfeis, ähnlich wie heute. Wenn man sich die letzten 150 Jahre anschaut, die globale Wiedererwärmung nach der Kleinen Eiszeit, dann wundert es kaum, dass das antarktische Schelfeis zwischen 1900 und 1930 laut einem zeitgenössischen Zeitungsbericht täglich um 5 m zurückwich. In den letzten 50 Jahren sah es möglichweise anders aus, denn das antarktische Schelfwasser hat sich im vergangenen halben Jahrhundert abgekühlt. Laut Sinclair et al. (2014) hat sich das Ross-Schelfeis nach 1993 um 5% ausgedehnt. Offenbar ist das antarktische Schelfeis doch stabiler als gedacht.

Der Blick zurück in die letzten 10.000 Jahre fördert weitere erstaunliche Fakten zutage. Eine Reihe von antarktischen Schelfeisbereichen schrumpfte während dieser Zeit gewaltig oder war sogar vollständig verschwunden, nachzulesen z.B. in Solomina et al. (2015):

A number of Antarctic Peninsula ice shelves have also experienced major fluctuations during the Holocene. George VI Ice Shelf was absent between 9.6 ka and 7.7 ka (Smith et al., 2007), Prince Gustav Ice Shelfwas absent between 6.8 and 1.8 ka (O Cofaigh et al., 2014), the Larsen A Ice Shelf was absent at 3.8-1.4 ka (Brachfeld et al., 2003; Balco et al., 2013). In contrast Larsen B and Larsen C Ice Shelves existed throughout the Holocene (Domack et al., 2005; Curry and Pudsey, 2007).

Während des holozänen thermischen Maximums vor 6000 Jahren lag der äußere Rand des Amery Eisschelfs um 80 km näher an der Küste als heute, wie Hemer & Harris (2003) in Geology dokumentierten. Aus dem Abstract:

An increase in sea-ice–associated diatom deposition in the upper [=late] part of the Holocene suggests that a major retreat of the Amery Ice Shelf to at least 80 km landward of its present location may have occurred during the mid-Holocene climatic optimum.

Mit ein bisschen Interesse an der Klimageschichte ordnen sich die Dinge plötzlich viel besser ein. Anstrengungen müssen unternommen werden, um aktiv gegen die Geschichtsverdrossenheit anzugehen und die vorindustrielle Klimageschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

 

 

Uni Bergen: Klimaerwärmung könnte arktischen Arm des Golfstroms stärken

Allmählich kennen wir sie, die Lieblingsthemen von Stefan Rahmstorf. In vorhersagbarer Abfolge spielt er wie auf einer Flöte seine bevorzugten Klimakatastrophenthesen und findet in den Medien bereitwillige Mitspieler. Am 4. Januar 2017 ging es im Rahmstorf-Blog (und parallel auch auf der Spektrum-Online-Seite) um den Golfstrom, der angeblich zu verenden droht:

Die unterschätzte Gefahr eines Versiegens des Golfstromsystems
Eine neue Modellsimulation aus den USA zum Golfstromsystem zeigt ein Abreißen der gigantischen Umwälzströmung im Atlantik nach einer CO2-Verdoppelung

Die Arbeit von Liu et al. 2017 kam Rahmstorf gerade recht, denn besonders viele Mitstreiter hat er nicht gerade. Die Mehrheit der Forscher lehnt seine alarmistische Golfstrom-These sogar rundweg ab:

Den mit Rahmstorf freundlich verbundenen Focus scheint die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung jedoch wenig zu interessieren. Vier Tage nach Rahmstorfs Aufschlag im Blog war das Thema schon im Focus gelandet:

Neue Studie: Deutliche Abkühlung in Europa? Forscher machen beunruhigende Prognose

Das ist kurios, denn nur einige Wochen zuvor war im November 2016 eine andere Studie herausgekommen, die das glatte Gegenteil für möglich hält. Darüber haben weder Rahmstorf, noch Focus berichtet. Ist das nicht seltsam? Hier die Pressemitteilung der norwegischen Universität Bergen, die in Potsdam wenig Freude hervorgerufen haben wird:

The Gulfstream may strengthen with more precipitation in the far north

Using a new theory, Erwin Lambert shows that more freshwater in the Arctic may strengthen the Gulfstream’s extension into the polar regions – the opposite of what has generally been anticipated with future climate change.

A new study from researchers at the Bjerknes Centre for Climate Research gives less reason to fear a weakening of the Gulfstream due to climate change. One of the suggested ‘tipping points’ in the climate system is a substantial slow-down or even collapse of the Gulfstream due to increased freshwater input in the northern seas. In a warmer climate, the hydrological cycle of precipitation and evaporation will strengthen including more rainfall, river runoff and ice melt in the north. One can in its most extreme imagine this literally to close the large-scale ocean circulation between the Arctic and the lower latitudes.

In the article ‘How northern freshwater input can stabilise thermohaline circulation’, Erwin Lambert, PhD-student at UiB and the Bjerknes Centre and the University of Bergen, studies how ocean circulation is affected by increased freshwater input. Lambert and colleagues show how increased freshwater input in the north in some cases can even strengthen the Gulfstream extension into the Arctic – just like a river in a typical Norwegian fjord is a driver for the fjord’s exchange with the surrounding ocean.

In 1961, the American oceanographer Henry Stommel reduced the ocean to a few equations. With Stommel’s model, the North Atlantic can be split into a warm part in the south and the cold Nordic Seas in the north – a thought experiment of two boxes, without coastlines, islands or underwater ridges. In the North Atlantic, water flows northward at the surface, before sinking to the bottom in the Nordic Seas and flowing back southward in the deep ocean. The surface current flowing north is what we think of as the Gulf Stream. Stommel’s description of how water circulates between warm and cold regions like this, was entirely theoretical, and it was the Finnish oceanographer Clas Rooth who applied it to the Atlantic in 1982.

Stommel’s model is simple. It does not represent all factors in the real world, but still made it possible to answer a big question. You can neglect the wind, and there will be circulation in the North Atlantic. As long as water sinks in the north, the Gulf Stream will continue to flow north.

– The beauty of such a model is that we can understand the full behavior of its circulation, says Erwin Lambert.

Lambert is a PhD candidate at the Geophysical Institute at the University of Bergen and the Bjerknes Centre, and works with a box model that builds on Stommel’s model. He remarks that both theoretical models, like his, and the large and more detailed circulation models used for weather forecasting and climate projections, only represent the real world to a limited extent.

– The benefit of a theoretical model is that we know, and actually choose, what these limitations will be.

Simple models make it easier to pin-point the effect of changes. Like Stommel, Lambert can choose to let the water in the north be less salty and calculate how the ocean current will react to more freshwater in the Nordic Seas. A fresher north is exactly what is expected with global warming.

