Fritz Vahrenholt: Energiewende wichtiger als der Schutz der Natur?

Die Basler Zeitung befragte am 18. Februar 2017 Fritz Vahrenholt zur Energiewende:

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«Das ist doch absurd!»

Der frühere Umweltpolitiker und Energiemanager Fritz Vahrenholt über die deutsche Energiepolitik und die Schweiz.

BaZ: Sie haben die deutsche Energiewende als «Desaster» bezeichnet. Wieso?
Fritz Vahrenholt: Zunächst einmal hat die deutsche Regierung nach dem Tsunami in Japan innerhalb eines Wochenendes entschieden, auf die Kernenergie zu verzichten, die bis dahin die Grundlast für die deutsche Industrie erzeugt hat. Die Regierung will seither diese gesicherte Energie durch schwankenden Strom aus Sonne und Wind ersetzen. Dass das nicht vernünftig ist, weiss eigentlich jeder.

Ich nicht. Erklären Sie es mir.
Wir haben 50 bis 100 Tage und manchmal ganze Wochen im Jahr mit Windstille und wenig Sonne. Dann produzieren diese weniger als zehn Prozent des Bedarfes. Und wenn der Wind bläst und die Sonne scheint, ist zu viel Strom im Netz, und da die Speicherkapazitäten fehlen, schalten wir Windkraftwerke ab. Wir haben ein sich zuspitzendes Problem – entweder zu viel oder zu wenig Strom.

Warum spitzt sich das Problem zu?
Weil mit jedem Zubau an solchem «Flatterstrom», durch jedes Windrad und jede Solarzelle, die Schwankungen erhöht werden.

Beginnen wir ganz vorne: Kernenergie hat doch keine Zukunft.
So hat es die Politik entschieden, obwohl es keine ernsthaften Beanstandungen und Befürchtungen hinsichtlich der deutschen Kernkraftwerke gab.

In der Schweiz ist vorgesehen, dass die Kernkraftwerke weiterlaufen, solange es die Sicherheit erlaubt.
Das ist klug. Damit gewinnen Sie Zeit, Zeit, bis sich vielleicht kostengünstige Speichertechnologien ergeben.

Und der strahlende Abfall?
Die Endlagerthematik ist völlig unabhängig davon zu lösen, ob die Kraftwerke 30, 40 oder 50 Jahre laufen. Nach Fukushima haben nur die Schweiz und Deutschland eine Energiewende beschlossen. Sogar in Japan setzt man wieder auf Kernkraft und Kohle. 2022 wird das letzte deutsche Kernkraftwerk abgestellt und es gibt dann keine gesicherte Versorgung mehr im Süden Deutschlands. Wir hängen zunehmend von den Naturkräften ab, wenn wir dann auch noch auf Kohle- und Gaskraftwerke verzichten wollen.

Wieso ist das schlecht?
Ich habe nichts gegen Wind- und Solarenergie, wenn sie denn wirtschaftlich ist und eine gesicherte Stromversorgung gewährleistet. Aber das funktioniert erst, wenn das Speicherproblem gelöst ist. Sie müssen die Naturkräfte zu einer zuverlässigen Versorgung machen können.

Es braucht einfach genügend Solar- und Windkraftwerke.
Nein, selbst wenn wir die Windkapazität verdreifachen, bleibt bei Flaute die Erzeugung nahe null. Für die Sonne gilt Ähnliches, insbesondere nachts. Windkraftanlagen erzeugen nur so viel Strom, als würden sie gerade einmal 90 Tage im Jahr mit voller Leistung laufen. Bei Fotovoltaik sind es 35 Volllasttage. Daraus erkennt man schon, dass es ohne Speicherung nicht gelingen kann, eine sichere Versorgung zu gewährleisten.

Warum ist das so wichtig?
Sie müssen sich immer vor Augen halten, was das bestehende System leistet. Immer wenn irgendwo ein Bedarf an Strom entsteht, muss in der gleichen Sekunde dieser Strom geliefert werden. Wenn an einem Winterabend die Flutlichtanlage des FC Basel angedreht wird, muss der zusätzliche Bedarf innert Sekunden bereitgestellt werden. Mit Sonnen- oder Windenergie können sie die Produktion nicht hochfahren.

Was bedeutet das?
Wenn tatsächlich die Sonne scheint oder der Wind weht, dann haben wir in Deutschland viel zu viel Strom. Wir verschenken den Überschussstrom, häufig zu negativen Strompreisen, ins Ausland. Wegen des Vorrangs der Erneuerbaren müssen zuerst die konventionell mit Gas oder Kohle betriebenen Kraftwerke runtergefahren werden, dann sogar Windkraftwerke, die dann aber trotzdem bezahlt werden, obwohl sie nichts produzieren. Das kostet mittlerweile eine Milliarde Euro pro Jahr, das ist doch absurd! Noch einmal: Neue Energieträger sind nur dann ein belastbarer Versorger, wenn wir das Speicherproblem gelöst haben.

Solche Technologien gibt es.
Ja, es gibt Möglichkeiten, beispielsweise Pumpspeicher, also Stauseen in den Bergen. Da pumpt man Wasser hoch und lässt es wieder ab, wenn der Strom benötigt wird. Bereits um eine viertägige Windflaute auszugleichen, müsste man den Bodensee (500 km², 100 m tief) auf ein hohes Niveau pumpen und wieder ablaufen lassen.

Wieso geht das nicht mit Batterien?
Das wird vielleicht irgendwann ­möglich sein. Dann hat auch die wechselhafte Wind- und Solar­energie eine Chance. Heute ist es viel zu teuer – gut und gerne 20 Eurocent pro ­Kilowattstunde – und die kommen zu den eigentlichen Stromkosten und Gebühren hinzu. Das kann sich nur noch der wohlhabende Privathaushalt leisten. Jede industrielle Nutzung von Strom können sie aus Kostengründen vergessen.

In der Schweiz haben wir viele Pumpspeicherwerke. Die haben sich jahrelang gut rentiert. Jetzt verdienen die nichts mehr.
Die Ursache hierfür ist die völlig aus den Fugen geratene Produktion von Wind- und Solarstrom in Deutschland. Dann wenn es windig ist, schieben wir den Überschuss unseren Nachbarn über die Grenze. Dieser Strom ist durch die Subventionen ja bereits bezahlt, wenn er entsteht, darum kostet er nichts oder hat sogar einen Negativpreis. Die Pumpspeicherwerke brauchen aber rund acht Eurocent, um wirtschaftlich zu überleben. Das ist ein grosses Dilemma für die Schweiz. Damit wird ihre heimische – fast CO?-freie – Stromproduktion plötzlich infrage gestellt.

Die Überschussproduktion gefährdet unsere Wasserkraft.
Wir haben in Deutschland 50 000 Megawatt Windkraft. Wenn alle produzieren, müssen sie zuerst Kohle- und Gaskraftwerke, dann aber auch noch Windkraftwerke selber abstellen, sonst droht ein Kollaps. Wenn das nicht reicht, schütten wir den Strom über die Grenze und zerstören damit die Energieversorgung unserer Nachbarländer. Diese Nachbarn müssen uns umgekehrt mit Strom aushelfen, wenn es keinen Wind gibt. Die Polen lassen sich das nun nicht mehr gefallen und haben an der Grenze Phasenschieber montiert, damit der deutsche Überschussstrom nicht mehr nach Polen kann. Die Tschechen werden das nachmachen.

Könnte das die Schweiz auch tun?
Ich kann mir vorstellen, dass diese Debatte in der Schweiz auch irgendwann beginnt und man sich fragt: «Müssen wir eigentlich die übermütige und nicht durchgerechnete Energiepolitik Deutschlands ausbaden?» Vermutlich gibt es Leute in der Schweiz, die diese Frage mit Nein beantworten würden. Da habe ich Verständnis dafür.

Dann müsste die Schweiz aber Selbstversorger sein, wozu es neue Gaskraftwerke braucht.
Wenn die Kernkraftwerke vom Netz genommen worden sind, müssen ­flexible Gaskraftwerke deren Funktion übernehmen. Die deutsche Energiewende hat aber wegen des Überschussstroms Gaskraftwerke unrentabel gemacht. Ein modernes Gaskraftwerk in Bayern wurde einen Tag nach der Inbetriebnahme abgestellt, weil es sich nicht lohnte.

Reden wir über Geld. Der Strom wird für die Konsumenten immer teurer, aber auf dem internationalen Markt ist er immer billiger. Woher kommt das?
Ganz einfach: Wind- und Solarstrom sind noch immer doppelt bis dreimal so teuer wie konventionell erzeugter Strom. Um das auszugleichen, werden die Mehrkosten durch eine Umlagegebühr bei den Kunden erhoben und an die Produzenten von Wind- und Solarenergie verteilt. Jeder Windmüller und Besitzer eines Solardaches bekommt eine feste Vergütung für seinen Strom, der ihm eine satte Rendite für 20 Jahre sicherstellt. Die Umlagegebühr verteuert den Strom für die Kunden. Der Strom aus Erneuerbaren wird also vorab bezahlt und kommt zum Preis von null ins Netz und verdrängt den konventionellen Strom vom Markt. Das senkt den Strompreis an der Börse. Beide Effekte zusammen führen zu einer Erhöhung für den privaten Kunden.

Früher hat man einfach die Kernkraftwerke subventioniert. Strom ist doch immer teuer gewesen.
In Deutschland waren die Kernkraftwerke nicht subventioniert und ich kann mir das für die Schweiz nicht vorstellen. Die Forschung und Entwicklung der Kernkraft ist zwar vom Staat gefördert worden, aber das ist doch nicht zu beanstanden.

Und die Risiken? Die mussten die Kernkraftwerke nicht vollständig versichern.
Das war eine von Politik und Gesellschaft getragene Entscheidung. Heute würde das anders entschieden. Aber die Frage stellt sich nicht, da neue Kernkraftwerke nicht wirtschaftlich betrieben werden können.

Ihre Alternative ist, die Kernkraftwerke möglichst lange laufen zu lassen und auf die Entwicklung von Speichertechnologien zu setzen.
Wenn wir wettbewerbsfähige Speichertechnologien haben, dann können wir mit schwankender Energie wie Sonne und Wind umgehen.

Es geht Ihnen also nur um die Reihenfolge?
Genau. Wir dürfen doch das Pferd nicht von hinten aufzäumen und zuerst die Wind- und Solarkraftwerke bauen, wenn wir wissen, dass diese nur eine sichere Stromversorgung bringen, wenn wir Speichertechnologien haben, die es noch zu entwickeln gilt. Alles andere erscheint mir nicht sonderlich klug.

Was bedeutet das für den Industrie­standort?
Es gibt schon heute ein Defizit an Stromversorgung in Bayern und Baden-Württemberg. Das kann man lösen, indem man Leitungen aus dem Norden dahin baut. Aber das dauert noch Jahre und wegen Widerstands gegen Freileitungen wird es sehr teuer. Die Schweiz hängt mit Deutschland zusammen. Bei Stromknappheit wirkt sich das auch in der Schweiz aus.

Gibt es keinen Widerstand aus der Industrie?
Aus der energieintensiven Industrie kommt kein Widerstand, weil diese von der Umlagegebühr befreit ist – wie auch in der Schweiz. Stahl, ­Chemie, Kupfer, Aluminium profitieren sogar von den tiefen Gross­handels­preisen. In Wirklichkeit ist das ­System aber insgesamt viel teurer. Die Privathaushalte und die Klein­unternehmen ­zahlen einfach die Zeche. Wir sehen mittlerweile, dass neue industrielle Investitionen eher unterbleiben. Man investiert nicht in einem Land, wo man nicht genau weiss, wie sich die Energiepreise ­entwickeln. Neben dem Preis spielt auch die Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Sie nimmt mit jedem neuen Wind­rad ab.

Welche Gefahren gehen von Wind­rädern aus?
Ich habe ja selber ein Windkraft­unternehmen im Jahre 2000 gegründet und gross gemacht und kenne die Technologie sehr gut. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, zu glauben, dass man derart schwankende Energie dazu verwenden könnte, ein Bahnnetz zu betreiben. Das müssen wir alle lernen. Windenergie bringt nicht nur Wohltaten. In Deutschland ist durchschnittlich alle 2,7 Kilometer ein Windkraftwerk geplant, obwohl wir schon heute wissen, dass Greif­vögel, Fledermäuse und andere gefährdete Arten deswegen verschwinden werden. Der Rotmilan ist gefährdet. Die 26 wichtigsten Sing­vogelarten sind auf dem Rückzug. Die Auswirkungen auf die Lebensräume von Pflanzen und Tieren sind enorm. Wenn ein Kernkraftwerk so viel Natur zerstört hätte, wie es die Windenergie macht, wäre es schon längst still­gelegt worden.

Warum sagen das die Naturschutz­organisationen nicht?
Der tiefere Kern ist folgender: Die politischen Grünen haben sich die Energiewende zum Programm gemacht, koste es, was es wolle. Sie waren in Wirklichkeit in Deutschland nie eine Naturschutzpartei, sondern eine antikapitalistische Partei, die sich gegen die Kernkraft und Industrie engagiert. Deswegen haben sie auch kein Herzblut, wenn es um Flora und Fauna geht. Es gibt natürlich Naturschutzorganisationen, die auf dieser grünen Parteilinie sind und andere, die tatsächlich Naturschutz machen. Ersteren ist die Energiewende wichtiger als der Schutz der Natur.

Aber es gibt Widerstand gegen Wind­räder.
Ja. Auf dem Land gibt es ein enormes, sehr bürgerliches Protestpotenzial. Das erinnert mich ironischerweise sehr an den Anfang der Anti-Kern­energie-Bewegung. Es ist heute so: Der Traum der städtischen Elite von einer angeblich sauberen Energie­versorgung wird auf dem Rücken der ländlichen Bevölkerung ausgetragen, die ihre Heimat verliert.

Wer gewinnt und wer verliert eigentlich finanziell?
Jene, die Subventionen für ein Solardach erhalten oder sich an Windkraftfonds beteiligen, gehören in der Regel nicht zur Unterschicht. Die Arbeitnehmer, die Sozialhilfeempfänger, die Mieter in Mehrfamilienhäusern, das sind diejenigen, die zur Kasse gebeten werden und die die auf zwanzig Jahre staatlich garantierten Renditen der Wohlhabenden ermöglichen.

Sie sehen zwei Möglichkeiten der weiteren Entwicklung: durchwursteln oder korrigieren.
Man wird irgendwann korrigieren müssen, spätestens nach den ersten Netzzusammenbrüchen. Je länger es dauert, umso grösser werden die Schwierigkeiten. Wenn wir in zehn Jahren eine fantastische Batterie haben, die fünf Eurocent pro Kilowattstunde kostet, dann wird sich die Sache vielleicht einrenken. Das ist aber Politik nach dem Prinzip Hoffnung. Ich würde darauf keine Wette eingehen und schon gar nicht als Politiker eine Nation darauf verpflichten.

 

Zuerst erschienen in der Basler Zeitung, der wir an dieser Stelle für den Abdruck danken.

 

Fritz Vahrenholt zur Energiewende: “Ab 2022 können wir bei jedem Starkwind nur noch beten”

Die Nachbarländer schauen sich die deutsche Energiewende aus sicherer Entfernung an. Was passiert da genau? Ein Nachahmermodell? Mitte Februar 2017 erkundigte sich Markus Schär von der schweizerischen Wochenzeitung Weltwoche bei Fritz Vahrenholt, wie er die Energiewende bewertet:

«Aberwitzige Sprünge»

Vom Pionier zum Kritiker der Energiewende: Fritz Vahrenholt sieht Deutschland 
und damit auch die Schweiz auf dem Weg ins Desaster.