In a warmer world, there will be more rain and snow in the northern regions, meltwater from glaciers and sea ice will pour into the ocean, and together this will make the water in the Nordic Seas less salty. The salty Atlantic water that flows in from the south will mix with water that is fresher than it used to, and the mix will be less dense. As a result, water entering the Nordic Seas will not sink as efficiently as it has done in the past. According to Stommel’s model, this would reduce the circulation in the Atlantic Ocean. This is the background for theories that global warming may weaken the Gulf Stream.

Two thirds of the water that enters the Nordic Seas flow back south in the deep ocean. The remaining one third continues on the north-bound route and enters the Arctic Ocean. This water is not included in Stommel’s model, and when calculating the effect of climate change, it must be. The old model consists of one box for the southern part of the North Atlantic and one for the Nordic Seas. 

By adding a third box, the Arctic Ocean, the ciculation in the Atlantic Ocean is stabilized. When you include the effect of more freshwater in the Arctic Ocean, the current will be less reduced than in Stommel’s model with only two boxes. This makes Erwin Lambert think that increasing precipitation in the north may be less important for the circulation in the Atlantic than previously believed.

He admits that it’s still an open question of how well such simple box models represent reality. For example, wind – which the Stommel model does not consider – is a vital driver of the Gulf Stream near the surface. But Lambert maintains that simple models still make it possible to study major processes in the ocean.

– It’s amazing how much knowledge can be gained from a model that consists of merely five equations.

Read the full story on fresh water impact and the box model experiment: 

http://www.bjerknes.uib.no/en/article/news/north-erwin-lambert

Zwar erwähnt Stefan Rahmstorf eine weitere Studie aus dem letzten November, nämlich Bakker et al. 2016:

Bei ungebremsten Emissionen (RCP8.5 Szenario) schwächt sich bis zum Jahr 2300 ohne Grönland-Schmelze das Golfstromsystem im Mittel um 37% ab. Mit Grönland-Einfluss sind es 74%.

Dabei vergisst es aber doch glatt die gute Nachricht der Studie. In den Highlights heißt es in der Arbeit:

  • Impact of Greenland melt on future overturning circulation is small but non-negligible especially for high-end global warming scenarios
  • Likelihood of a full overturning collapse remains exceptionally small if global warming is limited to less than 5K

Aus dem Abstract:

By years 2090–2100, the AMOC weakens by 18% [−3%, −34%; 90% probability] in an intermediate greenhouse-gas mitigation scenario and by 37% [−15%, −65%] under continued high emissions. Afterward, it stabilizes in the former but continues to decline in the latter to −74% [+4%, −100%] by 2290–2300, with a 44% likelihood of an AMOC collapse. This result suggests that an AMOC collapse can be avoided by CO2 mitigation.

 

Schwindel um Nitrat im Grundwasser: Von abertausenden Messstellen offenbar nur 162 nach Brüssel gemeldet

Guter Artikel von Sven Titz in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) am 21. November 2016 zum arktischen Meereis:

Klimawandel: Ein Ausreisser beim Meereis
Auf den Weltmeeren treiben momentan besonders wenig Eisschollen. Das hat in den sozialen Medien für Schlagzeilen gesorgt. Für den Klimawandel gibt es aber einen geeigneteren Indikator.

Eine Grafik der Meereisfläche hat viele Nutzer sozialer Medien aufgeschreckt. Gemäss Informationen vom «National Snow and Ice Data Center» in Boulder, Colorado, bedeckten Eisschollen seit 1978 zu dieser Jahreszeit noch nie eine so kleine Fläche – weder in der Arktis noch in der Antarktis.

[...]

Wer einen Indikator für die globale Erwärmung sucht, welche ja auf langer Zeitskala abläuft, tut aus Sicht der Klimaforschung gut daran, sich an den globalen Wärmegehalt der Ozeane zu halten. Als Mass für den Klimawandel ist er mit Sicherheit besser geeignet als die zappelnde Kurve des Meereises.

Ganzen Artikel in der NZZ lesen.

 

 Abbildung: Zeitliche Entwicklung des Ozeanischen Wärmeinhalts für das Wassertiefenintervall 0-2000m. Quelle: NOAA.  

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Uli Weber hat sich Gedanken zur Berechnung des Treibhauseffekts gemacht. Der Originaltext ist in den Mitteilungen der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft zur Diskussion gestellt worden, Ausgabe 2016-3, mit dem Titel  “A Short Note about the Natural Greenhouse Effect”. Ein pdf mit einer deutschsprachigen vereinfachten Zusammenfassung des Beitrags kann hier heruntergeladen werden. Hinweis: Der Beitrag spiegelt die Ansicht des Autors wieder.

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Interessanter Beitrag auf Deutschlandradio Kultur am 18. November 2016:

Diskussion um Gülle und Kunstdünger: Der Schwindel um Nitrat im Grundwasser

Verseuchen Gülle und Kunstdünger deutsches Grundwasser? Eine Klage der EU-Kommission legt das nahe. Lebensmittelchemiker Udo Pollmer kann darüber aber nur den Kopf schütteln.

Folgt man den Berichten im Fernsehen, dann droht uns allen Ungemach durch die Gülle, die in den Ställen anfällt. Denn diese “verseucht” angeblich unser Trinkwasser mit Nitrat. Nitrat ist laut ZDF noch dazu “krebserregend”. Zu dumm nur, dass auch im Gemüse reichlich Nitrat steckt, oft 10mal, ja manchmal 100mal so viel wie im Trinkwasser. Demnach wären Kopfsalat, Rucola und Grünkohl eine Krebsgefahr ersten Ranges. Unter uns: Das Krebsrisiko basierte auf einer ursprünglich vernünftigen Theorie um das Jahr 1980, aber die hat sich mittlerweile als gegenstandslos erwiesen. Deshalb können Sie Ihr Gemüse trotz Nitrat mit Wohlbehagen vertilgen.

Weiterlesen auf Deutschlandradio Kultur

Am Ende heißt es:

“…Bleibt die Frage: Warum soll sich dann Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof wegen des Nitrats im Wasser verantworten? Das haben unsere Umweltpolitiker geschickt eingefädelt: Sie haben erwirkt, dass von den vorhandenen abertausenden Messstellen nur 162 nach Brüssel gemeldet wurden, nämlich solche, die deutlich belastet sind. Die sauberen Brunnen wurden der EU verschwiegen. So kann man sich später durch drastische Auflagen für die Landwirte als Retter der Umwelt inszenieren…“

Schön nachzuvollziehen auf den Seiten 5 und 6 dieser Präsentation.