 

SCHÄR: Herr Vahrenholt, Sie waren einer der wichtigsten Pioniere der erneuerbaren Energie und sind jetzt einer der grössten Kritiker der Energiewende. Wie kam es dazu?

VAHRENHOLT: Als ich ab 2001 ein Windkraftunternehmen aufbaute, hätte ich mir diese Energiewende nie träumen lassen. Wir dachten nie an eine Versorgung, die zu neunzig Prozent auf schwankende, also nicht zuver­lässige Energieträger setzt. Wir gingen ­immer davon aus, dass es sinnvoll ist, erneuerbare Energie zu nutzen, aber nicht, dass bei der Energieversorgung eines Industrie­landes allein darauf gebaut werden sollte.

Die Energiewende von 2011 brachte also nicht das, worauf Sie hingearbeitet hatten?

Nein, ich hielt die Energiewende von Anfang an für falsch. Bei Teil eins wollte die Regierung von Bundeskanzlerin Merkel die Kernenergie durch Erneuerbare er­setzen. Wer ein bisschen etwas von der Energieversorgung verstand, der wusste schon damals, dass das nicht funktionieren kann, weil es auch in der Nacht oder bei Windstille verlässlichen Strom braucht. Aber die Regierung bringt jetzt sogar noch Teil zwei: Sie will auch aus der Kohle aussteigen. Das ist gefährlich.

Warum?

Die Stromversorgung beruht darauf, dass ein Energieträger einspringt, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Und das kann gegenwärtig nur ein konventionelles Kraftwerk sein.

Die Leute stöhnen wegen der Strompreise, die Wirtschaft warnt vor dem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Trotzdem zieht Kanzlerin Merkel das durch. Ist alles gar nicht so schlimm?

Na ja, die Belastung der Bürger ist extrem hoch. Wir verteilen ja von unten nach oben, zu jenen, die sich ein Solardach oder eine Windkraftanlage mit gesicherter Rendite leisten können. Dafür bezahlen die Mieter, vor allem die sozial schwachen, mit ihrer Stromrechnung – das grösste Umverteilungsprogramm, das es in der Sozial­geschichte Deutschlands je gegeben hat. Aber die Belastung schmerzt noch nicht so sehr. ­Eine Kilowattstunde kostet 29 Cent; da steckt so viel an Steuern und Abgaben drin, dass es auf die 6,88 Cent für die Erneuerbaren auch nicht mehr ankommt. Deutschland geht es gut, somit können das viele verschmerzen. Und die Regierung redet den Leuten ja ein, dass wir das machen müssen, um die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten.

Muss die Kanzlerin die Warnungen der Wirtschaft nicht ernst nehmen?

Der Motor der deutschen Wirtschaft sind die mittelständischen Betriebe. Viele der Elek­trotechnik- und Maschinenbaufirmen, die wir noch haben, werden zur Kasse gebeten; die Ausgaben für Strom fallen bei ihren Kosten aber noch nicht ins Gewicht. Und jene Unternehmen, die sofort pleite wären, wenn sie für die Kilowattstunde 6,88 Cent mehr bezahlen müssten, sind von der Abgabe befreit. Weil der Strompreis wegen des Überangebots der Windkraftanlagen zusammengebrochen ist, zahlt die Grundstoffindustrie so wenig wie nie in den letzten zwanzig Jahren – das ist das Verrückte an diesem System. Darum kommt so wenig Widerstand aus der Wirtschaft.

Sie muss sich doch nicht nur wegen der ­Betriebskosten sorgen, sondern vor allem wegen der Versorgungssicherheit.

Ja, es geht noch gut, weil unser Netz – wie Ihres in der Schweiz – over-engineered ist: Wir haben Gürtel und Hosenträger. Und wir können bisher Blackouts vermeiden, indem wir den überschüssigen Strom aus den Windkraftanlagen den Nachbarn vor die ­Türe schütten.

Drohen uns tatsächlich Blackouts?

Das Risiko steigt, denn der dringend nötige Netzausbau findet nicht statt. Früher war ­jedes Kraftwerk mehrfach mit den Abnehmern verbunden. Jetzt erzeugen wir den Strom im Norden, verbrauchen ihn aber vorwiegend im Süden, und die Transportleitungen gibt es nicht. Wenn wir sie bauen wollen, dann wehren sich dieselben Bürger, die jetzt aus der Kohle aussteigen möchten, gegen die Verschandelung der Landschaft.

Was dann?

Wir müssen die Leitungen einbuddeln, aber das führt zu neuen Diskussionen. Man muss die Leitungen auf sechzehn Meter Breite von jedem Bewuchs freihalten; so wird sich eine Todeszone durch Deutschland, auch durch Biotope fressen. Und man hat so was noch nirgendwo auf der Welt gemacht. Das Netz wird achtmal so teuer und erst fünf Jahre nach dem Abstellen des letzten Kernkraftwerks fertig sein. Ab 2022 können wir also bei jedem Starkwind nur noch beten.

Wie kommt Kanzlerin Merkel da wieder raus?

Da kommt sie nicht mehr raus. Ich glaube aber auch nicht, dass sie dann noch Kanzlerin ist. Kein anderes Land dachte an eine ­solche Energiewende, wir machten sie an ­einem Wochenende.

Doch, die Schweiz zieht die Energiewende auch seit sechs Jahren durch.

Aber nicht so idiotisch wie wir – dass Sie jedes Jahr ein, zwei Kernkraftwerke abstellen.

Was würden denn Sie als Bundeskanzler machen?

Die Debatte über die Kernenergie ist durch, niemand in Deutschland will sie noch reanimieren. Aber wer sieht, dass das ein Fehler war, muss nicht den nächsten Fehler machen. Wir müssen nicht auch noch beim CO2-Ausstoss die Weltmeister sein, also auf die Kohle verzichten. Das Energiehaus der Zukunft sollte getragen sein von den ­Pfeilern Kernenergie, Kohle und Erneuer­bare, dazu vom vierten Pfeiler Effizienz. Den ersten Pfeiler hat man weggeschlagen, den zweiten schlägt man jetzt weg, und der dritte trägt nicht. Ich würde deshalb als Kanzler sagen: «Wir können uns den Ausstieg aus der Kohle nicht leisten» – egal, was wir in ­Paris unterschrieben haben. Die meisten Nationen kümmern sich ja auch nicht darum.

Immerhin haben alle Uno-Mitglieder das Klimaabkommen unterzeichnet.

Die Chinesen lachen sich doch einen ab. Sie haben das Abkommen unterschrieben, sich aber zu nichts verpflichtet. Im Gegenteil: Sie können bis 2035 ihre Emissionen noch dramatisch steigern. Was die Deutschen bis 2020 durch das Stilllegen von Kohlekraftwerken sparen, machen die ­Chinesen in drei Monaten wett.

Und was würden Sie als Chef eines Stromkonzerns machen?

Die Konzerne haben einerseits gesicherte Einkünfte dank den Investitionen in Erneuerbare. Da herrscht Planwirtschaft, man kann ohne Risiko Kasse machen. Und sie ­haben ­anderseits konventionelle Kraftwerke, die sie von Gesetzes wegen betreiben müssen. Das lohnt sich nicht mehr; die Kraftwerke bekommen deshalb die Betriebskosten ersetzt, aber sie können keinen Gewinn mehr machen. Das ist, wie wenn ich einem Taxifahrer sagen würde: «Ich zahle für das Benzin, das Auto kostet dich ja nichts mehr.» Das heisst: Die Energiewende lebt von der Ausbeutung und Entwertung der bestehenden Energieversorger. An ihrer Stelle würde ich also ebenfalls in Erneuerbare investieren, mich aber auch dafür engagieren, dass ihre Leistungen für die Versorgungssicherheit vergütet werden: Wenn sie ihre nach marktwirtschaftlicher Rechnung unrentablen Werke abschalten würden, bräche das System in dieser Sekunde zusammen.