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Axel Bojanowski am 21. Dezember 2016 auf Spiegel Online:

Klimaforschung: Geologen erklären größte Katastrophe des Mittelalters
536 nach Christus verdunkelte eine mysteriöse Wolke auf Jahre den Himmel – die größte Naturkatastrophe der vergangenen Jahrtausende sorgte für Dürren, Hunger und Seuchen. Jetzt glauben Forscher die Ursache gefunden zu haben. [...] Wissenschaftler haben Hinweise auf einen gewaltigen Meteoriteneinschlag gefunden. Zusammen mit anderen Indizien schält sich ein dramatisches Szenario heraus: Offenbar hat die frühmittelalterliche Klimakatastrophe zehn Jahre gedauert, ausgelöst von mindestens zwei monströsen Naturereignissen, berichten Wissenschaftler auf dem Herbsttreffen der American Geophysical Union (AGU) in San Francisco. Um eine mehrjährige Klimaabkühlung auszulösen, wäre eine riesige Einschlagswolke nötig. Steckt ein Meteorit dahinter, hätte er mindestens 300 Meter dick sein müssen, hatten drei britische Wissenschaftler 2004 ermittelt. Ein entsprechend großer Krater war allerdings nirgendwo bekannt. Jüngst aber entdeckten Forscher im Meeresgrund vor der Küste Australiens im Golf von Carpentaria den Krater eines etwa 600 Meter dicken Meteoriten.

Ganzen Artikel auf SPON lesen.

 

Der Einfluss des Klimawandels auf die Siegerzeiten des Boston-Marathons

Die American Geophysical Union (AGU) richtet alljährlich mehrere große Konferenzen aus, bei denen die Klimawissenschaften eine wichtige Rolle einnehmen. Die AGU bietet einige Vorträge nun als kostenfreien view-on-demand-Dienst an. Eine Übersicht der entsprechenden Vorträge von der Herbst 2016-Tagung gibt es hier. Registrierung und Erläuterungen zum Service hier.

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Umweltschutz liegt uns allen am Herzen. Während man früher seinen Müll einfach in den Wald kippte, gibt es heute gut funktionierende Abfallrücknahmesysteme. Leider gibt es aber auch heute noch immer einige Schwarze Schafe, die die Umwelt mit Füßen treten. Für diese wurden umfangreiche Umwelt-Bußgelder entworfen, die von Fehlverhalten abschrecken sollen. Die Internetplattform bussgeldkatalog.net bietet eine Übersicht über die Umwelt-Bußgelder in Deutschland an:

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Allmählich stellt sich Routine ein. Wenn ein Winter warm war, war es der Klimawandel. Wenn ein Winter kalt war, war es ebenso der Klimawandel. Ein tolles System, ausgedacht von Potsdamer Klimaforschern, in Kooperation mit der örtlichen Presse. So berichtete die Potsdamer Neueste Presse am 11. Januar 2017:

Klimaforschung in Potsdam Eisverlust am Nordpol führt zu Kälteeinbrüchen in Mitteleuropa

Ok, kennen wir schon, langweilig. Fachkollegen sind angesichts des wilden Potsdamer Treibens entsetzt. Siehe:

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Krampfhaft versuchen Wissenschaftler aller Disziplinen in ihren Projektanträgen einen Bezug zum Klimawandel zu konstruieren, denn nur dann fließen die üppigen Forschungsgelder. Einer der skurrilen Höhepunkte ist sicher diese Studie von Abraham Miller-Rushing und Kollegen, die 2012 in PLOS One erschien:

Effects of Warming Temperatures on Winning Times in the Boston Marathon
It is not known whether global warming will affect winning times in endurance events, and counterbalance improvements in race performances that have occurred over the past century. We examined a time series (1933–2004) from the Boston Marathon to test for an effect of warming on winning times by men and women. We found that warmer temperatures and headwinds on the day of the race slow winning times. However, 1.6°C warming in annual temperatures in Boston between 1933 and 2004 did not consistently slow winning times because of high variability in temperatures on race day. Starting times for the race changed to earlier in the day beginning in 2006, making it difficult to anticipate effects of future warming on winning times. However, our models indicate that if race starting times had not changed and average race day temperatures had warmed by 0.058°C/yr, a high-end estimate, we would have had a 95% chance of detecting a consistent slowing of winning marathon times by 2100. If average race day temperatures had warmed by 0.028°C/yr, a mid-range estimate, we would have had a 64% chance of detecting a consistent slowing of winning times by 2100.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Hier die Gewinner-Zeiten zum Überprüfen: Männer, Frauen

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Vermeintliche Sensation auf focus.de am 22. November 2016:

Mysteriöse Strukturen: Schneepyramiden in der Antarktis entdeckt – muss die Geschichte umgeschrieben werden?

Die Entdeckung einer Reihe von pyramidenartigen Strukturen in der Antarktis verblüfft Wissenschaftler auf der ganzen Welt. Die schneebedeckten Strukturen ähneln stark den berühmten ägyptischen Pyramiden von Gizeh.

Während die größte Pyramide in Gizeh eine durchschnittliche Basislänge von 230 Metern hat, beträgt die Seitenlänge des Gebildes in der Antarktis im Satellitenbild ca. 400 Meter. Es lassen sich ähnliche Winkelverhältnisse wie bei den Pyramiden in Gizeh vermuten.

Auf Google Earth sind die mysteriösen Strukturen unter dem Längengrad -79.977277 und dem Breitengrad -81.961749 zu bestaunen.

Weiterlesen und Video auf focus.de

Natürlich wird dann noch schnell der Klimawandel hineingemischt, fertig ist die perfekte Story. Tja, das Problem dabei ist leider, dass die meisten Naturkommentatoren die Natur nur noch aus dem Computer und der Zeitung kennen und sich regelrecht vor ihr fürchten. Anstatt in Wäldern und an den Küsten zu wandern, geht man lieber gegen seinen Lieblings- und Universalgegner an, das böse CO2. Im Gegensatz hierzu hat sich Kalte-Sonne-Coautor Sebastian Lüning in die Welt hinaus gewagt. Im Zuge zahlreicher Sahara- und anderer Wüsten-Expeditionen hat er ebenfalls pyramidenähnliche Bergkuppen angetroffen, z.B. auf dem Sinai. Die Pyramidenstruktur ist ein natürliches Phänomen der Verwitterung, eine Funktion von Gesteinstyp und Verwitterungsprozessen. Da wundert die Aufregung über die Pyramidenberge in der Antarktis schon sehr. Wenn Couchpotatoes uns die Natur erklären, weiß man, dass im Bereich der Naturwissenschaften und ihrer medialen Berichterstattung etwas falsch läuft.