Die Schweiz leidet auch unter der deutschen Energiewende.

Die Nachbarn leiden alle mit. Ihre Investi­tionen rentieren nicht mehr, weil wir sie mit unserem Strom überschwemmen. Das ist ja nicht das erste Mal, dass wir Europa vor ­einem Alleingang nicht fragten.

Was halten Sie von der Energiewende auf Schweizer Art?

Sie haben günstigere Bedingungen als wir, dank Ihren Speicherseen. Aber Sie dürfen sich nicht selbst betrügen: Das Speichern kostet auch etwas; jede Kilowattstunde ­Flatterstrom, die zur falschen Zeit entsteht, geht ins Geld. Die Kosten für die Erzeugung, fünf bis acht Cent, verdoppeln sich durch die Speicherung. Sie müssen sich in der Schweiz deshalb Zeit kaufen, um den Umbau vernünftig zu machen. Das geht, indem Sie sich über die Laufzeit der Kernkraftwerke verständigen, sich also fragen: «Wie viele Gaskraftwerke wollen wir uns leisten?»

Die Anhänger der Energiewende lehnen auch Gaskraftwerke ab.

Ich kann nicht die Arbeit Ihrer Umwelt­ministerin machen. Ich kann ihr nur sagen: So, wie sie die Energiewende plant, wird sie nicht funktionieren – oder nur mit sehr, sehr hohen Kosten und einem naturzerstörenden Landschaftsverbrauch. Vergessen Sie nicht: Wir wollen in Deutschland die Windkapazität verdreifachen. Wenn wir das tun, dann steht da im Durchschnitt alle 2,7 Kilometer eine Windturbine.

Christoph Blocher meint, die Schweiz müsste wegen der Verletzung von Völkerrecht der WTO und des Freihandelsabkommens mit der EU gegen Deutschland klagen.

Ich würde den einfacheren Weg gehen, wie es die Polen machen: Sie bauen an der Grenze Phasenschieber, die den Strom von der deutschen Seite zurückweisen können, übrigens mit Erlaubnis der EU. Das könnten Sie auch machen. Wenn es alle Nachbarn tun, muss Deutschland Farbe bekennen. Wir exportieren 50 Terawattstunden, also 50 Millionen Megawattstunden, und zwar immer dann, wenn uns der Windstrom aus den Ohren kommt. Insgesamt produzieren wir 85 Terawattstunden mit Wind. Schon diese Zahlen zeigen, wie absurd diese Politik ist. Wir erzeugen Windstrom für den Export und verhökern ihn für einen Cent oder sogar zu Negativ­preisen, bezahlen aber neun Cent dafür.

Grüne Politiker aller Parteien in der Schweiz sagen, die Deutschen müssten einfach ihre Dreckschleudern abstellen, dann sei das Problem gelöst.

Quatsch.

Weshalb?

Herr Trittin von den deutschen Grünen sagt das auch; er behauptet, der Kohlestrom verstopfe das Netz. Das ist Blödsinn. Die Erneuerbaren haben jederzeit Vorrang, aber leider auch einen schweren strukturellen Nachteil: Sie können nicht innert Sekunden reagieren. Diese Leute haben den Bezug zur Lebenswirklichkeit verloren. In der realen Welt wird in jedem Moment etwas hoch- oder runtergefahren: Im Basler Fussballstadion gehen die Lichter an, im Zürcher Hauptbahnhof fährt ein ICE ab. Das braucht zig Megawatt; das Netz gibt deshalb über die Änderung der Frequenz einem Kraftwerk das Signal: «Hier wird jetzt Strom gebraucht, und zwar in einer Milli­sekunde.» Darum können wir nicht auf die konventionellen Kraftwerke verzichten. ­Eine Faustregel sagt: Zwanzig Prozent der Last müssen mit solcher sich selbst regelnder Generatorleistung vorgehalten werden. Diese sogenannte Sekundenreserve beträgt in Deutschland 20 000 Megawatt. Die Schweizer Versorger lassen also ihre Werke nicht laufen, weil sie die Kernenergie lieben, sondern weil sie wissen, dass sonst das Netz zusammenbricht.

Immerhin haben die Grünen doch recht, wenn sie sagen, der Kohlestrom sei zu ­billig, weil die externen Kosten nicht ­eingepreist sind.

Was meinen Sie mit den externen Kosten?

Dass wegen des CO2-Ausstosses die ­Klimakatastrophe droht.

Es gibt ja das System mit den Emis­sionszertifikaten; es löst dieses Problem bis 2020. Aber die Zertifikate sind zu billig!

Was ist denn das für eine Politik, die findet, ein System müsse teuer sein, damit es erfolgreich ist ?

Wir erreichen alle Ziele, und zwar zu einem Preis von 5 Euro pro Tonne CO2. Und wenn wir mit 5 Euro zwanzig Prozent Reduktion erzielen, dann können wir mit 7 oder 10 Euro auch dreissig Prozent anstreben. Das ist für mich vernünftig, ein marktwirtschaftlicher Ansatz.

Heisst das, dass die Klimapolitik erfolgreich ist?

Die Emissionszertifikate sind es; so lässt sich das CO2 dort einsparen, wo es am meisten bringt. Das ist für mich vernünftiger als das, was das Pariser Abkommen festschreibt: Alle ­Industrieländer reduzieren den CO2-Ausstoss um zwanzig oder dreissig Prozent. Das führt zu einer Weltplanwirtschaft, dabei stossen China oder Indien immer noch mehr CO2 aus. Stattdessen sollten wir das euro­päische System auf alle Länder ausweiten, so dass eine Tonne CO2 überall einen durch den Markt bestimmten Preis hat.

Sie zweifeln ohnehin an der Klimapolitik der Uno.

Ja, dieses Abkommen wird seine Feuertaufe zu bestehen haben, wenn die Temperaturen nicht ansteigen wie prognostiziert. Dann fragen sich die Leute nicht nur in Deutschland und in der Schweiz, sondern überall: «Wofür machen wir das eigentlich?» Bisher verlässt sich die Politik auf Klimaforscher mit Modellen, die die Klimaentwicklung der Vergangenheit nicht nachbilden und ­jene der Zukunft nicht voraussagen können.

Sie sagten vor fünf Jahren in Ihrem Buch «Die kalte Sonne» wegen der schwachen Sonnenaktivität eine Abkühlung voraus. Wir erlebten aber seither einige der wärmsten Jahre.

Wir stützten uns in unserem Buch nicht nur auf die Sonnenaktivität, sondern auch auf die Ozeanströmungen. Und Sie dürfen nicht vergessen: Das System ist träge, wir müssen mit Verzögerungen um Jahrzehnte rechnen. Von 1950 bis 2000 gab es eine Phase der stärksten Sonnenaktivität seit über tausend Jahren; das wirkte sich mit einem Verzug von zehn bis zwanzig Jahren aus. Ich kann Ihnen nicht ­sagen, wie lange es dauert, um den Temperaturtrend bei schwacher Sonnenaktivität umzukehren. Ich weiss nur: Es ist sicherlich nicht korrekt, wenn die Forscher des Weltklima­rates und alle, die ihnen an den Lippen hängen, den Einfluss der Sonne mit null bewerten.

Was erwarten Sie denn?

Wir wissen nicht, was auf der Sonne geschieht; das konnte noch niemand berechnen. Aber wenn die Sonne weiter schwächelt, werden wir es bei den Temperaturen sehen.

Wir können nur feststellen: In der Vergangenheit spielte das CO2 keine Rolle – die Konzentration erhöhte sich jeweils nach einem Temperaturanstieg, nicht vorher. Es gab schon immer erhebliche Schwankungen auch ohne den Einfluss des CO2, so etwa in der mittelalterlichen Warmzeit. Warum sollte das jetzt anders sein?

Sind Sie also ein Klimaleugner?