 

Buchrezension zum neuen Klimabericht für die Nordseeregion: Wieder bleibt es vor der Kleinen Eiszeit zappenduster

Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) gab am 10. November 2016 per Pressemitteilung die Veröffentlichung des Buches “North Sea Region Climate Assessment” (Quante & Colijn 2016) bekannt. Das Buch ist beim Springer Verlag erschienen und kann kostenlos als pdf heruntergeladen werden. Die Veröffentlichungskosten wurden offenbar durch das Institut bzw. den Steuerzahler beglichen. In der Pressemitteilung heißt es:

Wandel regional spürbar: Erster umfangreicher Klimabericht für die Nordseeregion erschienen
Wie viele küstennahe Gebiete ist auch der gesamte Nordseeraum vom Klimawandel betroffen. In den kommenden Jahrzehnten wird dies im verstärkten Maße der Fall sein, sofern die Emissionen, beispielsweise von Kohlendioxid, nicht wesentlich verringert werden. Anpassungsmaßnahmen benötigen eine fundierte wissenschaftliche Grundlage. Der Nordseeklimabericht „North Sea Region Climate Chance Assessment (NOSCCA)“, koordiniert vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG), stellt den aktuellen Wissensstand nun erstmalig in seiner Gesamtheit ausführlich vor und zeigt, wie sich die einzelnen Regionen rund um die Nordsee aufgrund des Klimawandels zukünftig verändern könnten. Demnach erwarten die Wissenschaftler bis zum Ende des Jahrhunderts einen Anstieg der durchschnittlichen Lufttemperatur im Nordseeraum um bis zu 3,2 Grad Celsius
.

Die bereits gemessene wie auch zukünftig zu erwartende Erwärmung der Luft in der Region folgt damit dem globalen Trend, zeigt allerdings eigene saisonale und Jahrestrends. So war das Jahr 2010 bis dato weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. „Im Nordseeraum war es im selben Jahr allerdings verhältnismäßig kühl“, sagt Prof. Dr. Markus Quante, Wissenschaftler am Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) und Koordinator des Berichts. Entgegen dem weltweiten Trend lag die mittlere Jahrestemperatur im Nordseeraum fast ein halbes Grad unter dem langjährigen Mittel zwischen 1961 und 1990.

In der Pressemitteilung wird dann die folgende Temperaturkurve aus der Nordseeregion gezeigt (Abb. 1). Gut zu erkennen ist der Erwärmungshiatus seit 1998, der jedoch in der Meldung mit keiner Silbe erwärmt wird. Hier wäre ein gleitendes Mittel über mehrere Jahre sehr interessant gewesen, um Trends zu zeigen, was aber offenbar nicht gewünscht war.

 

Abbildung 1: Abweichung der mittleren durchschnittlichen Jahrestemperatur berücksichtigter Landmessstationen im Nordseeraum zwischen 1950 und 2014 im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990. Jahre mit blauen Balken sind kälter, Jahre mit roten Balken sind wärmer als im Vergleichszeitraum. Quelle: HZG. Entspricht Abb. 2.8 aus dem Buch.

 

Im Buch selber findet sich eine Kurve der Nachttemperaturen aus dem marinen Nordseebereich (Abb. 2). Hochinteressant sind die Wärmespitzen um 1900 und in den 1940er Jahren, die bereits damals das heutige Temperaturniveau erreichten.

Abbildung 2: Entwicklung der nächtlichen Mitteltemperaturen aus dem marinen Nordseebereich seit 1960. Quelle: Quante & Colijn 2016.

 

Im Buch wird zudem ausführlich auf die wichtige Rolle der atlantischen Ozeanzyklen eingegangen, die in der Pressemitteilung ebenfalls unerwärhnt bleiben. Unerklärlich ist, weshalb sich das Buch auf das Klima der letzten 200 Jahre beschränkt. Wie bereits in einem anderen kostlenlosen Springer-Buch “Klimawandel in Deutschland” meidet man bewusst die Ausenandersetzung mit dem Klima vor der Kleinen Eiszeit. Das große Schweigen zum größten Teil des vorindustriellen holozänen Klimas ist hochbedenklich. Wer hat diese Restriktion auferlegt, was steckt hinter dieser Beschränkung? An einem Mangel von Daten zur Mittelalterlichen Klimaanomalie (MCA) im Nordseeraum kann es nicht liegen, wie unser Kartierprojekt deutlich zeigt (Abb. 3).

Abbildung 3: Fallstudien zum Klima der Mittelalterlichen Klimaanomalie im Nordseeraum, 1000-1200 n.Chr. Details zum Kartierprojekt hier. Zugang zur Online-Karte hier.  

 

Lesen wir noch ein wenig in der Pressemitteilung des HZG zum Nordseeklimabuch weiter, Thema Meeresspiegel:

Weiterer Anstieg des Meeresspiegels in der Nordseeregion sehr wahrscheinlich
Der durchschnittliche Meeresspiegel in der Nordsee liegt heute höher als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In den letzten 100 bis 120 Jahren ist das Wasser um gut 16 bis 20 Zentimeter gestiegen. Insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Anstieg in der zentralen Nordsee markant zu beobachten. Eine weitere Zunahme des mittleren Meeresspiegels zwischen 30 und 100 Zentimetern, je nach Szenario, bis zum Ende des Jahrhunderts ist sehr wahrscheinlich.

Ein Anstieg von 16-20 cm in mehr als 100 Jahren übersetzt sich in weniger als 2 mm Anstieg pro Jahr. Das ist alles andere als bedrohlich und passt nicht so recht zum alarmistischen 100 cm-Szenario bis 2100. Hierzu müsste es eine starke Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs geben. Ist diese bereits erkennbar? Die Pressemitteilung schweigt zu diesem wichtigen Punkt. Also schauen wir in das 555-seitige Buch hinein. Auf Seite 98 heißt es:

Geocentric [mean sea level, MSL] trends of 1.59 ± 0.16 and 1.18 ± 0.16 mm year−1 were obtained for the Inner North Sea and English Channel indices, respectively, for the period 1900–2009 (data sets were corrected for GIA to remove the influence of vertical land movement). For the North Sea region as a whole, the geocentric MSL trend was 1.53 ± 0.16 mm year−1.

In den letzten 100 Jahre ist der Meeresspiegel in der Nordsee lediglich um anderthalb Millimeter pro Jahr angestiegen. Bezug wird auf eine Studie von Wahl et al. 2013 genommen, die wir bereits hier im Blog vorgestellt hatten. In der damaligen Studie konnten die Autoren keine ungewöhnliche Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs feststellen. Dies kann man nun auch im neuen Springer-Nordseebuch nachlesen (S. 100):

Periods of [sea level rise, SLR] acceleration were detected at the end of the 19th century and in the 1970s; a period of deceleration occurred in the 1950s. Several authors (e.g. Miller and Douglas 2007; Woodworth et al. 2010; Sturges and Douglas 2011; Calafat et al. 2012) suggested that these periods of acceleration/deceleration are associated with decadal MSL fluctuations arising from large-scale atmospheric changes. The recent rates of MSL rise were found to be faster than on average, with the fastest rates occurring at the end of the 20th century. These rates are, however, still comparable to those observed during the 19th and 20th centuries.

Die fehlende Beschleunigung hat es leider nicht in die Pressemitteilung geschafft. Es ist unklar, wie die enorme Steigerung des Meeresspiegelanstiegs zu rechtfertigen ist, wenn es in den letzten Jahrzehnten trotz starker Erwärmung hierfür keine Anzeichen gibt.

Das neue Buch zur Klimaentwicklung zum Nordseeraum teilt ein ähnliches Schicksal wie die IPCC-Berichte. Wenn man sich in die Fachkapitel vertieft, findet man in der Regel eine ausgezeichnete Dokumentation der Literatur und Forschungsergebnisse. Die Zusammenfassungen und Pressemitteilungen werden hingegen bewusst angeschärft, um politisch korrekt die Klimagefahr zu befördern. Unbequeme Fakten werden an dieser Stelle verschwiegen, damit die Bevölkerung hieraus keine “falschen” Schlüsse zieht. Das selektive Herauspicken von klimaalarmistischen Rosinen ist wissenschaftsethisch bedenklich. Wie konnte es dazu kommen, was sagen jene Wissenschaftler dazu, die sich in den Fachkapiteln um eine ausgewogene Darstellung so sehr bemüht haben?

 

Frag lieber nicht den Lesch

Harald Lesch ist ein bekannter Fernsehprofessor. Mit seiner ihm eigenen Art will er den Zuschauern die Wissenschaft näherbringen, darunter auch die Klimawissenschaften. In regelmäßigen Abständen erläutert Lesch in TV und Online-Videos die Zusammenhänge und ermahnt seine Gefolgschaft zu einer nachhaltigen Lebensweise, ansonsten würde die Klimakatastrophe über die Welt hereinbrechen und alles zerstören. Rette sich wer kann.

Es ist in Ordnung, dass sich Lesch für das vermeintlich Gute so sehr einsetzt. Er glaubt an seine Sache, ist davon überzeugt, dass das CO2 den Planeten zerstören wird. Was nicht in Ordnung ist, ist dass Lesch im Zuge seiner Kampagne die wissenschaftlichen Fakten verbiegt. Wir hatten bereits mehrere Beispiele an dieser Stelle aufgeführt, sind bis zum ZDF-Fernsehrat gegangen, um Fehler korrigieren zu lassen:

Angesichts dieser Vielzahl von inhaltlichen Probleme stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, auf Lesch-Beiträge einzugehen. Der Mann ist offenbar beratungsresistent, wird von seiner Redaktion sowie dem Fernsehrat geschützt. Er kann sich im Prinzip alles erlauben. Trotzdem wollen wir auch zukünftig seine Thesen nicht ungeprüft lassen, versprochen.

Zunächst einmal wollen wir ein bisschen hinter die Kulissen schauen. Weshalb setzt sich “Harry” Lesch eigentlich so sehr für den Klimaalarm ein? Einen ersten Hinweis liefert sein Engagement bei einer Internationalen Agrarkonferenz, die von den B90/DIE GRÜNEN ausgerichtet wurde:

 

In der Youtube-Beschreibung der Grünen heißt es:

Prof. Dr. Harald Lesch erklärt, wie wir unseren Planeten und sein Klima durch die Art und Weise, wie wir Landwirtschaft betreiben verändern. Dabei stehen die Gier nach abstrakten Dingen wie Geld und Reichtum einer konkreten Natur gegenüber, die sich beschreiben lässt, mit der wir aber nicht verhandeln können. 

Die Verbandelung von Lesch mit den Grünen zeigt an, dass wir es vermutlich nicht mit einem neutral urteilenden Wissenschaftler zu tun haben, sondern einem grünen Aktivisten. Neben den Querverbindungen in die Politik gibt es aber auch noch Verknüpfungen mit dem klimaalarmistisch agierenden Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Schauen Sie einmal in das Buch “Climate Change, Justice and Sustainability – Linking Climate and Development Policy”, herausgegeben unter anderem vom PIK-Ökonomen Ottmar Edenhofer, unter Beteiligung zwei weiterer PIK-Leute. Und in der Danksagung auf Seite viii finden wir doch tatsächlich einen alten Bekannten:

The editors are very grateful for external support from a scientific advisory board: Hartmut Graßl, Joachim von Braun, Saleemul Huq, Stephan Klasen, Harald Lesch, Dirk Messner and Wilhelm Vossenkuhl

Der Astrophysiker und Naturphilosoph Harald Lesch saß also im wissenschaftlichen Beirat dieses PIK-Buches. Zwei Seiten vorher spinnt sich das Netzwerk weiter fort:

The commissioning parties and project partners are MISEREOR – the German Catholic Bishops’ Organisation for Development Cooperation, and the Munich Re Foundation – a non-profit organization founded by the global risk carrier Munich RE.

Beim gemeinschaftlichen Klimaalarm sind sie alle dabei: Medien (Lesch), Politik (Grüne), Wissenschaft (PIK), Industrie (Munich Re) und Kirche (Misereor). Kein Wunder, dass wissenschaftliche Argumente schon lange nichts mehr zählen. Die gut vernetzte Seilschaft hat einen wirksamen Schutzwall errichtet, den selbst berechtigte Kritik nicht bezwingen kann.

Kehren wir lieber zurück zu den Inhalten. Im November 2016 tauchte auf Youtube das 13-minütige Video “Frag den Lesch – Neues aus der Klima-Küche” auf (auch in der ZDF-Mediathek verfügbar):

 

Zunächst verkauft Lesch den Albedo-Effekt der Gletscher als große Neuigkeit: Dunkles Material auf dem Eis lässt es schneller schmelzen. Alte Kamelle. Hatten wir auch schon hier im Blog. Siehe “Ruß wärmt stärker als gedacht und ließ Alpengletscher im 19. Jahrhundert tauen“. Spannender wäre gewesen, wenn Lesch das rasche Gletscherschmelzen während vorindustrieller Warmphasen einmal thematisiert hätte:

Dann wechselt Lesch das Thema und singt ein Loblied auf die Klimamodelle: Sie hätten die Temperaturen erfolgreich 30 Jahre im voraus prognostiziert. Fanfare, Glückwünsche, Staunen. Aber stimmt das eigentlich? In der unten stehenden Abbildung 1 werden die IPCC-Temperaturprognosen mit der realen Entwicklung verglichen. Überraschenderweise bewegten sich die Temperaturen am unteren Rand des Prognosebereichs. Die Modelle scheinen deutlich zu heiß zu laufen, die Natur hat sich deutlich langsamer erwärmt, als vom IPCC 1990 angenommen. Großartige geändert hat sich an den Modellen seither nichts, die CO2-Klimasensitivität liegt auch im neuesten IPCC-Bericht von 2013 immer noch im weiten Spektrum zwischen 1,5°-4,5°C Erwärmung pro CO2-Verdopplung. Offenbar liegt der wahre Wert der CO2-Klimasensitivität eher am unteren Rand dieses Bereichs. Es ist purer Hohn, wenn Lesch nun seinen Zusehern weismachen will, die Modelle hätten genau ins Schwarze getroffen. Schon fast ein Fall für die neue Fake News Stelle der Bundesregierung.