Nein, ich würde niemals behaupten, dass CO2 überhaupt keine Wirkung habe. Wissenschaftlich lässt sich nachweisen, dass es den Treibhauseffekt gibt. Aber gemäss neuen Studien erhöht sich die Temperatur bei einer Verdoppelung des CO2-Anteils um 1,3 Grad. Wenn es dabei bleibt, dann können wir uns alle zurücklehnen und müssen nicht in Panik verfallen. Wir können die Energieversorgung in diesem Jahrhundert in aller Ruhe umbauen.

Glauben Sie wirklich, dass sich an der ­Klimapolitik etwas ändert?

Die Wissenschaftler sind ja keine ver­schworene Gemeinschaft, sondern einzelne beginnen zu zweifeln. Es gibt zwar Hardliner, auch einige bei Ihnen in der Schweiz. Aber andere wie Hans von Storch sagen: «Wenn bis 2020 die Temperaturen nicht deutlich steigen, liegen wir mit unseren Modellen falsch.»

Wie sieht die Energielandschaft in zwanzig Jahren aus?

Das hätte ich Ihnen vor zwanzig Jahren noch sagen können: ein Drittel Kernenergie, ein Drittel fossile, ein Drittel erneuerbare Energie. Jetzt kann ich es nicht mehr sagen; wir ­haben ja gelernt, welch aberwitzige Sprünge die Politik machen kann. Ich weiss nur eines: Die Suppe, die wir uns eingebrockt haben, müssen wir jahrzehntelang auslöffeln.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der WELTWOCHE, der wir für den Abdruck an dieser Stelle danken.

 

Deutscher Klimaatlas bringt es ans Licht: Berliner Zeitung liegt bei alarmistischer Regenstory voll daneben

Am Mittwoch den 27. Juli 2016 hält Prof. Werner Kirstein im Parksalon des Weißen Hauses in Leipzig um 19 Uhr einen Vortrag mit dem Titel:

Dreißig Jahre Klimakatastrophe – statt Erwärmung ein Zwei-Grad-Ziel

Ausrichter der Veranstaltung ist der Verein Erdgeschichte im Südraum Leipzig.

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Die Berliner Zeitung beklagte am 29. Juni 2016 einen vermeintlichen Klimaschaden:

Klimawandel: Der Weiße See braucht Wasser
Der weltweite Klimawandel wirkt sich auch auf Weißensee aus. Weil es in den vergangenen Jahren deutlich weniger geregnet hat, ist der Wasserstand im Weißen See an der Berliner Allee in den Sommermonaten erheblich gesunken, im vergangenen Jahr um etwa einen halben Meter.

Das Straßen- und Grünflächenamt Pankow füllt den See nun aus einem Tiefbrunnen wieder auf. Ob die Pumpkosten über den Green Climate Fund der UNO abgerechnet werden können? Im Zuge der Amtshilfe prüfen wir für die UNO den Sachverhalt. Ist der niedrige Wasserstand des Weißensee wirklich eine Folge des anthropogenen Klimawandels? Sind die Regenfälle im Raum Brandenburg/Berlin in den letzten Jahren und Jahrzehnten wirklich weniger geworden, wie von der Berliner Zeitung behauptet?

Wir ziehen den Deutschen Klimaatlas des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu Rate. Hier wählen wir die Optionen Brandenburg/Berlin, Niederschläge und Kalenderjahr. Da das Jahr 2016 noch nicht abgeschlossen ist, wählen wir Daten bis 2015. Die resultierende Niederschlagskurve seit 1881 bringt eine faustdicke Überraschung (Abbildung 1): Die Niederschläge haben stets geschwankt. Die letzten Jahrzehnte lagen dabei sogar über dem langjährigen Durchschnitt (die dicke blaue Kurve in der Abbildung gibt 30-jährige Mittelwerte an). Es wird schnell klar: Die Klimawandel-Erklärung der Berliner Zeitung ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass es sich um ganz natürliche Schwankungen handelt, wie es sie in der regionalen Niederschlagsstatistik der letzten 130 Jahre immer gegeben hat. Angesichts der enormen politischen Bedeutung der Klimawandeldiskussion ist es unverantwortlich von der Zeitung, Vermutungen ohne selbst die einfachste Prüfung zu veröffentlichen.

 

Abbildung 1: Niederschlagsentwicklung in Brandenburg/Berlin für die vergangenen 130 Jahre. Quelle: Deutscher Klimaatlas.

 

 

Indien steigert Getreideproduktion trotz Dürren

Die französische Ministerin für Umwelt, Energie und Meeresangelegenheiten, zuständig für die internationale Klimapolitik, Ségolène Royal, startete im Rahmen der Umweltkonferenz in Paris am 25. April 2016 eine neue Internet-Plattform, mit der die weltweit 100 innovativsten Bürgerinitiativen für das Klima gefördert werden sollen. Mit am Start ist auch unser Kartierprojekt zur Mittelalterlichen Wärmeperiode, das nun als offizielles wählbares Projekt aufgenommen wurde. Vom 6. Juni bis zum 6. Juli 2016 können die Bürger dann ihre Favoriten auswählen. Nach der Abstimmung der Internetnutzer werden die 100 Projekte mit den meisten Stimmen von Ségolène Royal zum Sieger gekürt. Diese werden bis zur COP22 im November in Marrakesch betreut und gefördert. Wir hoffen natürlich auf Ihre Unterstützung und werden Sie hier im Blog nochmals an die Wahl erinnern, wenn die Urnen geöffnet sind.

 

Das Projekt ist als aktiv gemeldet und ist dank Ihrer großzügigen Unterstützung bereits zu 50% gefördert. Nähere Informationen zum MWP-Kartierprojekt gibt es hier.

Die Kartierung macht mittlerweile gute Fortschritte. Die Grundidee war, zunächst die Südhalbkugel bevorzugt zu bearbeiten, da es immer wieder Ideen gab, die Mittelalterliche Wärmeperiode könnte möglicherweise auf die Nordhalbkugel und speziell den nordatlantischen Raum beschränkt gewesen sein. Die Datenerfassung für Afrika, Antarktis, Australien und Ozeanien ist nun abgeschlossen und beweist, dass die MWP hier ebenfalls prominent ausgebildet ist. In Südamerika sind vor allem die Daten im Nordwestteil bereits aufgenommen, während der Rest demnächst folgt. Die Online-Datenkarte gibt es hier. Farbcode wie gehabt: Rot=warme MWP, blau=kalte MWP, gelb=trocken, grün=feucht. Dabei wird der Niederschlagsfarbcode nur angezeigt, wenn es keine Informationen zur Temperatur gibt.

In den letzten Wochen konzentrierte sich die Kartierung auf das Mittelmeergebiet, Arabien und das Kaspische Meer. Nachdem diese Regionen fertiggestellt sind, bewegt sich der Fokus nun in Europa nordwärts. Vor kurzem wurden die Studien der Schweiz und Österreich eingebaut. Die MWP war durchweg heiß und trocken:

Nun geht es weiter nach Deutschland, Benelux und Großbritannien. Welches Klima herrschte dort zur Zeit der MWP?

Frankreich ist übrigens bereits fertig. Umso seltsamer sind die Datenlücken im Norden des Landes. Auch im östlichen Österreich gibt es kaum MWP-Daten, was verwundert, angesichts der großen Bedeutung des Klimathemas. Zwischenzeitlich wurde auch geeignete Software identifiziert, mit der die vielen Klimakurven digitalisiert und verglichen werden können. Eine spannende Aufgabe, sobald die weltweite Datenerfassung erst einmal abgeschlossen ist. Die Resultate sollen dann in wissenschaftlichen Arbeiten aufgeteilt nach Regionen zusammengefasst beschrieben werden. Wir werden Sie weiter auf dem Laufenden halten.

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Die Neue Zürcher Zeitung druckte am 19. Mai 2016 einen lesenwerten Beitrag von Silvio Borner, em. Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Basel.

Prognosen für Klima und Wirtschaft
[...] Modell-Prognosen stützen sich auf Annahmen sowohl bezüglich der künftigen Zusammenhänge wie der exogenen Faktoren. Sie sind hilfreich, aber niemals «wahr». Aus diesen Gründen sind alle «Doom-Prognosen» über die Grenzen des Wachstums so kläglich gescheitert. Damit wären wir beim Klima. CO2 ist ein Faktor unter vielen – wie Vulkaneruptionen, Verschiebungen von Kontinentalplatten, Strömungsveränderungen in den Meeren, aber vor allem auch die Sonnenaktivität oder astronomische Konstellationen. Das wissen natürlich die Klimaforscher auch und versuchen, den CO2-Einfluss in einem Modell abzubilden, das diese Faktoren mitberücksichtigt – aber eben auf dem Stand des heutigen Wissens und mit Daten von gestern. Wie diese Faktoren in der komplexen Realität zusammenwirken und sich bei Veränderungen einzelner exogener Ursachen via Rückkoppelungen auf das Resultat auswirken, können wir nicht wissen. Was wäre, wenn ein Vulkan die Atmosphäre auf Jahre hinaus verdunkelte?

Ganzen Artikel in der NZZ lesen.

Mit Dank an notrickszone.

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Im Jahr 2009 warnte die Neue Zürcher Zeitung in dramatischen Tönen:

Dem Subkontinent drohen durch die Veränderung des Monsuns mehr Dürren und Flutkatastrophen
Der Klimawandel wird Indien teuer zu stehen kommen

Dürren hat es in Indien natürlich immer schon gegeben, stark beeinflusst von der Sonnenaktivität. Auch in den letzten Jahren litt der Subkontinent wieder unter Dürren. Die Landwirtschaft wusste sich jedoch zu schützen und verwies die Weltuntergangsszenarien der Klimaaktivisten ins Land der Fabelwelt. Die Getreideernte ist trotz Dürren weiter gestiegen! Die indische Webplattform live mint hatte am 10. Mai 2016 Überraschendes zu vermelden:

Drought fails to dampen foodgrain output
Foodgrain production set to grow marginally despite widespread drought in 11 states, third advance estimates released by farm ministry shows
Despite widespread drought in 11 states across the country, India’s foodgrain production is actually set to grow marginally, the third advance estimates released by the agriculture ministry on Monday showed. Total foodgrain production in 2015-16 is estimated at 252.23 million tonnes, marginally higher than 252.02 million tonnes produced in 2014-15, the data shows. If the estimates hold up, it would imply that the damage to the agrarian economy is less than what had been initially feared; at the same time, it also reflects a degree of resilience of Indian agriculture to a deficit monsoon.

Weiterlesen auf live mint.

Dazu passt auch eine Meldung der New York Times vom 8. Mai 2016. Trotz Dürre, hat sich die Versorgungslage in Äthiopien nicht verschlechtert:

Is the Era of Great Famines Over?
The worst drought in three decades has left almost 20 million Ethiopians — one-fifth of the population — desperately short of food. And yet the country’s mortality rate isn’t expected to increase: In other words, Ethiopians aren’t starving to death. I’ve studied famine and humanitarian relief for more than 30 years, and I wasn’t prepared for what I saw during a visit to Ethiopia last month. As I traveled through northern and central provinces, I saw imported wheat being brought to the smallest and most remote villages, thanks to a new Chinese-built railroad and a fleet of newly imported trucks. Water was delivered to places where wells had run dry. Malnourished children were being treated in properly staffed clinics.

Weiterlesen in der New York Times.

Seit den 1970er Jahren ist die Opferzahl durch Hungersnöte stark gefallen. Eine gute Entwicklung, die so gar nicht zu den apokalyptischen Visionen der Aktivisten zu passen scheinen. Graphik des International Food Policy Research Institute:

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Nachdem die Erdölindustrie im Zusammenhang mit dem Klimawandeln etliche Jahre die Duck-and-Cover- sowie Appeasement-Strategien versucht hatte, hat man sich nun offenbar wieder auf einen technischen Dialog zurückbesonnen. Judith Curry wurde kürzlich von der Society of Petroleum Engineers (SPE) gebeten, ein 60-minütiges Webinar zum Klimawandel abzuhalten. Currys Präsentationsfolien gibt es hier.  Es bleibt zu hoffen, dass auch andere Organisationen nun endlich wieder die fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema zulassen. Das gilt auch für die Deutsche Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG), die zunächst für ihre Mitglierzeitschrift einen Artikel zum Klimawandel in Deutschland anfragte und dann in letzter Minute einen Rückzieher machte. Offenbar politisch nicht durchsetzbar. Der Beitrag erschien schlußendlich im Kalte-Sonne-Blog.

 

Handelsblatt liegt mit Klimawandelstory voll daneben: Korallen-Ökodrama entpuppt sich als El Nino-Ente

Hiobsbotschaft im Handelsblatt vom 2. Oktober 2014:

KLIMAWANDEL: Hawaiis Korallen bleichen aus
Steigende Wassertemperaturen machen den Korallen vor den Küsten Hawaiis schwer zu schaffen. An einigen Stellen sind bereits 90 Prozent der Bestände ausgebleicht. Es droht der Verlust wichtiger Ökosysteme.

Der Klimawandel heizt Hawaii auf und die Korallen leiden, so der Vorwurf. Schreiten wir zum Faktencheck. Zunächst prüfen wir die Temperaturentwicklung der Region von Hawaii. Wir ziehen hierzu den Temperaturatlas des New Scientist heran. Im Suchfeld oben rechts geben wir Hawaii ein. Wir erhalten die Oberflächentemperaturentwicklung für die vergangenen 140 Jahre (Abbildung 1). Welch Überraschung: Seit den 1940er Jahren hat sich temperaturmäßig nichts getan. Mit dem langfristigen Klimawandel kann die Korallenbleiche also nichts zu tun haben. Womit aber dann?

Abbildung 1: Temperaturentwicklung der Region von Hawaii. Aus: warmingworld.newscientistapps.com

 

Interessanterweise taucht der Begriff “Klimawandel” im Artikel dann gar nicht mehr auf. Vielmehr wird die Ursache im El Nino gesehen, der nun wirklich nichts mit “Klima” geschweige denn “Klimawandel” zu tun hat. Hier die entsrpechende Passage aus dem Handelsblatt-Artikel:

Ursache für die ungewöhnlichen Wassertemperaturen sei das Auftreten des Klimaphänomens El Niño, das zur Erwärmung der zentralen Pazifikregion und weltweiten Klimaveränderungen führen.

El Ninos ereignen sich regelmäßig alle 2 bis 7 Jahre und haben in diesem Rhythmus stets die Korallen des Pazifiks in Stress versetzt und bleichen lassen. Insofern ist die Beobachtung aus diesem Jahr nichts Neues. Das Handelsblatt jedoch bauscht die Ereignisse künstlich zum angeblich noch nie dagewesenen Ökodrama auf. Schon die Wortwahl im Einleitungsabsatz des Artikels gibt die Richtung und Intention des Autors vor:

In den Gewässern vor Hawaii spielt sich ein stilles Drama ab: Ungewohnt warme Wasserströme machen den Korallen zu schaffen.

Eine seriöse Berichterstattung sieht anders aus. Die Zeitung könnte sich ein Beispiel an den Japan Times nehmen, die darauf hinweisen, dass die Bleiche kein irreversibler Vorgang sein muss:

Mass bleaching generally occurs when corals are stressed by warmer-than-normal temperatures. The warm water prompts algae inside the coral to leave, which starves coral and turns it white. Algae may return to coral, and the coral may recover, depending on how long the bleaching lasts.