 

Abbildung 1: Globale Temperaturentwicklung (RSS, schwarze Kurve) im Vergleich zu Prognosen des 1. IPCC-Berichts von 1990 (FAR), die sich zwischen den eingezeichneten Extremfällen (grüne und rote Kurven) liegen.

 

Dann behauptet Lesch, die Wolken hätten sich genau an die Prognosen gehalten, sie wären aufgestiegen. Naja, in Wirklichkeit gibt es bei den Wolken wohl mehr ungelöste als gelöste Probleme. Man kanns ja mal versuchen, wird sich Lesch gedacht haben. Mehr dazu hier:

In wilder Fahrt geht es dann beim Meeresspiegel weiter. Lesch zitiert eine Studie, die angeblich zeigen soll, dass der Meeresspiegelanstieg in den letzten 100 Jahren alles Dagewesene der letzten 3 Jahrtausende übertroffen hat. Stimmt das? Nein. Siehe unseren Blogbeitrag: “Lange bevor der Mensch die Atmosphäre veränderte: Meeresspiegel stieg in den letzten 2000 Jahren zeitweise so schnell wie heute

Am Ende der Klimapredigt dann der Höhepunkt: Lesch erklärt mahnend, dass alle Klimawerte immer nur ansteigen “alle, alle, alle, alle”. Dabei verschweigt er, dass es in den letzten 10.000 Jahren mehrfach ähnliche “Anstiegsphasen” gegeben hat. Während des holozänen thermalen Maximums vor 8000-5000 Jahren war es global sogar wohl 1-2°C wärmer als heute. Lesch schweigt hierzu, was wissenschaftsethisch bedenklich ist. Denn das bewusste Auslassen von unbequemen Fakten ist unwissenschaftlich und lediglich Rechtsänwälten und Politikern erlaubt. Die große abschließende Frage ist, was Lesch in seiner orangen Tasse hatte, die er während der Videoclips durch das Studio trug und aus der er immer wieder mal einen großen Schluck nahm. Horchen Sie mal bei Minute 12:55 rein, da wird es richtig ulkig (-;

 

Die Sonne im Dezember 2016 und eine Vorschau

Von Frank Bosse und Fritz Vahrenholt

Unsere einzig nennenswerte Energiequelle war auch im Dezember ausgesprochen ruhig. Die vermeldete SSN (SunSpotNumber) für den letzten Monat betrug 19,5.  An 6 Tagen konnte man eine völlig fleckenfreie Sonne bewundern, für den laufenden Monat Januar sind es bis dato ( 14.1.) bereits 10. Diese auch für den fortgeschrittenen absteigenden Ast der Aktivitätskurve des Solaren Zyklus (SC) sehr maue Aktivität schlägt sich auch darin nieder, dass dies nur 35% des Üblichen für den Zyklusmonat ist.

Abb.1: Die Aktivität des laufenden Zyklus 24 (rot) im Vergleich zu einem mittleren Zyklus (blau) und dem zeitweise recht ähnlichen Zyklus 5 (schwarz), der von 1798 bis 1810 dauerte.

 

Der Vergleich der Zyklen untereinander bis zum aktuellen 97. Monat seit Beginn des SC24 im Dezember 2008 zeigt mit jedem Monat deutlicher, wie stark er unterhalb der üblichen Aktivität liegt. Er ist der drittschwächste seit Beginn der systematischen Beobachtungen im Jahre 1755.

Abb.2: Der Vergleich der Zyklen untereinander. Die Zahlen entstehen durch das Aufsummieren der monatlichen Anomalien, dies sind die Differenzen zwischen den jeweils ermittelten SSN-Zahlen und dem Mittelwert, blau in Abb.1.

 

In keinem Jahr seit Beginn des Zyklus erreichte die Aktivität ein Normalniveau:

Abb.3: Die relative Sonnenfleckenaktivität der Kalenderjahre des Zyklus 24

 

Im Mittel schaffte unsere Sonne im SC24 bisher nur eine Aktivität von 56% der durchschnittlichen Aktivität seit 1755. Für die Einschätzung dessen was uns im kommenden Zyklus 25 (etwa ab 2020) erwarten könnte ist die Entwicklung der polaren Felder der Sonne von großem Interesse.  Das letzte Mal hatten wir im November 2016 einen Blick darauf geworfen  und erklärt, was es damit auf sich hat. Die Daten sind nun aktualisiert bis Mitte Dezember und wir schauen zunächst auf den arithmetischen Mittelwert der Felder beider Pole:

Abb.4: Die Entwicklung der polaren solaren Felder seit 1977. Die Ähnlichkeit des Auf und Ab zum Sonnenfleckenzyklus (vgl.  Abb.1 in blau) ist offenkundig.

 

Es scheint so, dass sowohl bei den polaren Feldern als auch bei den Sonnenflecken ein zügiger Aufbau bis etwa 3 Jahre nach dem Nulldurchgang erfolgt, ein Maximum erreicht wird und danach ein Abbau über den Rest der Zeit von etwa  11 Jahren bis zum nächsten Nulldurchgang von statten geht. Die 36 Monate seit dem Nulldurchgang sind nun fast vergangen, im aktuellen Zyklus war dieser Nulldurchgang  (er entspricht zeitlich dem  Sonnenfleckenmaximum) im März 2013. Die Höhe des Maximums der Felder bestimmt recht gut, wie stark der nächste Sonnenfleckenzyklus sein wird. Aus Abb.4 folgt: er wird etwa so stark sein wie der gegenwärtige, vielleicht ein wenig schwächer aber nicht wesentlich unterschiedlich. Auf keinen Fall sollte er „Normalstärke“ erreichen wie der Zyklus 20 oder 23. Die gegenwärtige schwache Aktivität ist also kein „einmaliger Ausrutscher“ , auch SC25 ( etwa bis 2031 dauernd) sollte ausgeprägt inaktiv werden und damit unterscheidet sich die Periode nach  2005 wesentlich von der aktivitätsstarken der Zyklen 18…23.

Eine andere Beobachtung im Zusammenhang mit den polaren Feldern ist interessant: Die Feldstärken der beiden Pole sind zwar nicht völlig unabhängig voneinander, es können jedoch zeitweise Asymmetrien bestehen. Wir vergleichen daher die Entwicklung der letzten beiden Zyklen seit dem jeweiligen  Nulldurchgang:

Abb.5: Der Verlauf der beiden polaren Felder im Vergleich. Die geglätteten Felder des Nordpols (blau) und des Südpols (rot) sind als Beträge dargestellt, ebenso wie der Mittelwert (schwarz).