Das hatte uns das Handelsblatt doch glatt unterschlagen. Passte vielleicht nicht in die Dramaturgie. Dabei hatte bereits im Oktober 2013 die amerikanische Forschungsbehörde NOAA interessante neue Forschungsergebnisse in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Offenbar können sich die Korallen an höhere Wassertemperaturen anpassen, so dass Bleichereignisse selbst im Zuge einer Klimaerwärmung nicht zunehmen würden. Das verwundert kaum, denn zur Zeit der Hochphase der Korallen in der geologischen Jura- und Kreidezeit war das Meer deutlich wärmer als heute. Hier die NOAA-Pressemitteilung im Original:

New study suggests coral reefs may be able to adapt to moderate climate change
Coral reefs may be able to adapt to moderate climate warming, improving their chance of surviving through the end of this century, if there are large reductions in carbon dioxide emissions, according to a study funded by NOAA and conducted by the agency’s scientists and its academic partners. Results further suggest corals have already adapted to part of the warming that has occurred. “Earlier modeling work suggested that coral reefs would be gone by the middle of this century. Our study shows that if corals can adapt to warming that has occurred over the past 40 to 60 years, some coral reefs may persist through the end of this century,” said study lead author Cheryl Logan, Ph.D., an assistant professor in California State University Monterey Bay’s Division of Science and Environmental Policy. The scientists from the university, and from theUniversity of British Columbia, were NOAA’s partners in the study.

Weiterlesen bei der NOAA.

Hans Joachim Schellnhuber ist jetzt für den Vatikan tätig: Spezialgebiet Weltuntergang 2100

Interessantes Interview im ORF vom 16. Juni 2014:

Klimawandel: “Wetter nicht immer extremer”

Der Klimawandel sorgt im Sommer für Temperaturrekorde und erhöht die Zerstörungskraft von Wirbelstürmen. Dennoch führt er nicht immer zu extremen Wetterereignissen, betont der englische Klimaforscher James Screen. Seinen Analysen zufolge hat etwa die Zahl besonders kalter Wintertage in Europa kontinuierlich abgenommen – der Trend werde sich in Zukunft fortsetzen. James Screen lehrt und forscht an der University of Exeter. Gegenwärtig leitet er das Forschungsprojekt “Arctic Climate Change and its Mid-latitude Impacts”. Seine Studie “Arctic amplification decreases temperature variance in northern mid- to high-latitudes” ist am 15.6.2014 im Fachblatt “Nature Climate Change” erschienen.

[...]

ORF: Manche Klimaforscher haben die Vermutung geäußert, das Schmelzen des arktischen Meereises könnte den Jetstream verändert haben und somit für den besonders kalten Winter 2013/14 in den USA verantwortlich sein. Was sagen Sie dazu?

SCREEN: Was den Jetstream betrifft: Das ist eine Hypothese – möglich, aber ich sehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum Anhaltspunkte dafür.

ORF: Und der kalte Winter?

SCREEN: Das trifft laut meiner letzten Studie nicht zu. Durch den Klimawandel nimmt die Zahl extrem kalter Wintertage in den USA, Europa und Nordasien sogar ab.

ORF: Was haben Sie in Ihrer Studie genau untersucht?

SCREEN: Die Arbeit hat zwei Teile. Im ersten Teil habe ich Temperaturdaten der Nordhalbkugel von 1979 bis zur Gegenwart untersucht. Im zweiten Teil habe ich die Temperaturverläufe bis zu Ende des Jahrhunderts mit Hilfe eines Modells berechnet. Kalte Extreme wird es auch weiterhin geben, aber sie werden seltener – und zwar aus zwei Gründen. Erstens: Die Durchschnittstemperatur steigt. Zweitens: Die Variabilität der Temperatur wird im Winter weiter abnehmen.

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Der Standard meldete am 8. Juli 2014:

Eine Milliarde für Kampf gegen Klimawandel
Die EU-Kommission will 19 Projekte unterstützen, die Mittel stammen aus Einnahmen aus dem Verkauf von Emissionsrechten

Weiterlesen im Standard.

Die Angst vor der Klimakatastrophe ist groß, da sitzt das Geld natürlich besonders locker. Angesichts der Drohkulisse werden keine unbequemen Fragen gestellt. Was sind dies für Projekte? Dazu weiter im Standard: (weiterlesen …)

Sebastian Lüning auf ICCC9-Klimakonferenz zur Klimadiskussion in Europa: Licht am Ende des Tunnels?

Im Rahmen der 9. Internationalen Klimakonferenz (ICCC9) in Las Vegas hielt Sebastian Lüning neben seinem Sonnenbeitrag auch einen Vortrag zum Stand der Klimadiskussion in Europa mit dem Titel

Climate change discussion in Europe: Light at the end of the alarmist tunnel?

Das Video zum 12-minütigen Vortrag ist online auf youtube verfügbar:

 

Die Powerpoint-Datei ist auf der Konferenzwebseite herunterladbar.

 

Sebastian Lüning in Diskussionsrunde zu den Warschauer COP19 Verhandlungen auf Euronews

Kalte Sonne Coautor Sebastian Lüning nahm Anfang November 2013 an einer Diskussionsrunde auf Euronews im Rahmen der Sendung “The Network” zum Thema “Globale Erwärmung: Fünf vor zwölf?” teil . Zur Runde gehörten außerdem der grüne Europaparlamentarier Bas Eickhout sowie die Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, Christiana Figueres. Moderiert wurde das Gespräch von Chris Burns. Zum Start des Videos klicken Sie hier. (Hinweis: Das Video scheint nicht mit allen Browsern zu laufen. Falls es mit Ihrem Internet Explorer nicht funktioniert, versuchen Sie Firefox oder einen anderen Browser).

Im Prinzip muss man schon dankbar sein, dass auch die klimaskeptische Seite zu dem Gespräch eingeladen wurde. Allerdings dauert die Sendung lediglich 10 Minuten, was der komplizierten Natur der Materie natürlich nicht gerecht werden kann. Eine echte Sachdiskussion kann nicht entstehen. So spielt der grüne Parlamentarier an einer Stelle die fragwürdige Karte, dass die Klimaskeptiker nur eine verschwindend geringe Minderheit darstellen würden. Eickhout spricht von einer 5% Splittergruppe. Vermutlich meint er dabei die 3% der mittlerweile selbst in IPCC-Kreisen vollständig diskreditierten Studie von Cook et al. 2013 (siehe Besprechung in Montford 2013). Wie wir an dieser Stelle im Juni berichteten, wusste Hellseher Cook bereits vor Beginn der Untersuchung das prozentuale Endergebnis.

An einer anderen Stelle der Diskussion warnt Eickhout, dass selbst ein weiteres Grad Erwärmung katastrophale Folgen hätte, da es ja bereits 0,8°C seit Beginn der Industrialisierung wärmer geworden sei. Zusammen würde dies gefährliche fast 2 Grad ergeben. Lüning versucht in der Diskussion sogleich richtigzustellen, dass der Ausgangspunkt für die bisherige Erwärmung mitten in der Kleinen Eiszeit liegt, einer natürlichen Kälteperiode. Die Ausgangstemperatur entspricht also gar nicht einer irgendwie gearteten, langjährigen Durchschnitts Temperatur, sondern ist eher die kalte Extremphase einer natürlichen Kalt-Warm-Zyklik. Aber durch das Stimmengewirr gab es kein Durchkommen. Und wie will man so eine komplexe Erläuterung in den zugestandenen 15 Sekunden pro Äußerung überhaupt unterbringen? Nahezu unmöglich. Nicht richtig ist die im Beitrag genannte Firmenzugehörigkeit Lünings. Nein, er arbeitet nicht mehr für RWE. Dies hatte er dem Moderator auch im Vorgespräch zur Sendung mitgeteilt. Trotzdem ging es irgendwie schief.

Trotzdem wird der ein oder andere Zuseher durch die Diskussion vielleicht hellhörig geworden sein. Die Sendung wird ab dem 7. November 2013 eine Woche lang insgesamt 15 Mal auf Euronews in 13 Sprachen über den Sender gehen. Zu wünschen wäre, dass in zukünftigen Sendungen mehr Zeit für derartige Diskussionen zur Verfügung steht. Und ganz besonders schön wäre es, wenn Lüning es bis dahin irgendwie lernen könnte, ruhigen Blickes direkt in die Kamera zu schauen. Aber Weihnachten steht vor der Tür. Gutscheine für ein professionelles Medien- und Kameratraining werden gerne angenommen.

 

Fritz Vahrenholt im Welt-Interview: Es wird angstgetriebene Energiepolitik betrieben

Am 3. Dezember 2012 erschien in der Tagesszeitung Die Welt ein längeres Interview, das Andrea Seibel mit Fritz Vahrenholt über die Energiewende und die Grundlagen der Klimapolitik führte. Hier einige Auszüge:

Fritz Vahrenholt ist einer von jenen Sozialdemokraten, die es nur in Hamburg zu geben scheint, denkt man an Schmidt, Voscherau, von Dohnanyi oder Klose: lösungsorientiert, konzise, eigen. Er war lange Umweltsenator in der Hansestadt. Klar, er kommt aus dem Ruhrgebiet. Als der Kellner vorbeigeht, schnappt er sich gerne die Currywurst mit Soße. Ein Gespräch mit dem früheren RWE-Manager.

Die Welt: Man kann Sie nicht treffen, ohne übers Klima zu reden. Derzeit findet wieder ein Klimagipfel statt, auch noch in einem Sünderland wie Katar. Tausende Delegierte reisen an und wohl demnächst wieder ab.

Fritz Vahrenholt: 20.000 Teilnehmer genau. Und sie reisen unverrichteter Dinge wieder ab. Denn das Weltklima hat kein Thermostat, an dem die Menschen rumdrehen und eine ihnen genehme Temperatur einstellen können.

Die Welt: Das wäre doch praktisch!

Vahrenholt: Das denken viele. Deswegen ist auch das Zwei-Grad-Ziel vermessen. Weil sich in der Vergangenheit die Temperatur der Erde schon um mehrere Grade nach oben und nach unten und jedes Mal aus natürlichen Gründen verändert hat. Und das wird sie auch in Zukunft tun. Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass der Weltklimarat einen großen Irrtum begangen hat. Sein Fehler war, die unstreitige Erwärmung der letzten 30 Jahre allein dem CO2 zugemessen zu haben. Diese Dämonisierung ist zu eindimensional, ja geradezu banal. Schon jetzt sieht man, dass wir seit 15 Jahren ein Plateau haben. Die Temperatur beginnt abzusinken, so wie sie es in der Vergangenheit immer in großen 60-jährigen Zyklen tat. In den nächsten Jahren werden wir auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Alle Prämissen werden sich nicht erfüllen, die man zugrunde gelegt hat für die große Energiewende und die Transformation der Gesellschaft.

Die Welt: Das klingt dramatisch. Ihre Position aber ist eine Minderheitenposition, die meisten Wissenschaftler denken anders. Doch es wundert schon, mit welcher Vehemenz und Häme man Sie bedenkt, das ist fast ein Kreuzzug.

Vahrenholt: Nach einem Artikel in der “Zeit” bat mich Helmut Schmidt jüngst zum Gespräch, weil ihm nach meinem Eindruck die Bewertungen meines Buches “Die kalte Sonne” durch die Redaktion unangemessen erschien. Ich fragte ihn, ob ich denn aus unserem Gespräch zitieren dürfe? Ja, ich könne jetzt auf den Buchdeckel schreiben, die Position von Vahrenholt sei plausibel.

Weiterlesen auf der Welt-Internetseite.

 

Führender IPCC-Wissenschaftler im Streitgespräch über die kalte Sonne: Thomas Stocker vs. Fritz Vahrenholt auf dem Berner Bundesplatz

Mitte September 2012 stritten sich der leitende IPCC-Wissenschaftler Thomas Stocker und Fritz Vahrenholt auf dem Bundesplatz in Bern über die Klimakatastrophe. Im Rahmen des Swiss Energy und Climate Summit diskutierten die beiden das Thema “Ist die Sonne schuld an der Klimaerwärmung?”

Das Vortragsvideo mit Folien ist auf der Webseite des Veranstalters verfügbar. Es lohnt sich auf jeden Fall, den kurzweiligen Schlagabtausch anzuschauen. Es ist interessant zu hören, wie Außenstehende das Streitgespräch empfunden haben. Die Berner Zeitung war dabei und kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis:

Der deutsche Energiemanager Fritz Vahrenholt attackiert die Wissenschaft, der Berner Physiker Thomas Stocker schlägt zurück. Das Streitgespräch am Berner Klimagipfel endet mit einem knappen Punktsieg für den Angreifer.

Beide Seiten nennen ihre Argumente. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass die verschiedenen Aspekte auf dem Podium nur angerissen und Behauptungen nicht ausführlich auf Herz und Nieren getestet werden können. So kann der Großteil des Publikums natürlich nicht abschließend bewerten, ob die „Hockey Stick Kurve“ von Michael Mann wirklich so unangreifbar ist wie Stocker sie darstellt. Wir wollen daher im Folgenden einigen Punkten der Diskussion hier etwas genauer nachgehen.

Zunächst ist Fritz Vahrenholt an der Reihe und gibt einen Überblick zur Thematik. Das CO2 ist in der Tat in den letzten 150 Jahren angestiegen, und auch die Temperatur. Das ist unbestritten. Aber auch die Sonnenaktivität war in den letzten Jahrzehnten so hoch wie nur selten in den letzten 10.000 Jahren. Dies wird oft vergessen. Zudem modulieren Ozeanzyklen die langfristige Klimaentwicklung.

Ab Minute 8:44 (im Youtube-Video) kommt dann Thomas Stocker zu Wort. Er versucht mit einer alten Masche zu punkten, indem er auf hunderte und tausende von Wissenschaftlern verweist, die angeblich alle so wie er und der IPCC denken würden. Dies ist das mittlerweile reichlich abgenutzte Konsens-Argument. Stocker verschweigt dabei, dass unter diesen vielen Wissenschaftlern auch sehr viele sind, die einzelne Punkte des IPCC-Gedankengebäudes anfechten und wichtige Alternativszenarien vorschlagen. Andere Forscher wiederum publizieren ohne großes Aufsehen zu verursachen neue Ergebnisse, die so gar nicht in das IPCC-Modell passen wollen. Eben diesen Wissenschaftlern haben wir in unserem Buch „Die kalte Sonne“ eine Plattform verschafft und berichten zudem hier in diesem Blog regelmäßig über entsprechende neue Publikationen. Anstatt diese Ergebnisse zu ignorieren bzw. in den numerischen Modellen einfach unberücksichtigt zu lassen, sollte der IPCC diese Ergebnisse ernst nehmen und eine ergebnisoffene Diskussion beginnen. Stocker übergeht all diese wichtigen Aspekte in seinem simplistischen Ansatz, der offensichtlich das alleinige Ziel verfolgt, die Komplexität der Materie und die vielen Fragezeichen unter den Wissenschaftlern der Öffentlichkeit gegenüber zu verschleiern.

Stocker geht in seinem kurzen anfänglichen Redebeitrag auf vier Hauptaspekte ein:

Erstens: Die CO2-Konzentration wäre heute so hoch wie noch nie  in den letzten 1 Millionen Jahren. Damit hat er Recht. Aber warum geht er nicht auf den wichtigen Punkt der CO2-Klimasensitivität ein? Die Hauptfrage ist doch, wie viel Erwärmung dieses zusätzliche CO2 bringt. Und hier schwanken die Meinungen unter den Experten noch immer massiv. Vieles deutet mittlerweile darauf hin, dass die Klimawirkung des CO2 stark überschätzt wurde, da natürliche Klimafaktoren zu wenig berücksichtigt wurden. Dazu von Stocker kein Wort. (weiterlesen …)