 

Um den Nulldurchgang herum (bis etwa ½ Jahr danach) sind Wechsel in der Stärke der noch gering ausgeprägten Felder durchaus normal. Im SC23 hat sich später alles um den Mittelwert herum eingeschwungen, im aktuellen Zyklus sahen wir noch keinen Wechsel in der Stärke: der Südpol hatte die gesamte Zeit über das deutlich stärkere polare Feld. Dies war noch in keiner seit 1977 beobachteten Phase des Aufbaus der polaren Felder der Fall: mindestens einen „Führungswechsel“ gab es seitdem immer. Die Felder scheinen nun viel mehr entkoppelt zu sein als bisher beobachtet. Seit 2013 ist das Feld des Südpols unserer Sonne zunächst stark angewachsen um sich über das Jahr 2016 hin abzuschwächen und sich nunmehr der deutlich schwächeren Nordpolfeldstärke anzunähern. Was bedeutet diese ungewöhnliche Entkopplung?  Ist das ein weiteres Vorzeichen für den SC25? Wir wissen es noch nicht, denn solch genaue Beobachtungen sind erst seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts möglich.

Bislang konnten wir die Rückschau über die Entwicklung der polaren Felder nur bis 1976, dem Beginn des Satellitenzeitalters betrachten. Das Ergebnis einer neue Arbeit  gibt uns die Möglichkeit, 100 Jahre zurückzuschauen. Dazu ermittelte das Autorenteam um Kalevi Mursula von der Universität in Oulu in Finnland die Stärke Koronaler Löcher, um daraus Hinweise auf die polaren Felder seit 1910 zu gewinnen. Koronale Löcher  sind ebenso wie Eruptionen aus Sonnenflecken („Flares“)  Quellen von Plasmaaustritten aus der Sonne, die den  Sonnenwind verstärken, der seinerseits das Magnetfeld der Erde beeinflusst. Ein schönes Exemplar dieser Spezies fotografierte ein Raumfahrzeug  im entsprechenden Spektralbereich:

Abb.6: Ein riesiges zentrales Koronales Loch ( dunkler) auf der Sonne, Quelle: NASA

 

Polarlichter in hohen Breiten sind die Folge von entsprechend positionierten Flares und Koronalen Löchern auf der Sonne. Beide kommen im abflauenden Teil des Sonnenfleckenzyklus gehäuft vor. Es gibt schon recht lang zurückreichende Archive und es  gelang den Autoren  damit Rückschlüsse auf die Stärke der polaren koronalen Löcher zu ziehen. Das Ergebnis: sie waren am meisten ausgeprägt im abschwingenden Ast des SC 18, der SC19 mit dem Höhepunkt im Jahre 1957 war folgerichtig  danach der aktivste Zyklus der systematisch beobachteten Sonnengeschichte.

Völlig anders das  Bild im abschwingenden Teil des SC23 ab etwa 2002: hier waren die zentralen Koronalen Löcher (vgl. Abb.6) am stärksten, die polaren koronalen Löcher und damit auch die Felder gering ausgeprägt wie die direkten Messungen bestätigen (vgl. Abb.4). Die Autoren folgern: beide Ereignisse markieren im Beobachtungszeitraum seit 1910 jeweils Rekorde und stehen am Beginn und Ende des Langzeitmaximums der Sonnenaktivität (vgl. Abb.2)  in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.  Die Sonne schaltete in den 50er Jahren hinsichtlich der polaren Felder einen Gang hoch und nach der Jahrtausendwende wieder einen zurück, dies ist durch diese Arbeit wiederum bestätigt worden.

Und die Sonne beeinflusst die Erde auch durch ihre Nicht-Aktivität: Der nachlassende Sonnenwind bringt es mit sich, dass wir mehr von galaktischen kosmischen Strahlen getroffen werden. Ist er stärker hält er diese Strahlung wirkungsvoll fern. In der Hochatmosphäre kommt es zu Reaktionen die am Ende Gamma- und Röngenstrahlung erzeugen, von der wir mehr abbekommen als bei aktiverer Sonne. Über die mögliche Wirkung der galaktischen Strahlung auf Wolken berichteten wir unlängst.Ein umfangreiches Messprogramm ist daher gestartet worden: Welche Dosis von Strahlung bekommt der Mensch wo ab wenn er in unterschiedliche Höhen vordringt und wie verändert sich dies durch geringeren  Sonnenwind? Ein erstes Resultat:

Abb. 7: Die Strahlung in der Stratosphäre im Verlaufe einer Phase nachlassender Sonnenaktivität, Quelle.

 

Der recht solide Trend von 11% Wachstum der Strahlung ist Ausdruck des schwindenden Sonnenwindes. Ein Aufsteigen in die Stratosphäre ist mit einer Strahlungsdosis von etwa dem 80 fachen der auf Meeresspiegelhöhe verbunden, ein Flug in ca. 12.000 m Höhe beaufschlagt den Organismus mit der 50- fachen Dosis. Eine solche Erhöhung würde auf der Erde diverse Notfallprogramme aktivieren, die Auswirkung auf den Körper ist aber natürlich zeitabhängig.  Ein 10-Stunden-Interkontinentalflug hinterlässt so viel Wirkung wie etwa 20 Tage auf dem Erdboden bei normaler Beaufschlagung. Im Laufe des Lebens werden Sie also als Nicht-Super-Oft-Flieger auf Dauer viel mehr von der geringen Strahlung am Boden beeinflusst als von der hoch droben. Keine übertriebene Angst vorm Fliegen also deshalb. Wie weit die allgegenwärtige Röntgen-und Gammastrahlungsbelastung noch ansteigen wird hin zum Minimum der Sonnenaktivität? Wir halten Sie auch hier auf dem Laufenden!

 

Der Rückgang von Emissionen hat auch negative Begleiterscheinungen

Pressemitteilung des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung vom 18. November 2016:

Der Rückgang von Emissionen hat auch negative Begleiterscheinungen

Wissenschaftler klären die Ursachen der zunehmenden Braunfärbung des Wassers in Talsperren

In großen Teilen Europas und Nordamerikas hat der Rückgang von industriellen Emissionen zu einer geringeren Schadstoffbelastung der Atmosphäre, und damit von Böden und Gewässern in naturnahen Gebieten geführt. Dass diese positive Entwicklung auch negative Begleiterscheinungen haben kann, haben Wissenschaftler des UFZ nun im Fachmagazin Global Change Biology veröffentlicht. Demnach sind sinkende Nitratwerte in den Auenböden rund um die Zuflüsse von Talsperren dafür verantwortlich, dass gelöster organischer Kohlenstoff (DOC) und Phosphat vermehrt freigesetzt werden und sich die Wasserqualität verschlechtert. Im Falle von Trinkwassertalsperren bringt das erhebliche Probleme für die Wasseraufbereitung mit sich.

Durch die Verbrennung von Biomasse und fossilen Energieträgern sowie vor allem durch die Landwirtschaft gelangt nach wie vor zu viel reaktiver Stickstoff in die Umwelt – mit negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, das Klima und die menschliche Gesundheit. Eine differenzierte Betrachtung von Eintragspfaden der verschiedenen Verursacher zeigt jedoch große Unterschiede.
Während Stickstoffeinträge über den Boden – vor allem durch die Landwirtschaft verursacht – zum Beispiel die Nitratwerte im Grundwasser vieler Regionen weiter über den Grenzwert von 50 mg pro Liter steigen lassen, nimmt in großen Teilen Europas und Nordamerikas die atmosphärische Belastung durch emissionsverringernde Maßnahmen ab. Das führt dazu, dass über diesen Pfad auch weniger Stickstoff in Böden und Gewässer gelangt. Langzeitmessungen über die letzten 20 Jahre zeigen das etwa deutlich für Deutschland: Pro Quadratmeter und Jahr wurden durchschnittlich 35 mg weniger atmosphärischer Stickstoff in den Boden eingetragen. Daraus resultieren laut Untersuchungen der UFZ-Wissenschaftler 0,08 mg pro Liter und Jahr weniger Nitrat, das in Flüsse und Trinkwassertalsperren gelangt. “Das klingt erst einmal wenig, aber in einigen naturnahen Landschaften, die nicht oder kaum durch Industrie und Landwirtschaft geprägt sind, stellen sich im Laufe der Zeit vorindustrielle Bedingungen ein”, sagt UFZ-Hydrogeologe Dr. Andreas Musolff. “Hier sind wir mit teilweise weniger als 6 mg Nitrat pro Liter Wasser weit entfernt von den problematischen Nitratkonzentrationen, die in landwirtschaftlich oder industriell stark geprägten Regionen gemessen werden”.

Dass diese positive Entwicklung auch negative Begleiterscheinungen haben kann, wurde deutlich, als Wissenschaftler damit begannen, die Ursachen einer in Deutschland, Nordeuropa und Nordamerika zunehmend zu beobachtenden Braunfärbung des Wassers in Talsperren zu erforschen. Sie ist vor allem für die Trinkwasseraufbereitung problematisch. Bei der Überprüfung verschiedener Hypothesen stellten sie fest, dass die Braunfärbung des Wassers vor allem mit den sinkenden Nitratkonzentrationen in den Auenböden rund um die Zuflüsse der Talsperren in Verbindung zu bringen ist. Denn die Präsenz von Nitrat in den Auen, in denen ein Großteil des Abflusses der Gewässer gebildet wird, sorgt dafür, dass Kohlenstoff, Phosphat und verschiedene Metalle an oxidiertes Eisen gebunden bleiben. Geringere Nitratgehalte ermöglichen die chemische Reduktion der Eisenverbindungen und damit die Mobilisierung bislang adsorbierter Stoffe. Das heißt – bislang stabile Bindungen an Bodenpartikel lösen sich und gelangen mit dem Regenwasser in die Flüsse. Im Falle von Kohlenstoff bedeutet das, dass sich die Konzentration an gelöstem organischen Kohlenstoff (Dissolved Organic Carbon – DOC) erhöht, sichtbar durch die bräunliche Farbe des Wassers. Bei knapp 40 Prozent der 110 untersuchten Zuflüsse von Trinkwassertalsperren stellten die Wissenschaftler mit durchschnittlich 0,12 mg mehr DOC pro Liter und Jahr signifikant steigende DOC-Konzentrationen fest. Der stärkste Anstieg war in naturnahen Einzugsgebieten mit viel Wald zu verzeichnen, wo die Nitratkonzentration im Wasser bei weniger als 6 mg pro Liter liegt.

Neben dem DOC steigt in über 30 Prozent der Zuflüsse auch der Phosphatgehalt signifikant an. Die im Durchschnitt ermittelten 7 µg pro Liter und Jahr mehr begünstigen das Algenwachstum und sind auf lange Sicht ebenso problematisch für die Wasserqualität. Es gibt Hinweise, dass zudem neben DOC und Phosphat adsorbierte Metalle wie Arsen, Vanadium, Zink oder Blei zunehmend mobilisiert werden.
“Man löst ein Problem, indem man die Luft sauberer macht, und kreiert damit an bestimmten Stellen ein anderes Problem”, beschreibt Biologe Dr. Jörg Tittel, der das Projekt am UFZ geleitet hat, den unerwarteten Effekt. “Keiner der gelösten Stoffe ist in dieser geringen Konzentration giftig, zudem werden die Stoffe durch die Wasseraufbereitung weitgehend entfernt. Aber die Aufbereitung des Wassers wird teurer.”

Einen ersten Beleg ihrer Hypothese lieferte die Auswertung der Daten eines 1,7 km2 kleinen Einzugsgebietes im Erzgebirge, rund um die Wilzsch, einem Nebenfluss der Zwickauer Mulde, der in die Talsperre Carlsfeld mündet. Danach wählten die Wissenschaftler einen wesentlich größeren Maßstab, in deren Fokus 110 Flüsse und ihre Einzugsgebiete standen, die in insgesamt 36 Trinkwassertalsperren münden. Trotz der wesentlich größeren Vielfalt hinsichtlich der Größe der Flüsse und ihrer Einzugsgebiete, ihrer Topografie, der Niederschlagsmenge, der Landnutzung und der chemischen Charakteristik bestätigte sich auch hier ihre Vermutung: Der beobachtete Anstieg des DOC hängt eng mit dem abnehmenden Nitratgehalt im Wasser zusammen.

Mittlerweile hat eine Diskussion begonnen, wie die Ergebnisse dieser Meta-Analyse gemeinsam mit den zuständigen Behörden in praktische Maßnahmen umgesetzt werden können, die den DOC-Anstieg stoppen. “Die Studie hilft, zukünftige Forschung auf die relevanten Prozesse zu fokussieren und entsprechende Feldexperimente zu planen, die die Entscheidungsgrundlage im Hinblick auf konkrete Maßnahmen weiter verbessern”, so Andreas Musolff.

Die Forschungsergebnisse wurden im Rahmen des Projekts “Belastung von Trinkwassertalsperren durch gelösten organischen Kohlenstoff: Prognose, Vorsorge, Handlungsoptionen (TALKO)” erbracht, welches bis 2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als einer Million Euro gefördert wurde. Ziel der Zusammenarbeit von UFZ, Talsperrenverwaltungen, Wasserversorgern, Behörden und einem Ingenieurbüro war es, Möglichkeiten zu finden, wie die Einträge in die Talsperren reduziert, Vorhersagen verbessert und Technologien der Wasseraufbereitung optimiert werden können.

Publikation:
Musolff, A., Selle, B., Büttner, O., Opitz, M. and Tittel, J. (2016), Unexpected release of phosphate and organic carbon to streams linked to declining nitrogen depositions. Glob Change Biol. doi:10.1111/gcb.13498 http://dx.doi.org/10.1111/gcb.13498